Das Spiel zum Wochenende: OTTTD

Das Spiel zum Wochenende: OTTTD

Langsamer Alien-Brei

Der Spieleentwickler SMG Studio reichert das mittlerweile ausgelutschte Tower-Defence-Prinzip mit ein paar Rollenspielelementen an. Herausgekommen ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Einheitsbrei, für den man sich zudem ziemlich viel Zeit nehmen muss.

Der Spieletitel Over The Top Tower Defence oder kurz OTTTD fasst das Spielgeschehen recht treffend zusammen: Aus einer leicht schrägen Vogelperspektive verteilt der Spieler entlang eines Weges Abwehrgeschütze. Diese schießen automatisch auf die in Wellen einmarschierenden außerirdischen Meeresfrüchte. Das angreifende Getier trägt teilweise schwere Geschütze mit sich und will die am Ende des Weges platzierte Kommandozentrale des Spielers vernichten. Ziel ist es, sämtliche Außerirdischen zu eliminieren – idealerweise noch bevor sie das Hauptquartier erreichen.

Held vom Erdbeerfeld

Gemeinerweise darf der Spieler die Abwehrgeschütze nur an wenigen, vorgegebenen Stellen platzieren. Zur Auswahl stehen dabei mehrere verschiedene Geschütztürme. Ihr Bau kostet allerdings etwas Geld: Je durchschlagskräftiger der Turm, desto teuerer ist seine Errichtung. Neues Geld erhält der Spieler für jeden eliminierten Gegner. Auch hier gilt die einfache Regel: Je größer der Feind, desto mehr Geld wandert bei seiner Zerstörung auf das eigene Konto. Gegen Zahlung eines entsprechenden Obolus lässt sich zudem ein Turm aufrüsten. So erhält etwa ein Geschützturm ein zweites Gewehr.

Als weitere Hilfe erhält der Spieler mehrere Helden an die Seite gestellt. Diese kann er wie in einem Echtzeitstrategiespiel frei über die Landschaft scheuchen und so gezielt zu aktuellen Brennpunkten schicken. Jeder der Helden besitzt zudem ganz spezielle Fähigkeiten. So kann der Engineer etwa angeschossene Abwehrtürme reparieren oder bei einem Geschütz für kurze Zeit den erzielbaren Schaden erhöhen. Nach der Anwendung einer der Fähigkeiten muss der Spieler allerdings ein paar Sekunden warten, bis er sie erneut aktivieren darf. Im Laufe ihres Einsatzes gewinnen die Helden wie in einem Rollenspiel Erfahrungspunkte. Diese kann der Spieler gegen neue Fähigkeiten eintauschen oder mit ihnen die vorhandenen Kenntnisse verbessern.

Individuell

Die hereintrabenden Außerirdischen schießen selbstverständlich mit unterschiedlich dicken Wummen zurück. Zudem verfügen sie über unterschiedlich starke Panzer. Eine Muschel etwa muss erst von einem der Helden geöffnet werden, bevor man ihren verletzlichen Inhalt unter Beschuss nehmen kann. Ab und an warten sogar richtig dicke (Boss-)Gegner auf den Spieler und seine Helden.

Hersteller SMG Studio verkauft OTTTD im Humble Store für 9 Euro [3] sowie auf Steam für 10 Euro [2]. Auf Steam stehen zudem noch Sondereditionen bereit, die unter anderem ein Art Book enthalten. Des Weiteren ist das Spiel derzeit noch Teil des Humble Weekly Bundle Suprise Attack [4]. Bei dieser Aktion darf man für OTTTD und mehrere weitere Spiele zahlen, was man möchte. Käufer erhalten dabei wie auch im Humble Store sowohl eine kopierschutzfreie Version als auch einen Schlüssel für Steam.

Fazit

OTTTD reiht sich in die lange Liste der Tower-Defense-Spiele ein. Die bereitstehenden Abwehrtürme kennt man in ähnlicher Form aus anderen Spielen. Auch die Rollenspielelemente sind nicht neu, aber immerhin recht gut in den Strategieteil integriert.

Die kantige Comic-Grafik ist teilweise recht unübersichtlich, bringt aber skurrile Gegner hervor, darunter Panzer fahrende blaue Fische, mauernde Muscheln oder fliegende Haie. Eliminierte Gegner zerplatzen in unnötig viel Glibber, der einfach auf dem Boden als rot-brauner Brei zurückbleibt. Den Grad dieser unappetitlichen Verschmutzung („Gore“) kann man im Menü sogar noch hoch, aber immerhin auch heruntersetzen.

Die von uns getestete Version zeigte zudem noch ein paar Macken: Bei mehreren Gegnern schossen die Geschütztürme nicht weiter, sondern drehten sich einfach schnell zwischen ihnen hin und her. In solchen Fällen musste dann der Held eingreifen. Des Weiteren lässt sich das Spiel immer wieder extrem viel Zeit. So dauert es etwa im Tutorial mehrere quälend lange Sekunden, bis die nächste Aktion möglich ist. Auch im späteren Spielverlauf schickte OTTTD immer mal nur kleine Fische mit mehreren Sekunden Abstand in die Arena. Diese Längen muss der Spieler zwangsweise aussitzen, in Konkurrenztiteln kann man das Geschehen per Tastendruck beschleunigen.

Die auf Steam für die spezielle „OTT Edition“ verlangten 32 Euro sollten sich selbst Tower-Defense-Liebhaber sparen. Schon die 9 Euro ist die von OTTTD gebotene Standardkost gerade eben wert. Wer derartige Spiele mag, sollte daher möglichst bei einer Sonderaktion zuschlagen.

OTTTD

Bezugsquelle:  http://otttd.td/
Entwickler: SMG Studio
Lizenz: Kommerziell
Preis: ab 9 Euro
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, Prozessor ab 1,4 GHz, mindestes 1, besser 2 GByte Hauptspeicher, Grafikkarte „aus den letzten vier Jahren“
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