Vier E-Book-Reader mit Linux im Test

Aus LinuxUser 10/2015

Vier E-Book-Reader mit Linux im Test

© Sergey Novikov, 123RF

Leseratten

E-Book-Reader erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Damit Sie im unüberschaubaren Angebot das richtige Gerät finden, stellen wir vier aktuelle Linux-Modelle vor.

Nicht nur vor dem Weihnachtsfest denkt so mancher Anwender daran, sich einen E-Book-Reader zu kaufen. Doch die Übersicht auf dem Markt fällt zunehmend schwerer: Neben einfachen Geräten gibt es Reader mit WLAN oder mit beleuchtbarem Display, die Auflösungen ebenso wie die Display-Größen variieren und auch unter der Haube gibt es immer mehr Alternativen. Neben Linux, das man bei Geräten aller Leistungsklassen findet, buhlen vermehrt Reader mit Android oder proprietären Betriebssystemen um die Gunst der Käufer. Doch damit nicht genug: Auch die Vielfalt an unterschiedlichen Formaten erschwert die Auswahl. Daher empfiehlt es sich, vor dem Kauf eines Lesegeräts genau zu prüfen, ob es die gestellten Anforderungen auch erfüllt.

Dreistigkeiten

Nirgendwo versuchen Hersteller und Anbieter derart dreist, Käufer in ihren Freiheiten einzuschränken und an sich zu binden, wie im Markt der E-Book-Reader. Die Palette an Gängelungen erstreckt sich von Zwangsregistrierungen, ohne die sich ein neues Gerät nicht in Betrieb nehmen lässt, über fest vorinstallierte Buchshops, die den Kunden auf ein Angebot festlegen sollen, bis hin zu Readern, die nur ganz bestimmte Formate unterstützen. Die proprietären Formate schränken die Freiheit des Käufers oft derart ein, dass er beispielsweise keine E-Books aus öffentlichen Bibliotheken ausleihen und auf den betroffenen Lesegeräten nutzen kann.

Auch wenn es darum geht, Leser auf einen bestimmten Buchshop festzulegen, agieren manche Hersteller ohne Skrupel. Kaufen Nutzer ihre E-Books beim “falschen” Anbieter, funktionieren oft Komfortfunktionen wie Textmarkierungen und Lesezeichen nicht mehr. Obendrein setzen viele große Verlage und Buchhandelsketten auf sogenanntes hartes DRM: Das verhindert mithilfe der Software Adobe Digital Editions das Erstellen von Kopien, setzt unter Linux jedoch den Windows-Emulator Wine voraus. Zudem wurde im Jahr 2014 publik, dass der US-Hersteller Adobe mithilfe seiner Software zeitweilig die arglosen Käufer von E-Books ausspionierte [1].

Es empfiehlt sich daher, möglichst nach Angeboten mit “weichem” DRM Ausschau zu halten, das E-Books durch integrierte digitale Wasserzeichen gegen missbräuchliche Nutzung zulasten der Urheber schützt. Obendrein finden sich auch viele Werke der klassischen Weltliteratur, die inzwischen frei von Urheberrechten vorliegen, im Internet. Sie lassen sich in aller Regel kostenfrei aus dem Netz laden [2].

Testkriterien

Für unseren Test suchten wir nach aktuellen E-Book-Readern, die mit Linux arbeiten und obendrein mehrere gängige Dateiformate unterstützen. Als KO-Kriterium betrachteten wir eine feste Verdrahtung des herstellereigenen Buchshops und den Ausschluss alternativer E-Book-Quellen. Entsprechende Geräte fielen ebenso als Testkandidat durch wie solche, die eine Zwangsregistrierung vor Inbetriebnahme voraussetzen.

Im Praxistest mussten sich die verbliebenen Kandidaten dann in den Punkten Display-Auflösung, Darstellungsqualität, ergonomische Bedienerführung, Kompatibilität zur freien Standardsoftware Calibre sowie Verarbeitungsqualität und allgemeiner Handhabung im Zusammenspiel mit dem Computer beweisen.

