Mit der Revolt USV 500VA offeriert Versandanbieter Pearl eine Line-Interactive-USV zum Kampfpreis – allerdings mit kleinen Tücken.
Ein Stromausfall zählt zu den unangenehmsten Zwischenfällen bei der Arbeit am PC: Ungespeicherte Daten gehen unwiederbringlich verloren, oft führt das plötzliche Ausbleiben der Betriebsspannung zudem zu Dateisystemfehlern, da das Betriebssystem im laufenden Betrieb viele Dateien öffnet. Selbst bei Journaling-Filesystemen kommt es unter Umständen zu Datenverlusten, die Sie aber in der Regel durch Reparaturprogramme beseitigen können. Solche unangenehmen Randerscheinungen verhindert der Einsatz einer USV: Sie überbrückt kurze Stromausfälle und fährt nach einer gewissen Überbrückungszeit den Rechner geregelt herunter, sodass zumindest keine Dateisystemdefekte auftreten.
Auf dem Markt existiert eine breite Palette von USVs in den verschiedensten Preisklassen. Geräte für die Versorgung von Einzelplatz-PCs sind bereits ab etwa 50 Euro zu haben, für solide ausgestattete Geräte wandern über 100 Euro über den Ladentisch. Der bekannte Versandanbieter Pearl bietet die technisch gut ausgestattete Einzelplatz-USV Revolt USV 500VA zum Preis von nur 39,90 Euro an und wirbt obendrein sogar mit Linux-Unterstützung – Grund genug, die Angelegenheit näher unter die Lupe zu nehmen.
Technische Daten
| Bezeichnung | Revolt USV 500VA |
| Bezugsquelle | Pearl Agency, http://www.pearl.de |
| Technik | Line-Interactive |
| Kapazität | 500 VA |
| Wirkleistung | 250 W |
| Standzeit | 10 min (Herstellerangabe), 5 min im Test |
| Umschaltzeit | 6 ms |
| Anschlüsse | 3 x Verbraucher, 2 x RJ11, 1 x RS232 |
| Maße | 90 x 176 x 265 mm |
| Gewicht | ca. 5 kg |
| Preis | 39,90 Euro |
Revolt USV 500VA
Aus der Packung kommen neben der rund 5 Kilo schweren USV im Schuhkarton-Format das zugehörige Netzkabel sowie ein RS232-Kabel mit D-Sub-Steckern für die Kommunikation mit dem PC zum Vorschein. Daneben finden sich noch eine Kurzanleitung in Deutsch, Englisch und Französisch sowie eine CD mit Software zur Kommunikation zwischen USV und PC zum Vorschein. Letztere enthält Programmversionen für Windows und Linux.
Die Stromversorgung selbst sitzt in einem für diese Preisklasse recht solide verarbeiteten Kunststoffgehäuse, auf dessen Rückseite sich insgesamt sieben Anschlüsse finden (Abbildung 1). Ein Kaltgerätestecker dient zur Stromversorgung der USV, zwei weitere zum Anschluss von Verbrauchern. Dabei darf es sich aufgrund der Ausgangsspannungsform der USV – einem in Treppenform simulierten Sinus, wie es in dieser Preisklasse üblich ist – nicht um induktive Verbraucher wie etwa einen Laserdrucker handeln. Dank Line-Interactive-Technik erzielt das Gerät eine schnelle Umschaltzeit bei Stromausfall, laut Hersteller liegt sie bei 6 ms.

