Zwei SIM-Karten in einem Phone sparen nicht nur beim Reisen den lästigen Wechsel, sondern auch bei Anwendern, die ein Handy privat und eines beruflich nutzen.
Ein Telefon, das zwei SIM-Karten verwaltet, erleichtert das Leben in vielen Fällen ungemein: Im Ausland etwa nutzen Sie zum Surfen die landeseigene Karte und bleiben mit der anderen trotzdem erreichbar, als Nutzer eines Firmenhandys benötigen Sie nur noch ein Telefon, um auf beiden Anschlüssen erreichbar zu sein.
Der Versandanbieter Pearl Agency [1] offeriert das Dual-SIM-Phone Simvalley SP-60 [2] zum attraktiven Preis von 129 Euro an. Die baugleiche Variante SP-40 [3] ohne GPS-Modul kostet 99 Euro. Wie das Gerät das Verwalten der zwei Karten auf die Reihe bekommt und was es technisch im Vergleich Smartphones der gleichen Preisklasse bietet, zeigt der Test.
Technik
Die technischen Daten des SP-60 (Abbildung 1) entsprechen in etwa denen der Einsteiger-Smartphones LG P 500 Optimus und Sony Ericsson Xperia X8, die Amazon in der Preiskategorie um die 150 Euro anbietet.

Abbildung 1: Pearls Simvalley SP-60 wirkt durchaus schick, hat aber bis auf das Verwalten von zwei SIM-Karten nicht viel zu bieten.
Allerdings muss das Pearl-Phone mit einer 420-MHz-CPU auskommen, während die genannte Konkurrenz 600 MHz Rechenpower mitbringt. Im Antutu-Benchmark [4] erreicht das SP-60 entsprechend magere 467 Punkte, wogegen der Konkurrent von Sony mit 767 Zählern punktet und der Rivale von LG sogar mit 939. Auch beim Akku kocht das Simvalley-Smartphone mit einem 1100-mAh-Akku eher auf Sparflamme: Sony und LG spendieren ihren Smartphones Energiespeicher mit 1200 respektive 1500 mAh Kapazität.
Ähnlich mager sieht es bei Datentransfers übers mobile Netz aus. Während die beiden Vergleichskandidaten via UMTS/HSDPA eine maximale Transferrate von 7,2 Mbit/s anbieten, begnügt sich das Simvalley SP-60 auf EDGE mit einer theoretisch möglichen maximalen Bandbreite von 473,6 kbit/s. In der Praxis liegt die Transferrate jedoch deutlich niedriger: Ein Test im E-Plus-Netz ergab einen Durchsatz von 179 kbit/s, das entspricht 22 kByte/s.
An Speicher bietet das Pearl-Smartphone 190 MByte verfügbaren Arbeitsspeicher und 271 MByte Speicherplatz für Apps. Möchten Sie das Gerät auch zum Aufbewahren von Multimedia-Dateien nutzen, kommen Sie um den Einsatz einer Micro-SD-Karte (maximal 16 GByte) nicht herum. Diese gehört jedoch nicht zum Lieferumfang. Den Einschub finden Sie an der rechten Gehäuseseite, ein Wechsel im laufenden Betrieb ist möglich.
Das kapazitive Display des SP-60 besitzt eine Diagonale von 3,2 Zoll mit einer Auflösung von 320×480 Pixeln. Die integrierte Kamera erstellt Bilder bis zu 2 Megapixeln, allerdings fehlt ihr sowohl der Autofokus als auch ein LED-Blitz. Eine Zusammenfassung zeigt die Tabelle “Technische Eckdaten”
Technische Eckdaten
| Vertrieb | Pearl Agency |
| Modell | Simvalley SP-60 GPS |
| OS | Android 2.2 “Froyo” |
| Display | 3,2 Zoll, Auflösung 320×480 Pixel |
| Speicher | 512 MByte ROM, 256 MByte RAM |
| Anschlüsse | |
|---|---|
| Erweiterung | Micro-SD bis 16 GByte |
| Anschlüsse | 3,5 mm Klinke, Micro-USB 2.0 |
| Datenaustausch | WLAN 802.11b/g, Bluetooth 2.1 EDR, EDGE |
| Kamera | |
| Kamera | 2 Megapixel, ohne Blitz, Fixfokus |
| Bildgröße | max. 2048×1536 (interpoliert) |
| Videogröße | max. 720×480 / 10 fps |
| Formate | |
| Video(1)(2) | MPEG4, H.263, H.264, WMV |
| Audio(1) | MP3, MIDI, AAC, eAAC+, WMA, PCM |
| Sonstiges | |
| GSM-Frequenzen(1) | 850/900/1800/1900 |
| Akku | 1100 mAh |
| Standzeit(1) | Standby bis 200 h, Sprechen bis 4 h |
| Maße | 119x57x14 mm |
| Lieferumfang | Telefon, Akku, Ladegerät, Headset, USB-Kabel, Bedienungsanleitung |
| Preis | 129,90 Euro |
| (1) Herstellerangabe; (2) im Test nicht möglich | |
Doppelpack
Die Einschübe für die SIM-Karten befinden sich auf der Rückseite unter dem Akku. Der mit A gekennzeichnete rechte Slot repräsentiert die erste Karte, B auf der linken die zweite. Zum Öffnen der Metallabdeckung gilt es, diese zunächst ein Stück zurückzuschieben und danach aufzuklappen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Unter dem Akku finden Sie die zwei Einschübe für die SIM-Karten. Der rechte beherbergt Karte 1, der linke Karte 2.
