Dell verbaut in einigen Business-Notebooks das Schnellstart-Betriebssystem Latitude ON. Die LinuxCommunity testete einen Latitude E4300 mit dem On Reader.
Beim Latitude ON handelt es sich um ein sehr abgespecktes Linux-System, welches Zugriff auf E-Mails, Kontakte und Termine aus Microsoft Outlook erlaubt. Im Gegensatz zum On Writer, der den kompletten Zugriff ermöglicht und auch das Versenden von Mails erlaubt, synchronisiert der On Reader lediglich die lokalen Outlook-Daten zum Lesen. Schreiben ist nicht möglich.
Vista-Crashkurs
Unser Testgerät war im Auslieferungszustand mit Windows Vista Business bestückt. Beim versuchten Start des On Readers erhielten wir deshalb nur eine Fehlermeldung, wonach auf dem Rechner der On Reader noch nicht eingerichtet sei. Zum Glück war Windows noch auf der Platte, wir versuchten deshalb über das entsprechende Setup-Programm den On Reader einzurichten. Konsequenterweise funktioniert der Setup-Assistent nur, wenn auf dem Rechner Outlook vorhanden ist. Der komplette Test begann somit mit der Installation der Testversion von Microsoft Office 2007, um an Outlook zu gelangen. Nach rund zwei Stunden konnten wir dann endlich das Setup des Latitude On Readers starten.
Einige Sites im Internet erwähnen, dass es sich beim Dell-Linux-System um eine Suse-Linux-Enterprise-Version handle. Dies stimmt allerdings nicht. Das Latitude-On-System läuft nicht auf der Core-2-Duo-CPU des E4300, sondern auf einem separaten ARM-Prozessor. Suse Linux Enterprise gibt es aber nicht für die ARM-CPU. Das Latitude-On-System ist vielmehr eine Entwicklung von Dell in Zusammenarbeit mit Cyberlink, wie der Über-Dialog verrät.
Es benutzt zudem nicht die eingebaute Festplatte, sondern einen separaten Flash-Speicher, auf den Linux oder Windows-Vista keinen Zugriff haben.
Nach dem aktivieren des On Readers wollten wir ein paar Mails und Kontakte einrichten, dummerweise unterstützt diese Outlook-Version aber keine lokalen Postfächer (oder der Autor dieses Artikels war zu blöd, eines einzurichten), so dass die Screenshots nur leere Fenster zeigen.
Um den Rechner im Latitude-On-Reader-Modus zu starten, bringt das E4300 zwei Einschaltknöpfe mit. Der normale Power-Button befindet sich ganz rechts, daneben der schmale Latitude-On-Button. Der Start des Mini-Linuxsystems dauert knapp zehn Sekunden, das System ist zudem mit einem Passwort vor Missbrauch geschützt.
Nach dem Start erscheint ein einfaches Dialogfenster mit drei Buttons in der Mitte für die Auswahl von E-Mails, Kalender und Adressbuch. Welches Modul der On Reader beim Start anzeigen soll, lässt sich wiederum nur unter Windows festlegen.
Linux-Support
Das Latitude-On-System bietet weder eine Shell noch den Zugriff auf virtuelle Konsolen an. Es eignet sich damit relativ schlecht als Spielwiese. Besser sieht es mit dem eigentlichen Notebook aus. Es bringt unter dem 6-Zellen-Akku einen SIM-Kartenslot mit, eignet sich somit auch für das mobile Browsen. Die Akkulaufzeit des hinten ca. zwei Zentimeter herausragenden Akkus gibt Dell mit sechs Stunden an, unter Linux erreichten wir gut vier Stunden, Windows-Vista-Nutzer berichten von maximal fünf Stunden.
Die Installation von Fedora 10, OpenSuse 11.1 und Mandriva 2009 bereitete in den Tests keine Schwierigkeiten, lediglich der WLAN-Schalter funktioniert nicht korrekt: Ist das WLAN-Modul beim Start nicht aktiviert, lässt es sich auch nachträglich nicht mehr einschalten. Weitere Features des ca. 1600 Euro teuren 13-Zoll Notebooks: Bluetooth 2.0, beleuchtete Tastatur und automatische Helligkeitsregelung des Displays durch Lichtsensor (lässt sich ausschalten). Sämtliche Features lassen sich über die zugehörigen [Fn]-Tasten auch unter Linux ein- und ausschalten.
