Auf dem Ubuntu Developer Summit in Brüssel stellte Mark Shuttleworth die für Ubuntu 10.10 geplante Netbook-Oberfläche Unity vor. Die LinuxCommunity hat sie sich näher angeschaut.
Ab 10 Zoll abwärts wird es eng mit den Pixeln auf dem Display. Richtig erkannt und entsprechend gehandelt hat Apple mit dem iPhone, Asus mit der angepassten Linux-Oberfläche für die ersten Eee-PC-Geräte und nun auch Canonical. Für die ehemals unter dem Titel Ubuntu Netbook Remix und nun offiziell als Ubuntu Netbook Edition geführte Ubuntu-Version für kleine Displays möchte man für Ubuntu 10.10 alias Maverik Meerkat neue Wege beschreiten.
Unity installieren
Unity soll die Kernkomponente der neuen Ubuntu-Version Ubuntu Light werden. Doch während Ubuntu Light vorerst nur OEMs zur Verfügung steht, kann man Unity auf jedem beliebigen Ubuntu-System ausprobieren. Dazu muss man zunächst das passende PPA-Repository als Quelle hinzufügen und anschließend das Paket unity installieren. Folgende drei Befehle erledigen dies auf der Kommandozeile:
sudo add-apt-repository ppa:canonical-dx-team/une sudo apt-get update sudo apt-get install unity
Wer die passende Apt-Zeile lieber von Hand hinzufügt, hier der entsprechende Eintrag für Lucid:
deb http://ppa.launchpad.net/canonical-dx-team/une/ubuntu lucid main
Nach der Installation von Unity meldet man sich vom System ab und findet anschließend einen Eintrag Ubuntu Unity Netbook Edition in der Session-Auswahl des Gnome-Loginmanagers.
Erster Eindruck
Der aktuelle vorliegende Code ist eine erste Arbeitsversion, die Canonical Feedback bringen soll. Insofern sind viele Dinge noch nicht in Stein gemeißelt und es funktioniert auch noch nicht alles wie gewünscht. So zeigt zum Beispiel die Uhr kein 24-Stunden-Format an und ein Klick auf Open Calendar startet den Einrichtungsassistenten von Evolution anstelle des kleinen Gnome-Kalenders. Aber die Richtung, welche Canonical gehen wird, ist bereits deutlich zu erkennen, so zeigen sämtliche Indikatoren des Panels per Rechts- und Linksklick die gleichen Informationen an. Davon weicht zurzeit einzig der Netzwerkmanager ab.
Links oben befindet sich das Ubuntu-Logo. Im Unterschied zur Desktop-Version verbirgt sich hier kein Menü sondern ein Klick auf das Logo schaltet in den Exposé-Modus um, der sämtliche Fenster nebeneinander anzeigt. Aus dieser Ansicht wird auch klar, dass Unity zwingendermaßen auf 3D-Beschleunigung setzt.
Gleich daneben befindet sich ein Suchfeld für die Recherche im Internet über Google. Ein Menü gibt es nicht, auch auf den bei Power-Usern beliebten Schnellstarter über [Alt]+[F2] muss man unter Unity verzichten. Anwendungen startet man über das zusätzliche Panel an der linken Fensterseite, Dock genannt. Dem Mac-Stil treu bleibend zeigt es bei Programmen, die gerade aktiv sind, ein kleines Dreieck an. Ein zweites Dreieck zur rechten Seite markiert die aktive Anwendung. Die einzelnen Symbole lassen sich per Drag & Drop anordnen, zieht man eine Anwendung vom Panel weg, dann beendet man damit das Programm.
Ein weiteres Detail hat sich Ubuntu für Unity bei Apple abgeschaut. So startet ein Klick auf das Symbol Applications schlicht Nautilus im Verzeichnis /usr/share/applications. Die hier zur Verfügung stehenden Anwendungen wird Canonical vermutlich noch anpassen, wobei zahlreiche Änderungen gegenüber der Upstream-Version von Gnome zu erwarten sind. Alternativ legt Canonical ein anderes Verzeichnis fest und versieht seine Programme mit passenden .desktop-Dateien.
