Das Spiel zum Wochenende: openBVE

Das Spiel zum Wochenende: openBVE

Freie Fahrt

Früher saßen große Jungs mit leuchtenden Augen vor der Modelleisenbahn im Keller. Heute schwingen sich Eisenbahnfans hinter einen virtuellen Führerstand am PC – und das Ganze auch noch vollkommen kostenlos.

openBVE ist eine Mischung aus Zugsimulator und Spiel. Wie im richtigen Bahnbetrieb muss der Spieler mit seinem Personenzug pünktlich die vom Fahrplan vorgeschriebenen Haltestellen ansteuern. Das klingt zunächst einfacher, als es ist: So wollen Signale und Geschwindigkeitsbegrenzungen eingehalten, sowie die passenden Haltepunkte am Bahnsteig erwischt werden.

Abbildung 1: Auf der Birmingham-Strecke fährt man durch idyllische Landschaften.

Abbildung 1: Auf der Birmingham-Strecke fährt man durch idyllische Landschaften.

Ganz genau genommen

Als Simulation versucht openBVE sowohl die Strecke, als auch das Rollmaterial möglichst realistisch nachzubilden. Eine Fahrt im Spiel dauert folglich genau so lange, wie das reale Pendant. Darüber hinaus gelten alle physikalischen Gesetze: Wer zu schnell in die Kurve brettert, fliegt aus den Gleisen und wer die Türen während der Fahrt öffnet, sorgt für Unmut bei den virtuellen Fahrgästen. Für weitere Abwechslung sorgen unterschiedliche Tageszeiten und Wetterbedingungen, in denen sich nicht nur die Sichtverhältnisse, sondern auch das Bremsverhalten des mehrere Tonnen schweren Zuges ändert.

Abbildung 2: Der blaue Balken links zeigt an, wann man die Halteposition erreicht hat.

Abbildung 2: Der blaue Balken links zeigt an, wann man die Halteposition erreicht hat.

Der Spieler lenkt seine Bahn aus dem originalgetreu nachgebildeten, virtuellen Führerstand. Wer mag, darf den Zug auch von Außen betrachten, sieht dann aber unter Umständen Schilder und Signale zu spät. Gegenüber einem echten Zug wurde die Bedienung zudem etwas vereinfacht. So steuert man alle Lokomotiven grundsätzlich mit den gleichen sechs Tasten.

Abbildung 3: Bei Nachtfahrten ist die Sicht stark eingeschränkt.

Abbildung 3: Bei Nachtfahrten ist die Sicht stark eingeschränkt.

Historische Wurzeln

Bekannt wurden Zugsimulatoren vor allem durch den 2001 veröffentlichten TrainSimulator [1]. Anders als man meinen könnte, orientiert sich openBVE jedoch an einem noch etwas älteren Konkurrenten namens BVE Trainsim [2] (das BVE steht dabei für Boso View Express). In seiner aktuellen Version versucht openBVE noch eine quelloffene Alternative zum BVE Trainsim zu bieten. Das hat den Vorteil, dass man für den BVE Trainsim entworfene Strecken und Züge auch in openBVE nutzen kann. Zukünftige Versionen sollen jedoch zu einem eigenständigen Zugsimulator führen.

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Strg+T wirft man einen Blick auf den Fahrplan.” width=”300″ height=”197″ /> Abbildung 4: Mit Strg+T wirft man einen Blick auf den Fahrplan.

Technik, die begeistert

openBVE wurde für die .NET-Technologie geschrieben, verlangt unter Linux folglich die Installation der Software Mono. Ebenfalls ungewöhnlich ist die Lizenz: Der Autor gibt zwar den Quellcode frei, nutzt aber keine etablierte Lizenz wie etwa die GPL.

Abbildung 5: Mit den F-Tasten wechselt man die Darstellung, zum Fahren bleibt die Kabinenansicht hinter <code srcset=

F1 jedoch erste Wahl.” width=”300″ height=”197″ /> Abbildung 5: Mit den F-Tasten wechselt man die Darstellung, zum Fahren bleibt die Kabinenansicht hinter F1 jedoch erste Wahl.

Sofern die eigene Distribution in ihren Repositories passende Pakete anbietet, sollte man openBVE immer über den hauseigenen Paketmanager installieren. Andernfalls wartet einige Arbeit auf den angehenden Lokführer: Von der openBVE-Homepage schnappt man sich das Windows-Archiv (Sie lesen richtig) und entpackt es auf der Festplatte. Danach holt man die Pakete zu Mono und OpenAL nach und stellt sicher, dass die 3D-Beschleunigung der Grafikkarte aktiviert ist. Abschließend benötigt man noch TAO in der Version 2.1.0. Sofern die Distribution kein Paket dafür anbietet, findet man es unter [4]. Die Zugsimulation startet schließlich der Befehl mono OpenBve.exe im openBVE-Verzeichnis.

