Viel wurde schon geschrieben über das WeTab, ein Linux-basiertes Tablet aus deutschen Landen mit schicker Oberfläche. Nun hatten wir endlich mal Gelegenheit, das Gerät mit eigenen Händen auszuprobieren.
Im persönlichen Gespräch mit den Pressevertretern erfahren wir einige interessante Hintergrundinformationen zum Produkt und den beteiligten Firmen. Die Neofonie GmbH, die primär für die WeMagazine Publishing-Infrastruktur verantwortlich zeichnet, hat mit der Münchner 4tiitoo AG, welche sich um die Software kümmert, die WeTab GmbH gegründet. Gefertigt wird das Gerät in Fernost, Support und Logistik hierzulande übernimmt der von ALDI bekannte Hersteller Medion.
Hardware
Die Spezifikation hat sich seit der auf dem Linuxtag angekündigten etwas geändert: Das nun 1 kg schwere finale Gerät (auf dem Linuxtag 2010 war noch von 800 Gramm die Rede) hat einen Singlecore Atom N450 der Pinetrail-Generation mit integriertem GMA 3150-Grafikkern, keinen Dualcore. Zwei USB 2.0-Ports erlauben den Anschluss von Peripherie, außerdem gibt es einen HDMI-C Mini-Port sowie Audio-Klinke in/out für Headsets und Kopfhörer. Ein SDHC-Port in voller Größe und ein Anschluss für eine Dockingstation komplettieren die Anschlüsse. Intern finden sich WLAN nach N-Draft, Beschleunigungs- und Umgebungslichtsensor, 1 GByte RAM, eine zum Anwender zeigende 1,3 Mpixel-Webcam mit integriertem Mikrofon für Videochat, Stereolautsprecher sowie Bluetooth 2.1 EDR. Die kleine Version des 294 ×194 ×14mm großen Tablets wird angeblich schon ab nächsten Dienstag mit 16 GByte NAND-Speicher für 450 Euro im Handel (bei Amazon oder Mediamarkt) erhältlich sein. Die große Version für 570 Euro hat 32 GByte sowie zusätzlich ein Huawei-3G-Modem (welches auch GPS integriert) inklusive SIM-Slot für mobiles Internet und einen Broadcom-HD-Beschleunigerchip für Videowiedergabe. Das WeTab hat einen kapazitiven 11,6-Zoll-Multitouch-Bildschirm mit HD-ready-Auflösung (1366×768, 16:9 Seitenverhältnis) und einen Akku, der für 5-6 Stunden Internetsurfen oder 3 Stunden HD-Videowiedergabe ausreichen soll. Oben links über dem Display ist ein (bei den Vorführgeräten noch disfunktionaler) Knopf, um Fullscreenanwendungen zu beenden — neben dem rückwärtigen Einschaltknopf der einzige Knopf am ganzen Gerät. Als optionales Zubehör gibt es ab Oktober ein Dock (69 Euro) und eine passende Bluetooth-Tastatur.
Software
Die Entwicklung des WeTab begann schon im November 2006 – also lange vor iPhone und iPad. Zuerst diente Debian als Basis, später schwenkte man auf Ubuntu um, als dieses populär wurde, bis man sich dann schlussendlich für Meego entschied. Das WeTab nutzt übrigens schon länger Meego als Basis, aus Rücksicht auf den WeTab-Partner Intel wollte man jedoch einen größeren Event abwarten, um dies öffentlich bekanntzugeben; Die IFA 2010.
