“Oh Gott, das dauert ewig, das ist wirklich hart.”

“Oh Gott, das dauert ewig, das ist wirklich hart.”

Auf der Re:publica hatten wir die Gelegenheit, mit Holmes Wilson (Foto links) und Jesse Patel (Foto rechts) zu sprechen, die den freien Media Player Miro entwickeln. Wilson gehört zu den Mitbegründern der Software, Patel ist Business Development Director und sie stimmten ausdrücklich zu, das wir das untenstehende Foto verwenden dürfen.

LinuxCommunity:Was kam zuerst: Die Partipicatory Culture Foundation (PCF) oder Miro?
Jesse Patel: Die PCF begann Miro zu entwickeln: Wir bekamen eine Spende und fingen an, Miro zu bauen. Die Leute der PCF gab es aber vor Miro, also würde ich sagen, die PCF und ihre Mission existierten vor Miro.

LC:Wie seid Ihr nach Deutschland gekommen, auf die Re_publica?
JP: Markus hat uns eingeladen. Aus Deutschland kommen 22 Prozent unserer User und deshalb dachten wir, es wäre super vorbeizuschauen. Markus scheint im Zentrum einer progressiven, technologischen Online-Bewegung zu stehen. Also war es eine großartige Gelegenheit zu kommen und Leute zu treffen an einem Ort, wo sich die Leute offensichtlich dafür interessieren, was wir machen.

LC:Wo steckt die deutsche Community von Miro, wo sind die Anwender und Entwickler von Miro? Sind sie hier?
JP: Wir wissen es nicht, wir wissen es wirklich nicht. Wir haben uns darauf konzentriert, das Tool zu entwickeln und zu veröffentlichen…
HW: Wir haben Freunde, die wir hier treffen, die uns mit Miro geholfen haben und die wir treffen. Das positive an Deutschland ist, es gibt Tonnen von Content in Podcastform, das ist wirklich gut und die Leute haben gute Breitband-Anbindungen und sie benutzen Miro.

LC:Handelt es sich bei Miro eher um ein amerikanisches Projekt? Habt Ihr auch Support aus Deutschland?
JP: Tatsächlich kam das erste Patch aus Deutschland.
HW: Wir sind auch in Europa, weil wir uns dachten: Verdammt, wir haben ‘ne Menge Anwender in Frankreich und Deutschland, die wir treffen können. Wir waren zum Beispiel auf der FOSDEM in Brüssel.

LC:Miro ist eine Art soziale Software mit Zugang zu zahlreichen Video-Communities, aber es funktioniert nur in eine Richtung. Wollt Ihr das ändern oder habt Ihr das Ganze als Einbahnstraße geplant?
JP: Wir wollen auf jeden Fall soziale Funktionen und es Leuten ermöglichen, zu antworten und sich in ihre Communities einzuklinken. Das ist aber wieder eine Frage von Forschung und Zeit.

LC:Also offensichtlich war es schon schwierig, zu dem Punkt zu kommen, an dem Ihr Euch jetzt befindet.
JP: Ja!

LC:Also, wenn Euch die Leute nach neuen Funktionen fragen, könnt Ihr nur antworten: “Ok, das wäre nett, wenn wir die Zeit dafür hätten”?
JP: Wenn du einmal an einem Projekt arbeitest, stellst du fest, dass es eine sehr komplizierte Anwendung ist. Wir arbeiten plattformübergreifend und haben wir haben vier Programmierer! Wir kriegen grundsätzliche Dinge hin, aber es braucht Zeit. Um Dir ein Beispiel zu geben: Die Build-Maschine von jemandem geht kaputt und es dauert eine Woche, sie wieder neu aufzusetzen.
HW: Eine Sache ist Windows. Wir verbringen eine Menge Zeit damit, Dinge für Windows zu fixen, die nicht kaputt gehen sollten. Alle lieben Web-Apps: Weil sie leicht zu machen sind. Auf der anderen Seite gibt es die Desktop-übergreifenden Anwendungen, deren Entwicklung sehr hart ist. Als wir das Projekt gestartet haben, dachten wir, super, jemand zahlt uns für drei Monate Arbeit, dann haben wir gemerkt: Oh Gott, das dauert ewig, das ist wirklich hart.

LC:Wieviele Stunden pro Woche habt Ihr im letzten Jahr gearbeitet?
JP: Ich zähle nicht, aber ich würde sagen etwa 60 Stunden, jedenfalls viele. Wochenenden, Nächte, wir arbeiten ständig.

LC:Ist es das Wert, das Privatleben aufzugeben?
JP: Jeder braucht mal eine Pause von Zeit zu Zeit. Wir alle tun das, weil wir als Start-up denken, dass wir groß werden können und dass wir eine Mission haben. Unser Traum ist, dass wir jetzt sehr hart arbeiten und später wird Miro groß und ein Selbstläufer, so dass wir einen normalen Job erledigen können.
HW: Ich will hier noch eine Weile arbeiten und weiter verrückte Jobs machen. Es ist eine Sache, an etwas zu arbeiten, das weit weg und uncool ist und eine andere Sache, wirklich an etwas zu glauben, so dass es nur eine unter vielen coolen Sachen ist, Geld damit zu verdienen.

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