Seit nunmehr sechs Teilen durchquert Beethro Budkin hübsch gekachelte Räume. Genau das macht jedoch einen Heidenspaß und holt nebenbei die kleinen grauen Zellen aus ihrem Sommerurlaub.
Beethro Budkin besitzt nicht nur einen fast unaussprechlichen Namen, er ist als gelernter “Smitemaster” auch für die Entwanzung tödlicher Räume zuständig. Das wiederum kommt König Dugan gerade recht. Seine Wachen haben ihre Mittagessen direkt im Kerker eingenommen, dabei dummerweise herumgekrümelt und so zahlreiche Kakerlaken und anderes Ungetier angelockt. Der Monarch fackelt nicht lange, zitiert Beethro ins Schloss, wirft ihn in den Kerker und verriegelt die Türen. Dem Spieler bleibt nun nichts anderes übrig, als den Helden aus der Vogelperspektive durch zahlreiche, mit tödlichen Fallen und Monstern gespickte Kammern zu steuern. Was zunächst ganz nach einem Actionspiel klingt, entpuppt sich jedoch als knackige Knobelei.
![Abb. 6: Dieses Rätsel stammt aus dem Tutorial von DROD: The City Beneath: Zunächst muss man die Lunte der Bombe berühren und dann einige Züge per [5] warten. Sind die Kakerlaken perdu, öffnet sich die grüne Tür.](https://www.linux-community.de/wp-content/uploads/2010/08/drod18.png1-300x225.jpg)
Abb. 6: Dieses Rätsel stammt aus dem Tutorial von DROD: The City Beneath: Zunächst muss man die Lunte der Bombe berühren und dann einige Züge per [5] warten. Sind die Kakerlaken perdu, öffnet sich die grüne Tür.
Zerhackte Zeit
Deadly Rooms of Death, kurz DROD, läuft strikt rundenbasiert ab, die Bodenfliesen des Kerker dienen gleichzeitig als Spielfelder. Ähnlich wie beim Schach zieht man den Helden mit der Tastatur von Kachel zur Kachel. Mit jedem Schritt machen allerdings auch die computergesteuerten Gegner ihren Zug. Sobald sie das Feld des Helden betreten, stirbt dieser und man muss die Räume vom letzten Speicherpunkt erneut in Angriff nehmen.

Abb. 2: Sobald die Augen den Helden erblicken, robben sie auf ihn zu (Raum aus DROD Architects’ Edition).
Glücklicherweise weiß sich Beethro Budkin mit seinem “wirklich großen Schwert” zu wehren. Es reicht schon aus, ihn mit dem glänzenden Metall voran auf das Feld eines Gegners zu bewegen, um diesen direkt ins Nirwana zu schicken. Trotz Schwert bleibt Beethro jedoch weiterhin verwundbar: Da er für eine Drehung mehrere Züge braucht, ist man einem direkt im Rücken stehenden Monster weiterhin so gut wie ausgeliefert. Folglich gilt es jeden Zug penibel voraus zu planen.
Denk mal
Für Abwechslung im Spielgeschehen sorgen zahlreiche verschiedene Gegnertypen mit unterschiedlichen Verhaltensweisen und Angriffstaktiken. So gibt es neben den Kakerlaken, die direkt auf den Helden zulaufen, auch Glibbermassen, die wie Schleimpilze langsam den Raum füllen, gefräßige Schlangen und überraschend aus den Wänden springendes Ungetier.

Abb. 3: Den Schlangen kann man nur den Schwanz kürzen oder aber sie gegen eine Wand lenken (Raum aus DROD: Architects’ Edition).
Den Weg versperren immer wieder verschiedenartige Türen, die sich erst unter ganz bestimmten Bedingungen öffnen. Spezialkacheln erlauben nur den Durchgang in eine Richtung oder zerbröseln beim Betreten, während gezündete Bomben gleich mehrere Monster in ihrer Umgebung in die Luft sprengen. Es ist schier unglaublich, welche mitunter kuriosen Ideen die Entwickler auffahren, fast in jedem Raum warten neue Todesarten. Und wem die 350 Kammern pro Spiel nicht ausreichen, der bastelt mit dem eingebauten Editor kurzerhand seine eigenen Level.

Abb. 4: Zerteilt man diese Glibberhaufen, spalten sich angriffslustige Bällchen ab (Raum aus DROD: The City Beneath).
Traditionsreich
Die Deadly Rooms of Death blicken auf eine recht bewegte und lange Geschichte zurück. Die erste Fassung erschien bereits 1997 als kommerzielles Spiel für Windows. Ihr Autor Erik Hermansen erhielt drei Jahre später vom Vertrieb die Erlaubnis, DROD als Open-Source zu veröffentlichen. Er stellte das Spiel jedoch nicht einfach ins Internet, sondern entwickelte es zusammen mit vielen weiteren Freiwilligen von Grund auf neu, verpasste ihm eine bessere Grafik und neue Musikstücke. Das Ergebnis steht als DROD Architects’ Edition immer noch auf Sourceforge samt Quellcode zum Download bereit [2].