Negatives
Der Lüfter des E4300 läuft permanent und macht dabei kein lautes, aber ein störendes Geräusch. Im ca. Zweiminutentakt schaltet er zudem eine Stufe hoch und arbeitet dann deutlich zu laut. Trost für die Linux-Nutzer: Unter Windows Vista arbeitet der Lüfter quasi permanent im höheren Takt. Die Festplatte lässt im Sekundentakt von sich hören. Zunächst dachten wir, dass es sich um ein Linux-spezifisches Problem handelt (Journaling-Dateisystem), aber in Foren berichten auch Windows-Nutzer über das Phänomen. Anscheinend hängt es nicht mit der Festplatte, sondern mit dem Polling des DVD-Laufwerks zusammen. Das nicht spiegelnde Display des E4300 leuchtet sehr hell, verliert aber in den Ecken etwas von der Lichtstärke. Eine Webcam fehlte in unserem Testgerät.
Fazit
Das Latitude-Notebook ist klar auf Windows-Nutzer zugeschnitten. Linux-Fans haben von der Latitude-On-Funktion gar nichts, da sich mit dem Tool wirklich nur die Outlook-Daten lesen lassen. Allerdings darf man vom On Reader nicht auf den On Writer schließen, ein Testgerät mit dem On Wirter erhalten wir voraussichtlich im Februar. Abgesehen von diesem Manko haben wir in den Tests über 14 Tage keine negativen Erfahrungen mit dem E4300 gemacht. Allerdings scheint unser Gerät eine Ausnahme zu sein: Dell hat diese Woche den Vertrieb des Latitude E4300 gestoppt, nachdem sich viele Nutzer über Abstürze beklagt hatten. Offiziell heißt es von Dell:
Latitude E4300 system shipments have been suspended due to customer
reported system freeze/hang conditions. These system hangs are due to an
interaction from some E4300 motherboards to Intel(r) Core(tm) 2 Duo
SP9300 and SP9400 processors. Dell and Intel are committed to providing
high quality systems and are working diligently to resolve the issue for
this platform. We expect to have a resolution and updated statement by
January 19.
Hier der Vollständigkeit halber noch die Ausgabe von lsusb und lspci:
lsusb
Bus 008 Device 001: ID 1d6b:0001 Linux Foundation 1.1 root hub Bus 007 Device 001: ID 1d6b:0001 Linux Foundation 1.1 root hub Bus 006 Device 001: ID 1d6b:0001 Linux Foundation 1.1 root hub Bus 004 Device 002: ID 0a5c:5800 Broadcom Corp. Bus 004 Device 001: ID 1d6b:0001 Linux Foundation 1.1 root hub Bus 003 Device 001: ID 1d6b:0001 Linux Foundation 1.1 root hub Bus 002 Device 006: ID 413c:8162 Dell Computer Corp. Bus 002 Device 005: ID 413c:8161 Dell Computer Corp. Bus 002 Device 002: ID 0a5c:4500 Broadcom Corp. Bus 002 Device 001: ID 1d6b:0001 Linux Foundation 1.1 root hub Bus 005 Device 005: ID 090c:1000 Feiya Technology Corp. Memory Bar Bus 005 Device 002: ID 413c:8147 Dell Computer Corp. Bus 005 Device 001: ID 1d6b:0002 Linux Foundation 2.0 root hub Bus 001 Device 001: ID 1d6b:0002 Linux Foundation 2.0 root hub
lspci
