Manchmal sind es die einfachen Spielideen, die stundenlang an den Bildschirm fesseln. Das beweist auch das kommerzielle Geschicklichkeitsspiel Osmos, in dem größere Kreise ihre kleineren Pendants fressen. Klingt langweilig, macht aber gnadenlos süchtig.
Bei der so genannten Osmose wandern Moleküle durch eine Zellmembran. Sie sorgt beispielsweise dafür, dass sich Kirschen automatisch mit Regenwasser voll saugen und platzen. Das Geschicklichkeitsspiel Osmos greift genau dieses physikalische Prinzip auf.
Saugkraft
Als Spieler kontrolliert man eine blau leuchtende Energiekugel. Sobald sie an kleinere Kollegen stößt, saugt sie diese aus und beginnt zu wachsen. Umgekehrt sollte man sich von größeren Kugeln fern halten, um nicht selbst als Nahrung zu enden. Damit wäre das gesamte Spielprinzip eigentlich schon erklärt. Wäre da nicht noch ein kleines, fieses Detail.

Abbildung 1: Stößt man auf einen kleineren Ball, saugt man diesen ein. Beim Zusammenstoß mit rote Energiekugeln würde man selbst absorbiert.
Um sich vorwärts zu bewegen, nutzen die Energiekugeln das Prinzip des Rückstoßes. Sie werfen also ein Teil des gefressenen Materials wieder nach hinten weg. Je schneller man die Kugel voran treibt, desto schneller verliert sie an Gewicht und schrumpft wieder ein. Gleichzeitig bildet das weggeschleuderte Material neue, kleine Energiekugeln. Wenn man Pech hat, fressen gegnerische Kugeln erst die ausgestoßenen Energiebälle und dann frisch erstarkt wiederum die eigene Kugel.

Abbildung 2: Das Tutorial übt die Steuerung: Ein Klick mit der linken Maustaste schleudert etwas Energie heraus und treibt so den Ball in die entgegengesetzte Richtung.
Auftragslage
Jeder Level stellt den Spieler vor eine andere Aufgabe. Gilt es zunächst nur zur größten Kugel im Universum heranzuwachsen, muss man später unter anderem spezielle Feinde schlucken. Für weitere Abwechslung im Spielgeschehen sorgen fiese Fremdkörper. So zieht beispielsweise ein Riesenplanet nicht nur unaufhaltsam alle Energiekugeln in seiner Umgebung an, sondern zwingt sie auch noch auf eine rotierende Umlaufbahn. Hier muss man nicht nur ständig dem alles vernichtenden Fremdkörper entfliehen, sondern gleich auch noch größeren, heranfliegenden Gegner ausweichen.

Abbildung 3: In diesem Level gilt es das grüne Biophob zu schlucken. Das klappt freilich nur mit der richtigen Größe.
Einsteiger führt Osmos in den ersten Leveln langsam an die Bedienung und das Spielprinzip heran. So lernt man zunächst die eigene Energiekugel mit der Maus zu beschleunigen, dann gegnerische Bälle zu schlucken. Der Schwierigkeitsgrad steigt dabei behutsam an. Mit der indirekten Maussteuerung dürfte allerdings nicht jeder auf Anhieb zurecht kommen: Um den eigenen Energieball nach rechts zu beschleunigen, klickt man auf seine linke Seite. Insbesondere wenn in späteren Leveln zahlreiche gegnerische Kugeln um die eigene herumwuseln, wünscht man sich eine direkte Steuerung über die Tastatur.

Abbildung 4: In diesem Level zieht der große, rote Planet unten links nicht nur alle Energiekugeln an, sondern zwingt sie auch noch auf eine Umlaufbahn.
Vertreterbesuch
Wer Osmos unverbindlich ausprobieren möchte, findet auf der Homepage des Entwicklers Hemisphere Games eine recht umfangreiche Testversion [1]. Für Linux stehen hier fertige Pakete im RPM und .deb-Format, sowie als einfaches .tar.gz-Archiv bereit. Um nach der Installation des Pakets die Testversion zu starten, tippt man in einem Terminalfenster einfach OsmosDemo ein. Alles weitere erklären die deutschen Bildschirmtexte, per [Esc] gelangt man jederzeit an ein Menü, über das man das Spiel auch wieder beendet.
Die Vollversion von Osmos kostet 10 Dollar. Sie bringt insgesamt 47 Level nebst einigen Bonusinhalten mit. Darüber hinaus darf man jeden Level mit einem zufälligen Aufbau neu starten. Im Preis enthalten sind übrigens neben der Linux- auch die Mac OS X und Windows-Versionen.
Fazit
Ähnlich wie Tetris ist Osmos schnell erlernt, aber schwierig zu meistern. Der langsam ansteigende Schwierigkeitsgrad motiviert zudem “nur noch einen weiteren Level” zu spielen. Wer Osmos einmal startet, kommt so schnell nicht wieder davon los – vorausgesetzt man verzweifelt nicht an der indirekten Steuerung.

Abbildung 6: Erst beim herauszoomen mit dem Mausrad entpuppen sich manche Level als äußerst knifflig.
Die Grafik ist zweckmäßig, mit ihren Farbeffekten aber dennoch hübsch anzuschauen. Im Hintergrund dudeln Musikstücke, die man eigentlich auf einer Entspannungs-CD vermuten würde, zum Szenario und der Weltraumatmosphäre aber recht gut passen.
Osmos erinnert am ehesten an das mittlerweile vergessene E-Motion aus dem Jahr 1990 [5]. Wer derartige Geschicklichkeits- und Denkspiele mag oder bereits World of Goo [3] und GISH [4] liebte, sollte unbedingt einen Blick riskieren. Die moderaten 10 Dollar ist Osmos jedenfalls wert.
Osmos
| Bezugsquelle: | http://www.hemispheregames.com/osmos/ |
| Entwickler: | Hemisphere Games |
| Lizenz: | Kommerziell |
| Preis: | 10 Dollar |
| Voraussetzungen: | Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik |
Infos
[1] Projekt-Homepage: http://www.hemispheregames.com/osmos/
[2] Hemisphere Games: http://www.hemispheregames.com/
[3] World of Goo: http://www.worldofgoo.com/
[4] GISH: http://www.crypticsea.com/gish/
[5] E-Motion: http://en.wikipedia.org/wiki/E-Motion






