Breitband-Internetzugang per Satellit

Aus LinuxUser 01/2005

Breitband-Internetzugang per Satellit

Daten aus dem All

Auf den ersten Blick scheinen DSL-Flatrates und Breitbandzugänge allgegenwärtig zu sein. Doch die Versorgung ist keineswegs flächendeckend: Gerade in Randbezirken oder abgelegenen Gebieten muss man weiter auf DSL verzichten. Eine Alternative bietet dort die Versorgung via Satellit.

Wir befinden uns im Jahre 2005 nach Christus. Ganz Deutschland ist mit mit DSL versorgt. Ganz Deutschland? Nein! In einigen kleinen, vorwiegend von Germanen bevölkerten Dörfern leisten die Internetanbieter erbitterten Widerstand. Und das Surfen mit Modem und ISDN ist nicht gerade schnell und schon gar nicht billig für die Dorfbewohner, die nicht aufhören, nach Breitband-Internetzugängen mit Flatrates zu verlangen.

Eine Breitband-Flatrate direkt vom Himmel kann in diesen Gebieten eine zumindest vorübergehende Lösung bieten. Beim Angebot von Astranet handelt es sich um eine Einwege-Satellitenlösung: Lediglich der Downstream kommt via Satellit. alle ausgehenden Pakete laufen per Analog-Modem oder ISDN über einen herkömmlichen Internetprovider – und verursachen somit, abhängig von der Online-Zeit, weitere Kosten.

Flatrate mit Minutentakt

Die erreichbaren Datenraten hängen vom Astranet-Tarif und der Art des Rückkanals ab. Den Upstream begrenzt das im Sat-Router eingebaute 56k-Modem respektive der ISDN-Anschluss mit 64 kBit/s. Astranet bietet für den Downstream Flatrates mit 512 kBit/s, 768 kBit/s und 1 MBit/s Datenrate über den Satelliten an. Die Preise liegen bei jährlicher Vorauszahlung zwischen rund 20 und 40 Euro pro Monat. Wer sich gleich zwei Jahre bindet, spart rund ein Viertel der Kosten.

Zugang zum Satelliten schafft das sehr reichhaltig bestückte Einsteiger-Set für knapp 70 Euro. Neben dem Sat-Router mit analogem oder ISDN-Anschluss enthält es einen USB-Netzwerkadapter, ein Universal-LNB von MTI mit 4 Sat-Anschlüssen, integrierter Schaltmatrix und einem Rauschmaß von 0,6 dB, einen Sat-Finder mit Kopfhörer, 20 Meter Sat-Kabel mit F-Steckern, Netzwerkkabel sowie die Anschlusskabel zum Telefonnetz.

Zum Starter-Kit für analoge Telefonanschlüsse liefert Astranet zudem einen Y-Verteiler mit, den der Benutzer am Telefonanschluss des Sat-Routers einsteckt. Damit lässt sich ein Telefon hinter dem Router betreiben. Beim Testgerät rastete der Y-Adapter jedoch nicht an der RJ-11-Buchse des Routers ein. Laut Astranet handelt es sich dabei um eine Fertigungstoleranz, die inzwischen ausgemerzt sei.

Problematischer ist, dass Astranet zwar ein Telefonkabel mitliefert, dieses jedoch auf beiden Seiten einen RJ-11-Stecker besitzt. Einen Adapter auf die in Deutschland gebräuchlichen TAE-Stecker sucht man vergebens. Im Rahmen der Internationalisierung und einer einheitlichen Lagerhaltung verzichtet Astranet darauf, landesspezifische Adapter beizulegen. Für 10 bis 20 Euro gibt es im Zubehörhandel jedoch Telefonkabel mit TAE- und RJ-11-Anschluss oder auch Adapter von RJ-11 auf TAE.

Sat-Anlagen umrüsten

Für den Empfang des Sat-Downsteams benötigen Sie eine herkömmliche Satellitenschüssel, die sie auf die Astra-Gruppe auf Position 19,2 Grad Ost ausrichten. Besitzen Sie bereits eine, wird sie sehr wahrscheinlich schon auf Astra ausgerichtet sein, finden sich doch hier die meisten deutschsprachigen Sender. Wer bislang noch keine Schüssel sein Eigen nennt, findet auf den Seiten 68 bis 71 eine kleine Auswahl teils ungewöhnlicher Empfangsantennen.