PocketBook Touch Lux 3

Der brandneue E-Book-Reader Touch Lux 3 [3] des schweizer Herstellers PocketBook kostet rund 110 Euro und kommt in einem unauffälligen kleinen Karton, der neben dem Lesegerät noch ein USB-Kabel sowie zwei Heftchen mit einer Kurzanleitung und einer Garantieerklärung beherbergt. Die Schnellanleitung umfasst rund 30 Sprachen, davon zwei in Deutsch. Ein zusätzlicher Flyer enthält eine Kurzfassung der GNU GPL sowie den Hinweis, dass interessierte Anwender den kompletten Quellcode der Reader-Software gegen Zahlung einer Bearbeitungsgebühr bei PocketBook in Lugano anfordern können.

Der Reader selbst besitzt ein auf der Rückseite leicht gummiertes und daher sehr griffiges Kunststoffgehäuse, das angenehm in der Hand liegt. Frontseitig finden sich unterhalb des Displays vier Steuertasten, während die Unterseite lediglich den Ein/Aus-Schalter, einen Speicherkartenslot für MicroSD-Karten (max. 32 GByte) und einen Micro-USB-Anschluss beherbergt. Das kapazitive Display des Touch Lux 3 ist matt beschichtet, sodass selbst von hinten einfallendes Sonnenlicht keinen störenden Spiegeleffekt hervorruft. An der Verarbeitung des Geräts gibt es nichts auszusetzen.

Der Touch Lux 3 kommt mit aktueller Technik: Im Inneren werkelt ein mit 1 GHz getakteter Prozessor, dem 256 MByte Arbeitsspeicher und ein Festspeicher von 4 GByte zur Seite stehen. Als Betriebssystem kommt ein modifiziertes Linux mit Kernel 3.0.35 zum Einsatz. Das 6-Zoll-Display zeigt die E-Book-Inhalte mit einer Auflösung von 758 x 1024 Bildpunkten an. Das berührungssensitive, beleuchtbare Display basiert auf der neuen E-Ink-Carta-Technologie [4], die gegenüber dem Vorgänger E-Ink-Pearl einen besseren Kontrast bieten soll. Zusätzlich verfügt der Touch Lux 3 über WLAN nach IEEE 802.11b/g/n. Der eingebaute Lithium-Polymer-Akku bietet eine Kapazität von 1500 mAh und wird über den Micro-USB-Anschluss aufgeladen. Das Gerät liest die Formate EPUB, PDF, FB2, FB2.ZIP, TXT, DJVU, HTML, DOC, DOCX, RTF, CHM, TCR sowie PRC und stellt die Bildformate BMP, JPEG, PNG sowie TIFF dar (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Hauptmenü des PocketBook Touch Lux 3.

Abbildung 1: Das Hauptmenü des PocketBook Touch Lux 3.

Menüführung

Der Touch Lux 3 zeigt eine durchdachte Menüführung. Das Hauptmenü rufen Sie über die rechte Drucktaste unterhalb des Displays auf, die weitere Navigation innerhalb der Menüstruktur erfolgt ausschließlich über den berührungssensitiven Bildschirm. Der reagiert zügig und exakt. Indem Sie die Menütaste etwa eine Sekunde lang gedrückt halten, schalten Sie außerdem die Display-Beleuchtung ein und aus. Alle modifizierten Einstellungen übernimmt das Gerät sofort, ohne dass Sie diese gesondert speichern müssen. Dadurch fällt das zügige Arbeiten mit dem Reader sehr leicht.

Für Texteingaben blendet der Touch Lux 3 eine Tastatur ins Display ein. Bedingt durch die hohe Auflösung des Geräts geraten die einzelnen Tasten jedoch etwas klein, sodass bei der Eingabe von Ziffern und Zeichen ein erhöhtes Fehlerrisiko besteht. Zusätzlich lassen sich über das Menü verschiedene Schriften einstellen, wobei 26 Schriften und die Verlegerschrift zur Verfügung stehen. Per Fingergeste verändern Sie die Schriftgröße am Gerät.

Im Test verbindet sich der PocketBook Touch Lux 3 problemlos mit einem nach dem WPA2-Standard verschlüsselten WLAN. Das Gerät bietet anschließend auch einen Webbrowser, der allerdings im Hochformat arbeitet und sich daher nicht für ausgiebiges Surfen im Internet eignet. Außerdem können Sie bei aktiviertem WLAN auch Cloud-Dienste in Anspruch nehmen und Firmware-Updates für das Gerät beziehen. Sollten Sie mit dem Touch Lux 3 keine Dienste in Anspruch nehmen wollen, die eine WLAN-Anbindung benötigen, so empfiehlt es sich, das WLAN auszuschalten, da ansonsten die Akkulaufzeit des Readers signifikant sinkt.

