Fernsehen mit dem AVM FritzWLAN Repeater DVB-C

Aus LinuxUser 12/2014

Fernsehen mit dem AVM FritzWLAN Repeater DVB-C

© AVM Computersysteme Vertriebs GmbH

(T)VLC

Der AVM FritzWLAN Repeater DVB-C vergrößert nicht nur die Reichweite Ihres drahtlosen Netzes, sondern macht auch alle Rechner, Smartphones oder Tablets darin zu Fernsehern.

Wer vor 10 Jahren unter Linux fernsehen wollte, der brauchte nur eine etwa 50 Euro teure TV-Karte und eine Software wie Tvtime [1]. Inzwischen haben sich jedoch die technischen Voraussetzungen und auch die Anforderungen drastisch verändert. Statt analogem Fernsehen muss es heute schon HD sein, ein elektronischer Programmführer darf nicht fehlen, und am besten muss das System Sendungen abspeichern können und Techniken wie Timeshift unterstützen. Der FritzWLAN Repeater DVB-C [2] des Berliner Router-Spezialisten AVM erfüllt diese Kriterien, ohne dass Sie auch nur eine einzige Schraube am Rechner lösen müssten.

Technische Daten

TV-Empfänger DVB-C, Dual-Tuner
SD-Qualität Video: 720×576@25 fps, Audio: MP3@192 kbit/s
HD-Qualität Video: 1280×720@50 fps, Audio: AC3@448 kbit/s
Leistungsaufnahme max. 5,5 W, im Schnitt 3,3 W
WLAN 802.11ac/n/g/b, bis zu 1,3 Gbit/s
Netzwerk Gigabit Ethernet (10/100/1000 Mbit/s)
Preis 99 Euro

Netzwerk-Verstärker

Der AVM FritzWLAN Repeater DVB-C arbeitet nicht wie eine klassische TV-Karte, sondern integriert sich stattdessen wie ein WLAN-Verstärker ins Netzwerk (Abbildung 1). An Kabelfernsehen angeschlossen, streamen Sie dann Fernsehen via WLAN auf Rechner, Smartphones oder Tablets. Dazu brauchen Sie keine spezielle Software oder Treiber, ein Medienplayer wie VLC genügt zum Empfang vollkommen.

Die Installation des Repeaters an einer Fritzbox 7490 gelang dank Wi-Fi Protected Setup (WPS) sehr einfach: Zum Einrichten drücken Sie lediglich den WPS-Taster am Repeater für einige Sekunden. Indem Sie danach auch am Router die WPS-Taste kurze Zeit betätigen, fügen Sie den Repeater ins Netzwerk ein. Unterstützt Ihr Router WPS nicht, dann schließen Sie den FritzWLAN Repeater DVB-C, der im Auslieferungszustand auch als DHCP-Server agiert, über das mitgelieferte Netzwerkkabel an einen Rechner an und konfigurieren ihn unter der URL http://fritz.repeater im Webbrowser von Hand.

Im Standardmodus verstärkt der AVM FritzWLAN Repeater DVB-C nun das bestehende WLAN-Netzwerk. Zudem bringen Sie über die auf der unteren Seite angebrachte GBit-Ethernet-Buchse Computer oder Peripherie-Geräte ins Netzwerk, die über einen Netzwerkanschluss verfügen, aber kein WLAN unterstützen. Auf diese Weise brauchen Sie beispielsweise für Drucker oder Netzwerkspeicher kein Kabel zum Router zu spannen.

Drahtlos fernsehen

Zum Lieferumfang des AVM FritzWLAN Repeater DVB-C gehören neben dem Gerät und einem Netzwerkkabel auch ein Antennenkabel und ein T-Stecker, sodass Sie den Repeater parallel zu einem Fernseher an die Antennenbuchse anschließen können. Da der Repeater später das Fernsehbild durchs Netzwerk tunnelt, stört es dabei nicht, wenn das Gerät in einem Raum steht und Sie in einem ganz anderen fernsehen wollen.

Nach dem Einrichten des Repeaters stand bei unserem Testgerät, das noch eine Beta-Software mitbrachte, erst einmal ein Firmware-Update an. Das lief genauso problemlos durch, wie man das von Fritzboxen kennt. Den Fernsehpart des Repeaters (Abbildung 1) erreichen Sie im Webfrontend unter http://fritz.repeater über das Menü DVB-C. Hier starten Sie zum Beispiel den Sendersuchlauf oder prüfen unter Live-TV, welche Sender die zwei integrierten Server gerade empfangen.