Der Clou ist, dass Sie gleichzeitig Internet via Satellit und Satellitenfernsehen bekommen. Das Quad-Universal-LNB aus dem Einsteiger-Set passt in praktisch alle Standard-LNB-Halter aktueller und auch älterer Parabolantennen. Probleme bereiten nur Marken-Schüsseln: Hier verwenden die Hersteller meist eigene Befestigungsmethoden, auf die nur die LNBs der eigenen Marke passen. Oft lässt sich aber auf Adapter für Universal-LNBs umrüsten – fragen Sie einfach im Fachhandel nach.

Im einfachsten Fall verfügen Sie bereits über eine digitale Sat-Anlage: Dann müssen Sie lediglich den Sat-Router an Stelle eines Receivers anschließen. Bei Anlagen mit Single- oder Twin-LNB tauschen Sie einfach das vorhandene LNB gegen das Quad-LNB aus dem Starter-Kit aus, müssen dann allerdings auch neue Kabel verlegen.

Alles digital

Analoger und digitaler Satellitenempfang unterscheiden sich lediglich im Frequenzbereich. Analoge Sender arbeiten im so genannten Low-Band von 10,7 bis 11,7 GHz, digitalen Sender dagegen meist im High-Band von 11,7 bis 12,75 GHz. Der Datendienst von Astranet ist im Prinzip nichts anderes als ein Fernsehsender auf der Frequenz 12,090 GHz in vertikaler Polarisation – und damit außerhalb des Empfangsbereichs analoger Sat-Anlagen. Es gibt aber auch Ausnahmen, also digitale Fernsehsender, die im Low-Band betrieben werden.

Problematisch wird es, wenn Sie eine einer vorhandene analoge Mehrteilnehmer-Empfangsanlage umrüsten müssen. Hier gibt es meist unter dem Dach einen analogen Multischalter. Stellt der Multischalter die üblichen Versorgungsspannungen von 13 und 18 Volt bereit, können Sie das vorhandene analoge LNB durch das im Starter-Kit mitgelieferte Quad-LNB ersetzen. Zwei der vier Kabel führen dann weiterhin zum analogen Multischalter, die anderen beiden haben Sie für den Router und einen digitalen Receiver frei. In dieser Konstellation können die anderen Teilnehmer auch weiterhin nur analoge Programme empfangen.

Wollen Sie den vorhandenen Multischalter jedoch gegen einen digitalen ersetzen, sollten Sie auch gleich ein Quattro-LNB ohne Schaltmatrix kaufen: Die meisten digitalen Multischalter stellen nicht die nötigen Versorgungsspannungen und 22-kHz-Signale zur Verfügung, um ein Quad-LNB mit integrierter Schaltmatrix anzusteuern. Mit dieser Variation können alle Teilnehmer digitale Receiver einsetzen, oder die vorhandenen analogen weiterverwenden. Den Sat-Router schließen Sie einfach an einen Abgang des Multischalters an.

Autonomer Router

Der Sat-Router enthält einen DHCP-Server und einen Proxy. Der Anschluss an den PC erfolgt über das mitgelieferte Netzwerkkabel. Haben Sie noch keine Netzwerkkarte, benutzen Sie einfach den USB-Netzwerkadapter aus dem Starter-Kit. Der USB-Adapter ist kompatibel zum Netgear USB100M, beherrscht 10 und 100 MBit/s und läuft mit dem Modul rtl8150 problemlos unter Linux.

Die Einrichtung des Routers erfolgt per Browser. Standardmäßig erreichen Sie den Router unter der IP-Adresse 192.168.30.1. Alternativ stellen Sie Ihre Netzwerkkarte auf DHCP ein und erreichen dann den Router unter der URL http://f10. Die beiden Konfigurationsdialoge für den Telefon-Internetzugang (Abbildung 1) und Astranet beschränken sich aufs Nötigste: Außer Telefonnummer, Benutzername und Passwort brauchen Sie nichts weiter einzugeben.

Abbildung 1: Die Konfiguration es Sat-Routers erfolgt einfach per Web-Browser. Viel zu konfigurieren gibt es jedoch nicht, die meisten Router-Einstellungen kann der Benutzer nicht beeinflussen.

Abbildung 1: Die Konfiguration es Sat-Routers erfolgt einfach per Web-Browser. Viel zu konfigurieren gibt es jedoch nicht, die meisten Router-Einstellungen kann der Benutzer nicht beeinflussen.