Abbildung 1: Mit der Revolt USV 500VA lassen sich zwei Verbraucher vor Stromausfällen und ein weiterer gegen Überspannungen sichern. Zusätzlich lässt sich eine analoge Telefonleitung schützen.
Ein weitere Ausgang ohne Notstromversorgung, aber dafür mit Überspannungsschutz, schützt angeschlossene Geräte vor Spikes. Zudem können Sie auch eine analoge Telefonleitung über zwei RJ11-Ports durchschleifen und auf diese Weise ebenfalls vor Stromspitzen schützen. Die Kommunikation zwischen USV und Computer erfolgt über die serielle Schnittstelle und das mitgelieferte Kabel. Auf der Vorderseite schalten Sie die USV über einen Taster an, der bei aktiver Stromversorgung mit einer LED den Betriebszustand anzeigt.
Der Bleiakku des Geräts hat eine Kapazität von 500 VA und soll damit nach Herstellerangaben 10 Minuten Standzeit erlauben. In unseren Test erzielte die USV bei Volllast allerdings lediglich eine Versorgungszeit von 5 Minuten – immer noch mehr als ausreichend, um die angeschlossenen Verbraucher geregelt herunterzufahren.
Knackpunkt Software
Bei einem Stromausfall meldet die USV über die serielle Leitung den Stromausfall sowie die verbleibende Batteriekapazität an eine auf dem PC laufende Software, die nach einer definierten Ausfallzeit oder spätestens bei zur Neige gehendem Batteriestrom den Rechner automatisch herunterfährt. Die zu diesem Zweck der Revolt USV 500VA beigelegte Linux-Software entpuppt sich bei genauer Betrachtung allerdings als schlechter Scherz: Sie läuft nur mit Uralt-Versionen von Red-Hat-Linux (7.x). Im Test schlugen alle Installationsversuche auf neueren Distributionen fehl, da die benötigten “antiken” Bibliotheken sich nicht mehr beschaffen lassen. @L:Zwar funktioniert die mitgelieferte Windows-Software im Test unter, jedoch dient sie dann nur dazu, den Zustand der USV abzulesen: Sie kann naturgemäß das Linux-System nicht herunterfahren.
Die Suche nach alternativer Programmen für Linux förderte einige Projekte zu Tage, mit deren Hilfe man unter Linux mit USVs kommunizieren kann. Aus den Kandidaten Upsd [1], Powstatd [2], Genpower [3] und Nut [4] kristallisierte sich sehr schnell Nut (kurz für Network UPS Tools) als Werkzeug der Wahl heraus: Nicht nur ist es das umfangreichste und aktuellste Tool der Riege, sondern unterstützt auch eine breite Palette von USVs. Zudem bietet Nut Zugriffsschutz und glänzt mit zahlreichen graphischen Frontends.
Nut konfigurieren
Die Konfiguration von Nut fällt zwar etwas zeitaufwändig aus, stellt aber selbst Anfänger vor keine großen Probleme. Unter Debian/Ubuntu kopieren Sie die Beispielsdateien ups.confupsd.conf, upsd.users und upsmon.conf aus /usr/share/doc/nut/examples/ nach /etc/nut/ und passen zunächst ups.conf folgendermaßen an:
[revolt] driver = genericups upstype = 4 port = /dev/ttyS0 desc = Revolt USV 500VA
Die Datei upsd.conf schränkt den Zugriff auf bestimmte Rechner ein. Die folgende Konfiguration gestattet nur Zugriffe vom lokalen Computer aus:
ACL localhost 127.0.0.1/32 ACCEPT localhost REJECT all
Das Pendant für Benutzer steckt in upsd.users. Der Einfachheit halber legen Sie nur einen Benutzer an, den Administrator:
[admin] password = Passwort allowfrom = localhost upsmon master
Mit upsmon lesen Sie die Werte der USV aus. In upsmon.conf dient die erste Zeile dazu. Mit SHUTDOWNCMD geben Sie den Befehl zum Herunterfahren Ihres Systems an. +0 bedeutet, dass das bei einem Stromausfall sofort passiert. Vergessen Sie dabei die Anführungszeichen nicht.
MONITOR revolt@localhost 1 admin Passwort master POWERDOWNFLAG /etc/killpower SHUTDOWNCMD "/sbin/shutdown -h +0"
Konfiguration testen
Um festzustellen, ob die Konfiguration in Ordnung und das Gerät richtig angeschlossen ist, bietet sich der Befehl upsdrvctl an. Führen Sie als root upsdrvctl start aus und beobachten Sie die Ausgabe:
Network UPS Tools - UPS driver controller 2.0.5 Network UPS Tools - Generic UPS driver 1.32 (2.0.5) UPS type: Generic RUPS model
Hat alles geklappt, steht dem Start des Nut-Dämons mit /etc/init.d/nut start nichts mehr im Weg. Wollen Sie den aktuellen Status der USV wissen, hilft ein upsc revolt@localhost (Abbildung 2). Die Ausgabe ups.status: OL signalisiert normale Stromversorgung der USV und des Computers. Beim Batteriebetrieb ändert sich die Ausgabe, und der Rechner fährt sofort herunter. Dieses Verhalten verändern Sie in der letzten Zeile der Datei upsmon.conf. Es reicht aus, abhängig vom Verbrauch der angeschlossenen Geräte, den Wert auf zwei oder drei Minuten heraufzuschrauben.

Abbildung 2: Upsc ist ein Befehlszeilenprogramm, mit dem Sie sich über den aktuellen Zustand der USV informieren können.
Grafische Programme
Unter [6] gibt es eine Vielzahl grafischer Werkzeuge, die Auskunft über den Zustand der USV geben. Der in Pygtk geschriebene UPS-Monitor [7] bereitet alle Informationen auf, die Sie benötigen (Abbildung 3). Die USV liefert leider keine Werte, die sich auf Ladezustand der Batterie, die Verbraucherlast und verfügbare Restzeit beziehen.

Abbildung 3: Der UPS-Monitor zeigt den Zustand der USV an. Leider stehen spezifische Details bei der Revolt USV 500VA nicht zur Verfügung.
Fazit
Die getestete USV erfüllt unter Linux ihren Zweck. Statt mit der völlig veralteten mitgelieferten Linux-Software müssen Sie sie allerdings mit freien Tools betreiben. Der sehr günstige Preis rechtfertigt das Manko allemal.
Extra für LinuxUser-Leser
Als Leser von LinuxUser erhalten Sie bei einer Bestellung der Revolt USV 500VA eine Schütteltaschenlampe im Wert von 9,90 Euro gratis dazu. Schütteln Sie die Taschenlampe einfach 15 bis 30 Sekunden – schon spendet sie bis zu 4 Minuten helles, weißes LED-Licht. Eine passende Ergänzung zur USV, um beim Stromausfall nicht im Dunklen zu tappen. Um das Angebot zu nutzen, bestellen Sie bis zum 15. 11. unter http://www.pearl.de/usv/ und geben Sie als Passwort LX4HP74X an.
Glossar
-
USV
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Unterbrechungsfreie Stromversorgung. Das oft alternativ gebrauchte Kürzel UPS steht für den englischen Begriff “Uninterruptible Power Supply”.
[1] Upsd: http://www.haucks.org/download/
[2] Powstatd: http://http://dollar.biz.uiowa.edu/powstatd/
[3] Genpower: http://www.ibiblio.org/pub/Linux/system/ups/
[4] Nut: http://www.networkupstools.org/
[6] Client-Projekte für Nut: http://www.networkupstools.org/client-projects/
[7] Ups-monitor: http://rudd-o.com/projects/ups-monitor/