Im Startbildschirm findet sich der Knopf Shop, der Sie zum Buchshop der PocketBook Readers GmbH in Radebeul leitet. Zwar lässt sich der Shop auf dem Reader nicht deaktivierten, es besteht jedoch kein Zwang, dort einzukaufen: Mithilfe des Webbrowsers greifen Sie auf jeden anderen Online-Buchhändler zu. Im vorinstallierten Buchshop des Touch Lux 3 erworbene Bücher laden Sie mit der integrierten PocketBook-Sync-App auf den Reader. Bücher aus anderen Shops transferieren Sie über die vorinstallierte Cloud-App.

Der Touch Lux 3 listet nach einem Tippen auf den Button Bibliothek im Startfenster die installierten Bücher auf, wobei die Anzeige die Titel zunächst alphabetisch sortiert. Durch Tippen auf die Menüpunkte ALLE BÜCHER UND NACH TITEL lassen Sie sich die Bücher etwa nach Genre oder Autor geordnet anzeigen. Eine integrierte Suchfunktion erleichtert dabei gerade bei großen Bibliotheksbeständen die Suche nach einem bestimmten Schlüsselbegriff. Innerhalb der Listen scrollen Sie berührungssensitiv durch den Bestand, wobei sich das Bild ohne spürbare Latenzen aufbaut.

Verspielt

Der Touch Lux 3 bietet über die Funktionalität als E-Book-Reader hinaus noch einige Sonderfunktionen: So finden Sie beispielsweise gleich mehrere Spiele, darunter Klondike, Schach und Scribble. Zusätzlich gibt es einen RSS-Newsreader, eine Taschenrechner-App sowie ein Wörterbuch. Hierbei handelt es sich um ein englisch-deutsches Wörterbuch des russischen Anbieters Abbyy Lingvo. Diese Zusatzprogramme erreichen Sie ebenso wie die Cloud- und Synchronisationsdienste, indem Sie im Hauptfenster des Readers unten mittig auf die zwei kleinen Linien tippen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der PocketBook-Reader bietet erheblich mehr Software als herkömmliche Lesegeräte.

Abbildung 2: Der PocketBook-Reader bietet erheblich mehr Software als herkömmliche Lesegeräte.

Calibre erkennt den Touch Lux 3 noch nicht nativ. Sie müssen den Reader im Einstellungsdialog als Generic-Reader definieren. Sobald Sie dann den Touch Lux 3 über das mitgelieferte USB-Kabel mit dem Host-Computer verbinden, möchte das Gerät wissen, ob es lediglich den Akku laden oder als Massenspeicher fungieren soll.

Wählen Sie hier die Option PC-Anschluss, blendet die Software einen entsprechenden Hinweis auf dem Display ein, und das Linux-System erkennt den Reader als Wechseldatenträger Pocket626. Während das Gerät am Rechner hängt, lassen sich die vier Tasten des PocketBook-Lesers nicht bedienen. Die Sperre löst sich erst mit dem Abziehen des USB-Kabels vom Computer. Calibre bindet den Reader mit den entsprechenden Einstellungen automatisch ein und ermöglicht eine bequeme Bibliotheksverwaltung. Der Touch Lux 3 reagiert beim Hochladen von Büchern sehr zügig.

TrekStor Pyrus 2

Der bereits seit längerer Zeit für 65 Euro im Handel erhältliche E-Book-Reader Pyrus 2 [5] des deutschen Herstellers TrekStor weist wie der Vorgänger ein 6-Zoll-Display mit einer Auflösung von 600 x 800 Punkten auf. Während das ältere Modell ein Digital-Ink-Display besaß, bietet der Pyrus 2 einen Pearl-Bildschirm des Unternehmens E-Ink [6] samt einer zuschaltbaren LED-Beleuchtung. Damit eignet er sich zum Lesen in dunklen Umgebungen, wobei sich die Helligkeit der Hintergrundbeleuchtung variabel in zehn Stufen einstellen lässt. Zusätzlich bietet das Pearl-Display im direkten Vergleich mit dem Digital-Ink-Bildschirm des Vorgängers einen etwas besseren Kontrast. Der Pyrus 2 besitzt wie die meisten E-Book-Reader der Einstiegsklasse 2 GByte internen Speicherplatz, wobei sich dieser über den MicroSD-Einschub um bis zu 32 GByte aufrüsten lässt.