Die im linken Panel vorhandenen Einträge lassen sich per Rechtsklick entfernen, das Ablegen von zusätzlichen Anwendungen per Drag & Drop funktioniert hingegen nicht und bringt Unity zum Absturz. Stattdessen muss man das Programm zunächst starten und danach per Rechtsklick auf das Symbol und die Auswahl von Im Startprogramm behalten fixieren.
Ein Detail, das auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist: Das linke Panel lässt sich per Mauszeiger scrollen und bietet somit für deutlich mehr Schnellstartsymbole Platz.
Fazit
Für ein echtes Fazit ist es beim aktuellen Entwicklungsstand noch deutlich zu früh. Es fehlen noch sehr viele Bereiche, so gibt es beispielsweise keine Möglichkeit, an die Einstellungen zu gelangen und zum Beispiel das Hintergrundbild des Desktops einzurichten.
Stellt man sich das linke Panel am unteren Bildschirmrand vor und denkt zudem daran, dass das Globale Menü die Menüleiste ins Panel verschiebt, dann kommt Unity einem kompletten Mac-OS-Klon schon sehr nahe. In puncto Performance muss Canonical allerdings noch einmal über die Bücher. Während die CPU-Auslastung unter dem Standard-Gnome-Desktop den Lüfter auf unserem Testgerät nur ab und an einschaltete, lief er unter Unity praktisch auf Dauerbetrieb, wobei der Fenstermanager mutter mit rund 7 Prozent CPU-Nutzung negativ auffiel. Doch bis zum Oktober 2010 hat Canonical ja noch viel Zeit, um an UNE und Unity zu feilen.










Ich persönlich find es nicht schlimm, dass sich Ubuntu gerade Mac als Vorbild nimmt. Ist wird ja nicht blind kopiert, sondern sich auf das nützliche beschränkt.
Was mir aber gerade etwas Sorgen macht ist, ob Apple nicht irgendwann die Patentkeule gegen Canonical schwingt.
Ich meine, wenn ich lese worum es in den Patenverfahren von Nokia <-> Apple oder HTC <-> Apple geht, scheint das doch gar nicht so unrealistisch.
Zur Zeit ist Ubuntu vielleicht nicht gefährlich genug von Apple aber früher oder später mag sich das ändern.
Gruß
Hallo, als Nutzer des aktuellen Ubuntu Netbook Remix auf einem Eee 901GO sehe ich die vorgestellten Features eher als Verschlimmbesserung und Mode-Hörigkeit. Der aktuelle Netbook-Remix ist nicht der Weisheit letzter Schluss, tw. etwas buggy und die Performance könnte deutlich besser sein. Aber der Platz wird optimal genutzt, mir gefällt vor allem die Integration der Fenster-Titelleiste in die Taskleiste und die Nutzung des Desktops als Hauptmenü. (Ich brauche keinen “Desktop” für Dateien und Schnellstarter – Die sind eh immer von Fenstern verdeckt, wenn ich sie brauche :-) ) Und Unity? Ein paar Mode-Accessoires zum Thema “Cloud” und “Internet”. Eine senkrechte Schnellstartleiste… Mehr »
Mir gefällt Kubuntu wesentlich besser. Es ist nicht nur stylischer, sondern dank KDE auch viel übersichtlicher. Das Unity-Startmenü wirkt ziemlich altbacken. Ich finde auch, dass es ziemlich nervt. Die Übersichtlichkeit über vorhandene Anwendungen ist bei KDE viel besser gelöst. Auch auf Netbooks läuft Kubuntu gut. Das einzige – dafür aber gravierende Problem – ist die mangelnde Unterstützung für WLAN. Das Problem gab es in der 10.4 – Version wohl nicht, jetzt aber leider wieder!!! Ein Linux-Einsteiger wird daran schier verzweifeln. Dummerweise merkte ich dies erst, nachdem ich Kubuntu 10.10 bereits installiert hatte. Also: für etwas, das nichts kostet ganz nett.… Mehr »
Ich habe verschiedene Desktops auf dem Lenovo Ideapad, verwende aber fast ausschließlich LXDE und manchmal KDE, wenn ich Lust darauf habe. Gnome ist aber auch problemlos. Die Basis ist Debian Squeeze. Ich verstehe einfach nicht, welche Vorteile Unity bringen soll. Besonders LXDE passt sich hervorragend an den Bildschirm an.