Nach dem Booten erfolgt die Abfrage nach den PINs beider Karten, die das Gerät im Anschluss aktiviert. Entsprechend empfängt das Telefon Gespräche von beiden Karten gleichermaßen. Das Modul für abgehende Gespräche zeigt am unteren Rand zwei Buttons, mit denen Sie festlegen, über welche Karte Sie das Gespräch führen möchten (Abbildung 3).

Abbildung 3: Über welche Karte Sie ausgehende Anrufe führen, wählen Sie mit den Buttons unter dem Ziffernblock.
Die grundlegende Konfiguration der SIMs erreichen Sie in den Einstellungen unter Dual-SIM-Einstellungen (Abbildung 4). Hier aktivieren oder deaktivieren Sie auf Knopfdruck die Karten und legen die Standard-Karte fest.
Als Standard für die Datenübertragung legt das Telefon Karte 1 fest. In den Android-Einstellungen unter Drahtlos und Netzwerke | Datenverbindungs-SIM ändern Sie diese Zuordnung gegebenenfalls. Der Punkt Mobile Netzwerke enthält die Konfiguration der Zugangspunkte und des Netzbetreibers für jede Karte getrennt. Welche Karte gerade welchen Dienst anbietet, sehen Sie an den Ziffern in den Symbolen für Datenübertragung und Signalstärke in der Leiste oben.
Ein schnelles Ab- und Umschalten der GPRS/EDGE-Verbindung erreichen Sie im Auswahlmenü, das erscheint, wenn Sie den Ein/Aus-Schalter oben rechts länger betätigen. Welche Alternativen es derzeit zum Einsatz von zwei SIM-Karten in einem Android-Smartphone gibt, zeigt der Kasten “Alternativen”.
Alternativen
Androidbasierte Alternativen an Dual-SIM-Smartphones sind derzeit in Deutschland dünn gesät. Lediglich der Anbieter Viewsonic kündigt für den Oktober 2011 ein Gerät an, das allerdings mehr als 250 Euro kosten soll [5]. Die inneren Werte – eine 600-MHz-CPU, 512 MByte RAM und ein 3,5-Zoll-Display mit einer Auflösung von 480×320 Pixeln – überzeugen aber genausowenig wie die des SP-60.
Eine weitere Möglichkeit bieten Dual-SIM-Adapter [6]. Dabei handelt es sich um eine Pseudo-SIM-Karte, in die Sie zwei zurechtgeschnittene SIMs einpassen. Diese Technik ist jedoch nicht durchgängig in der Software des Smartphones umgesetzt, weswegen die Nutzung der zwei Karten eher umständlich ausfällt. Ferner erlaubt diese Technik nur beschränkt das gleichzeitige Nutzen beider Karten. Anrufe empfängt beispielsweise jeweils nur eine.
Praxistest
Zum Booten benötigt das Smartphone etwa eine Minute – angesichts der CPU-Leistung ein durchaus akzeptabler Wert. Beim Gebrauch fällt schnell der unpräzise Touchscreen unangenehm auf. Manchmal lag der vom Gerät identifizierte Berührungspunkt um einen Zentimeter neben dem tatsächlichen, was dazu führte, dass beispielsweise falsche Menüpunkte aufgerufen wurden. Es fehlt eine Möglichkeit, das Display nachträglich zu kalibrieren. Das Benutzen der vergleichsweise kleinen Display-Tastatur gerät deswegen ab und an zum Glücksspiel.
Das in der Grundeinstellung deaktivierte haptische Feedback bei Displayberührungen sollte auch tunlichst ausgeschaltet bleiben. Die Vibration erreicht kaum die Fingerkuppen, dafür schnarrt das Telefon laut.
