Windows 10 – der Linux-Killer?

Aus LinuxUser 03/2015

Windows 10 – der Linux-Killer?

Reality Check

Windows 10 verteilt Microsoft demnächst kostenlos. Allerdings ist das “neue” Windows auch umsonst, meint Chefredakteur Jörg Luther.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Katze ist aus dem Sack: Windows 10 wird es als kostenloses Upgrade für alle geben, die bereits Lizenzen für Windows 7, Windows 8.1 und Windows Phone 8.1 besitzen. Und nicht nur das: Alle mit Windows 10 laufenden Geräte will Microsoft über die gesamte “unterstützte Lebensdauer des Geräts” mit Updates versorgen. Als “Windows as a Service” beschreibt Windows-Chef Terry Myerson dieses Konzept in einem Blog-Eintrag, und als neues Level des “Personal Computing”. [1]

Kaum wurde das neue Konzept publik, überschlugen sich auch schon etliche Kommentatoren aus dem Microsoft-Fan-Umfeld mit Jubelarien auf die Marktzuwächse, die das neue Prozedere Microsoft sicher bescheren werde – und Unkenrufen zum bevorstehenden Ende von Linux. Wer allerdings genauer hinsieht, stellt sich unweigerlich die Frage: Was hat sich eigentlich bei Microsoft Windows wirklich geändert? Prüfen wir das doch einmal kurz nach.

Dass Windows “kostenlos” ist, stellt keinerlei Neuerung dar, zumindest nicht aus Sicht von Joe User – für ihn war es es schon immer “gratis”: Schließlich kommt es vorinstalliert auf jedem PC, und man wird es selbst mit einer Fliegenklatsche nicht los: Es gibt keine verbindliche Möglichkeit der Rückgabe einer nicht erwünschten Windows-Lizenz gegen Erstattung; um wie viel teurer das unerwünschte Stück Software die Hardware macht, muss der Hersteller nicht ausweisen.

Liefert Microsoft jetzt einen Virenscanner mit, der alle Schädlinge zuverlässig abfängt? Nein. Gibt es Windows-Sicherheitupdates künftig zeitnah binnen Stunden wie bei Linux? Fehlanzeige, es bleibt beim monatlichen Patch-Day. Braucht man nicht mehr nach jedem zweiten Update langwierig den Rechner neu zu starten? Doch, alles beim Alten. Hat Microsoft das Betriebssystem vereinfacht, sodass jetzt wenigstens die Entwickler durchsteigen und nicht mehr multiple Patches für Patches nachschieben müssen? Darf man bezweifeln. Gibt es wenigstens tolle neue Killer-Apps? Ja, einen Sprachassistenten und eine Hologrammbrille. Hüstel.

So aufsehenerregend sich Microsofts Windows-10-Ankündigung also auf den ersten Blick anhört, so wenig Substanz steckt dahinter. Zudem richten immer mehr Anwender ihr Augenmerk auf Privacy, und da sieht es bei Microsoft genauso übel aus wie auch bisher schon: Mangels offengelegtem Quellcode kann auch weiterhin keine Community prüfen, wo Schwächen des Betriebssystems versteckt liegen, und die enge Kooperation des US-Konzerns Microsoft mit den US-Geheimdiensten ist ja notorisch.

Der tatsächliche Hintergrund von Microsofts Schritt liegt auf der Hand: Es geht nicht um Zugewinne, sondern darum, nicht noch mehr Marktanteile an die innovativere Betriebssystem-Konkurrenz wie Mac OS X, Android und – ja, auch das gehört dazu – Linux zu verlieren [2]. Wie der britische Kollege Glyn Moody bei Computerworld UK spitzzüngig kommentierte: “It’s Windows 10 because it’s 10 years behind Open Source” [3]. Dieser scharfsinnigen Analyse kann man kaum noch etwas hinzufügen.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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1 Kommentar
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detlef
11 Jahre her

Also ich kann mir nicht vorstellen, selbst wen Das OS umsonst währe, wieder von Linux zurück nach Windows zu wechseln, schließlich weiß ich ja warum mein Weg zu Linux führte! (Zwangsaktivierung, Hohe anforderungen an die Hadware, nicht Quelloffen, keine Comiunity die dahinter steht um anderen zu helfen. Um nur einige zu nemmen. Und was ist, wenn mir mal der Dektop nicht gefällt, bei Linux kein problen, Bei Windows? :-)

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