Am Día de los Muertos, dem Tag der Toten, gedenken die Mexikaner ihren Verstorbenen. Dieser Feiertag inspirierte Spieleentwickler Tim Schafer 1998 zu einem Kult-Adventure. Genau das durfte er jetzt mit einem kleinen Team optisch und klanglich aufpolieren.
Im Adventure Grim Fandango landen alle Verstorbenen zunächst in einer Zwischenwelt. Erst nach einer vier Jahre langen Wanderung erreichen sie endlich das Reich der ewigen Ruhe. In genau jener Zwischenwelt hängt auch gerade Manny Calavera fest. Seine Lebensweise war, sagen wir, nicht gerade vorteilhaft. Um die dabei aufgelaufenen Schulden abzutragen, muss er nun im Auftrag des „Department of Death“ Luxusreisen an Neuankömmlinge verkaufen. Zumindest versucht er es.
Durch ihren ebenfalls nicht besonders guten Lebenswandel qualifizieren sich seine Klienten durchweg nur für einen Spazierstock mit Kompass, was Manny wiederum nur eine bescheidene Provision beschert. Merkwürdigerweise erhalten seine Kollegen wesentlich lukrativere Kunden, die sich teilweise sogar die Fahrt mit dem Luxuszug leisten können. Der braust in nur vier Stunden quer durch das Reich der Toten. Als Manny bei einer ganz offensichtlich für ein Zugticket qualifizierten Damen leer ausgeht, beginnt er Nachforschungen anzustellen und gerät dabei in einen nicht gerade kleinen Korruptionsskandal.

Klickt man einen Gegenstand oder eine Person an, erscheint dieses Menü. Jedes Symbol steht dabei für eine ganz bestimmte Aktion.
Politur
Grim Fandango erschien bereits 1998 für Windows. Obwohl damals kommerziell wenig erfolgreich, wurde es von Kritikern umjubelt. Mittlerweile zählt es unter Adventure-Freunden sogar zu den besten Adventures aller Zeiten. Erfinder und Vater Tim Schafer konnte im letzten Jahr den aktuellen Rechteinhaber Disney von einer Neuauflage überzeugen. In nur wenigen Monaten polierte Schafers Firma Double Fine Arts die Grafiken auf und ließ den Soundtrack von einem echten Orchester komplett neu einspielen. Per Tastendruck dürfen Spieler zwischen der alten und der aufpolierten Grafik umschalten.
Und noch etwas änderten die Entwickler: Im Original von 1998 musste man Manny mit der Tastatur durch die Landschaft scheuchen. Dabei verkantete sich der Held schon einmal gerne in der 3D-Welt. Um Gegenstände aufzuheben oder benutzen zu können, musste Manny zudem direkt vor ihnen stehen und sie ansehen. Diese extrem fummelige Bedienung raubte zahlreichen Spielern einige Nerven. Dem Remake spendierten die Entwickler endlich eine Maussteuerung: Ein Klick in die Landschaft genügt und schon läuft Manny los. Objekte lassen sich zudem ebenfalls einfach anklicken, ohne dass Manny direkt davor stehen muss. Wer mag, kann aber weiterhin die alte Tastatursteuerung verwenden. Die Sprachausgabe übernahmen die Entwickler aus der Ursprungsversion. In der deutschen Fassung leihen bekannte professionelle Sprecher den Figuren ihre Stimmen. Manny Calavera spricht beispielsweise der durch die Fernsehserie Alf bekannte Synchronsprecher und Schauspieler Tommi Piper.

Ruft man das Inventar auf, erscheint diese Nahaufnahme. Über die Pfeile blättert man zwischen den Gegenständen in Mannys Taschen.
Preislage
Die fertige Neuauflage erschien Ende Januar unter dem Namen Grim Fandango Remastered. Diese Version gibt es neben Windows und Mac OS X erstmals auch offiziell für Linux. Darüber hinaus bekommt jeder Käufer mehrere Videos, in dem Tim Schafer höchstpersönlich Einblick in die Entwicklung des Spiels gewährt. Die Linux-Version erhalten Adventure-Spieler für knapp 12 Euro bei Gog.com [2], für 13,50 Euro im Humble Store [3] oder für 15 Euro auf Steam [4]. Wer im Humble Store kauft, darf Grim Fandango auch gleichzeitig auf Steam freischalten.

Die Kameraperspektive trügt manchmal: Hier geht es vor der großen weißen Eingangstür noch nach links und rechts.
Fazit
Wer das Original von 1998 kennt und das Remake startet, dürfte erst einmal verwundert nach den Neuerungen suchen. Die Zwischensequenzen und Hintergründe blieben unverändert, lediglich die Figuren erscheinen etwas schärfer. Dies hat zur Folge, dass auf größeren Bildschirmen die Hintergründe verwaschen und pixelig wirken. Auf 16:9-Monitoren blendet das Spiel zudem links und rechts Balken ein. Die Maussteuerung ist immerhin eine Erleichterung, wenngleich das Inventar immer noch umständlich zu bedienen ist.

Grim Fandango lässt sich auch in einen Widescreen-Modus schalten, in dem jedoch alle Grafiken verzerrt erscheinen.
Seinen Erfolg verdankt Grim Fandango vor allem der exzellenten und extrem spannendend erzählten Geschichte. An der hat sich auch im Remake glücklicherweise nichts verändert. Somit bleibt Grim Fandango ein Pflichtkauf für alle Abenteurer. Wer das Spiel noch im Schrank stehen hat, sollte sich jedoch überlegen, ob er die mindestens 12 Euro für zusätzliche Schatteneffekte, einen Entwicklerkommentar und Maussteuerung berappen möchte.
Grim Fandango Remastered
| Bezugsquelle: | http://grimremastered.com/ |
| Entwickler: | LucasArts / Double Fine Arts |
| Lizenz: | Kommerziell |
| Preis: | Je nach Anbieter zwischen 12 Euro und 15 Euro |
| Voraussetzungen: | Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, Prozessor der Klasse Intel Core 2 Duo mit 2.4 GHz oder besser, mindestens 4 GByte Hauptspeicher, 6 GByte freier Festplattenplatz, Grafikkarte ab Klasse einer NVIDIA GeForce GT 220 beziehungsweise Intel HD 4000 (auf Grafikkarten von AMD und Nvidia müssen zwingend die proprietären Grafikkartentreiber der entsprechenden Hersteller installiert sein) |
Infos
[1] Projekt-Homepage:
http://grimremastered.com/
[2] Gog.com:
http://www.gog.com/game/grim_fandango_remastered
[3] Humble Store:
https://www.humblebundle.com/store/p/grimfandango_storefront