Um halbwegs flüssig mit dem SP-60 zu arbeiten, empfiehlt es sich, sämtliche Animationen unter Einstellungen | Display zu deaktivieren. Auf Apps, die eine gewisse Performance erwarten, vor allem im grafischen Bereich, sollten sie besser verzichten. Selbst vergleichsweise anspruchslose Spiele wie Angry Birds stellt das SP-60 nur im Zeitlupentempo dar – Sie können die einzelnen Frames mitzählen.
Die vorinstallierte Google-Maps-App startet dagegen zügig und zeigt bei WLAN-Verbindung die Karten schnell an. Bei einer EDGE-Verbindung dauert der Kartenaufbau wesentlich länger: Es vergehen zuweilen 30 und mehr Sekunden, bis alle Kacheln einer Karte fertig geladen sind. Ähnliches gilt für den vorinstallierten Webbrowser, der sich selbst beim Laden der schlanken Google-Startseite über 30 Sekunden Zeit lässt. Im WLAN verhält sich der Browser erwartungsgemäß deutlich agiler und stellt schlanke Seiten wie die der Wikipedia in einer ansprechenden Geschwindigkeit dar. Auch die mobile Seite von Facebook und jene des Bilderdiensts Picasaweb erscheinen flüssig.
Ausgezeichnet schlug sich das SP-60 in seiner Paradedisziplin, dem Umgang mit zwei SIM-Karten. Durch die Integration an den relevanten Stellen der Software war es mühelos möglich, die Karten nach den eigenen Wünschen einzurichten und sie zu nutzen. Allerdings verwendet das Telefon nur eine Adressdatenbank für beide Karten. Eine Trennung, beispielsweise zwischen beruflichen und privaten Adressen, klappt nicht.
Von seiner weniger guten Seite präsentierte sich das Pearl-Smartphone im Bereich Multimedia. Die von der integrierten Kamera aufgenommenen Fotos und Filme genügen höchstens Dokumentationszwecken. Die Bilder wirken wie durch einen Schleier aufgenommen, unscharf, wenig kontrastreich und weisen deutliche Farbverfälschungen auf. In Videos tritt bei Kameraschwenks ein ausgeprägter Rolling-Shutter-Effekt auf.
Audiodateien in den Formaten OGG und MP3 gab das Handy problemlos wieder. Warum der Hersteller den Lautsprecher jedoch auf der Rückseite des Geräts platziert, bleibt unklar. Darüber hinaus fehlt dem integrierten Audioplayer eine Dateibrowsing-Funktion, sodass sich nur Audio-Dateien öffnen lassen, die sich im Standardpfad des Players befinden.
Beim Abspielen von Video-Dateien versagte das Handy gänzlich. Mangels integriertem Dateibrowser gilt es, zunächst einen solchen nachzuinstallieren, um überhaupt in der Ordnerstruktur des Speichers navigieren zu können und das Speicherverzeichnis für die Filme zu erreichen. Das Abspielen sämtlicher Testfilme (OGV, WMV, MPG, AVI) verweigerte das SP-60 mit dem Vermerk, dass es “dieses Video leider nicht wiedergegeben” könne. Das widerspricht der Herstellerangabe, das Gerät käme mit diesen Dateitypen zurecht.
Fazit
Wer die Dual-Sim-Funktion des Pearl Simvalley SP-60 nur als nettes Feature und nicht als Hauptzweck das Geräts betrachtet, kauft sich besser ein anderes Smartphone. In der Preisklasse um die 150 Euro tummeln sich zwischenzeitlich einige Markengeräte, die das China-Handy von Pearl in fast jeder Hinsicht locker in den Schatten stellen.
Wer jedoch vor hat, sich das Smartphone genau wegen dieser Funktion zuzulegen, liegt damit goldrichtig. Im Test funktionierte es einwandfrei und ließ eine akkurate Trennung zu, welche Verbindung über welche Karte läuft. Alternativen dazu lässt der deutschen Markt bislang weitgehend vermissen, die Dual-SIM-Adaptertechnik funktioniert vergleichsweise unzureichend.
Glossar
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Rolling-Shutter-Effekt
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Diagonale Verzerrungen, die auftreten, wenn sich entweder das Motiv oder die Kamera bewegt. Eine gerade Linie erscheint dann beispielsweise seitlich gebogen. Der Effekt zeigt sich in erster Linie bei CMOS-Sensoren.
Infos
[1] Pearl: http://www.pearl.de
[2] Simvalley SP-60: http://www.pearl.de/a-PX3505-4073.shtml
[3] Simvalley SP-40: http://www.pearl.de/a-PX3500-4073.shtml
[4] Antutu Benchmark: http://www.antutu.com/software.php
[5] Viewsonic V350: http://www.viewsoniceurope.com/de/products/v350.htm
[6] Dual-SIM-Adapter Hypercard 3G: http://www.hypercard3g.de






