Das Spiel zum Wochenende: Prison Architect

Das Spiel zum Wochenende: Prison Architect

Gefängnisbau für Anfänger

Von privaten Firmen betriebene Gefängnisse sind vor allem in den USA anzutreffen. Wie lukrativ dieses Geschäft sein kann, demonstriert ein erstaunlich komplexes Aufbaustrategiespiel von Introversion Software – das allerdings auch einige moralische Fragen aufwirft.

Im Strategiespiel Prison Architect schlüpft der Spieler in die Rolle eines Gefängnismanagers, der sukzessive eine komplette Strafanstalt aufbauen und vor allen Dingen profitabel führen muss. Dazu lässt er zunächst auf einer kargen Wiese mehrere größere Gebäude errichten, die er dann mit Wänden in Räume aufteilt.

Zunächst lässt man von den Arbeitern ein neues Gebäude errichten …

Zunächst lässt man von den Arbeitern ein neues Gebäude errichten …

Baustelle

Diesen weist der Spieler dann im nächsten Schritt jeweils eine Aufgabe zu. So wird etwa ein Gebäude zu einem Zellentrakt, während ein anderes als Speisesaal fungiert. Abschließend muss man die einzelnen Einrichtungen noch mit entsprechenden Gegenständen ausrüsten. So braucht der Speisesaal nicht nur Tische und Bänke, sondern auch eine Essensausgabe und mindestens einen Abfalleimer. Den kompletten Bau übernehmen fleißige Arbeiter, die der Spieler zunächst gegen ein entsprechendes Gehalt engagieren muss.

… zieht dann Wände ein …

… zieht dann Wände ein …

Um die Zellen mit Licht und die Duschen mit Wasser zu versorgen, verlegt der Spieler mit der Maus entsprechende Leitungen. Der elektrische Stuhl benötigt nicht nur eine eigene dicke Stromleitung, sondern auch einen entsprechend dimensionierten Generator.

… weist jedem Raum eine Aufgabe zu und verteilt dann die benötigten Einrichtungsgegenstände.

… weist jedem Raum eine Aufgabe zu und verteilt dann die benötigten Einrichtungsgegenstände.

Machthaber

Damit die Gefangenen nicht flüchten, sollte man entsprechendes Wachpersonal einstellen. Dieses kann man dann entweder an bestimmten Stellen postieren oder auf frei wählbaren Routen patrouillieren lassen. Des Weiteren sollte man tunlichst sämtliche Gebäude mit entsprechenden Türen sichern. Die müssen allerdings erst immer explizit die Wachen aufschließen, was wiederum insbesondere vor hoch frequentierten Räumen, wie der Kantine gerne einmal zu Staus führt.

Das Wachpersonal weist man auf einem Lageplan ihre Posten und Routen zu.

Das Wachpersonal weist man auf einem Lageplan ihre Posten und Routen zu.

Die Gefangenen haben ganz eigene Bedürfnisse. So bricht ohne regelmäßige Mahlzeiten schnell eine Revolte aus. Wer mag, kann seinen Insassen auch einen Aufenthaltsraum und eine hochwertige Inneneinrichtung spendieren. Das senkt zwar die Gefahr eines Aufstands, kostet aber auch Geld. Alternativ stockt man das Wachpersonal auf und führt ein hartes Regiment. Für jeden Gefangenen erhält der Spieler jeden Monat einen entsprechenden Betrag auf seinem Konto gutgeschrieben, dazu gibt es für einige Maßnahmen staatliche Zuschüsse.

Löschzug

Hin und wieder kommt es im Gefängnis zu unvorhersehbaren Ereignissen, bei denen man Hilfe von Außen benötigt. Bricht beispielsweise ein Feuer aus, sollte man möglichst schnell die Feuerwehr herbeirufen. Die angerückten Feuerwehrmänner dirigiert man dann mit der Maus direkt zu ihren Einsatzorten. Idealerweise bekämpft man den Brand dabei aus mehreren Richtungen.

