Mein Linux:Sabayon

Mein Linux:Sabayon

Als Vor- oder Nachspeise

Sabayon sieht sich selbst als das hübscheste Linux-Betriebssystem überhaupt, einfach zu bedienen ist die Distribution ebenfalls. Was Sie sonst noch über Sabayon wissen müssen, erklärt dieser Artikel.

Wofür steht Sabayon?

Auf der Homepage [1] bezeichnen die Entwickler Sabayon als “The cutest, free Operating System – as easy as an abacus, as fast as a segway”. Auf den Punkt gebracht, ist Sabayon

  • eine auf Gentoo aufbauende binäre Distribution,
  • die “cutting edge” ist, also die top-aktuellen Versionen der Anwendersoftware nutzt,
  • die sehr zuverlässig die vorhandene Hardware erkennt und nutzt,
  • die großen Wert auf ein elegantes Erscheinen legt,
  • die in den verschiedensten Geschmacksrichtungen daherkommt (KDE, Gnome, Media-Center, Fluxbox, NetBook-Version, text only).

Man kann sich eine Live DVD nach Geschmack herunterladen [2] und nach Herzenslust ausprobieren. Hier hat man allerdings schon die Qual der Wahl, denn man muss sich zwischen KDE und Gnome entscheiden. Die dritte Wahlmöglichkeit, die CoreCD, ist nur für die interessant, die sich eine eigenes System aufbauen wollen – davon später.

Sabayon bringt eine eigene Paketverwaltung (Entropy) für die binären Pakete, einen textbasierten Paketmanager (equo) und eine GUI für das Paketmanagement (sulfur) mit. Man kann parallel dazu auch das Gentoo-eigene System (Portage) nutzen; nach meiner Erfahrung läuft das meist konfliktfrei.

Getting started

Nach Einlegen der Live DVD präsentiert sich ein Bildschirm mit reichlich Auswahlmöglichkeiten – man wird einfach starten wollen (ob mit oder ohne Musik ist Geschmacksache).

Abbildung 1: Der grafische Bootbildschirm von Sabayon 5.2. Inzwischen gibt es bereits Version 5.3.

Abbildung 1: Der grafische Bootbildschirm von Sabayon 5.2. Inzwischen gibt es bereits Version 5.3.

Man landet auf einem aufgeräumten Desktop (in meinem Falle KDE), allerdings bringt das ca. 2 GByte große ISO-Image alle notwendigen Programme mit – OpenOffice, Firefox, Kopete, Kontact, Music- und Mediaplayer…

Abbildung 2: Die Live-CD in der KDE-4-Version.

Abbildung 2: Die Live-CD in der KDE-4-Version.

Naturgemäß sind die Anwendungen von der Live DVD nicht gerade beeindruckend schnell, also wird man bei Gefallen das System installieren wollen. Sabayon nutzt hierzu den Anaconda-Installer von Red Hat, der es erlaubt, das System in wenigen Schritten zuverlässig aufzusetzen. Nach Auswahl von Sprache und Tastaturlayout wählt man seinen Desktop (hier: KDE) und die Netzwerkoptionen:

Abbildung 3: Das Angebot an Installationsversionen variiert je nach Live-CD.

Abbildung 3: Das Angebot an Installationsversionen variiert je nach Live-CD.

Abbildung 4: Hier legen Sie die Netzwerkdienste fest.

Abbildung 4: Hier legen Sie die Netzwerkdienste fest.

Danach kann man entweder den Installer das System automatisch partitionieren lassen – eine gute Option für ein jungfräuliches System oder (so wie hier) für eine Installation in einer virtuellen Umgebung. Für die, die es so wollen, gibt es auch die Möglichkeit, vorhandene Partitionen (die man vorher, etwa mit fdisk angelegt hat) von Hand einzuhängen und zu formatieren. Es folgen die Auswahl des Boot Loaders, des Namens für das System, der Zeitzone sowie die Einrichtung eines non-root Users und los geht’s. Je nach Hardware ist das System in einer halben Stunde oder etwas mehr eingerichtet.

Es ist angerichtet

Ist Sabayon erst einmal installiert, wird man sich mit dem Paketmanagement vertraut machen wollen. Obwohl es eine GUI gibt, habe ich immer die sehr leicht zu handhabende und umfangreiche Kommandozeile vorgezogen. Diese drei Befehle,

equo update
equo install entropy
equo upgrade

regelmäßig ausgeführt, erhalten das System auf dem neuesten Stand. Bei den früheren Sabayon-Versionen war das Upgrade oft schmerzhaft und nicht ohne Datenverlust. Meist war eine komplette Neuinstallation weniger aufwendig und risikoreich. Spätestens mit der aktuellen Version kann man ohne Angst den oben beschriebenen Weg gehen. Gelegentliche Stolpersteine wie verlorene Drucker oder unpassende Boot-Einstellungen lassen sich ohne Bauchschmerzen geradebiegen.

