Ergänzend zum Browsertest in der aktuellen LinuxUser-Ausgabe haben wir uns Opera 10 und die Beta-Version von Chrome/Chromium 4.0 angesehen und vergleichen diese mit den Standard-Browsern unter Linux.
Zusätzlich zum aktuellen Browser-Benchmark im LinuxUser gesellt sich ein neuer Vertreter dieser Zunft: Peacekeeper vom finnischen Benchmark-Spezialisten Futuremark ist ein sehr extensiver Test, der alle möglichen Leistungs-Szenarien simuliert, die Wartezeiten im Browser verursachen können. Unser Testsystem ist ein AthlonX2 4600+ mit 2,4 GHz unter Ubuntu 9.04 32 Bit. Die Binaries wurden über Repositories geladen oder — im Falle Opera — direkt von der Hersteller-Homepage.
Opera 10
Der norwegische Browser ist in Version 10 der erste, der den Acid3-Webstandard-Test mit Bravour besteht. Er erreicht 100 von 100 Punkten (Opera 9.64: 85 Punkte) und ist absolut pixelexakt zum Referenz-Rendering. Der einzige Kritikpunkt ist, dass die Animation nicht flüssig abläuft – das tut sie jedoch bei keinem Browser. Somit schlägt Opera 10 nun unseren Webstandard-Spitzenreiter in Heft 10/2009, Firefox 3.5.2. Dieser ist zwar auch pixelexakt, kommt aber nur auf 93 von 100 Punkten, da eines der Quadrate die falsche Farbe hat.
Auch geschwindigkeitstechnisch haben die Norweger nachgelegt: Satte 83% schneller in Javascript, 15,5% schneller im GUImark und 53% schneller in Peacekeeper ist die Zehner-Version. Trotz des Zugewinns ist Opera dennoch weiterhin einer der langsamsten Linux-Browser, auch mit 83% mehr Leistung in Javascript kann er nur zu Firefox 3.08 und Epiphany 2.25.1 aufschließen, Firefox 3.5.2 und vor allem Chrome sind immer noch deutlich schneller. Im GUImark belegt Opera nach wie vor deutlich abgeschlagen den letzten Platz, aber in Peacekeeper setzt sich der nordische Browser, vormals in Version 9.64 abgeschlagener Letzter, in Version 10 nun zumindest knapp vor Firefox 3.0.8, Konqueror 4.2.2 und Epiphany 2.25.1. Firefox 3.5.2 ist nun in Schlagweite, Chrome führt in diesem Test jedoch mit weitem Vorsprung vor allen anderen.
Mit 28 Megabyte statt 31 in Version 9.64 hat Opera auch den Speicherverbrauch etwas reduziert. Ein ausführlicher Test von Opera 10, der auch die neuen Features bespricht, findet sich im aktuellen EasyLinux 04/2009.
Chrome/Chromium 4.0 beta
Im Acid3-Test hat sich nichts geändert: Chrome erreicht weiterhin 100 von 100 Punkten, das Rendering ist allerdings alles andere als pixelexakt und trägt weiterhin das unerwünschte Kreuz rechts oben.
Leistungstechnisch scheint sich im Zuge der Entwicklung einiges zu ändern: War die Chromium-Version 4.0.1xx der letzten Woche noch 6,1% schneller in Peacekeeper und 9,6% schneller in Javascript als Chromium 3.0 beta, so ist die Version 4.0.212 dieser Woche ein ganzes Drittel langsamer geworden in Peacekeeper als die 3.0-Vorgänger-Beta. Auch im Dromaeo-Javascript-Benchmark verliert Chromium 3,8% Leistung. Es steht zu hoffen, dass der Auslöser ein unoptimiertes Kompilat oder aktivierte Debug-Funktionen sind, und dass der Browser bald wieder zu letztwöchigen Leistungsdimensionen zurückfindet.
Die Chrome-4-beta der letzten Woche konnten wir leider nicht testen, aber da Chrome vorher schon deutlich langsamer in Javascript war als Chromium, legt hier die Version 4.0.211.2 um 14% zu. Im Peacekeeper-Test muss jedoch auch Chrome Federn lassen in der dieswöchigen Version: Rund 19% langsamer ist die aktuelle Beta.
Der Dromaeo Javascript-Benchmark reichert die V8-Javascript-Benchmarks von Google und die Sunspider-Benchmarks der KHTML/Webkit-Entwickler durch eigene an und führt sehr langwierige Testläufe durch, um Messfehler zu marginalisieren.
Der GUImark misst die reine Zeichen-Geschwindigkeit der Browser-Engine.
Peacekeeper Rendering testet – ähnlich wie der GUImark – die reine Zeichengeschwindigkeit des Browsers.
Peacekeeper Social Networking testet die Leistung bei Javascript-basierten dynamischen Webseiten des Web 2.0.
Peacekeeper Complex GFX testet Canvas-Rendering, eine neue Technik, die allerdings noch kaum “in freier Wildbahn” anzutreffen ist.
Peacekeeper Data und DOM-Operations testen Javascript-Leistung beim Berechnen und beim Erzeugen dynamischer Webseiten über das Document Object Model.
Peacekeeper Text Parsing prüft die Leistung des Browsers bei String-Manipulationen.
In der Peacekeeper-Gesamtwertung fließen alle Untertests außer dem in der Praxis noch kaum relevanten Complex GFX-Test ein.
Fazit
Chrome wird mit jedem Preview besser, Version 4 hat offensichtlich noch Potential, die schon sehr schnelle Version 3 sogar zu übertreffen. Opera 10 legt zwar ein paar ordentliche Briketts unter den Kessel, ist aber weiterhin unter Linux bei weitem nicht “the fastest Browser on Earth”. Dafür — zumindest laut Acid3-Test — nun wenigstens der standardkompatibelste.