00:00.0 Host bridge: Intel Corporation Mobile 4 Series Chipset Memory Controller Hub (rev 07) 00:02.0 VGA compatible controller: Intel Corporation Mobile 4 Series Chipset Integrated Graphics Controller (rev 07) 00:02.1 Display controller: Intel Corporation Mobile 4 Series Chipset Integrated Graphics Controller (rev 07) 00:19.0 Ethernet controller: Intel Corporation 82567LM Gigabit Network Connection (rev 03) 00:1a.0 USB Controller: Intel Corporation 82801I (ICH9 Family) USB UHCI Controller #4 (rev 03) 00:1a.1 USB Controller: Intel Corporation 82801I (ICH9 Family) USB UHCI Controller #5 (rev 03) 00:1a.2 USB Controller: Intel Corporation 82801I (ICH9 Family) USB UHCI Controller #6 (rev 03) 00:1a.7 USB Controller: Intel Corporation 82801I (ICH9 Family) USB2 EHCI Controller #2 (rev 03) 00:1b.0 Audio device: Intel Corporation 82801I (ICH9 Family) HD Audio Controller (rev 03) 00:1c.0 PCI bridge: Intel Corporation 82801I (ICH9 Family) PCI Express Port 1 (rev 03) 00:1c.1 PCI bridge: Intel Corporation 82801I (ICH9 Family) PCI Express Port 2 (rev 03) 00:1c.3 PCI bridge: Intel Corporation 82801I (ICH9 Family) PCI Express Port 4 (rev 03) 00:1d.0 USB Controller: Intel Corporation 82801I (ICH9 Family) USB UHCI Controller #1 (rev 03) 00:1d.1 USB Controller: Intel Corporation 82801I (ICH9 Family) USB UHCI Controller #2 (rev 03) 00:1d.2 USB Controller: Intel Corporation 82801I (ICH9 Family) USB UHCI Controller #3 (rev 03) 00:1d.7 USB Controller: Intel Corporation 82801I (ICH9 Family) USB2 EHCI Controller #1 (rev 03) 00:1e.0 PCI bridge: Intel Corporation 82801 Mobile PCI Bridge (rev 93) 00:1f.0 ISA bridge: Intel Corporation ICH9M-E LPC Interface Controller (rev 03) 00:1f.2 RAID bus controller: Intel Corporation Mobile 82801 SATA RAID Controller (rev 03) 00:1f.3 SMBus: Intel Corporation 82801I (ICH9 Family) SMBus Controller (rev 03) 02:01.0 FireWire (IEEE 1394): Ricoh Co Ltd R5C832 IEEE 1394 Controller (rev 05) 02:01.1 SD Host controller: Ricoh Co Ltd R5C822 SD/SDIO/MMC/MS/MSPro Host Adapter (rev 22) 02:01.2 System peripheral: Ricoh Co Ltd R5C843 MMC Host Controller (rev ff) 0c:00.0 Network controller: Intel Corporation Wireless WiFi Link 5100










Ich habe über Nacht nochmals die Akkulaufzeit mit dem Latitude Reader getestet. Nach 5,5 Stunden ging der Rechner aus. Das Reader-Betriebssystem läuft somit auf der Core-2-Duo-CPU, nicht auf einem separaten Prozessor. Immerhin tritt das Polling-Problem mit der Festplatte unter dem Latitude-On-System nicht auf, der Lüfter arbeitet zudem mangels Belastungsmöglichkeit immer auf der niedrigsten Stufe. Dadurch vermutlich auch die bessere Akkulaufzeit.
Der separate Latitude ON Writer soll auf einer Mini-PC-Card kommen, darauf dürfte sich dann vermutlich auch der ARM-Prozessor befinden.
Hallo Marcel, habe den Artikel leider erst heute gelesen. Du schreibst “ein Testgerät mit dem On Wirter erhalten wir voraussichtlich im Februar”…. Habt Ihr denn das Testgerät bekommen ? Wir haben Ende 2008 ein Latitude E4200 für unseren Geschäftsführer gekauft. Dell hatte uns damals versprochen, innerhalb von wenigen Wochen, den “Writer” nachzuliefern. Seitdem verschiebt sich der Erscheinungstermin ständig. Wir hatten dieses Notebook unter anderem, wegen dieser Funktionalität gekauft. Der “ON Reader” ist eigentlich uninteressant, weil die Möglichkeit fehlt, über HDSPA mit Exchange zu synchronisieren. In einem anderen Artikel schreibst Du, dass der “Writer” evtl. September auf den Markt kommen wird.… Mehr »
Hallo Ercan,
ich war letzte Woche bei Dell auf einem Entwicklertreffen und da hieß es, dass der On Writer im September kommt. Inwieweit sich bestehende Latitude-Modelle upgraden lassen weiss ich nicht, aber durch die zusätzliche CPU dürfte das eher schwierig sein…