Das kleine unabhängige Entwicklerstudio Kot-in-Action Creative Artel lässt es in ihrem Erstlingswerk ordentlich krachen. Das mehr als ansehnliche Actionspektakel gibt es sogar komplett zum Nulltarif.
In Steel Storm blickt man von oben in die Straßen einer futuristischen Großstadt, die man mit einer Kreuzung aus Panzer und Luftkissenfahrzeug erkundet. Mit dem eingebauten Maschinengewehr schießt man dabei auf alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Dazu zählen insbesondere auch die wehrhaften außerirdischen Eindringlinge, die offenbar in ihren Raumschiffen wieder einmal die Welt erobern wollen. Genaueres erfährt man leider nicht, da eine Hintergrundgeschichte komplett fehlt. Für jeden Treffer gibt es immerhin Punkte, in explosiven Kisten versteckte Bonusgegenstände rüsten das eigene Gefährt mit neuen Waffen oder Schilden aus.
Einsatzbefehl
Steel Storm bietet sowohl für Einzel-, als auch Mehrspielerpartien mehrere unterschiedliche Spielmodi. Wer Solo gegen die Außerirdischen antreten möchte, hat die Wahl zwischen einer Kampagne und einem Zeitmodus. Während es im letzt genannten einfach nur darum geht, möglichst schnell den Ausgang einer Karte zu erreichen, meistert man in der Kampagne mehrere, aufeinander aufbauende Missionen. So gilt es einmal alle Gegner von der Karte zu pusten, ein anderes Mal ein ganz bestimmtes Gebäude in die Luft zu jagen.
Die einzelnen Missionen umfassen dabei primäre Ziele, die man unbedingt erledigen muss, sowie hin und wieder auch sekundäre Ziele, die zusätzliche Punkte einbringen. Den nächsten Auftrag darf man allerdings erst annehmen, wenn die älteren bereits gelöst wurden. Für eine Mission stehen insgesamt drei Ersatzraumschiffe parat. Wer sich alle hat Schrottreif schießen lassen, muss die Mission komplett von vorne beginnen.

Abbildung 3: Die Außenbereiche bestehen aus einer kargen Wüstenlandschaft. Der grüne Punkt rechts neben dem Luftkissenpanzer ist ein ausgelöster Schalter, der irgendwo im Level ein Tor geöffnet hat.
Abgespeckt
Die launige Ballerei in engen Häuserschluchten ist allerdings recht schnell wieder vorbei: Steel Storm bietet lediglich sechs Missionen auf ebenso vielen unterschiedlichen Karten. Die wurden immerhin abwechslungsreich und liebevoll gestaltet, im späteren Verlauf verlässt man sogar die Stadt und ballert sich durch karge Wüstenlandschaften. Weiteren Levelnachschub könnte man eigentlich mit dem mitgelieferten Karteneditor erstellen. Dieser trägt seinen Namen jedoch zu unrecht, erlaubt er doch nur die mitgelieferten Karten mit allerlei Gegenständen und Feinden neu zu möblieren. Am Grundriss der Straßen und Gassen darf man nicht rütteln.

Abbildung 4: Im Karteneditor darf man die vorhandenen Level neu ausstatten, indem man beispielsweise wie hier Palmen auf Gehwegen drapiert.
Mehrspieler werfen sich über das Internet entweder im Deathmatch-Modus solange Waffen an den Kopf, bis nur noch einer übrig bleibt oder säubern gemeinsam im Coop-Modus die Einzelspielerkarten von computergesteuerten Angreifern.