Abbildung 6: Es gilt den Fahrplan möglichst genau einzuhalten, man sollte also weder zu spät, noch wie hier zu früh ankommen.

Abbildung 6: Es gilt den Fahrplan möglichst genau einzuhalten, man sollte also weder zu spät, noch wie hier zu früh ankommen.

Materialistisch

Damit schlummert aber erst die Zugsimulation selbst auf der Festplatte. Hinzu kommen jetzt noch Züge und Strecken. Distributionen legen ihrem openBVE meist schon eine kleine Strecke bei, Ubuntu spendiert beispielsweise die von Fans erstellte Strecke von Redditch nach Birmingham New Street Station samt passendem Zug. Weiteres Material muss man sich aus dem Internet zusammensuchen. Ein guter erster Anlaufpunkt ist die Seite unter [5]. Das heruntergeladene Material kopiert man in die entsprechenden Ordner von openBVE: Die Züge gehören in das Unterverzeichnis trains, die Strecken verteilen sich auf Object, Route und Sound in Railways. Wo diese Ornder wiederum auf der Festplatte liegen, verrät das Hauptfenster von openBVE unter Neues Spiel im Eingabefeld auf dem Register Durchsuchen.

Abbildung 7: Die Birmingham-Route ist ein gelungenes Beispiel für die geleistete Arbeit der openBVE-Fans.

Abbildung 7: Die Birmingham-Route ist ein gelungenes Beispiel für die geleistete Arbeit der openBVE-Fans.

Da die Dateiformate der Strecken und Züge offengelegt sind, kann jeder seine eigenen basteln. Die mittlerweile entwickelten Werkzeuge erleichtern dabei die Arbeit. Unter [6] wurde auf diese Weise sogar die New Yorker U-Bahn nachgebaut.

Schnell einsteigen

Wer schon einmal mit dem TrainSimulator in Berührung gekommen ist, der dürfte mit openBVE schnell warm werden, alle anderen verfluchen in den ersten Minuten wahrscheinlich die merkwürdige Tastenbelegung. Im Hauptfenster von openBVE wählt man Neues Spiel, sucht dann in einem der Unterverzeichnisse im Register Durchsuchen eine der Strecken aus und klickt auf Start. Im Spiel selbst stellt man mit [F] die Fahrtrichtung auf Vorwärts (mit [V] würde der Zug rückwärts fahren). Sobald das Signal zur Abfahrt kommt, stellt man den Geschwindigkeitsregeler mit [Z] ein paar Stufen höher. Später zieht man ihn mit [Q] wieder zurück, bis irgendwann die Bremsen greifen. Die Stellung der Regler zeigen ganz links unten in der Ecke die zwei Rechtecke an. Dabei ist zu beachten, dass die Regler jeweils auch eine Nullstellung kennen, in denen nichts passiert – das ist ideal, um den Zug einfach mal rollen zu lassen. Die erste Fahrt wird übrigens alles andere als glatt laufen, mangels Streckenkenntnis wird man zumindest fast alle Station zu spät als solche erkennen.

Abbildung 8: Nach jeder Fahrt gibt es eine saftige Abrechnung. Hier ist openBVE der Meinung, die Fahrweise des Autors wäre <code srcset=

Grauenhaft.” width=”300″ height=”202″ /> Abbildung 8: Nach jeder Fahrt gibt es eine saftige Abrechnung. Hier ist openBVE der Meinung, die Fahrweise des Autors wäre Grauenhaft.

Fazit

Was die Entwickler hier innerhalb von zwei Jahren auf die Beine gestellt haben, verdient größten Respekt. Zwar hängt die Grafik noch hinter dem TrainSimulator aus dem Jahr 2001 zurück und man stößt an allen Ecken und Enden noch auf Macken, für ein so großes und umfangreiches Projekt kann sich das Ergebnis jedoch mehr als sehen lassen. Man merkt, dass die Entwickler und Designer der freien Strecken mit viel Liebe zum Detail an die Arbeit gegangen sind.

Nichtsdestotrotz bleibt openBVE ein Nischenprodukt für Eisenbahnliebhaber. Das langatmige Fahren und das pflichtbewusste Einhalten des Fahrplans sind auf Dauer ziemlich eintönig. Da zudem das echte (Mit-)Fahrgefühl fehlt, ist eine Tour mit openBVE nicht mit einem realen Zug zu vergleichen.

openBVE

Bezugsquelle http://openbve.trainsimcentral.co.uk/
Entwickler Michelle
Lizenz Eigene Open Source-Lizenz (Public Domain)
Preis kostenlos
Voraussetzungen Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik
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