Über der Meego-Basis sitzt das von 4tiitoo entwickelte Userinterface, was durchaus zu gefallen weiss. In der Mitte findet sich der vom Hersteller Pinnwand getaufte Bereich mit allen installierten Programmen, deren Widgets in einer sechs spalten breiten Zellen-Matrix angeordnet sind und die je nach Programm unterschiedlich viele Zellen groß sein können. Dank dynamischem Inhalt kann der Anwender so beispielsweise direkt im Anwendungs Widget des Desktops die RSS-Schlagzeilen lesen oder eine Kleinansicht von Google Maps sehen. Die Bedienung wurde auf die Daumen links und rechts optimiert. Die linke Bedienleiste ist Anwendungsspezifisch z.B. mit Buttons für gängige Funktionen oder einem Scrollbereich, damit man nicht mit dem Finger auf dem Screen scrollen muss — was man auf Wunsch jedoch auch kann. Rechts ist die anwendungsübergreifende Bedienleiste, hier scrollt man durch die mehrere Bildschirme hohe Pinnwand und hat systemübergreifende Buttons, beispielsweise zum Einblenden eines Infofensters, das auch Schieberegler für Lautstärke und Display-Helligkeit beinhaltet oder zum Wechsel zwischen Anwendungen, denn das WeTab ist voll multitaskingfähig. Bei Druck auf letzteren Button blendet das WeTab eine gezoomte Ansicht aller offenen Fenster ein, in der man einfach zwischen diesen wechselt — oder sie auf Wunsch auch schließt. Im Test konnte sich das Vorserienmodell jedoch gelegentlich nicht entscheiden, ob es einen einfachen oder einen Doppelklick erwartet, auch beim Scrollen beobachteten wir fehlerhaftes Verhalten — hier handelte es sich wohl um ein Touchscreen-Treiberproblem, das der Hersteller in der Produktionsversion behoben haben will. Das Gerät ist aus dem Schlafmodus aufgeweckt nach zwei Sekunden betriebsbereit, ein Kaltstart des Systems dauert etwa eine halbe Minute.

Auf der Pinnwand finden sich unterschiedlich große dynamische Widgets für die installierten Anwendungen
Das grundlegende Konzept des Userinterfaces ist überzeugend, effizient und intuitiv, der Anwender begreift es schon nach kürzester Zeit. Es reagiert dank Hardwarebeschleunigung sehr flott und scrollt flüssig, die meisten Anwendungen starten sehr schnell. Als wir nachfragen, ob es Pläne zur Lizensierung an andere Hersteller gibt schmunzeln Stefan Odoerfer von 4tiitoo und Christian Soult von WeTab vielsagend und verraten, dass man schon einige Anfragen bekam und in Gesprächen sei. Auch andere selbst produzierte Produktlinien wie etwa ein Mini-Tablet fasse man durchaus ins Auge.
Das WeTab soll eine Vielzahl von App-Stores integrieren: Im WeTab Store gibt es die offiziell von der WeTab GmbH freigegebenen und auf das WeTab angepassten Programme — die übrigens dann auch auf einem normalen Meego lauffähig sein sollen, wovon beispielsweise N900-Anwender profitieren. Zusätzlich gibt es noch die Java Store, Intels AppUp Store und einen Android-Store (nicht Google Market). Denn das WeTab bietet per Virtual Box auch Android-Unterstützung, so dass der Anwender auch Android-Programme installieren können soll. Interessierte Entwickler, die ihre Anwendung aufs WeTab anpassen und dann im WeTab Store verfügbar sein wollen, sollen sich bei der WeTab GmbH melden. Normale Linux-Anwendungen laufen auch, diese sind nur meistens nicht auf den Touchscreen-Bedienung optimiert. Eine Root-Shell wird nicht mitgeliefert, ist aber im WeTab-Store kostenlos installierbar.
FBreader dient als eBook-Reader, zum Release will WeTab diesen noch auf die Darstellung von zwei Seiten nebeneinander anpassen. Für Navigations-Software soll später ein OpenStreetmap/Navtech basiertes Programm verfügbar sein, das ein Entwickler gerade ans WeTab anpasst. Als Mediaplayer werden Banshee und Totem mitgeliefert, gängige lizenzpflichtige Codecs wie H.264, AAC, WMV oder MP3 wurden lizensiert und sind schon integriert. Auch DivX, OGG, FLV, MP4 und WMA spielt das Gerät. Es beherrscht Java und Flash, auch in Adobe Air programmierte Flash-Anwendungen sollen laufen. Ein Filebrowser und ein Foto-Verwaltungsprogramm liegt bei, ebenso eine angepasste Version von OpenOffice — die wir jedoch noch nicht bewundern konnten, auf den Demogeräten lief nur die mit Touchscreen kaum benutzbare Standardversion. Als Screen-Keyboard nutzt das WeTab das Matchbox-Keyboard. Webcam-Software ist das bekannte Cheese. Als Browser setzt der Hersteller auf eine Webkit-basierte und voll auf das WeTab angepasste Eigenentwicklung, aber auch Chrome ist optional verfügbar.
Ein Demo-Video, in dem Stephan Odoerfer das Gerät vorführt findet sich bei unserer Schwesterpublikation Linux Magazin Online.
