Google hat heute in einem Webcast ausführliche Informationen zum Betriebssystem Chrome OS veröffentlicht. Der Code steht ab sofort frei zum Download bereit, erste Geräte kommen allerdings erst zur nächsten Weihnacht.
Google hat heute zahlreiche Details zum neuen Linux-Betriebssystem Chrome OS alias Chromium OS veröffentlicht. In einem rund 45 Minuten dauernden Webcast stellten Google-Mitarbeiter das freie Betriebssystem im Firmenhauptsitz in Mountain View vor und riefen die Community zur Mitarbeit auf. Analog zum EEE-PC hat sich auch Google einen Dreiwörter-Spruch ausgedacht: “Speed, Simplicity and Security”.
Alles im Browser
Aus Betriebssystemsicht hat Google heute keine revolutionären Details veröffentlicht. Wie schon seit längerem vermutet wurde und der Name des Betriebssystems andeutet, gibt es bei Chrome OS eine einzige Anwendung: Den Browser. Sämtliche Komponenten, die sich im Anwendungsmenü befinden, sind Web-Applikationen. Eine Installation von Firefox unter Chrome OS macht deshalb in etwa genauso viel Sinn, wie wenn man in einem Audi noch einen zusätzlichen BMW-Motor einbauen würde. Da Chrome OS aber komplett Open Source ist, steht einem Firefox OS zum Beispiel nichts im Weg. Auch sieht Google nicht vor andere Anwendungen als einen Browser auf Chrome OS zu installieren (dies ist bei der aktuellen Version durch eine digitale Signatur eh nicht möglich). Jedoch stehe es jedem Unternehmen/Entwickler frei, auf der aktuellen Codebasis Chrome OS um dieses Feature zu erweitern. Der einzige Unterschied zwischen Chrome als Browser in Chrome OS und Chrome als Browser unter jedem beliebigen Betriebssystem besteht in der Geschwindigkeit: Der Chrome-OS-Browser beinhaltet zusätzliche Hardware-Optimierungen, die dem Standard-Chrome fehlen.
Im Unterschied zu Android, das sämtliche Anwendungen über die Google-Java-Maschine Dalvik ausführt, arbeiten die Chrome-OS-Programme tatsächlich in Chrome. Google setzt hier auf HTML5, aktuelle Web-Standards und Nativ Client. Das hauseigene Projekt wandelt beliebigen Code derart um, dass sich das Programm in einem Browser ausführen lässt. Google arbeitet denn auch neben dem Hauptprojekt Chromium OS an ein paar weiteren, um zum Beispiel Photoshop-ähnliche Programme auf Chrome OS zu bringen. Näher wollte man darauf nicht eingehen. Eine Unterstützung für Android-Anwendungen ist ebensowenig geplant wie etwa ein App Store.
Zu den unterstützten Meidenformaten gehört neben den in HTML 5 eingebetteten Video-Codecs auch Flash. Zur Frage, ob Chrome OS auch Video-Codecs von Microsoft abspiele, wollte man sich im Webcast nicht äußern. Eine weitere Frage bezüglich Chrome OS und Microsoft konnte Google klar beantworten: Dualboot-Systeme sind nicht geplant.
Erste Geräte 2010
Chrome OS versteht sich nicht als Betriebssystem für zuhause, sondern als OS für’s Web. Dementsprechend sieht Google das Betriebssystem in erster Linie auf Zweitrechnern. Im Webcast sprach man durchgehend von Netbooks, die von Google für Ende 2010 angekündigten Geräte sollen aber leicht größer sein und ein komplettes Keyboard und ein gutes Touchpad mitbringen. Was das in Zoll bedeutet, wurde nicht ganz klar, vermutlich werden wir aber bis Ende nächsten Jahres mit 15-Zoll-Netbooks rechnen müssen (wenn man hier noch von Netbooks sprechen kann). Konkrete Angaben zu den Herstellern und Geräten will Google erst später machen, neben Intel-Geräten soll es aber auch Netbooks mit ARM-CPU geben. An einem entsprechenden Port von Nativ Client (bislang stellt Nativ Client nur x86-kompatible Binaries her) arbeite man bereits.
Angesprochen auf das Business-Modell, das hinter Chrome OS stehe, antwortete Google, dass man kein konkretes Business-Modell für Chrome OS habe. Jede Anzeige, die in Chrome OS angezeigt werde, würde auch von einem anderen Browser angezeigt, deshalb sei Chrome OS kein Produkt, das vom Anzeigenmarkt profitiere. Vielmehr profitiere die Firma von der generellen Entwicklung des Webs und von Webanwendungen an sich. Die Preise der ersten Chrome-OS-Geräte sollen sich im gleichen Bereich bewegen, wie bei den Netbooks.