Abbildung 1: Den AVM FritzWLAN Repeater DVB-C konfigurieren Sie über ein Web-Frontend.

Abbildung 1: Den AVM FritzWLAN Repeater DVB-C konfigurieren Sie über ein Web-Frontend.

VLC-Mediaplayer als TV

Um die vom DVB-C-Repeater ins Netz geladenen Streams einzufangen, genügt der freie Mediaplayer VLC [3]. Unter Linux installieren Sie das Programm in der Regel über die Paketverwaltung der verwendeten Distribution, zudem gibt es VLC auch für Mac OS X und Windows.

Um dem VLC-Player die TV-Sender des AVM FritzWLAN Repeater DVB-C bekanntzumachen, laden Sie aus dem Webfrontend des Repeaters unter DVB-C | Senderliste die entsprechende Playlist herunter. In den Reitern SD, HD und Radio finden Sie dazu jeweils ganz unten rechts einen Link, der Sie dann zu einer M3U-Datei führt. Diese öffnen Sie dann über einen Dateimanager in VLC oder laden die Playlist stattdessen über Medien | Datei öffnen… direkt aus dem VLC-Player heraus.

Zum Ansteuern des gewünschten Senders öffnen Sie nun im Menü Ansicht die Wiedergabeliste oder drücken [Strg]+[L]. Per Mausklick wählen Sie dann aus der rechts angeordneten Senderliste das gewünschte TV- oder Radioprogramm aus (Abbildung 2). Wiederholen Sie die Eingabe, vergrößern Sie das Bild damit auf Fenstergröße, ins Vollbild wechseln Sie mit einem Doppelklick auf das Fernsehbild oder über den Menüpunkt Video | Vollbild.

Abbildung 2: Über die Senderliste des VLC-Players wählen Sie das Fernsehprogramm aus.

Abbildung 2: Über die Senderliste des VLC-Players wählen Sie das Fernsehprogramm aus.

Für Informationen zum laufenden Programm müssen Sie nicht zu einer TV-Zeitschrift greifen: Der DVB-C-Repeater bereitet diese auch über das TV-Signal verbreiteten Informationen digital auf und stellt sie als elektronischen Programmführer (EPG) zur Verfügung. In VLC rufen Sie diesen unter Werkzeuge | Programm-Guide auf (Abbildung 3).

Abbildung 3: Auch Komfort-Funktionen wie ein elektronischer Programmführer fehlen nicht.

Abbildung 3: Auch Komfort-Funktionen wie ein elektronischer Programmführer fehlen nicht.

Timeshift und Videorekorder

VLC besitzt eine integrierte Timeshift-Funktion für Videostreams, die anspringt, sobald Sie auf die Pause-Taste drücken. Der Player speichert daraufhin das Video als vlc-timeshift.Zufallszahl im /tmp-Ordner des Systems. Wird dort der Platz knapp, dann legen Sie unter Werkzeuge | Einstellungen | Alle | Input/Codecs | Timeshift-Verzeichnis ein gesondertes Verzeichnis fest. Sobald Sie die Wiedergabe stoppen, leert VLC den Zwischenspeicher und gibt den Speicherplatz wieder frei.

Möchten Sie eine Sendung permanent aufzeichnen, dann blenden Sie über Ansicht | Erweiterte Steuerung einen charakteristischen Videorekorder-Button in der unteren Bedienleiste des Mediaplayers ein. VLC speichert beim Betätigen dieses Knopfs den aktuell abgespielten Kanal unter ~/Videos/ als Datei vlc-record-Zeitstempel-Sender.mpg. Ein Video mit SD-Qualität belegt rund 30 MByte pro Minute, bei HD-Qualität müssen Sie mit etwa 45 MByte/Minute rechnen.

Fernsehen auf Handy und Tablet

Auch auf mobilen Geräten mit Android als Betriebssystem könnten Sie zum Fernsehen auf VLC zurückgreifen. Allerdings kommt die Android-Version des Medienplayers noch nicht so gut mit den vom DVB-C-Repeater generierten Playlisten zurecht. Statt des Sendernamens zeigt VLC für Android nur eine kryptische, lange URL als Trackliste an – das gezielte Finden eines Senders gleicht so eher einem Glücksspiel.

Leichter fällt die Bedienung mit der offiziellen App FritzApp TV, die AVM über den Play Store [4] und iTunes [5] für Android respektive iOS kostenlos zur Verfügung stellt. Sie erkennt laut AVM den Repeater automatisch und zeigt alle Sender mit deren Logo in einer Übersicht an (Abbildung 4). Das klappte im Test allerdings nicht, wir mussten die IP-Adresse des Repeaters von Hand in den Einstellungen der App eintragen.