Potential versus Produktionsreife
Das WeTab hinterlässt prinzipiell einen sehr guten Eindruck, das Userinterface reagiert sehr flott, ist intuitiv und weiß zu gefallen, die große Programmvielfalt und die Unterstützung der Opensource-Community sind sehr begrüßenswert. Die Hardware selbst liegt gut in der Hand und bietet viel, der Preis ist attraktiv. Was die WeTab GmbH hier auf die Beine gestellt hat ist für eine bisher nahezu unbekannte Firma schon sehr beeindruckend. Der Plan, zu allem kompatibel zu sein, von Adobe Air über Java bis hin zu Android, erscheint jedoch äußerst ambitioniert. Bei den vorgeführten Vorserienmodellen zeigten sich noch einige eklatante Mängel, es handelte sich anscheinend um Geräte mit unterschiedlichem Reifegrad, so dass oftmals zur Demonstration eines Features erst nach dem richtigen Gerät gesucht werden musste. Wenn das WeTab schon ab Dienstag im Handel sein soll bleibt abzuwarten, ob diese Probleme in den Verkaufsversionen behoben sind, wir werden unser Testmuster einem ausgiebigen Test unterziehen, sobald wir es bekommen.








Ich will so eins.
Ich will es unbedingt T_T
Mir unverständlich wie mein ein unfertiges und fehlerhaftes Gerät haben will.
Vielleicht gerade weil es unfertig ist und man als Linuxuser die “Herausforderung” bzw. die “Alternative” sucht.
Ein Tablet ist m.E. eine Spielerei mit dem man wohl hauptsächlich irgendwelche Webanwendungen nutzt. Zum richtig arbeiten sind die Dinger nicht da.
Sollte das ein oder andere noch nicht funktionieren dann ist es doch eher interessant im Netz nach Lösungen zu suchen, darüber zu disskutieren, irgendwas updaten und und und. Also Spielerei…
Alle Winows Nutzer nutzen eine unfertige Software. Die reift beim Kunden!!!!!! Das macht Microsoft schon seit Jahren. Da regt sich keiner auf.
Sehr gut beobachtet!
Genau das regt mich auch auf: Dieselben Leute, die heute Linux als Zumutung und unbenutzbar bezeichnen optimierten damals fröhlich ihre config.sys und autoexec.bat um möglichst viel Speicher frei zu haben, schlugen sich mit der IRQ-Hölle unter Win9x rum, räumen täglich manuell ihre Windows-Registry auf und wissen auswendig, wofür die msfktl32.dll Library gut ist!
Win9x war dermaßener Softwaresch*dreck, es ist mir absolut unerklärlich, warum dass das das erfolgreichste OS aller Zeiten war…
Aber Linux kann kein Mensch benutzen, klar! ;-)
Helmut Hoffer von Ankershoffen (formerly known as Helmut Oertel) tönte ja schon im April herum, wie er in Bälde Apple fies das Fürchten lehren täte. Nämlich mittelst seines famosen WePad/Tab. Und was wurde da nicht alles versprochen. Als Erster wollte man in Deutschland auf dem Markt sein – das ging gründlich in die Hose. Okay, dann auf zur super-duper ‘Roadshow’ quer durch die Republik, beginnend im Mai – schade leider ausgefallen. Macht nix, dafür kommt ja der intergalaktische ‘Soft-Launch’ im Juli ganz bestimmt – oh Schreck ebenfalls versemmelt. Na gut, aber der Massenstart am 19. bzw. 21. September bei Amazon… Mehr »
Hi Rudolf, Du hast natürlich recht, dass dieses vorgehen kein großes Vertrauen erweckt. Aber für einen Newcommer ist das auch nicht ganz einfach. Und selbst großen unternehmen geht es mit neuen Platformen unter Umständen so (z.B. Nokia mit MeeGo, oder auch Microsoft und fiele anderen mehr). Das liegt halt auch daran, dass jeder der erste sein will und die Sahne abschöpfen möchte, da werden die Entwickler gedrückt und erpresst, möglichst knappe Termine abzugeben. Aber diese sind meist schon beim Entwurf nicht haltbar, da dass Management vergessen hat, die Randbedingungen die bei der Terminabgabe zugrunde gelegt wurden zu beachten. Aber was… Mehr »
Genau so siehts aus. Ich konnte das Gerät auf Meego-Basis innerhalb der IFA-Tage sogar schon testen und muss sagen, dass es von der Software her noch nicht fertig erschien. So gingen manche Sachen schlicht noch nicht, wie z.B. der eigene App Store, oder stürzten beim Test ab. Die UX könnte an einigen Stellen auch besser sein, so z.B. beim virtuellen Keyboard. Wenn man das Gerät mit beiden Händen rechts und links festhält, erreicht man die Tasten in der Mitte nicht mehr. Wären die Tasten minimal kleiner und würde die Tastatur geteilt sein, könnte man das Gerät wie vorgestellt mit beiden… Mehr »
Puuhh, dieses Palaber habe ich schon in etlichen Foren gelesen. hast du das allein geschrieben oder irgendwo a kopiert?
