Immer am Ball bleiben: Mit dem neuen Revo RL100 wertet Acer den populären Fernseh-PC mit mehr Power und sinnvollen neuen Features deutlich auf.
Acer kleckert nicht, sondern klotzt: Bis auf den Nvidia Ion hat der neue Revo fast nichts mehr mit seinem Vorgänger gemein. Die CPU-Basis stellt nun statt eines Intel Atom N330 Dualcore (1,6 GHz) ein AMD Athlon II Neo K325 Dualcore mit 1,3 GHz Taktrate und 1 MByte L2-Cache. Dies ist besonders interessant, da der Ion bisher eigentlich als Atom-Komplement galt und eigentlich laut Nvidia für diesen entwickelt wurde. Zusammen mit dem für AMD-Prozessoren entwickelten Chipsatz nForce 520 LE steht die Ion-Plattform nun dem Mitbewerber offen.
Ebenfalls neu ist das optische Laufwerk: Hier stellt Acer eine Variante mit DVD-Brenner und 250-GByte-Festplatte für 450 Euro oder eine Spielart mit DVD-Brenner plus Blu-ray-Lesefunktion (Matshita BD-CMB UJ141AL) und 500-GByte-Festplatte für 550 Euro zur Auswahl. Für einen Fernseh-PC ist eine TV-Funktion sinnvoll, also integriert Acer in der neuen Generation nun einen per PCI-Express-Minicard integrierten Hybrid-TV-Tuner für Analogfernsehen und DVB-T.
Der Revo hat zwei PCI-Express-Mini-Slots, von denen in einem der WLAN-Adapter steckt. Ab Werk kommt das Gerät wie der Vorgänger mit 2 GByte RAM, der Maximalausbau liegt bei 4 GByte. Acer legt dem Gerät löblicherweise ein HDMI-Kabel bei, was nur die wenigsten Hersteller tun. Der Preis liegt mit den neuen Features rund 50 Prozent über dem alten Modell, das mit 250-GByte-Platte schon für 300 Euro erhältlich war. Die neuen Features lässt sich Acer also bezahlen.
Die herausragendste Innovation stellt jedoch das Magic-Pad genannte Wireless Touchpad (Abbildung 1) dar, das gleichzeitig als Trackpad und als Tastatur fungiert. Ein kleiner Schalter oben rechts schaltet zwischen den Betriebsmodi um. Den Tastaturbetrieb signalisiert eine von hinten beleuchtete Tastaturmatrix. Oben links hat das Magic-Pad ein Scrollrad, das im Tastaturbetrieb die Lautstärke regelt und im Trackpad-Betrieb als Scrollrad fungiert.

Abbildung 1: Mit einem einfachen Umschalter wechseln Sie beim Acers Magic-Pad vom Trackpad in den Tastaturmodus (hier die englische Version).
Das Magic-Pad hat einen Mini-USB-Port, um den integrierten Akku (Betriebszeit laut Hersteller 72 Stunden mit einer Ladung) über das sehr lange mitgelieferte Kabel zu laden. Benötigen Sie das Pad nicht, stecken Sie es einfach in einen entsprechenden Slot im eigentlichen Revo-Gehäuse. Acer liefert darüber hinaus eine Tasche für das Touchpad mit. Auf der Homepage listet Acer das Magic-Pad noch einmal extra als “Fernbedienung”; diesen Zweck erfüllt es aber nur schlecht. Doch dazu später mehr.
Bei den Anschlüssen hat sich ebenfalls einiges geändert (Abbildung 2). Für den integrierten TV-Tuner findet sich nun ein Antennenanschluss hinten, zusätzlich zu Gigabit-Ethernet, zweimal USB 2.0, HDMI, Stereoklinke In/Out, Strom und S/PDIF. Einen eSATA/USB-Kombi-Port und einen VGA-Anschluss wie beim Vorgänger gibt es nicht mehr. Mit insgesamt drei USB-2.0-Ports (einer vorne, der zweite ist mit dem Funkmodul belegt) bietet der RL100 zwei (beziehungsweise drei mit dem Kombi-Port) weniger als sein Vorgänger. An der Vorderseite findet sich wie gehabt der Flash-Kartenleser (SD/MMC/xD).
Der neue Revo sieht völlig anders aus als der alte: Das inzwischen recht bekannte rautenförmige Gerät mit einer ganz eigenen Optik wich einem eher schlichten, zweckmäßigen Design, das eher an die Playstation 2 Slim erinnert. Wie die PS2 ermöglicht der 1,2 Kilogramm leichte schwarze Revo RL100 wahlweise den waagerechten oder senkrechten Betrieb (Abbildung 3). Entsprechende Standfüße liefert Acer mit – sie ersetzen die VESA-Halter, die Acer beim alten Modell mitlieferte. Mit optischem Laufwerk eignet sich der Nachfolger nicht mehr zur Montage hinter den Flachbildschirm.
3D-fähig
Acer bewirbt den Revo RL100 als 3D-fähig. Im Auslieferungszustand gelang es jedoch nicht, unter Windows eine Blu-ray 3D auf einem 3D-fähigen 24-Zöller, dem Acer GN254HQ, anzuschauen – Nvidias “Vision 3D” scheint vollkommen zu fehlen. Auf der englischen Acer-Seite findet sich ein Patch [1], der dieses Feature aktiviert. Mit Acers Clear.fi-Mediaplayer gelangt es schließlich, im 120-Hz-Verfahren eine Blu-ray 3D abzuspielen – CPU und Grafikchip arbeiten dabei allerdings ziemlich am Limit. Bis die Wiedergabe flüssig läuft, vergehen stets ein paar Sekunden.