Die äußeren Abmessungen und das Gewicht des Pyrus 2 unterscheiden sich kaum von jenen des Vorgängers, die Software hat TrekStor jedoch deutlich weiterentwickelt. Der Eingangsbildschirm wirkt dank besserer Strukturierung in zwei Spalten übersichtlicher. Eine Icon-Leiste am unteren Bildschirmrand bietet außerdem schnellen Zugriff auf die wichtigsten Funktionen. Der Pyrus 2 bringt zudem eine eigene Bedienphilosophie mit: Alle Steuertasten befinden sich nun auf der Frontseite unterhalb des Displays, was das bequeme Bedienen ermöglicht. Die beim Vorgänger seitlich angebrachten Drucktasten zum Vor- und Zurückblättern um jeweils eine Seite fielen dem Rotstift zum Opfer. Ins Auge sticht die exzellente Verarbeitung des Geräts, die alle anderen Probanden in den Schatten stellt.

Bei ungünstigen Lichtverhältnissen schalten Sie die LED-Beleuchtung hinzu, indem Sie die mittig im Tastenkreuz angebrachte Taste rund drei Sekunden lang gedrückt halten. In gleicher Weise deaktivieren Sie die Beleuchtung auch wieder. Im Test fiel die LED-Beleuchtung sehr gleichmäßig aus und zeigte lediglich am unteren Rand kaum wahrnehmbare Lichthöfe, sodass keine störenden Helligkeitsunterschiede beim Lesen auftraten. Der Pyrus 2 bietet keine alternativen Schriften zur Darstellung der Inhalte an, in den meisten Formaten lässt sich die Schriftgröße jedoch in sechs Schritten verändern. Dies geschieht im laufenden Betrieb, indem Sie die ganz rechts gelegene Taste etwa drei Sekunden lang drücken. Der Reader blendet daraufhin das Schriftmenü ein, in dem Sie die gewünschte Anpassung vornehmen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der Pyrus 2 (rechts) bietet eine sehr gute Beleuchtung des Displays bei ungünstigen Umgebungsbedingungen.

Abbildung 3: Der Pyrus 2 (rechts) bietet eine sehr gute Beleuchtung des Displays bei ungünstigen Umgebungsbedingungen.

Formatvielfalt

Wie alle anderen E-Book-Reader in unserem Test müssen Sie den Pyrus 2 nicht zwangsweise registrieren. Außerdem weist er keinen vorinstallierten Buchshop auf. Damit bleiben Sie von diversen Restriktionen verschont, die damit einhergehen. Der Pyrus 2 beherrscht den Umgang mit einer großen Anzahl von Dateiformaten: So können Sie mit dem Reader Texte in den Formaten EPUB, PDF, TXT, FB2, RTF, PDB und HTML sowie die Bildformate JPEG, BMP, PNG und GIF laden und betrachten. Aufgrund der Kompatibilität zu Adobe Digital Editions lassen sich auch kopiergeschützte Bücher aus unterschiedlichen Buchshops betrachten sowie Werke, die aus der Online-Leihe öffentlicher Bibliotheken stammen.

Anders als der PocketBook Touch Lux 3 besitzt der TrekStor Pyrus 2 kein WLAN-Modul. Daher können Sie mit ihm nicht im Internet surfen und keine Synchronisierungs- und Cloud-Dienste via WLAN nutzen. E-Books müssen Sie per USB-Kabel vom Host-Computer an den Reader übertragen, wobei eine Synchronisation mit lokal auf dem Computer abgespeicherten Inhalten unter Linux sowohl mit Calibre als auch mithilfe des Wine-Emulators mit Adobe Digital Editions oder der von TrekStor mitgelieferten Windows-Anwendung eReader Suite erfolgt.