In anderen Foren hast du rumgetöhnt (leere Fässer dröhnen am lautetsten), das die Firma nie in der Lage sein kann, solch ein Gerät zu produzieren. Wegen der BWL und so. Ach so und nur Fördergelder streichen die ein…………
Du bist ein Schlechtredner, Pedant und Mießmacher und eigendlich unerträglich.
Da du ja immer den Vergleich zu Apple machst. Apple hat ein geschlossenes System. Sie lassen nur Software aus dem eigenen Haus zu. Dadurch ist und bleibt ihr System stabiler, aber auch eingeschränkter. Dadurch, aber auch durch das weglassen der Anschlüsse, Kamera ect. verlängert sich die Akkulaufzeit deutlich. Aber eigendlich lassen sich Ipad und Wetab nicht vergleichen. Bis auf, dass es eine Tabletform haben, haben sie wenig gemeinsam. Ipad ist durch die fehlenden Anschlüsse kein PC. Es ist ein Surfpad und Abspielgerät. Aber ein sehr gutes. Und eben weil es sich auf diese Futures beschränkt und nicht versucht ein PC… Mehr »
Hallo Rudolf, du bist ein typischer Neider und Schlechtredner. Zu deinem Vergleich Nr. 1 dem Ipad: In den neunzigern war Apple fast Pleite. Die haben in einem Jahr fast 1 milliarde Dollar Verlust gemacht. Apple hat massenhaft Fehler hinsichtlich Hard und Software begangen und eine grottenschlechte PR gehabt. 1997 kam Steve Jobs wieder zurück und änderte die Firmenpolitik grundlegend. Das Ergebniss ist der heutige Apple Konzern. Herzlichen Glückwunsch Steve Jobs… Hätte Steve Jobs Mitarbeiter wie dich gehabt (und du hättest in den neunzigern sicher Seitenweise über die Fehler von Apple geschrieben), er wäre sicher Pleite gegangen und du hättest heute… Mehr »
“Der Grund warum Neofonie/4tiitoo so kurz vor Torschluss einen Wechsel auf MeeGo vollzog, war sicherlich die katastrophale Erfahrung mit Ubuntu bezüglich Leistung und Batterielaufzeit. ” Sag mal von was redest du eigentlich? Erstens steht doch im Artikel, dass Meego darauf schon weit länger lief als der Welt im allgemeinen bekannt war, und dass man auf Wunsch von Intel bis zur IFA mit der Bekanntgabe wartete. Zweitens ist sowohl die Leistung als auch die Batterielaufzeit unter Ubuntu 10.04 extrem gut. In Batterielaufzeit ist das seit 9.10 dramatisch besser geworden – obwohl Windows da immer noch einen Vorteil hat. Die Leistung unter… Mehr »
Das Smartbook von alwaysinnovating ist viel viel cooler! Und das beste ist es hat es nicht nötig auf den “ich kopiere das iPad” Zug aufzuspringen ;)
http://www.alwaysinnovating.com/products/smartbook.htm
Sieht aus, wie LEGO ;)
Ist es ohne weiteres möglich eine zweites, paralleles Betriebssystem zu installieren? Ist es möglich von einem USB-Stick oder einer SD-Card ein System zu laden?
Auf der Facebook-Seite des WeTab heißt es, dies sei nicht vorgesehen.
Ich las an anderer Stelle, dass das BIOS für den Kunden nicht zugänglich sei und somit nicht von anderen Medien, als der internen Flashdisk gebootet werden kann. Ist das wahr, oder nur ein Gerücht?
Freundliche Grüße.
Alles was ich dazu weiss ist, dass das WeTab kein standard-BIOS nimmt, sondern EFI. Wenn die das nicht irgendwie verdongelt haben (kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen so offen wie die sonst sind) sollten andere Systeme mit Grub2, Chameleon oder rEFIt als Bootloader problemlos möglich sein.