Das Spiel zum Wochenende (und Pfingsten): The Novelist

Das Spiel zum Wochenende (und Pfingsten): The Novelist

Szenen einer Ehe

Computerspiele können auch mit ernsten Themen an den Bildschirm fesseln und dabei nachhaltig beeindrucken. Ein gutes Beispiel liefert ein Adventure von Orthogonal Games. Es geht der Frage nach, ob man eigene Träume verwirklichen kann, ohne dabei geliebte Menschen zu verstoßen.

Die dreiköpfige Familie Kaplan zieht über den Sommer in ein nettes kleines Ferienhaus am Strand. Ein erholsamer Urlaub scheint es jedoch nicht zu werden: Romanautor Dan hat eine Schreibblockade, in seiner Ehe kriselt es und Sohn Tommy hofft auf mehr Zeit mit seinem Vater. Helfend eingreifen muss der Spieler – allerdings auf eine ziemlich ungewöhnliche Art und Weise.

Visiert man einen Bewohner an und drückt dann die Leertaste, sieht dessen aktuelle Gedanken.

Visiert man einen Bewohner an und drückt dann die Leertaste, sieht dessen aktuelle Gedanken.

Geisterstunde

Im Adventure The Novelist huscht der Spieler als Geist durch die Räume des Bungalows. Dort kann er nicht nur zahlreiche Notizen, sondern auch die Gedanken der Bewohner lesen. Schleicht er sich von hinten an eine Person heran, darf er sogar in sie hineinschlüpfen und einen Blick in ihre Vergangenheit werfen.

Wer sich von hinten an eine Person heranschleicht, kann …

Wer sich von hinten an eine Person heranschleicht, kann …

Auf diese Weise gilt es sukzessive herauszufinden, welche Bedürfnisse und Wünsche jede Figur hegt. Anschließend darf der Spieler genau einem Familienmitglied helfen beziehungsweise dessen Wunsch erfüllen. Die getroffene Entscheidung wirkt sich dabei unmittelbar auf die anderen Familienmitglieder aus. Hilft man etwa Dan bei seinem Roman, fühlt sich der kleine Tommy vernachlässigt – mit entsprechenden Folgen. Konnte der Spieler die Bedürfnisse mehrerer Familienmitglieder ermitteln, darf er immerhin noch einen Kompromiss eingehen. Der Wunsch einer der drei Personen bleibt jedoch in jedem Fall unerfüllt.

... ihre Erinnerungen inspizieren. In diesem Fall trägt Dan noch drei weitere Erinnerungen im Kopf.

… ihre Erinnerungen inspizieren. In diesem Fall trägt Dan noch drei weitere Erinnerungen im Kopf.

Versteckspiel

Als Geist tappt der Spieler zwar lautlos, aber nicht vollständig unsichtbar durch das Ferienhaus. Entdeckt ihn einer der drei Bewohner, kann der Spieler diesem Familienmitglied später nicht mehr helfen. Deckung findet der Spieler in Lampen. Diese kann er zudem mit einem Tastendruck zum Flackern bringen und so die Familienmitglieder kurzzeitig ablenken. Wer sich lieber auf die Geschichte konzentrieren möchte, schaltet in einen „Story“-Modus, in dem man auch außerhalb der Lampen unsichtbar bleibt.

Um sich unentdeckt durch das Haus zu schleichen, visiert man wie hier eine Lampe an und nimmt dann über die Leertaste von ihr Besitz.

Um sich unentdeckt durch das Haus zu schleichen, visiert man wie hier eine Lampe an und nimmt dann über die Leertaste von ihr Besitz.

Orthogonal Games verkaufen The Novelist für 15 Euro auf Steam [2] und knapp 14 Euro im Humble Store [3]. Derzeit ist das Spiel zudem noch Teil der Sonderaktion „Humble Weekly Bundle Adventures! 2“ [4]. Dort bekommt man für einen frei wählbaren Kaufpreis das witzige Spiel Stacking obendrauf. Wer mindestens den aktuellen Durchschnittspreis überweist, erhält auch noch Baphomets Fluch 5 (alias Broken Sword 5) und Always Sometimes Monsters. Ab 8 Dollar gibt es schließlich noch den Krimi The Raven. In jedem Fall liegt The Novelist als 32- und 64-Bit-Fassung vor. Beim Kauf im Humble Store oder im Humble Weekly Bundle bekommt man sogar eine kopierschutzfreie Version.

Hat man genügend Anhaltspunkte gesammelt, gibt der entsprechende Bewohner seinen aktuellen Wunsch preis. In diesem Fall sucht Dan sein Notizbuch. ...

Hat man genügend Anhaltspunkte gesammelt, gibt der entsprechende Bewohner seinen aktuellen Wunsch preis. In diesem Fall sucht Dan sein Notizbuch. …

Fazit

In The Novelist steht weniger das Spiel, als die erzählte Geschichte im Vordergrund. Die meiste Zeit verbringt der Spieler damit, alle Familienmitglieder sowie die herumliegenden Gegenstände anzuklicken und dann eine Entscheidung zu fällen. Genau darin liegt jedoch der eigentliche Reiz des Adventures: Man möchte stets wissen, welche Konsequenzen eine Entscheidung verursacht. Gleichzeitig erhöht sich der Wiederspielwert: Was passiert, wenn man in einem neuen Durchlauf den Wunsch von Tommy und nicht den von Dan erfüllt?

... Hat man diesen Gegenstand im Haus gefunden, kann man nachts Dan das Ergebnis einflüstern.

… Hat man diesen Gegenstand im Haus gefunden, kann man nachts Dan das Ergebnis einflüstern.

Der Spieler muss sich allerdings auch durch viele englische Textfetzen lesen. Die ständig notwendigen Sprünge zwischen den Lampen nerven bereits nach kurzer Zeit, insbesondere da man häufig zwischen den Stockwerken wechseln muss. Die Grafik ist in einem einfachen Comic-Stil gehalten, wodurch das Haus etwas steril und karg wirkt. Es dauert zudem eine Weile, bis man sich mit der Steuerung und dem Bedienkonzept angefreundet hat.

Die meisten Informationen liefern längere Briefe und Notizen, die alle Familienmitglieder im Haus hinterlassen.

Die meisten Informationen liefern längere Briefe und Notizen, die alle Familienmitglieder im Haus hinterlassen.

The Novelist ist somit nur ein, wenn auch recht spannender interaktiver Film, für den die verlangten 14 beziehungsweise 15 Euro etwas hoch erscheinen. Interessierte Adventure-Spieler sollten daher bei einer Sonderaktion zugreifen.

The Novelist

Bezugsquelle:  http://www.thenovelistgame.com/
Entwickler: Orthogonal Games
Lizenz: Kommerziell
Preis: 14 Euro im Humble Store / 15 Euro auf Steam
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, Prozessor mit mindestens 1,8 GHz, ab 2 GByte Hauptspeicher, Grafikkarte mit mindestens 256 MByte Speicher
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