Eigentlich ist es ganz und gar nicht die feine englische Art, einen Gentleman zu beschimpfen. In einem ziemlich abgedrehten Spiel von Vile Monarch kann man jedoch nur so gewinnen. Dabei fühlt man sich wie in einem nicht enden wollenden Sketch von Monty Python.
In „Oh…Sir!! The Insult Simulator“ ist der Titel Programm: An einem Teetisch sitzen zwei adrett gekleidete Briten und werfen sich abwechselnd Beleidigungen an den Kopf. Wer als Erstes die andere Person demoralisiert hat, gewinnt das Duell.
Beleidigungsbaukasten
Einem der beiden Kontrahenten legt der Spieler die Worte in den Mund. Dazu klickt er einfach aus einer Reihe von vorgegebenen Satzbausteinen eine möglichst widerliche Beleidigung zusammen. Dabei sollte man jedoch tunlichst den Satzbau im Auge behalten: Eine Beleidigung mit einer falschen Grammatik demoralisiert umgehend die eigene Figur. Gemeinerweise müssen sich die angebotenen Satzfragmente beide Kontrahenten teilen. Hat sich einer von ihnen für einen Nebensatz entschieden, ist dieser für den Gegner aus dem Spiel. Auf diese Weise kann man allerdings auch dem Anderen gezielt Teilsätze wegschnappen.

Abwechselnd wählen die beiden Kontrahenten ein passendes Satzfragment – entweder von der großen Tafel in der Mitte oder einen der beiden privaten Satzbausteine links unten in der Ecke.
Ergänzend besitzt jede Person zwei private Satzbausteine, die nur sie selbst einbauen kann. Trinkt man seinen Tee aus, tauscht das Spiel die beiden privaten Satzfragmente aus. Dies funktioniert allerdings nur einmal in der laufenden Runde. Dem Spieler bleibt überlassen, wie lang er seinen Satz gestaltet. Sollte der Gegner bereits alle guten und möglichen Satzfragmente eingesetzt haben, muss man zwangsweise stammelnd den kompletten Satz verwerfen. Mit etwas Glück erscheint unter den verfügbaren Satzbausteinen eine Klammer mit drei Punkten (…). Mit diesem Bonus-Text kann man den angefangenen Satz in die nächste Runde übernehmen. In beiden Fällen hat man allerdings die Chance vergeben, dem Gegner etwas auf seine Beleidigung zu erwidern.
Nümmerchen
Beide Duellanten besitzen ein Punktekonto, von dem jede Beleidigung des Gegenübers etwas wegknabbert. Bei besonders unhöflichen Beleidigungen schmilzt das Punktekonto besonders stark. Das ist ebenso der Fall, wenn man den Schwachpunkt seines Gegners getroffen hat. Ist der Kontrahent beispielsweise besonders stolz auf sein Äußeres, sollte man ihn möglichst auf seine Kleidung ansprechen. Schafft man es sogar, dasselbe Thema mehrfach hintereinander in eine Beleidigung einzubauen, wendet das Spiel auf die abzuziehenden Punkte zusätzlich einen Multiplikator an.

Das Nippen am Tee tauscht die beiden Satzfragmente links unten gegen zwei neue Exemplare aus. Grundsätzlich bleiben nur 15 Sekunden für eine Reaktion.
Wer nicht alleine den Computer beleidigen möchte, darf auch einen Freund einladen und sich mit ihm gemeinsam vor dem Bildschirm die Satzbausteine um die Ohren werfen. Ist gerade kein Freund in der Nähe, kann man sich auch mit einem Unbekannten aus dem Internet duellieren.

Zu Beginn des Spiels muss man sich für einen von mehreren „Protagonisten“ entscheiden. Jeder hat dabei seine ganz eigene Achillesferse.
Entwickler Vile Monarch verkauft sein Spiel für 2 Euro bei Steam [2], im Humble Store [3] und bei Gog.com [4]. Nur im letztgenannten Online-Shop gibt es eine kopierschutzfreie Version. Wer im Humble Store kauft, bekommt lediglich einen Key, mit dem er „Oh…Sir!! The Insult Simulator“ auf Steam freischalten kann. In jedem Fall liegt das Spiel nur als 32-Bit-Fassung vor.
Fazit
„Oh…Sir!! The Insult Simulator“ bietet ein ungewöhnliches Spielprinzip und begeistert mit seiner komplett durchgeknallten Idee. Es bereitet diebisch viel Freude, den anderen mit einer möglichst beleidigenden Beleidigung zu beleidigen – zumindest in der ersten halben Stunde. Aufgrund der mangelnden Abwechslung sackt der Spielspaß danach drastisch in den Keller, zumal sich die verfügbaren Satzfragmente schnell wiederholen.

Häufig ergeben sich wirre Beleidigungen. Wie viele Punkte sie abzieht, bleibt häufig nicht ganz nachvollziehbar.
Abwechslung bieten nur die wechselnden Hintergrundgrafiken, die einem kantigen, leicht kubistischen Zeichenstil folgen. Etwas länger motivieren können lediglich die Duelle zwischen echten Spielern. Insbesondere kann das Spiel eine abgekühlte Party wieder in Schwung bringen. Im Gegenzug bleibt der Preis mit 2 Euro moderat. „Oh…Sir!! The Insult Simulator“ ist somit unter dem Strich genau das Richtige für eine Beleidigung zwischendurch.
Oh…Sir!! The Insult Simulator
| Bezugsquelle: | http://vilemonarch.com/oh-sir-insult/ |
| Entwickler: | Vile Monarch |
| Lizenz: | Kommerziell |
| Preis: | 1,99 Euro (Steam, Humble Store und Gog.com) |
| Voraussetzungen: | Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, Prozessor ab 1,2 GHz, mindestens 1 GByte Hauptspeicher |
Infos
[1] Projekt-Homepage:
http://vilemonarch.com/oh-sir-insult/
[2] Steam:
http://store.steampowered.com/app/512250/
[3] Humble Store:
https://www.humblebundle.com/store/oh-sir-the-insult-simulator
[4] Gog.com:
https://www.gog.com/game/ohsir_the_insult_simulator








