Der Sechs-Watt-PC

Aus LinuxUser 10/2007

Der Sechs-Watt-PC

Sahnestückchen?

Eine gute Idee, aber noch Platz für Feinschliff: Der Diskless-PC Linutop kombiniert feine Hardware mit einem noch nicht ganz ausgereiften Betriebssystem.

Green Computing muss nicht im Rechenzentrum Halt machen: Auch im heimischen Einsatz lässt sich trefflich Strom sparen, passt man die Hardware dem Verwendungszweck an. Wer nur surfen, mailen und gelegentlich einmal einen Brief verfassen möchte, braucht keinen stromfressenden Fullsize-PC, sondern kommt auch mit einem schlankeren System zurecht.

In diese Geräteklasse fällt auch der Linutop des gleichnamigen französischen Startups [1]. Die minimalistische, lüfter- und festplattenlose Appliance in Postkartengröße (15 x 9,3 x 2,7 cm) bringt als Betriebssystem erfreulicherweise Linux mit: Vom beigelegten 1 GByte großen USB-Stick bootet ein nahezu unverändertes Xubuntu 6.10 Live (“Linutop 1.1.2”) mit minimalen Anpassungen für die Hardware. In einem schicken Alu-Gehäuse untergebracht, wiegt der Mini-PC gerade einmal 280 Gramm.

Linutop – Technische Daten

CPU AMD Geode LX700 (433 MHz)
Speicher 256 MByte RAM, 512 MByte Flash
Grafik VGA (1024 x 768, 1280 x 1024)
Massenspeicher USB-Stick 1 GByte
Schnittstellen 4 x USB 2.0, 100Base-T, Audio In & Out
Stromversorgung 9 V x 1,5 A (6 W)
Maße und Gewicht 27 x 150 x 93 x 27 mm, 280 g
Betriebssystem Linutop 1.1.2 (Xubuntu 6.10)
Anwendungen Abiword 2.4.5, Evince 0.5.2, Firefox 2.0.0.1, Gaim 2.0.0 Beta 3.1, GCalctool 5.8.24, GXine 0.5.7
Preis 334,88 Euro zzgl. 28 Euro Versandkosten

Hochintegriert

Der Linutop basiert auf einer mit 433 MHz getakteten Geode-LX700-CPU von AMD, deren integrierter Grafikchip es auf eine Auflösung von maximal 1280 x 1024 Pixeln bringt. 256 MByte Arbeitsspeicher lassen genügend Raum für Betriebssystem und auch anspruchsvollere Anwendungen.

Zum Anschluss von Tastatur, Maus und Peripherie dienen vier frontseitig angebrachte USB-2.0-Ports. Ebenfalls auf der Vorderseite finden sich daneben noch Buchsen für Kopfhörer und Mikro. Die Rückseite bleibt dagegen bis auf einen Fast-Ethernet-Port, den VGA-Monitoranschluss und die Buchse für das externe Netzteil relativ leer (Abbildung 1). Letzteres versorgt den kleinen Rechner bei 9 Volt mit 1,5 Watt – der Verbrauch des Linutop liegt also bei sparsamen 6 Watt. Einen Netzschalter sucht man am Gehäuse vergebens – schade, so muss man jedesmal den Netzstecker ziehen, um die kleine Kiste tatsächlich abzuschalten.

Abbildung 1: Auf der Vorderseite des Linutop residieren vier USB 2.0-Anschlüsse sowie Buchsen für Kopfhörer und Mikrofon. Auf der Rückseite finden sich lediglich der Monitor und Netzwerkanschluss, einen Netzschalter sucht man vergeblich.

Abbildung 1: Auf der Vorderseite des Linutop residieren vier USB 2.0-Anschlüsse sowie Buchsen für Kopfhörer und Mikrofon. Auf der Rückseite finden sich lediglich der Monitor und Netzwerkanschluss, einen Netzschalter sucht man vergeblich.

Um den Linutop in Betrieb zu nehmen, verbindet man ihn mit Netzwerk und Monitor, stöpselt frontseitig USB-Tastatur und -Maus sowie den mitgelieferten USB-Stick mit dem vorinstallierten Betriebssystem ein und steckt zu guter Letzt das Netzteil ein. Der Mini-PC bootet daraufhin das Betriebssystem ins RAM und präsentiert ohne weitere Anmeldung einen aufgeräumten Desktop, auf dem sich neben Icons für Web (Firefox 2.0.0.1) und Chat (Gaim 2.0.0 Beta 3.1) auch ein Documents-Ordner findet. Er verweist auf das Heimatverzeichnis des automatisch angemeldeten Standardbenutzers ubuntu.