Abbildung 4: Für Android und iOS bietet AVM mit FritzApp TV eine eigenständige TV-App für mobile Geräte an.

Abbildung 4: Für Android und iOS bietet AVM mit FritzApp TV eine eigenständige TV-App für mobile Geräte an.

Per Fingerzeig spielen Sie den gewünschten Sender an. Wischen Sie nach links oder rechts beziehungsweise tippen auf die pfeilförmigen Schaltflächen am Bildschirmrand, zappen Sie durch das Programm (Abbildung 5). Ruckelfreie Streams bekommen Sie allerdings nur auf aktuellen Smartphones. Auf einem betagteren Samsung Galaxy Nexus oder auch einem aktuelleren Motorola Moto G stockten Bild und Ton so stark, dass kein Fernsehvergnügen aufkommen mochte.

Abbildung 5: Die FritzApp TV zeigt Informationen zum aktuellen Programm, ein kompletter EPG fehlt allerdings.

Abbildung 5: Die FritzApp TV zeigt Informationen zum aktuellen Programm, ein kompletter EPG fehlt allerdings.

Fazit

Der AVM FritzWLAN Repeater DVB-C ermöglicht das Fernsehen auf Rechnern und mobilen Endgeräten, ohne dass Sie sich erst mit dem oft sehr aufwendigen Einrichten einer TV-Karte abmühen müssten. Auch eine umständliche Installation von Pipelight zum Betrachten der per Silverlight verschlüsselten TV-Streams des Internetanbieters MagineTV [6] oder Zattoo [7] fällt dank des Repeaters flach. Die Bildqualität überzeugt trotz der Beschränkung des AVM-Geräts auf maximal 720p.

In VLC oder einem Mediaplayer wie Totem oder Kaffeine geöffnet, verbraucht das Streamen des TV-Bilds kaum Ressourcen und bietet hohen Bedienungskomfort. Das VLC-Fenster lässt sich im Gegensatz zu einem Browserfenster ohne großen Aufwand in einer beliebigen Größe randlos auf dem Desktop anordnen – so leicht fällt dies bei den rein Internet-basierten Streaming-Diensten nicht. Dank des Dual-Tuners streamt der AVM FritzWLAN Repeater DVB-C sogar zwei verschiedene Sender zur gleichen Zeit ins Netz, sodass mehr als nur eine Person den TV-Empfänger nutzen kann.

Allerdings müssen Sie mit ein paar Einschränkungen leben: Da der DVB-C-Repeater nicht über einen CI+-Steckplatz verfügt, genießen Sie nur die öffentlich-rechtlichen Sender in HD-Qualität. Private Sender empfängt der Repeater zwar ebenfalls digital, allerdings nur in der geringeren SD-Auflösung. Zusätzliche Pay-TV-Kanäle bleiben generell außen vor. Auch Varianten für digitales Satellitenfernsehen DVB-S oder terrestrisches DVB-T fehlen noch, der Repeater funktioniert nur mit Kabelfernsehen. In Zukunft will AVM auch die für Kabel-Internet gedachten Fritzboxen direkt mit der Technik ausstatten. 

Glossar

CI+

Beim Common Interface (CI) handelt es sich um eine PCMCIA-kompatible Schnittstelle von DVB-Empfangsgeräten. Bei CI+ handelt es sich um eine proprietäre Weiterentwicklung dieses Standards zum Zweck der digitalen Rechteminderung.

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2 Kommentare
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Andreas
11 Jahre her

Teil heute installiert. Funzt prima. Leider kann ich nicht, wie geplant, mein “altes” ipad1 benutzten, um zu fersehn, da die fritz tv-app mindestens ios7 benötigt, das läßt sich aber auf dem ipad1 nicht mehr installieren.
Kennt sich jemand technisch aus, ob es eine andere ipad-app gibt, mit der man den stream anschauen kann? Da kann ja nichts dran sein, wozu ein ipad 1 nicht in der Lage wäre, videos anschauen und youtube funktionieren ja auch tadellos.

Bertrammer
11 Jahre her
Reply to  Andreas

doch VLC und Ipad1 geht….AVM hat dazu einen Lösungsweg. Frag mal nach oder suche im Netz!
Einzges (mgl) Prob: vlc für IPAD1 nicht mehr ohne weitere zu beschaffen, aber wenn Du es auf Deinem IPAD schn hasr, dann…

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