Das Spiel zum Wochenende: Else Heart.Break()

Das Spiel zum Wochenende: Else Heart.Break()

Bit-Town

Warum nicht einfach mal eine komplette Stadt umprogrammieren? Genau das ermöglicht ein etwas ungewöhnliches Adventure von Erik Svedäng und seinem schwedischen Entwicklerteam.

Sebastian feiert gerade im Kreis seiner Eltern Geburtstag, als das Telefon klingelt. Am Apparat ist die Personalabteilung eines bekannten Getränkeherstellers. Diese bedauere zwar, dass man ihm nicht den gewünschten Arbeitsplatz anbieten könne, als Alternative hätte man jedoch noch eine offene Stelle im entfernten Dorisburg. Was er dort genau zu tun habe, könne man ihm jetzt am Telefon auf die Schnelle zwar nicht sagen. Er müsse aber bereits am nächsten Tag mit der Fähre nach Dorisburg übersetzen. Dort würde ihn dann ein Kontaktmann empfangen. Das Unternehmen würde zudem ein Hotel bezahlen – wenngleich auch nur das Frühstück inbegriffen ist.

Ein bekannter Sprudelwasserhersteller macht Sebastian ein alternatives Angebot. Das Telefon kann der Protagonist nur benutzen, wenn er es auch in der Hand hält.

Ein bekannter Sprudelwasserhersteller macht Sebastian ein alternatives Angebot. Das Telefon kann der Protagonist nur benutzen, wenn er es auch in der Hand hält.

Merkwürdiger Umbau

Spontan sagt Sebastian zu, auch wenn er zuvor noch nie etwas von Dorisburg gehört hat. Etwas stutzig macht ihn auch die Notwendigkeit, per Schiff in die Stadt zu fahren. Ob Dorisburg auf einer Insel liegt, kann ihm die Personalabteilung leider auch nicht sagen. In Dorisburg angekommen, wartet natürlich niemand auf den Jugendlichen. Durch gezielte Fragen findet er immerhin sein Hotel. Dort möchte man gleich 500 Dollar Kaution einstreichen, was fast die kompletten Ersparnisse des armen Schülers aufzehrt.

In Dorisburg angekommen, steht man erst einmal alleine am Pier.

In Dorisburg angekommen, steht man erst einmal alleine am Pier.

Als Sebastian schließlich die Tür zu seinem Zimmer öffnet, steht er in einem Badezimmer. Von einem Bett keine Spur. Wieder zurück beim Portier, murmelt dieser etwas von einer defekten Tür und ruft umgehend einen Handwerker zu Hilfe. Dieser stell sich vor die Zimmertür und führt ein merkwürdiges Ritual mit einem merkwürdigen Gerät aus. Nachdem der Handwerker wortlos verschwunden ist, findet Sebastian hinter der Tür tatsächlich sein Zimmer mit einem Bett. Spätestens hier dürfte klar sein: Mit Dorisburg stimmt etwas nicht.

Die Tür zu Sebastians Hotelzimmer ist falsch programmiert, wodurch er ...

Die Tür zu Sebastians Hotelzimmer ist falsch programmiert, wodurch er …

Aktionismus

Im Adventure Else Heart.Break() steuert der Spieler Sebastian mit Mausklicks durch eine dreidimensionale Landschaft. Genreuntypisch sieht man das Geschehen von schräg oben aus der Isoperspektive. Über die Tasten [w], [a], [s] und [d] lässt sich die Kamera drehen und in das Geschehen hinein- und herauszoomen. Klickt man einen Gegenstand an, betrachtet oder benutzt ihn Sebastian. Welche Maustaste welche Aktion auslöst, blendet das Spiel abhängig vom Gegenstand ein. So kann man beispielsweise einen Wasserhahn nur auf und zudrehen.

… direkt im Gemeinschaftsbad landet. Sein eigenes Zimmer taucht erst wieder ...

… direkt im Gemeinschaftsbad landet. Sein eigenes Zimmer taucht erst wieder …

Sofern sich ein Gegenstand aufheben lässt, nimmt ihn Sebastian zunächst in die Hand. Am linken Bildschirmrand erscheinen dann weitere mögliche Aktionen. So kann Sebastian etwa aus einer Cola-Dose trinken, sie in seinem Rucksack verstauen oder einfach auf die Erde werfen. Gespräche mit den Bewohnern von Dorisburg laufen im Multiple-Choice-Verfahren ab. In der Regel stehen mehrere Antworten oder Fragen zur Auswahl, die jeweils einer anderen Gemütslage entsprechen. So kann man auf eine Frage nett oder patzig antworten. Des Weiteren spielt die Tages- und Nachtzeit eine wichtige Rolle: Im Verlauf der 24 Stunden gehen die einzelnen Bewohner von Dorisburg ihrem normalen Arbeitsalltag nach. So findet man etwa einen neuen Freund tagsüber in einem Cafe, abends jedoch in einem Club.