TrekStor gibt dem Pyrus 2 eine einfach gehaltene Software ohne überflüssigen Ballast mit auf den Weg: Der TrekStor-Reader bietet keine Spiele oder Tools wie einen Taschenrechner. Die eigentliche Reader-Software bietet Verbesserungspotenzial: So finden Sie keine Auswahl an Schriftarten auf dem Gerät vor, und auch das Anlegen mehrerer Bücherregale zum Sortieren des Bücherbestands fehlt beim Pyrus 2.

Dafür entschädigt der Reader mit einer recht flinken Arbeitsweise. Das Umblättern der Seiten geschieht fixer als bei den Mitbewerbern, und auch die Anzeige von PDF-Dateien mit vielen Grafiken bewältigt der Pyrus 2 schneller als mancher Konkurrent. Im direkten Vergleich mit dem PocketBook Touch Lux 3 fiel uns zudem bei eingeschalteter LED-Beleuchtung und etwa gleich eingestellter Helligkeit auf, dass der Pyrus 2 ein subjektiv kontrastreicheres Bild zeigt als das modernere und höher auflösende Carta-Display des Touch Lux 3 (Abbildung 4).

Abbildung 4: Der Pyrus 2 bietet ein sehr einfach gehaltenes Einstellungsmenü.

Abbildung 4: Der Pyrus 2 bietet ein sehr einfach gehaltenes Einstellungsmenü.

Calibre erkennt den Pyrus 2 ebenso wie seinen Vorgänger als TrekStor, der Reader und die freie Software kooperieren ohne Probleme. Im Vergleich zu den anderen Geräten fällt auf, dass der Pyrus 2 ohne Rückfrage auf dem Display als Massenspeicher arbeitet, sobald Sie das Gerät an den Rechner anstecken. Dadurch entfällt am Reader die lästige Bestätigungsabfrage für die Verbindungsaufnahme. Hängen Sie den Pyrus 2 während der Sitzung per Unmount vom System ab, dann schaltet er automatisch in den Lademodus um.

ImCoSys ImcoB6TW

Als absoluter Preisbrecher erreicht uns der 6-Zoll-Reader ImcoB6TW des schweizer Herstellers ImCoSys [7], der im Handel vereinzelt schon ab 45 Euro zu haben ist. Überraschenderweise bedingt der Kampfpreis keine Abstriche bei der Verarbeitungsqualität des Geräts oder der Technik: Auch der ImCoSys-Reader bietet ein E-Ink-Display mit 600 x 800 Punkten Auflösung und 16 Graustufen, 4 GByte Flash-Speicher nehmen mehrere Tausend Bücher im EPUB-Format auf, und selbst den MicroSD-Kartenslot hat der Hersteller nicht eingespart. Der ImcoB6TW lässt sich wie die Mitbewerber mit Speicherkarten bis 32 GByte Kapazität bestücken.

Das ordentlich verarbeitete Kunststoffgehäuse liegt angenehm in der Hand. Ungewöhnlich wirkt lediglich die Anordnung einiger Bedienelemente: Der Ein/Ausschalter und der Micro-USB-Anschluss befinden sich an der Oberseite des Geräts. Zusätzlich gibt es hier auch noch eine Klinkenbuchse zum Anschluss eines Kopfhörers. Der Einschub für die MicroSD-Karte versteckt sich unter einer Gummiklappe oben links an der Rückseite des Readers.

Sie bedienen den ImcoB6TW sowohl über Tasten als auch über den integrierten Touch-Bildschirm. Das Gerät verfügt über vier Einzeltasten unterhalb des Displays und zwei Tastenwippen rechts und links des Bildschirms, die zum Vor- und Zurückblättern dienen. Ein Tastenkreuz mittig unter dem Bildschirm gestattet das Navigieren in den Menüs. Hier fällt die Ähnlichkeit zur Tastenanordnung des älteren TrekStor-Pyrus-Readers auf; selbst die Tastenbelegung stimmt mit der des Pyrus-Lesegeräts weitestgehend überein.

Die optisch ansprechend gestaltete Menüführung wirkt durchdacht. Aus dem Hauptmenü, das nach dem Einschalten erscheint, erreichen Sie direkt die einzelnen Optionen. Wie der PocketBook Touch Lux 3 bietet auch das ImCoSys-Gerät mehrere Schriftarten und Schriftgrößen. Zusätzlich beinhaltet die Software des Readers einen Webbrowser und mehrere Wörterbücher in unterschiedlichen Sprachen. Newsreader, Taschenrechner oder andere Gimmicks wie Spiele fehlen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Das Menü des ImCoSys ImcoB6TW.