Sicherheit im Vordergrund
Die Sicherheit der Daten und des Betriebssystems genießt bei Google Chrome OS einen großen Stellenwert. Die Root-Partition ist read-only gemountet und der Kernel mit einer digitalenSignatur versehen. Stimmt damit etwas nicht, installiert sich Chrome OS über das Internet neu. Vollkommen automatisch, wie das auch der Chrome-Browser macht, richtet Google auch die Updates ein. Der Nutzer hat auf dieses Verhalten keinen Einfluss.
Um die Sicherheit der (halbwegs lokalen) Daten kümmert sich eine separate Nutzerpartition. Das Dateisystem ist hier verschlüsselt, so dass ein Dieb nur mit dem Benutzerkennwort an die Daten gelangt. Viel zu verschlüsseln gibt es allerdings gar nicht, da Chrome OS sämtliche Dateien gleich in die Cloud schiebt. Wer seinen Rechner verloren hat, kauft sich somit einfach einen neuen und befindet sich nach dem Login in der gewohnten Arbeitsumgebung.
Der Browser wiederum arbeitet in einer Sandbox, die nur begrenzt Zugriff auf das lokale Dateisystem hat. Jeder Tab arbeitet zudem als eigentständiger Prozess, so dass bei einem Crash einer Webanwendung Chrome OS weiterarbeitet.
All diese Features sind nur mit einem entsprechenden Hardware-Support möglich. Deshalb erstaunt es nicht, dass Chrome OS zwar theoretisch auf jedem PC funktioniert, Google jedoch einen Liste von unterstützten Netbooks und den allfälligen Änderungen online stellen wird, die für ein perfektes Chrome OS Erlebnis konzipiert sind. Ähnlich wie bei Moblin liefert der Chrome-OS-Kernel nur eine beschränkte Anzahl an Treibern, unterstützt werden beispielsweise nur Solid State Disks und bestimmte WLAN-Module. Auch die Grafikeinheit muss stimmen, da Chrome OS Webinhalte (in erster Linie Videos) per GPU-Beschleunigung anzeigt.
Dank an die Community
Google sparte bereits während der Präsentation nicht mit Hinweisen darauf, dass das ganze Projekt auf freier Software beruhe. Die Vortragenden ließen es aber nicht dabei beruhen und bedankten sich im Namen von Google beim Linux-Kernel, Moblin, Ubuntu und all den Open-Source-Entwicklern die da draußen seien. Glaubt man der Ankündigung, dann spielt Google zudem mit Chromium OS kein Versteckspiel wie bei Android, sondern hostet den kompletten Quellcode frei, sodass interessiert Entwickler stets Zugriff auf denselben Code haben, den auch Google benutzt.
Ein Knackpunkt bei der Unterstützung und Entwicklung jeder Linux-Distribution ist der Hardware-Support. Google ging und geht hier den gleichen Weg, wie das Moblin-Projekt: Es entfernt alle nicht benötigten Komponenten aus dem Kernel und stimmt zudem den Kernel sehr gut auf die benutzte Hardware ab.
Im Unterschied zu Moblin will Google jedoch auch selbst freie Treiber schreiben, wo nötig. Die Firma hat zudem zugesagt, viel Code zum Vanilla-Kernel beisteuern zu wollen. Gespannt darf man auch auf die Druckerunterstützung von Chrome OS sein: hier will Google eine komplett neue Lösung vorstellen, allerdings erst im nächsten Jahr.
Den Chrome-OS-Quellcode und sehr viele weitere Details gibt es auf der ChromiumHomepage: http://www.chromium.org/chromium-os
[Update 20. November 2009]: Oliver Frommel hat sich gleich nach dem Announcement den Quellcode angeschaut. Sein Kurzbericht ist auf Linux-Magazin Online zu lesen.
Video konnte nicht eingebettet werden, denn die URL passt nicht zu der Liste der erlauben Hoster.








Und schon habe ich das Interesse daran verloren. 1.) Will ich kein Netzbuch das mir meinen Kernel kommentarlos überschreibt. 2.) Lebe ich auf einem Konitinent mit vielen Funklöchern. In der U-Bahn, im Zug, an der Staatsgrenze, in der Altbauwohnung u.s.w. Das allgegenwärtige Internet das immer super schnell für dich da ist, bleibt leider noch eine Illusion. Vorallem da sowohl die 3G Datenkarte als auch die WLAN Karte noch etliche Sekunden für die Einwahl benötigen. 3.) Hab ich keinen Bock aus in Pkt. 2 genannten Gründen mit dem Ding zum Fenster zu rennen, empfang zu suchen, einwählen lassen um dann nach… Mehr »