Zusätzliche Softwarepakete holt man sich aus dem Repository von Sabayon mit einem einfachen

equo install -a [package]

wobei das -a dafür sorgt, dass man sich vorher ansehen kann, was einem da auf die Platte gespielt wird. Wer die umfangreichen weiteren Funktionen von Equo erfahren will, kann sie sich mit einem equo --help --verbose ansehen; auch das Sabayon-Wiki hilft, ist aber nicht ganz up-to-date [3].

Je nach Ausrichtung wird man sich nunmehr also erst einmal die Programme herunterziehen, die man für seine tägliche Arbeit braucht.

Sollte bei Sabayon nichts zu finden sein, dann man auch die Gentoo-Quellen anzapfen. Wie, das sei einem späteren Artikel vorbehalten. Man muss nur wissen, dass bei Nutzung von Gentoos Portage die Pakete im Quelltext heruntergeladen und lokal kompiliert werden, was unerwartet zeitaufwendig sein kann. Warnungen, dass die gleichzeitige Nutzung von equo und portage zu Inkonsistenzen führen könnte, habe ich bisher ungestraft in den Wind geschlagen.

Belohnt wird man am Ende mit einem eleganten System, das die letzten Versionen der gewünschten Programme bietet und, in den meisten Fällen, mit der vorhandenen Hardware ohne weiteres Nachjustieren zurechtkommt. Beim Sound gibt es gelegentlich ein paar Stolperschritte, aber das ist KDE und nicht Sabayon.

Abbildung 5: So sieht mein Sabayon-Desktop aus.

Abbildung 5: So sieht mein Sabayon-Desktop aus.

Was tun, wenn’s hakt?

Die Sabayon-Entwickler sind eine kleine Truppe, fokussiert darauf, die Distribution weiterzubringen. Die Manpower reicht nicht, um alle Fragen der User zu beantworten – selbst auf die Pflege der Web-Seiten wird nicht der allergrößte Wert gelegt. Es gibt einen Schatz von Anleitungen im Sabayon-Wiki und auch einige recht wertvolle Threads im Forum. Wer weiß, was er sucht, kann hier oft fündig werden. Sollte man allerdings dieses Glück nicht haben, dann wird es schnell eng.

Zum Glück gibt es aber das Gentoo-Forum [4]. Für die meisten Probleme wird man hier eine Lösung finden oder zumindest auf die rechte Spur gesetzt werden. Es wird allerdings erwartet, dass man sein Problem präzise formuliert und bereits zugängliche Quellen abgefragt hat, und dass man in der Lage ist, Log- und Configuration Files beizufügen.

Und: Es kann einem passieren, dass man als Sabayon-User etliche flames abbekommt – es gibt da eine gewisse Rivalität, die man im Forum leicht finden, wenn auch nicht immer verstehen kann. Es ist sicher eine gute Idee, sich als Sabayon-Nutzer zu erkennen zu geben, das Problem aber als nicht Sabayon-spezifisch erkannt zu haben…

Sabayon ist sicherlich nicht mainstream, man muss willens und in der Lage sein, unter die Oberfläche seines Systems zu gehen. Allerdings sind die Hilfsquellen so, dass man mit etwas Linux-Erfahrung praktisch alle Probleme lösen kann.

Warum Sabayon?

Mit Sabayon erhält man eine Distribution, die elegant, äußerst flexibel und auf dem neuesten Stand ist. Man kann fast alle Hardware out of the box nutzen. Auf Kosten der reinen Lehre werden proprietäre Programme mitinstalliert. Die Entwicklergemeinde ist klein, aber sehr aktiv, und man kann in gewissem Umfang die Gentoo-Ressourcen mit nutzen. Um mal eben schnell ein Linux aufzusetzen, das Spaß macht und beeindruckt, ist Sabayon das beste, was mir einfällt.

Erkauft wird dies mit einem im Vergleich mit Gentoo ziemlich aufgeblasenen System, das unter 1 GByte Hauptspeicher nicht in die Gänge kommt; die Nutzung der noch nicht stabilen Software-Versionen führt im Alltag gelegentlich, wenn auch selten, zu Pannen. Man muss Spaß daran haben, im Zweifel auch die Konsole aufzumachen und Text-Konfigurationsdateien zu editieren.

Persönlich nutze ich Gentoo für mich selber, aber für meine Familie, denen es auf Schönheit, letzten Stand der Software, YouTube und GoogleEarth, Skype, Abspielen von DVDs etc. ankommt, greife ich zu Sabayon. Und beide genieße ich.

Infos

[1] Projekt-Homepage: http://www.sabayon.org

[2] Download: http://www.sabayon.org/mirrors

[3] Sabayon-Wiki: http://wiki.sabayon.org/index.php?title=Equo

[4] Gentoo-Forum: http://forums.gentoo.org

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1 Kommentar
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Ein Looser
15 Jahre her

Eine gute Rezension .

Mein Dilemma war , daß sabayon 5.3 mit meinem amd 1800

nur langsam lief.

Der xbmc Center noch weniger.

Nichtsdestotrotz eine der gelungensten Distros,die ich bisher kenne.

Ob auch dvbt und Handyanschluß damit geht.wüßte ich selbst gerne.

So weit,so gut .

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