Der Entwickler Dreadlocks mischt ein Jump-and-Run- mit einem Rollenspiel. Herausgekommen ist dabei ein düster inszenierter Actionthriller für Erwachsene, die sich mit einem Cyberpunk-Szenario anfreunden können.
Die junge Dex lebt in einem kleinen Appartment mitten in der futuristischen Großstadt Harbor Prime. Deren Einwohner bestehen nicht nur zu einem Großteil aus Pennern, Prostituierten und Kleinkriminellen, sie erweitern ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten auch mit verschiedenen Computerimplantaten. Unsichtbarer Herrscher über die düstere Stadt ist eine Organisation namens Komplex. Eines Nachts wird Dex von einem unbekannten Hacker namens Raycast geweckt – und das keine Minute zu spät: Vor ihrer Haustür warten bereits Sicherheitsfachkräfte mit ganz offensichtlich keinen guten Absichten. Dex flüchtet durch die Kanalisation zu einer kleinen Bar, die ihr Raycast empfohlen hat. Dort erfährt sie, dass der Komplex sie auslöschen möchte.
Springinsfeldy
Auf einer Suche nach dem Grund steuert der Spieler die Protagonistin durch die dunklen Straßen, Hinterhöfe und den Untergrund von Harbor Prime. Anders als in Rollenspielen üblich, blickt der Spieler dabei von der Seite auf das Geschehen. Wie in einem Jump-and-Run-Spiel rennt und springt Dex über zahlreiche Plattformen in der belebten Innenstadt und der dunklen Kanalisation.

Dex spielt sich an vielen Stellen wie in Jump-and-Run-Spiel. Mit dem Mausrad kann man in die Szene rein oder wie hier herauszoomen.
Hilfe erhält Dex von einigen Einwohnern der Stadt, allen voran den Verbündeten von Raycast. Um Antworten auf die offenen Fragen zu finden, muss sie allerdings immer wieder Aufgaben (Quests) annehmen. Die lassen sich meist auf gleich mehreren Wegen erfüllen. So kann sie etwa ein verschlossenes Tor selbst knacken, was jedoch entsprechende Fähigkeiten voraussetzt. Alternativ könnte sie einen längeren Umweg gehen, der jedoch durch einen gefährlichen Schacht führt. Abschließend könnte sie den Schlüssel von einem etwas verwirrten Mann erhalten. Der rückt das begehrte Objekt allerdings nur heraus, wenn Dex für ihn eine Brücke sprengt. Dazu müsste sie wiederum erst einmal Sprengstoff finden …

Gespräche laufen nach dem Multiple-Choice-Prinzip ab. Auf diesem Weg nimmt man auch neue Aufträge an.
Clevererer
Viele Einwohner der Stadt sind Dex nicht wohlgesonnen und greifen sie unmittelbar an. Dazu gehören neben den Schergen des Komplex auch Straßenbanden oder Bodyguards. Diese Gegner lassen sich häufig ebenfalls auf mehreren Wegen ausschalten: Dex kann sich verstecken und lautlos an ihnen vorbei huschen, sie von hinten mit einem Überraschungsangriff ausknocken oder aber offensiv mit einer Waffe umnieten. Die Waffen samt Munition muss Dex allerdings erst einmal gegen Geld erwerben. Ohne genügend Kleingeld bleiben zur Verteidigung lediglich die recht schwachen Fäuste.

Zu Beginn hat man nur seine Fäuste, um sich wie etwa hier in der Kanalisation gegen eine Bande zu wehren.
Im Laufe des Spiels gewinnt Dex Erfahrungspunkte. Mit diesen lassen sich die Fähigkeiten der Protagonistin sukzessive verbessern. Unter anderem könnte man sie zu einer perfekten Schlossknackerin ausbilden und ihren Nahkampf verbessern. Zusätzlich lässt sich Dex mit Computer-Implantaten aufrüsten. Per Knopfdruck schaltet der Spieler dann in eine Augmented-Reality-Ansicht, in der Dex Fahrstühle und andere technische Geräte hacken kann.