Abbildung 5: Das Menü des ImCoSys ImcoB6TW.

Die Netzanbindung per WLAN realisierten die Entwickler beim ImcoB6TW besonders ausgeklügelt: Da die WLAN-Hardware bei E-Book-Readern generell als einer der größten Energiefresser gilt und daher die Akkulaufzeit deutlich verkürzt, aktiviert der ImcoB6TW den drahtlosen Netzwerkzugang beim Hochfahren nicht automatisch. Erst beim Öffnen des Webbrowsers schaltet der Reader den WLAN-Zugang scharf und fragt nach, mit welchem WLAN sich das Gerät verbinden soll. Beim Schließen des Browsers möchte das System dann von Ihnen wissen, ob das WLAN weiterhin eingeschaltet bleiben soll. Der als offenes Gerät beworbene ImCoSys-Reader verfügt nicht über einen eingebauten Buchshop. E-Books laden Sie entweder mithilfe des integrierten Webbrowsers oder über einen per USB-Kabel angeschlossenen PC mit Calibre oder Adobe Digital Editions auf das Gerät.

Über die Menütaste unten links neben dem Tastenkreuz am Reader öffnen Sie beim Lesen ein kontextsensitives Menü, das sämtliche wichtigen Optionen auf einen Blick zugänglich macht. Hier erscheint auch ein Eintrag Musik-Player, über den Sie Hörbücher oder Musikdateien abspielen. Auch hier realisierten die Entwickler wieder pfiffige Ideen: Starten Sie den Musikplayer, so prüft der zunächst, ob überhaupt ein Kopfhörer an den Reader angeschlossen ist – falls nicht, startet der Audio-Player gar nicht erst.

Die Steuerung des Musikplayers erfolgt über das Tastenkreuz unterhalb des Bildschirms, wobei die Applikation sowohl patentbehaftete MP3-Dateien als auch solche im freien OGG-Format abspielt. Einen guten Kopfhörer vorausgesetzt, liefert die Abspielsoftware einen durchaus ausgewogenen Klang. Musikdateien, die Sie vom Computer auf den Reader überspielen, legen Sie dabei im Verzeichnis Music auf dem Gerät ab.

Linux

Der ImCoSys-Reader sticht durch konsequentes Nutzen freier Software ins Auge: So kommt hier nicht nur ein Embedded Linux samt Busybox als Betriebssystem zum Einsatz. Der Reader stellt Ihnen außerdem frei, ob Sie EPUBs mit der mobilen Variante des Adobe Readers lesen wollen oder lieber im freien FBReader. Die zahlreich mitgelieferten Wörterbücher kommen komplett aus dem Fundus des Freedict-Projekts, praktisch alle Formatbibliotheken für die Anzeige von Bildern sowie sämtliche Schriftarten entstammen freien Projekten. Beim Abspielen von Hörbüchern oder Musik kommt der freie MPEG-Audio-Decoder MAD zum Einsatz. Alle Softwarequellen haben die Entwickler vorbildlich dokumentiert.

Der ImcoB6TW entpuppt sich zudem als echtes Formatwunder: Er öffnet Dateien in den Formaten EPUB, EPUB2, EPUB3, PDF, FB2, MOBI, TXT, RTF, HTML, HTM, CHM, DOC, DOCX, XLS/XLSL, PPT/PPTX, PDB, DJVU, DJV, ZIP, RAR, 7ZIP, OGG, MP3, WAV und WMA. Außerdem zeigt er Bilder und Grafiken in den Formaten PNG, BMP und JPG an.

Calibre

Calibre erkennt den ImcoB6TW unter der merkwürdigen Bezeichnung Android phone. Das Verwalten der E-Books mit Calibre gelingt zunächst nicht ohne Tücken: So landen etwa alle an den ImCoSys-Reader gesendeten E-Books in einem neuen Unterverzeichnis eBooks/import/, sodass der Reader sie erst einmal gar nicht in seiner Menüauswahl aufführt. Dazu müssen Sie die E-Books entweder aus dem Import-Verzeichnis in das Verzeichnis Documents verschieben, wo die Software die Bücher erwartet, oder besser noch vor dem Transfer der Dateien in Calibre den Datenpfad für den Reader im Dialog Gerät | Dieses Gerät konfigurieren anpassen (Abbildung 6).