Abbildung 5: Hinter den gelb gestreiften Barrieren kann man insbesondere im Mehrspielermodus Deckung suchen.
Doppeltgemoppelt
Der Hersteller mit dem langen Namen Kot-in-Action Creative Artel geht bei der Lizenzierung einen zweigeteilten Weg: Das Programm selbst steht unter der GPL v2. Jeder kann den Programmcode einsehen, verändern und mit ihm sogar sein eigenes Spiel erstellen. Die Spieldaten, Grafiken und Musik stehen wiederum unter einer Creative Commons-Lizenz (genauer gesagt CC-BY-NC-SA 3.0). Das alles gilt jedoch nur für die Episode I. Den Zugang zum gerade in Arbeit befindlichen zweiten Teil der Steel Storm-Serie muss man sich derzeit für 10 Dollar erkaufen [2].

Abbildung 6: Gerade in solchen engen Gängen ist Vorsicht geboten, damit man sich nicht mit den ganzen explosiven Kisten selbst mit in die Luft sprengt.
Am Drücker
Um eine Runde mit dem Luftkissenpanzer zu drehen, angelt man sich im Download-Bereich der Steel Storm Homepage das Full game-Paket, entpackt es auf der Festplatte und startet das Programm steelstorm. Besitzer eines 64-Bit Systems verwenden das Pendant steelstorm64.

Abbildung 7: Das große, runde und gelb leuchtende Ding rechts im Bild ist ein Teleporter, der den Luftkissenpanzer an eine andere Stelle auf der Karte verfrachtet. Levelausgänge sehen ganz ähnlich aus.
Im Spiel erstellt man zunächst ein neues Benutzerprofil und wählt dann im etwas überladen wirkenden Menü einen Spielmodus. Wer als Einzelkämpfer an den Start geht (Single Player), hat die Wahl zwischen einem einfachen (Arcade) und einem höheren (Classic) Schwierigkeitsgrad. Anfänger sollten hier zunächst zum Arcade-Modus greifen und erst nach ein paar Übungsrunden auf Classic umschalten. Das eigene Gefährt lenkt man mit den Tasten [W],[A],[S] und [D] durch die Häuserschluchten. Mit der Maus schaut man sich um, die linke Maustaste feuert, während die rechte Spezialwaffen abschießt. Auf viele Hindernisse und Gegenstände muss man länger feuern, bis sie in Rauch aufgehen.

Abbildung 8: Zwei Gegner segnen hier gerade das Zeitliche, das rote schon qualmende Geschütz zur Rechten ist gleich fällig. Über die kleine Karte rechts oben behält man leidlich die Orientierung.
Fazit
Kot-in-Action liefert mit Steel Storm im wahrsten Sinne des Wortes ein kleines Grafikfeuerwerk ab. Überall explodieren Gegner, Fässer und andere Aufbauten. Das Spiel selbst ist ein schneller, solider Arcadeshooter ohne große Ecken und Kanten, der es Qualitativ durchaus mit so manch kleinem Vollpreisspiel aufnehmen kann.

Abbildung 9: Diese Ansicht täuscht: Als Luftkissenpanzer kann man keine schiefen Ebenen hoch- oder runterschießen – die Gegner allerdings schon.
Der Untertitel “Episode I” weist allerdings auch leise auf die Schattenseiten hin: Die sechs Karten hat man recht schnell durchgespielt, woran auch der abgemagerte Karteneditor nichts ändern kann. Zudem vermisst man eine motivierende Hintergrundgeschichte, die insbesondere die Missionen der Einzelspielerkampagne zusammenhält.
Trotz aller Kritik macht bereits die erste Episode der Steel Storm-Reihe immer wieder für eine Runde Spaß und gehört zum Pflichtprogramm für Ballerspielfreunde.
Steel Storm – Episode I
| Bezugsquelle: | http://www.steel-storm.com/ |
| Entwickler: | Kot-in-Action Creative Artel |
| Lizenz: | GPL v2 / Creative Commons (CC-BY-NC-SA 3.0) |
| Preis: | 10 Dollar |
| Voraussetzungen: | Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik und mindestens Kernel 2.6.32-24, sowie 1 GB Hauptspeicher. |
Infos
[1] Projekt-Homepage: http://www.steel-storm.com/
[2] Steel Storm Episode II: http://www.steel-storm.com/ss_buy.html