Bei einem Feuerausbruch darf man die Feuerwehrmänner wie in einem Echtzeitstrategiespiel mit der Maus an die richtige Stelle lotsen.

Bei einem Feuerausbruch darf man die Feuerwehrmänner wie in einem Echtzeitstrategiespiel mit der Maus an die richtige Stelle lotsen.

Wer mag, kann sein Gefängnis im Endlos-Modus aufbauen und optimieren. Einsteiger führen mehrere, nur lose miteinander verknüpfte Missionen in die Bedienung ein. In ihnen muss man unter anderem einen elektrischen Stuhl bauen, dann wieder einen Mafia-Boss im Auge behalten. Schließlich kann man sogar im Ausbruch-Modus selbst in die Rolle eines Gefangenen schlüpfen und einen Ausbruch planen.

Die Hintergrundgeschichten erzählen derartige Standbilder.

Die Hintergrundgeschichten erzählen derartige Standbilder.

Frühbucher

Introversion Software entwickelte Prison Architect im Rahmen eines sogenannten Early-Access-Programms. Dabei können interessierte Spieler bereits wärehdn der Entwicklungsphase das Spiel kaufen und testen. Sie müssen dann zwar noch mit Fehlern leben, dürfen das Spiel aber schon früh spielen und können Verbesserungen melden. Rund drei Jahre dauerte diese Entwicklungsphase. Erst Anfang Oktober erschien endlich die fertige Version von Prison Architect. Introversion Software verkauft sie für 28 Euro über Steam [2] und bei Gog.com [3] sowie für 26 Euro im Humble Store [4]. Wer noch ein paar Euro mehr überweist, bekommt ein paar zusätzliche Gimmicks, wie etwa den Soundtrack und ein Artbook. Bei Gog.com und im Humble Store erhält man eine kopierschutzfreie Version des Spiels, die sowohl als 32-Bit-, als auch 64-Bit-Fassung vorliegt.

Das Spiel simuliert auch den Tag-/Nachtzyklus.

Das Spiel simuliert auch den Tag-/Nachtzyklus.

Fazit

Prison Architect orientiert sich deutlich an Klassikern wie Theme Hospital [5]. Dank einer ähnlich großen Spieltiefe erweist sich Prison Architect als herausfordernd und anspruchsvoll. So muss man sich nicht nur um den Abtransport des Mülls Gedanken machen, sondern auch die Routen des Wachpersonals und eine stabile Stromversorgung planen. Durch zufällige Ereignisse kommt weitere Abwechslung in das Spielgeschehen. Die Bedienung gestaltet sich allerdings etwas fummelig, Einsteiger dürften bei einem Blick in die überfüllten Menüs und der Bauoptionen erst einmal kurz durchatmen.

Durch das Verlängern der Stromleitung erhalten die Zellen Licht.

Durch das Verlängern der Stromleitung erhalten die Zellen Licht.

Anders als das Vorbild Theme Hospital bietet Prison Architect allerdings kein abgedrehtes, sondern ein durchaus realistisches und teilweise recht makaberes Szenario. Ein mulmiges Gefühl stellt sich spätestens dann ein, wenn man mit einem elektrischen Stuhl und der Hinrichtung von Gefangenen Geld verdient. Prison Architekt hinterfragt das nicht kritisch, sondern ermuntert den Spieler sogar noch – die Entscheidung zur Hinrichtung habe schließlich die Justiz getroffen.

Prison Architect

Bezugsquelle:  http://www.introversion.co.uk/prisonarchitect/
Entwickler: Introversion Software
Lizenz: Kommerziell
Preis: 8 Euro (Steam und Gog.com) / 26 Euro (Humble Store)
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, Prozessor der Klasse Intel Core2 Duo mit 2.4 GHz oder besser, mindestens 4 GByte Hauptspeicher, Grafikkarte der Klasse Nvidia 8600 oder besser
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NonKon
10 Jahre her

das Spiel ist ebenso menschenverachtend und pervers wie das US-Amerikanische Gefängnissystem.

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