… nach einer Umprogrammierung durch den netten Herren zur Rechten auf.

… nach einer Umprogrammierung durch den netten Herren zur Rechten auf.

Skript-Kiddie

Wie jedes ordentliche Adventure bietet auch Else Heart.Break() einige Rätsel. Um diese zu lösen, muss Sebastian allerdings die Realität verändern. Anders als andere Städte besteht Dorisburg aus Computerprogrammen. Bildlich gesprochen ist Dorisburg eine gigantische Computersimulation. Mit einem speziellen Gerät kann Sebastian den zugrunde liegenden Programmcode und somit Teile der Stadt verändern. Dazu muss der Spieler wiederum kleine Programme schreiben. Mit denen lässt sich dann sogar das Verhalten von Cola-Dosen verändern. Kenntnisse über die dabei zum Einsatz kommende Programmiersprache vermitteln ihm ein paar nette Einwohner aus Dorisburg – die sich zusammen mit Sebastian auch gleich noch gegen die fiese Regierung auflehnen.

Gespräche laufen im Multiple-Choice-Verfahren ab. Den netten Typ auf dem Sofa trifft man abends in einem Club wieder.

Gespräche laufen im Multiple-Choice-Verfahren ab. Den netten Typ auf dem Sofa trifft man abends in einem Club wieder.

Die Entwickler verkaufen ihr Spiel für 23 Euro auf Steam [2], 23,19 Euro auf Gog.com [3] und 24 Euro im Humble Store [4]. Bei Gog.com und im Humble Store erhält man jeweils eine kopierschutzfreie Version. Wer im Humble Store einkauft, darf zudem das Spiel auf Steam aktivieren. Derzeit ist Else Heart.Break() noch Teil der Sonderaktion „Humble Bundle’s Best of 2016“ [5]. Dort bekommt man das ungewöhnliche Adventure für einen frei wählbaren Betrag.

Hilfe erhält man von vielen Bewohnern. Die Antworten sollte man sich aber gut merken: Diese Dame wiederholt ihren Tipp nicht noch einmal.

Hilfe erhält man von vielen Bewohnern. Die Antworten sollte man sich aber gut merken: Diese Dame wiederholt ihren Tipp nicht noch einmal.

Fazit

Else Heart.Break() bietet zwar eine nette Hintergrundgeschichte, die man sich in Dorisburg jedoch selbst erlaufen und gestalten muss. Von Anfang an ist fast die komplette Stadt frei begehbar. Das hat zur Folge, dass man mitunter erst einmal alleine und ratlos in der Gegend herumsteht. So muss Sebastian nach der Ankunft erst einmal ohne eine Straßenkarte sein Hotel finden. Ob man ihn dazu einfach planlos durch die Straßen rennen lässt oder doch lieber die Passanten ausfragt, bleibt dem Spieler überlassen. Durch die im späteren Verlauf hinzukommende Programmierung hat man zudem ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten, eine Aufgabe zu lösen. Wer Else Heart.Break() spielen möchte, braucht folglich reichlich Forscherdrang und den Willen, in die Programmierung einzusteigen.

Die Orientierung erleichtern Wegweiser und ...

Die Orientierung erleichtern Wegweiser und …

Die Grafik ist recht kantig und folgt einem eigenen Stil, der sich deutlich am Cyberpunk-Genre orientiert. Gerade weil sich die Kamera frei rotieren lässt, verliert man sowohl in der Stadt als auch innerhalb einiger Gebäude leicht die Orientierung. Auf unserem Testrechner mit Ubuntu 16.10 traten zudem immer wieder massive Grafikfehler auf, die teilweise ein Weitespielen verhinderten. Wer ungewöhnliche Adventures mit einem Cyberpunk- und Hacker-Szenario mag, der kann das Spiel durchaus zum Vollpreis ordern – und dann häufig zwischenspeichern. Alle anderen greifen besser bei einem Sonderangebot zu.

… eine wenn auch sehr grobe Straßenkarte.

… eine wenn auch sehr grobe Straßenkarte.

Else Heart.Break()

Bezugsquelle:  http://elseheartbreak.com/
Entwickler: Erik Svedäng und andere
Lizenz: Kommerziell
Preis: 23 Euro (Steam) / 23,19 Euro (Gog.com) / 24 Euro (Humble Store)
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, Prozessor der Klasse Intel Core 2 Duo mit 2,4 GHz oder besser, mindestens 2 GByte Hauptspeicher, die Entwickler empfehlen zudem eine Grafikkarte der Klasse NVIDIA GeForce GT 650M oder besser
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