Editorial 02/2016

Aus LinuxUser 02/2016

Editorial 02/2016

Unterschätzt

Nicht zuletzt dank seiner quirligen Community ist Linux zu seinem 25. Geburtstag aus der IT nicht mehr wegzudenken. Einsteigern fällt aber oft der erste Kontakt mir der Szene schwer, unter anderem deshalb, weil ein verlässliches Verzeichnis der deutschsprachigen LUGs fehlt. Dem möchte Chefredakteur Jörg Luther abhelfen.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

für Linux-Anwender ist 2016 ein besonderes Jahr – nein, auch diesmal nicht dasjenige, in dem der Linux-Desktop die Weltherrschaft antritt. Immerhin feiert das freie Betriebssystem aber dieses Jahr seinen 25. Geburtstag.

Am 25. August 1991 ließ Linus Torvalds, damals Student an der Uni Helsinki, in der Usenet-Gruppe comp.os.minix wissen, er entwickle “ein (freies) Betriebssystem (nur als Hobby, wird nichts Großes und Professionelles wie GNU) für 386(486)-AT-Klone”. Im September desselben Jahres folgten dann die ersten Veröffentlichungen des Codes auf einem FTP-Server. Dessen Administrator Ari Lemmke missfiel Gott sei Dank der von Torvalds für das neue OS angepeilte Name “Freax”, er stellte die Quellen deshalb (zum großen Missfallen von Torvalds) in ein Verzeichnis namens linux – danke, Ari!

“Nichts Großes und Professionelles” – wie man sich doch täuschen kann. Ein Vierteljahrhundert später zählt Linux zu den festen Größen der IT-Industrie, läuft auf Systemen vom winzigen Einplatinenrechner bis hin zum Supercomputer und kommt nicht nur bei Computerenthusiasten rund um den Globus zum Einsatz, sondern auch bei fast 80 Prozent aller Unternehmen sowie immer verbreiteter auch bei der öffentlichen Hand (siehe Report ab Seite 10 in dieser Ausgabe). Dieser fantastische Erfolg ist nicht zuletzt der quirligen Community zu verdanken, vom ambitionierten Privatanwender über Entwickler, Paketierer und Maintainer aus den Distributionsprojekten bis hin zum Kernel-Team mit Linus selbst und seinen “Lieutenants”.

Diese Community bietet auch einen wichtigen Anlaufpunkt für Linux-Interessenten, in Form einer oft übersehenen und weit unterschätzten Organisationsform: der Linux User Groups oder kurz LUGs. Zwar fällt der Einstieg in Linux heute um Größenordnungen einfacher aus als vor zwei Jahrzehnten oder selbst noch zehn Jahren. Die Möglichkeit zur Kommunikation mit erfahreneren Anwendern, die einem mit dem ein oder anderen Tipp eine mühselige Recherche ersparen, senkt aber trotzdem die Hemmschwelle und vermittelt das beruhigende Gefühl, nicht alleine dazustehen. Alles schön und gut, gäbe es da nicht einen kleinen Haken: Man muss erst einmal eine LUG in erreichbarer Nähe finden.

Alle derzeit verfügbaren LUG-Verzeichnisse – inklusive dem von uns gepflegten unter http://www.linux-user.de/LUG – kranken allerdings an mangelnder Aktualität. Das liegt daran, dass sie sich nur reaktiv pflegen lassen, also auf laufenden Input von draußen angewiesen sind. Die Maintainer solcher Verzeichnisse bekommen Änderungen nur dann mit, wenn jemand sie ihnen mitteilt – oder ein verzweifelter Interessent darauf hinweist, dass er keinen Kontakt aufnehmen kann, was leider allzu oft der Fall ist.

Das ist kein haltbarer Zustand, schon gar nicht im Jahr 25 nach Linux. Deswegen habe ich mir als guten Vorsatz für 2016 vorgenommen, als Fleißarbeit alle erreichbaren Informationen über die LUGs im deutschen Sprachraum zu sammeln und zu einem Verzeichnis zu kompilieren. Das soll dann nicht nur über die LUG-Page auf unserer Webseite zur Verfügung stehen, sondern auch als regelmäßig aktualisierte, herunterladbare Datei unter CC-Lizenz, mit der andere gegebenenfalls weiterarbeiten können. Dazu möchte ich Sie um Ihre Mithilfe bitten.

Bitte lassen Sie mir alle Informationen über LUGs zukommen, die Sie kennen – seien es nun aktive oder nicht mehr bestehende. Wie heißt die LUG, wie kürzt sie sich ab, und an welchem Ort oder in welcher Region arbeitet sie? Wo treffen sich die Mitglieder, und in welcher Frequenz? Welche URL hat die Website der LUG, und gibt es eine E-Mail-Adresse für Kontakte? Idealerweise können Sie mir auch noch einen Ansprechpartner samt E-Mail und Postanschrift nennen, den ich dann gegebenenfalls zu Aktualisierungszwecken ansprechen kann. Ich freue mich schon auf Ihre Zuschriften an jluther@linux-user.de – bitte mit dem Wort “Usergroup” im Betreff, damit ich das Ganze neben der Tagespost vorsortieren kann.

Mit herzlichen Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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