Heimisch werden

Für das weitere Anpassen des Geräts empfiehlt es sich, den mitgelieferten USB-Stick als Sicherheitskopie zu erhalten und von einem duplizierten Medium zu arbeiten. Dafür spricht nicht zuletzt auch, dass auf dem mitgelieferten 1-GByte-Stick nur etwa 400 MByte Platz für eigene Daten bleiben – ein größerer USB-Stick schafft hier mehr Platz. Für das Klonen des Mediums gibt es sogar ein eigenes Kommandozeilenwerkzeug namens lusm, sodass auch Einsteiger problemlos damit klarkommen. Für das Anpassen der Tastaturbelegung, Lokalisierung, Zeitzone und Bildschirmauflösung bringt der Linutop den Linutop Configurator mit, der beim ersten Booten automatisch erscheint. Andere “deutsche” Tastatureinstellungen als die in Abbildung 2 gezeigte führen übrigens zur Einrichtung einer AZERTY- oder AZERTW-Tastatur – hier fehlen wohl noch die notwendigen Dateien für nodeadkeys und ähnliches.

Abbildung 2: Über den »Linutop Configurator« passen Sie Tastatur, Lokalisierung, Zeitzone und Bildschirmauflösung für Ihre Zwecke an.

Abbildung 2: Über den »Linutop Configurator« passen Sie Tastatur, Lokalisierung, Zeitzone und Bildschirmauflösung für Ihre Zwecke an.

Umrüsten

Auf dem Linutop läuft eine optimierte Version der Xubuntu-Live-CD. Sie speichert die über den Configurator getroffenen Einstellungen sowie den Inhalt des Home-Verzeichnisses beim Herunterfahren auf dem USB-Stick. Über den vorhandenen Paketmanager Synaptic lassen sich auch individuelle Anwendungen nachrüsten, diese gehen jedoch beim Ausschalten des Linutop verloren. Wie sich im Test außerdem erweist, zwingen das parallele Ausführen mehrerer Anwendungen, insbesondere in Kombination mit Multimedia-Aktivitäten, den 433-MHz-Prozessor schnell in die Knie (Abbildung 3).

Abbildung 3: Beim parallelen Ausführen von mehreren Anwendungen und insbesondere beim Multimedia-Einsatz gerät der Linutop unter Ubuntu sehr schnell ins Schwitzen.

Abbildung 3: Beim parallelen Ausführen von mehreren Anwendungen und insbesondere beim Multimedia-Einsatz gerät der Linutop unter Ubuntu sehr schnell ins Schwitzen.

Das legt den Wunsch nahe, die eigentlich knuffige Hardware mit einem weniger ressourcenhungrigen Linux-Derivat zu betreiben, dessen Live-Version sich problemlos auf USB-Sticks ansiedeln lässt und auch die dauerhafte Nachinstallation individueller Anwendungen erlaubt. Dieses Anforderungsprofil führt schnell zu Damn Small Linux [2], das sich auch tatsächlich nach der menügesteuerten Einrichtung via Live-CD auf dem USB-Stick als probater Ersatz für das mitgelieferte Xubuntu erweist (Abbildung 4) und auch beim parallelen Abarbeiten mehrerer Aufgaben nicht ins Schwimmen gerät.

Abbildung 4: Eine in doppelter Hinsicht leistungsfähige Alternative bietet der Einsatz von Damn Small Linux auf dem Linutop. Hier lassen sich auch Anwendungen dauerhaft nachinstallieren.

Abbildung 4: Eine in doppelter Hinsicht leistungsfähige Alternative bietet der Einsatz von Damn Small Linux auf dem Linutop. Hier lassen sich auch Anwendungen dauerhaft nachinstallieren.

Fazit

Insgesamt erweist sich der Linutop als gelungene Idee, die der Hersteller aber nicht gleichermaßen gelungen umgesetzt hat. Da man im Heimeinsatz meist alle vier USB-Ports des Systems belegt (Tastatur, Maus, USB-Stick, externe Festplatte), wären sie an der Geräterückseite besser untergebracht. Wer zusätzliche Peripherie anschließen will, muss darüber hinaus zu einem USB-Hub greifen. Unangenehm fällt auch das Fehlen eines Netzschalters auf. Am mitgelieferten Betriebssystem sollte Linutop noch einige Nacharbeit erledigen, um den eigentlich ausreichend leistungsstarken Prozessor der Appliance noch von überflüssigen Tasks zu entlasten.

Mit einem entschlackten Betriebssystem versehen, macht die Arbeit mit der lautlosen kleinen Kiste aber viel Spaß, wenn es nicht gleich ans Audio/Video-Authoring gehen muss. Der Linutop arbeitet jedoch durchaus auch anspruchsvollere Anwendungen wie etwa OpenOffice ab. Ein Schnäppchen ist er aber nicht gerade: Der Linutop kostet stolze 335 Euro, hinzu kommen noch einmal 28 Euro Versandkosten.

Infos

[1] Linutop: http://www.linutop.com

[2] Damn Small Linux: http://www.damnsmalllinux.org

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