Kein automatischer Betrieb

Leider fehlen viele komfortable Funktionen eines herkömmlichen ISDN- oder Modem-Routers. So gibt es zum Beispiel kein Dial-on-Demand und auch keine Unterstützung für dynamische DNS-Server wie DynDNS. Immerhin können Sie angeben, nach welcher inaktiven Zeitspanne oder nach welcher Verbindungszeit eine Zwangstrennung erfolgt. Zur Einwahl müssen Sie die Konfigurations-Seite des Routers ansurfen und dann auf die Schaltfläche Verbinden klicken. Entsprechend funktioniert auch das Auflegen.

Die gemessene Empfangs-Datenrate schwankte im Test mit gut angebundenen Servern zwischen 1,0 und 1,2 MBit/s. Die Antwortzeit lag rund 120 bis 150 Millisekunden über denen eines herkömmlichen DSL-Anschlusses. Das fällt im normalen Surfbetrieb im Vergleich zu DSL kaum auf, Online-Gamer hingegen wird es nicht zufrieden stellen.

Vertrauliche Daten öffentlich lesbar

Eine wichtige Funktion stellt die Möglichkeit dar, bestimmte Websites ausschließlich über Modem oder ISDN und nicht per Satellit beziehen zu können. In den erweiterten Einstellungen (Abbildung 2) lassen sich dazu Server oder einzelne Dienste in die Ausnahmenliste eintragen, bei der nächsten Einwahl überprüft der Router die Daten und speichert sie.

Abbildung 2: Die über den Satelliten-Downlink ausgestrahlten Daten sind in ganz Europa empfangbar, der Feind hört also mit. In die Ausnahmenliste lassen sich Server oder Dienste eintragen, die nur über die Wählleitung übertragen werden.

Abbildung 2: Die über den Satelliten-Downlink ausgestrahlten Daten sind in ganz Europa empfangbar, der Feind hört also mit. In die Ausnahmenliste lassen sich Server oder Dienste eintragen, die nur über die Wählleitung übertragen werden.

Das ist besonders für geschützte Bereiche auf Webservern oder andere nicht öffentliche Informationen unverzichtbar: Astranet überträgt alle Daten völlig unverschlüsselt, so dass praktisch ganz Europa ungestört mitlesen kann. Wer trotzdem nicht auf den schnellen Downlink des Satelliten verzichten will, sollte sich unbedingt VPN-Lösungen wie zum Beispiel OpenVPN ansehen.

Fazit

Das Angebot von Astranet ist nur für Anwender interessant, die herkömmliches DSL über Kabel nicht bekommen können. Den Knackpunkt bildet der Upstream über Modem oder ISDN: Derzeit fallen pro Stunde rund 60 Cent an. Hochgerechnet auf einen Monat mit acht Stunden Internet täglich summiert sich das auf über 100 Euro – zusätzlich zum gewählten Astranet-Tarif. Eine solche Summe dürften nur die wenigsten Privatpersonen investieren. Die höheren Antwortzeiten der Server durch den Umweg über den Satelliten fallen dagegen im Normalbetrieb nicht ins Gewicht.

Was fehlt, ist eine Zweiwegeverbindung per Satellit, die ein Rückkanal über Kabel überflüssig macht. Solche Angebote finden sich nur im professionellen Bereich – allein deshalb schon, weil die nötige Hardware-Ausrüstung mehrere tausend Euro kostet. Wer wenig Upstream benötigt, sondern hauptsächlich Daten aus dem Internet herunterlädt, ist mit dem Einwege-System von Astranet dennoch gut bedient: Die Alternative – ISDN mit Kanalbündelung – ist nicht nur langsamer, sondern auch deutlich teurer als das Astranet-Angebot.

Astranet DSL per Satellit

Anbieter: Astranet http://www.astranet.de

Datenraten: 512 kBit/s bis 1 MBit/s

Preise: 512 kBit/s: 19,95 Euro, 768 kBit/s: 28,95 Euro, 1 MBit/s: 38,95 Euro pro Monat bei 12 Monaten Vorauszahlung. Zusätzlich 69 Euro einmalig für Starter-Kit.

Besonderheiten: Rückkanal per analogem Modem oder ISDN über beliebigen Internet-Provider

Lieferumfang: Sat-Router, USB-Netzwerkadapter, Quad-Universal-LNB mit Schaltmatrix (Rauschmaß: 0,6 dB), Sat-Finder, 20m Koax-Kabel mit Steckern, Netzwerkkabel, Telefonkabel, Netzteil

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