Nach und nach lassen sich die Fähigkeiten verbessern – vorausgesetzt man hat zuvor genügend Fähigkeitspunkte erspielen können.
Startschwierigkeiten
Dex wurde bereits 2012 angekündigt und später im Rahmen einer Kampagne auf der Plattform Kickstarter von den Fans finanziert. Die erste fertige Fassung erschien allerdings erst im Frühling 2015 und wurde vor allem für die noch enthaltenen Fehler kritisiert. Die mittlerweile erhältliche Version 4.3.0.0 zeigt jedoch kaum noch Macken und bietet zudem komplett deutsche Bildschirmtexte. In Deutschland ist das Spiel von der USK erst ab 16 Jahren freigegeben.

Schaltet man die Augmented Reality hinzu, kann man unter anderem die Elektronik des Fahrstuhls lahmlegen.
Erwerben lässt sich Dex derzeit für rund 20 Euro bei Steam [2] und im Humble Store [4] sowie für 15 Euro bei Gog.com [3]. In den beiden letztgenannten Online-Shops erhält man jeweils eine kopierschutzfreie Version, Käufer im Humble Store dürfen das Spiel zusätzlich bei Steam freischalten. Zum Redaktionsschluss war das Spiel noch Teil verschiedener Rabattaktionen: Gog.com verlangte lediglich 4,70 Euro, auf Steam gab es Dex für knapp 8 Euro. In jedem Fall liegt Dex ausschließlich als 32-Bit-Version vor.

Das Spiel bietet auch immer mal wieder Knobeleinlagen. Hier muss Dex mit den Rädern den austretenden Dampf abstellen. Alternativ kann man sich auch eine andere Route zum Ziel suchen.
Fazit
Dex ist eine etwas ungewöhnliche Mischung aus Jump-and-Run und Rollenspiel. Die detailreiche Grafik ist nett und stimmungsvoll gezeichnet, obendrauf gibt es eine englische Sprachausgabe mit professionellen Sprechern. Spieler haben zudem fast immer mehrere Möglichkeiten, eine Situation zu meisten – wer an der einen Stelle nicht weiter kommt, probiert eine andere Lösung. Das clevere Speichersystem beugt zudem Frustmomenten vor. Bei Bedarf ändert man in den Einstellungen den Schwierigkeitsgrad.
Nicht jeder dürfte sich allerdings mit dem Cyberpunk-Szenario anfreunden, das absichtlich an den Film Bladerunner und dem Roman Neuromancer erinnert. Die zwar spannend erzählte Geschichte bietet zudem nur Standardkost: Eine Einzelkämpferin tritt gegen eine große böse Organisation an. Des Weiteren ist die Stadt extrem weitläufig und verlangt so vom Spieler Spaß am Erkunden. Die Rollenspiel-Elemente sind nicht besonders komplex, der Baum mit den Fähigkeiten übersichtlich. Damit ist Dex allerdings auch wieder recht einsteigerfreundlich.
Für gerade noch vertretbare 15 Euro erhält man ein solides Rollenspiel. Wer dieses Genre mag, vor dem Cyberpunk-Szenario nicht zurückschreckt und gerne weitläufige Umgebungen erkundet, der kann bedenkenlos zugreifen – idealerweise bei einem Sonderverkauf.
Dex
| Bezugsquelle: | http://en.dreadlocks.cz/games/dex |
| Entwickler: | Dreadlocks |
| Lizenz: | Kommerziell |
| Preis: | 20 Euro (Steam und Humble Store) / 15 Euro (Gog.com) |
| Voraussetzungen: | Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, Prozessor ab 2 GHz, mindestens 2 GByte Hauptspeicher, Grafikkarte der Klasse GeForce 8800 beziehungsweise Radeon 2600 oder besser |
Infos
[1] Projekt-Homepage:
http://en.dreadlocks.cz/games/dex/
[2] Steam:
http://store.steampowered.com/app/269650/?l=german
[3] Gog.com:
https://www.gog.com/game/dex
[4] Humble Store:
https://www.humblebundle.com/store/dex








