Radeon HD 6850 unter Linux

Aus LinuxUser 04/2011

Radeon HD 6850 unter Linux

Neue Mittelklasse

Die Radeon HD 6850 schickt sich an, der neue Mittelklasse-König mit dem besten Preis/Leistungsverhältnis für Gewohnheitsspieler zu werden.

Mit der Radeon HD 6850 frischt AMD seine Produktlinie auf. Während die Radeon 69×0-Generation (Codename “Cayman”) das neue Top-End darstellt, bedienen die Radeon HD 6850 und 6870 (Codename “Barts”) nun das Mittelklasse-Segment in der 150-Euro-Preislage. Als erste Grafikkarte kommt die Radeon HD 6850 statt unter dem Label ATI nun mit dem Markennamen AMD auf den Markt.

AMD verspricht für den neuen Chip dank eines besseren Thread-Managements auf der GPU bessere Tesselation-Leistung für DirectX 11 und OpenGL 4.0. Bis zu vier Displays (sechs bei der Radeon-HD69x0-Generation) lassen sich nun über zwei Displayport-v1.2-Anschlüsse an eine Karte hängen, entweder in Reihenschaltung oder über einen sogenannten MTS-Hub (Multi-Stream Transport). Die zwei DVI-Anschlüsse bieten Dual-Link für sehr hohe Auflösungen. Der HDMI-Port unterstützt nun HDMI 1.4a und kann damit geeignete Fernseher und Displays im 3D-Modus mit den sogenannten Megaframes befeuern, die linke und rechte Augenansicht enthalten.

Passend dazu gibt es UVD3-Videodecoding, das nicht nur Bluray-3D, sondern auch Xvid/DivX auf dem Grafikchip dekodiert. Genau wie beim neuen “Morphological Antialiasing” und HDMI 1.4a handelt es sich hierbei jedoch um ein Feature, das man derzeit nur unter Windows nutzen kann. AMDs Werbetexte sprechen von weniger Stromverbrauch im Vergleich zur Radeon HD 5850/70 – diese Karten sind allerdings leistungsfähiger und teurer. Im Vergleich zum Vorgänger Radeon HD 5770 (TDP 108 Watt) braucht die Radeon HD 6850 (TDP 127 Watt) in unseren Messungen im Leerlauf genausoviel, unter Last jedoch 10 Watt mehr.

Die Karte benötigt einen 6-Pin-Anschluss für die Stromversorgung und belegt zwei Slots. Der 775-MHz-Grafikkern hat 960 Shader-Units und bindet 1 GByte GDDR5 über einen 1 GHz schnellen 256-Bit-Bus mit 128 GByte/s Bandbreite an. Mit 37,2 Gigatexel/s Texturrate und 24,8 Gigapixel/s Füllrate liegt die Radeon HD 6850 klar über der HD 5770 (34 GTexel/s, 13,6 GPixel/s, 128-Bit-Bus, 76,8 GByte/s). Sie unterstützt DirectX in Version 11 sowie OpenGL in Version 4.1 und OpenCL in Version 1.1.

Im Test

Mit dem neuen Catalyst-Treiber von Ende Januar [1] läuft die Karte zwar nun endlich offiziell unter Linux, der Treiber malt aber trotzdem die Warnung unsupported hardware unten rechts auf den Bildschirm – sowohl unter Ubuntu 10.04 als auch 10.10. Außerdem müssen wir den Treiber mit einer unterstützten Karte wie der Radeon HD 5770 installieren und danach die Karten auswechseln, da wir sonst bei der Installation mit aktiver Radeon HD 6850 nur einen schwarzen Bildschirm sehen.

Wir messen mit der Radeon HD 6850 beim Vergleich mit der Radeon HD 5770 eine rund 23 Prozent bessere Tesselation-Leistung im Unigine Heaven Benchmark [2]. Da mit deaktivierter Tesselation die Leistung jedoch um gut 26 Prozent anwächst, ist dieser Zugewinn wohl keinen Chip-Verbesserungen zuzurechnen – erst der “Cayman” soll wirklich deutliche Tesselation-Verbesserungen bringen.

Eine schon etwas ältere Asus ENGTX460 mit Geforce 460 GTX erweist sich in Sachen Tesselation als deutlich besser: Während ohne die Technik die Leistung etwa gleichauf mit jener der Radeon HD 6850 liegt, arbeitet der Nvidia-Konkurrent bei eingeschalteter Tesselation rund 25 Prozent schneller als das ATI-Modell. Nur äußerst moderate Zugewinne im Vergleich zur Radeon HD 5770 verzeichnen wir bei ATIs neuer Mittelklasse in SpecViewperf und Nexuiz.

Fazit

Die Radeon HD 6850 bietet in topmodernen 3D-Engines eine klare Mehrleistung, von der man in 3D-Anwendungen und älteren Spiele-Engines allerdings fast nichts merkt. Sie kostet mit rund 150 Euro jedoch auch nicht mehr als zuvor eine Radeon HD 5770 und erweist sich somit als angemessener Kauf für Anwender, die gute 3D-Leistung suchen, aber keine Unsummen ausgeben wollen. Bei den Treibern muss AMD noch dringend hinsichtlich der Kompatibilität nachbessern; auch eine Unterstützung der unter Linux bislang fehlenden neuen Features wie UVD3 und Morphological Antialiasing wäre wünschenswert. 

Infos

[1] ATI Catalyst 11.1: http://tinyurl.com/catalyst-11-1-linux

[2] Unigine-Grafikbenchmarks: http://unigine.com

LinuxUser 04/2011 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE
ABONNEMENTS
TABLET & SMARTPHONE APPS
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:

Hinweis: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr, enthaltene Informationen sind möglicherweise veraltet.

0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben