Die Linux Foundation veröffentlicht die erste Beta-Version der Linux Standard Base (LSB), Version 4.0. Die Macher versprechen allen Entwicklern erhebliche Arbeitserleichterungen dank neuem SDK, Shellskript- und Application Checker. Erfolge verzeichnet die Stiftung auch in der Arbeitsgruppe FOSS Bazaar.
Als wesentliche Neuerungen nennt Brian Profitt, Community Manager bei der gemeinnützigen Stiftung, neue Werkzeuge zum Prüfen von Applikationen, Shellskripten sowie ein neues Software Development Kit (SDK). Mit dem neuen SDK sollen Entwickler Applikationen versionsübergreifend auch nach früheren LSB-Spezifikationen anpassen können, ohne dass sie hierfür das SDK wechseln müssen. “LSB-Entwickler werden nicht mehr an eine einzelne LSB-Version gebunden sein,” erläutert der technische Leiter der LSB 4.0, Jeff Liquia, die Vorteile der neuen SDK, und weiter: “Sie müssen keine SDKs installieren und de-installieren, um verschiedene LSB-Versionen anzusprechen.”
Auf Grundlage der LSB sollen Software-Hersteller (ISV) gleichzeitig verschiedene Distributionen des freien Betriebssystems mit nur einem Softwarepaket bedienen können. Hierzu bietet die Foundation die entsprechende Zertifizierung. “Wir haben ein neues Paket mit LSB-Werkzeugen, mit dem es für ISVs wesentlich einfacher wird, Applikationen zu entwickeln die konform zur LSB sind”, meint Ted T’so, zuständig für Plattformstrategie bei der Linux Foundation. Für die Anbieter soll damit nicht nur die Portierung selbst preiswerter und einfacher werden, bei der fortlaufenden Anpassung und Weiterentwicklung der Anwendungen soll sich der Einspareffekt weiter bemerkbar machen. T’so ergänzt, dass bereits 234 Applikationen in der LSB Datenbank gelistet sind, die kurz vor einer LSB-4.0-Zertifizierung stehen.
Einen wesentlichen Part bei der Arbeitserleichterung übernimmt der neue Application Checker. Mit dem Werkzeug soll es für Entwickler einfacher werden, Anwendungen für verschiedene Linux-Distributionen gleichzeitig zu entwickeln. Eine Beta-3-Version stellten die Macher bereits Mitte August vor. Neben der Prüfung auf Zusammenarbeit mit verschiedenen Distributionen gibt der neue Application Checker zugleich auch Auskunft darüber, ob die hier getestete Software für eine LSB-Zertifizierung geeignet ist. Portabilität nennen die LSB-Macher auch als Grund für die Einführung einer neuen Spezifikation für Shellskripte. Sie soll für Kompatibilität über verschiedene Shell-Varianten hinweg sorgen. Damit soll ein Skript von einer Distribution künftig problemlos auch in einer anderen Linux-Variante laufen.
Derzeit gültig ist die LSB in Version 3.2, die im Februar 2008 freigegeben wurde. Noch in diesem Jahr soll LSB 3.2 von der Version 4.0 abgelöst werden. Die Beta-Version samt den entsprechenden Software-Werkzeugen steht auf der Webseite der Linux Foundation zur Verfügung.
Zeitgleich meldet die Linux Foundation hohes Interesse an der Arbeitsgruppe zum Einsatz Freier und Open Source Software (FOSS) in Unternehmen. Unter dem Namen FOSS Bazaar im Januar gegründet, konnte das Projekt seine Mitgliederzahl bis heute auf 15 Unternehmen nahezu verdoppeln. Unter den jüngsten Mitgliedern sind Unternehmen wie Palamida, Black Duck oder British Telecom. Leiter der Arbeitsgruppe ist der frühere Debian-Projektleiter Martin Michlmayr, auch bekannt durch seine Arbeit in der Open Source Initiative (OSI).