Abbildung 6: Die Pfadangaben für den ImCoSys-Reader müssen Sie manuell anpassen.

Abbildung 6: Die Pfadangaben für den ImCoSys-Reader müssen Sie manuell anpassen.

Hier setzen Sie am besten auch gleich den Pfad zu einer eingesetzten SD-Speicherkarte. Der Reader selbst fragt nach dem Anschluss an den PC mithilfe eines USB-Kabels an, ob er eine Verbindung aufbauen soll. Falls Sie diese Frage verneinen, arbeitet das Gerät autonom. Datenübertragungen oder Einsichtnahme in die vorhandenen Bibliotheken vom Computer gelingen dann nicht.

Der ImcoB6TW fiel im Praxistest insbesondere bei größeren Buchbeständen durch eine zunehmend gemächliche Arbeitsweise auf. Zwar bootet er zügig und erlaubt schnelles Navigieren in den Menüs, aber beim Laden umfangreicher Bücher stockte zeitweilig die Anzeige beim Seitenwechsel gleich über mehrere Sekunden hinweg, sodass wir zunächst sogar einen Hardware-Schaden befürchteten.

Nach eingehender Betrachtung stellte sich jedoch als Ursache das Verhalten der Software beim Laden der Dateien heraus: Der Reader formatiert dabei die gesamte Datei gemäß der vom Anwender eingestellten Schriftgröße. Währenddessen gerät die CPU offenbar deutlich an ihre Leistungsgrenze, sodass der Reader dann auf weitere Eingaben nur mehr sehr zögerlich reagiert.

Bookeen Cybook Muse Essential

Als letzter Kandidat für unseren Vergleichstest trifft bei uns der Bookeen Cybook Muse Essential [8] in einem winzigen Karton ein. Nach dem Öffnen stellen wir fest, dass der für rund 90 Euro erhältliche Reader tatsächlich erheblich kleiner ausfällt als die drei Mitbewerber. Der Verzicht auf einen Tastenblock unterhalb des Displays macht diese kompakten Maße möglich. Die Steuerung des Readers erfolgt über nur drei Tasten: eine links und eine rechts vom Display sowie eine dritte unterhalb des Bildschirms (Abbildung 7).

Abbildung 7: Der Bookeen (rechts) ist im Vergleich zu den anderen Readern ein Winzling.

Abbildung 7: Der Bookeen (rechts) ist im Vergleich zu den anderen Readern ein Winzling.

Doch das Gerät sticht auch durch ein besonders kantiges Design und – als einziges Modell im Test – durch ein Edge-to-Edge-Display hervor. Dadurch weist die Frontseite keinen Rand auf, sondern besteht aus einer ebenen Fläche. Obwohl der Cybook Muse Essential nicht über LED-Beleuchtung verfügt, erweist er sich in allen anderen Disziplinen auf dem aktuellen Stand: Das berührungssensitive E-Ink-Carta-Display protzt etwa mit einer Auflösung von 758 x 1024 Punkten.

Die Hardware-Ausstattung entspricht dabei weitgehend derjenigen der Mitbewerber: Als CPU kommt ein mit 1 GHz getakteter Cortex-A8-Prozessor zum Einsatz, dem 4 GByte Festspeicher zur Seite stehen. Das WLAN-Modul funkt nach den Standards 802.11b/g/n. Der MicroSD-Kartenslot nimmt SDHC-Speicherkarten mit einer Größe von bis zu 32 GByte auf. Der Lithium-Polymer-Akku mit einer Kapazität von 1900 mAh sorgt für ein ausreichend langes Lesevergnügen.

An Formaten unterstützt der Cybook Muse Essential EPUB, PDF, HTML, TXT, FB2 und DJVU sowie bei Bild- und Grafikdateien JPEG, PNG, GIF, BMP, ICO, TIFF und PSD. Den Bookeen-Reader befüllen Sie am einfachsten über den gleichnamigen Buchshop, müssen diesen jedoch nicht zwangsweise nutzen. E-Books beziehen Sie bei Bedarf auch über andere Bookshops, die sich über den WebKit-basierten Browser aufrufen lassen. Außerdem liefert Bookeen auf dem Reader bereits mehr als 130 Bücher der klassischen Weltliteratur in unterschiedlichen Sprachen mit, die aufgrund ihres Alters keinem Urheberrecht mehr unterliegen.