Letztendlich ergab der Test, dass es eine exakt aufeinander abgestimmte Kombination aus Nvidia-Treiber und Patch braucht. Nach einer Treiber-Neuinstallation wegen eines 3D-Konfigurationsproblems war es unmöglich, wieder eine funktionierende 3D-Konfiguration herzustellen: Die Treiber auf der Recovery-Partition entsprechen offensichtlich nicht den vorinstallierten, und die Ion-Treiber auf Nvidias Homepage unterscheiden sich wiederum von beiden nd funktionieren nicht mit dem ebenfalls dort herunterladbaren 3D-Patch. Bei soviel Frickelei fühlt sich der Linux-Anwender richtig heimisch.
Linux-Installation
Bei der Installation ärgern wir uns abermals über eine Unsitte, die unter den Herstellern immer mehr um sich greift: Alle vier primären Partitionen sind bereits belegt, neben einer Alignment- und einer Recovery-Partition finden sich eine System- und eine Datenpartition. Zur Installation von Linux reicht es also nicht aus, einfach eine Partition zu verkleinern. Es gilt, einen der Bereich zu löschen – die Entscheidung fällt auf die Datenpartition. Das vorinstallierte Windows 7 Home Premium (64 Bit) bootet hinterher weiterhin einwandfrei.
Die Installation von Ubuntu 10.10 (64 Bit) funktioniert problemlos. Nach der Installation der Nvidia-Treiber steht die volle 3D- und Video-Decoding-Unterstützung per VDPAU bereit. Alles geht: Ethernet, Audio, Kartenleser, GPU, sogar das über proprietäre Funktechnik angebundene Wireless-Pad von TopSeed (id: 1784:0016) funktioniert in beiden Betriebsmodi exakt wie erwartet.
Lediglich vier Funktionen verweigern unter Linux den Dienst: Der Schlafmodus funktioniert genausowenig wie Audio-Ausgabe über HDMI und sämtliche 3D-Funktionen bei Filmen. Nvidias Linux-Treiber erwähnt “Vision 3D” überhaupt nicht. Auch der TV-Tuner, eine über USB angeschlossene Avermedia A336 Hybrid (id: 07ca:1336), die schon mit dem Acer Aspire Z5710 [2] zum Einsatz kam, arbeitet nicht mit Pinguinen zusammen.
Im Test
Im Betrieb macht der neue Revo kaum Geräusche. Auf der Stromrechnung macht er sich mit 20 Watt im Leerlauf und 31 Watt unter voller CPU-Last ebenfalls rar. Der Wechsel auf AMD hat dem Revo hier kaum geschadet; der Atom-Vorgänger brauchte im Leerlauf 22 und unter Last 26 Watt.
In Bezug auf die CPU-Leistung wirkt sich der AMD Neo jedoch deutlich positiv aus: Mit 191 Punkten im LUbench-CPU-Test liegt er trotz geringerer Taktfrequenz 60 Prozent vor dem Atom-Dualcore-Vorgänger (119 Punkte). Sogar einen AMD E350 Dualcore mit 1,6 GHz im Acer Aspire 5253 [3] lässt der AMD Athlon II Neo K325 locker hinter sich: Er ist rund 18 Prozent schneller.
Der stärkere Prozessor beeinflusst auch die Arbeit der GPU: Er beschleunigt bei identischem Grafikchip das Ergebnis im Vergleich zum Atom im GPU-Test um rund 37 Prozent von 703 auf 962 Punkte. Besonders im Specviewperf brilliert der Neo: Hier ist er bis zu 2,5 mal so schnell. Streng genommen würde sich der Revo RL100 auch unter Windows für 3D-Gaming eignen. Man darf jedoch bezweifeln, dass sowohl die Kraft des Grafikchips als auch der CPU für aktuelle Spiele genügen – World of Warcraft sollte darauf allerdings gut laufen.
Das Touchpad ist eine praktische und platzsparende Sache. Aufgrund der quadratischen Tastenmatrix eignet es sich als Tastaturersatz allerdings noch weniger als Bildschirmtastaturen. Für das gelegentliche Eingeben eines Suchbegriffs oder Passworts genügt es, aber schon das Schreiben einer Mail gerät zum Geduldsspiel.
Im Trackpad-Modus funktioniert Drag & Drop wie bei Trackpads ohne Scrollbereich oder beim Zweifingerscrollen üblich (doppelt tippen und beim zweiten Mal halten). Lediglich für den Doppelklick gilt es an einigen Stellen, diesen als Dreifachklick auszuführen, was etwas anstrengend ist. Als Fernbedienung taugt das Magic-Pad trotz Multimediatasten mangels fühlbarer Knöpfe nur begrenzt – angesichts des primären Ausrichtung des Geräts als Mediacenter erscheint das ärgerlich.
Fazit
Bis auf den nicht funktionierenden Schlafmodus erweist sich der Revo RL100 als ein gutes Linux-Gerät. Zu einem etwas höheren Preis erhalten Sie ein deutlich vielseitigeres und leistungsfähigeres Gerät, Stromverbrauch und Lärmkulisse bleiben dabei dennoch gewohnt niedrig. Für den TV-Tuner und 3D ist Windows leider Pflicht – dafür trifft allerdings Nvidia die Schuld, nicht Acer.
Infos
[1] Acers 3D-Patch (Windows): http://tinyurl.com/revo-rl100-3d
[2] Acer Aspire Z5710 Test: Daniel Kottmair, “Einheitsrechner”, EasyLinux 02/2011, S. 108, https://www.linux-community.de/23345
[3] Acer Aspire 5253 Test: Daniel Kottmair, “Atom-Krieg”, LinuxUser 04/2011, S. 80, https://www.linux-community.de/23119






