Opensuse-Manager Brockmeier über Greg KHs Canonical-Kritik

Opensuse-Manager Brockmeier über Greg KHs Canonical-Kritik

Opensuses Community-Manager Joe Brockmeier hält Kritik wie die von Greg Kroah-Hartman an der Ubuntu-Firma Canonical für ein Zeichen der Offenheit in der Open-Source-Welt. Der Kernelentwickler Kroah-Hartman hatte Canonical mangelndes Engagement für den Linux-Kernel vorgeworfen.

Der auf der Kernel-Mailingliste als “Greg KH” bekannte US-Amerikaner hatte in seiner Keynote bei der Linux Plumbers Konferenz kritisiert, dass die Ubuntu-Firma in den letzten drei Jahre lediglich 0,1 Prozent des Kernel-Codes beigetragen habe. Er hat den Vortrag in seinem Blog veröffentlicht und beschäftigt sich dort auch mit den Reaktionen.

Im Gespräch mit unserer US-Schwesterpublikation Linux Pro Magazine sagte Joe “Zonker” Brockmeier, Community-Manager bei Opensuse: “Selbstverständlich sind Diskussionen nach dem Motto ‘Wir gegen uns selbst’ nicht optimal. Aber es gibt nun einmal in jeder Community von Zeit zu Zeit öffentliche Meinungsverschiedenheiten. Das gehört zur Funktionsweise der Open-Source-Community. In Firmen weltweit geht hinter verschlossenen Türen genau das gleiche vor sich – nur bekommt die Welt bei einer offenen Community mit, wie wir mit einander umgehen.”

Amanda McPherson von der Linux Foundation hält es für falsch, Canonical allein an den Pranger zu stellen. In ihrem Blog fragt sie: “Hätte denn beispielsweise Amazon seinen E-Book-Reader Kindle ohne den Linux-Kernel bauen können, der Code im Wert von rund einer Milliarde Dollar enthält?”. Daneben beschäftigt sie sich damit, wie ein Beitrag zum Linux-Ökosystem aussieht: “Sie [Canonical] konzentrieren sich eben darauf, eine benutzerfreundliche Linux-Distribution mit schickem Design, starker Marke und gutem Support für den Consumer-Markt zu produzieren. Und damit sind sie erfolgreich. Meiner Ansicht nach ist das ein sehr wertvoller Beitrag zur Linux-Bewegung.”

Auch Brockmeier lenkt das Augenmerk über den reinen Kernel-Quelltext hinaus: “Linux und freie/Open-Source-Software brauchen mehr als nur den Code, um voran zu kommen: auch Dokumentation, Werbung, Support, Übersetzungen, Messeauftritte, und die ganze restliche Arbeit, die ein Software-Projekt verursacht.”

Vor dem Hintergrund der zahlreichen Reaktionen und Kommentare hebt Greg Kroah-Hartman einen ganz anderen Aspekt seines Vortrags hervor: “Entwickler, die keine Beiträge zu Linux leisten dürfen, sollten den Job wechseln.” Er fügt hinzu, “Es war eine Entwicklerkonferenz. Ich habe als Entwickler für Entwickler gesprochen, nicht als Firmenvertreter. Deshalb gab es auch keine Firmen-Logos auf meinen Folien. Ich möchte einfach, dass andere Entwickler mit ihrer täglichen Arbeit genauso zufrieden sind wie ich.”

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