Das Bedienkonzept des Bookeen-Readers weicht von dem anderer Probanden ab: Die unterhalb des Displays angeordnete Taste öffnet ein kontextsensitives Menü, in dem Sie ausschließlich über die Touch-Funktion des Bildschirms navigieren. Die beiden seitlich angebrachten Tasten dienen nur zum Vor- und Zurückblättern. Aus dem Hauptmenü heraus erreichen Sie die vier Untermenüs Startseite, Bibliothek, Shop und den jeweils kontextsensitiven Dialog Menü. Darin modifizieren Sie – auch bei geöffnetem E-Book – über den Eintrag Texteinstellungen Art und Größe der Schrift sowie das Layout der Anzeige (Abbildung 8).

Abbildung 8: Das Schriftenmenü des Bookeen-Readers.

Abbildung 8: Das Schriftenmenü des Bookeen-Readers.

Die Menüs des Bookeen-Readers weisen jedoch einige kleinere orthografische Schwächen auf. Zudem hat der Hersteller sie teilweise auch nur unvollständig in die deutsche Sprache lokalisiert. Völlig unpraktikabel erscheint der Ausschaltmechanismus: Der Cybook Muse Essential lässt sich als einziges Gerät im Test nicht über den an der Vorderseite angebrachten Einschalter abschalten, sondern nur über den Aufruf des Befehls Ausschalten aus dem Dialog Menü | Erweitert, den Sie zudem noch extra bestätigen müssen. Das Drücken des Einschalters versetzt das Gerät lediglich in einen Ruhezustand, der jedoch immerhin den Energieverbrauch minimiert.

Arbeitstempo

Ähnlich wie der ImCoSys-Reader zeigte auch das Bookeen-Gerät beim Laden größerer Dokumente und einigen Touch-Befehlen eine etwas träge Reaktion. Beim Bookeen führte dies mit der bei Redaktionsschluss erhältlichen Firmware teilweise dazu, dass wir die Symbole im Display zweimal antippen mussten, um die gewünschte Funktion auszuführen. Beim Lesen großer Dokumente im EPUB-Format hingegen erwies sich der Cybook Muse Essential ähnlich schnell wie der Pyrus 2.

Calibre erkennt den Bookeen-Reader auch in den neuen Versionen von Calibre nicht nativ. Stattdessen bindet die Software den französischen Reader als Generic-Gerät ein. Da der Cybook Muse Essential von den 4 GByte Flash-Speicher nur 2,4 GByte als verfügbar anzeigt, empfiehlt es sich, zunächst zu überprüfen, ob Sie sich wirklich für alle der mehr als 100 Werke der klassischen Belletristik interessieren, die Bookeen auf dem Gerät vorinstalliert. Nicht benötigte Dateien können Sie bequem in Calibre archivieren und vom Reader löschen.

Fazit

Gravierende Schwächen weist keines der vier Testgeräte auf. Im Vergleich zu Modellen früherer Jahre erreicht die Verarbeitungsqualität ein durchweg hervorragendes Niveau. Deutlichere Unterschiede ergeben sich nur noch in der Ausstattung und dem ausgeschriebenen Preis. Für kostenbewusste Anwender, die viele Funktionen für wenig Geld suchen, stellt der ImCoSys ImcoB6TW die erste Wahl dar. Ebenfalls preisbewusste Leser, die ein Gerät ausschließlich für die E-Book-Lektüre suchen und keinen Wert auf Zusatzfunktionen legen, können getrost zum TrekStor Pyrus 2 greifen. Anspruchsvolle Kunden, die ein elegantes Gerät mit überdurchschnittlicher Darstellungsqualität suchen, werden beim Bookeen Cybook Muse Essential fündig. Bevorzugen Sie modernste Technik bei gleichzeitig sehr guter Hardware-Ausstattung, sollten Sie sich den PocketBook Touch Lux 3 ansehen. 

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