Abb. 5: Die kommerziellen DROD-Teile wie hier The City Beneath warten nicht nur mit größerer und hübscherer Grafik auf, sie bieten auch abwechslungsreiche Landschaften, eine umfangreiche Hintergrundgeschichte und Adventure-Elemente.
Nach der Fertigstellung der Architects’ Edition beschlossen Eric Hermansen und Mitentwickler Mike Rimer neue kommerzielle DROD-Spiele zu entwickeln. Rimer gründete dazu eigens Cravel Games, die in den folgenden Jahren DROD-Spiele fast wie am Fließband produzierten [1]. So erschien der zweite Serienteil 2005 unter dem Namen Journey to Rooted Hold, der dritte 2007 als The City Beneath. Im Vergleich zur Architects’ Edition besitzen sie von allem mehr: Nochmals bessere Grafik, eine ausgefeiltere Hintergrundgeschichte und einen zusätzlichen Satz Monster. Zwischendurch gab es noch eine kommerzielle Neuauflage des ersten DROD unter dem Namen DROD: King Dugan’s Dungeon, das zusammen mit ein paar Erweiterungen als Smitemaster’s Selections und noch einmal aufgebohrt als Smitemaster for Hire Käufer sucht. In der Auskopplung DROD RPG spendierte Mike Rimer dem Spielprinzip schließlich noch ein paar Rollenspielelemente.
![Abb. 6: Dieses Rätsel stammt aus dem Tutorial von DROD: The City Beneath: Zunächst muss man die Lunte der Bombe berühren und dann einige Züge per [5] warten. Sind die Kakerlaken perdu, öffnet sich die grüne Tür.](https://www.linux-community.de/wp-content/uploads/2010/08/drod18.png1-300x225.jpg)
Abb. 6: Dieses Rätsel stammt aus dem Tutorial von DROD: The City Beneath: Zunächst muss man die Lunte der Bombe berühren und dann einige Züge per [5] warten. Sind die Kakerlaken perdu, öffnet sich die grüne Tür.
Zahlemann und Söhne
Bis auf die DROD Architects’ Edition sind alle genannten Spiele kostenpflichtig. Wer sich mit einem Download zufrieden gibt, zahlt pro Folge ca. 20 Dollar, eine CD kostet 5 Dollar mehr. Den dritten Teil The City Beneath gibt es auch noch einmal als 36 Dollar teures Deluxe Limited-Edition CD Boxed Set, dem noch Bonusmaterial, wie eine gedruckte Landkarte beiliegt.
Vorab knobeln darf man mit den Testversionen, die für alle Teile auf der Caravel Games Homepage bereitstehen. Die heruntergeladene Datei macht man zunächst ausführbar (in der Regel über die rechte Maustaste und dann den Eigenschaften), startet sie und folgt den Anweisungen des Installationsprogramms.

Abb. 7: In DROD: The City Beneath muss man die Bürokratie und diese elend lange Schlange überwinden. Das klappt nur durch zahlreiche Gespräche.
Das Spiel selbst ist weitgehend selbsterklärend. Nachdem man seinen Namen preis gegeben hat, wählt man im Hauptmenü der Architects’ Edition den Punkt Continue. In den kommerziellen Teilen beziehungsweise ihren Testversionen sollten Einsteiger unbedingt einmal das Tutorial mitmachen. Den Helden zieht man über die Tasten des Nummerblocks, mit der [5] bleibt er einen Zug lang stehen. Via [Q] und [W] dreht man ihn um die eigene Achse, [ESC] kehrt zum Menü zurück.
Fazit
DROD besitzt ein extrem simples Spielprinzip, die Grafiken waren vor 20 Jahren aktuell und dennoch fesseln die Räume des Todes Stunden lang an den Bildschirm. Man ertappt sich immer wieder dabei, nur noch schnell mal eben den nächsten Raum lösen zu wollen. Gemeinerweise sorgt der Editor noch für fast unbegrenzten Puzzel-Nachschub.
Auch wenn es Adventure-, Action- und Rollenspielelemente enthält, bleibt DROD ein waschechtes und knackiges Denkspiel. Man könnte es am ehesten als eine Mischung aus Tomb Raider und Sokoban beschreiben. Für Puzzelexperten und Denkspielliebhaber ist die DROD-Reihe schon fast ein Muss, allen anderen empfiehlt sich eine Runde mit dem kostenlosen Architects’ Edition, sowie den Testversionen.
DROD
| Bezugsquelle: | http://caravelgames.com |
| Entwickler: | Caravel Games |
| Lizenz: | Kommerziell, die Architects’ Edition ist kostenlos |
| Preis: | 19,95 Dollar pro Serienteil als Download |
| Voraussetzungen: | Halbwegs aktuelle Linux-Distribution |
Infos
[1] Caravel Games: http://caravelgames.com
[2] DROD Architects’ Edition: http://sourceforge.net/projects/drod/files/





