Bruce Perens: Warum sich Microsoft in das Apache-Projekt einkauft

Bruce Perens: Warum sich Microsoft in das Apache-Projekt einkauft

In einem englischsprachigen Beitrag stellt sich Bruce Perens, der als Erfinder der Open-Source-Definition gilt, die Frage, warum Microsoft in das Apache-Projekt einsteigt. Der Konzern engagiert sich neuerdings als Platinium-Sponsor und fördert die Konkurrenz des hauseigenen Web-Server IIS (Internet Information Services) mit 100.000 US-Dollar jährlich. Perens betrachtet den Schritt eher mit Skepsis. Er stellt die These auf, dass Microsoft damit lediglich europäische Politiker und Wettbewerbshüter blenden will. Geschmückt mit den Open-Source-Meriten wolle der Konzern eine ihm genehme Patentpolitik durchdrücken.

Lizenz ist nicht gleich Lizenz

Nicht zufällig, so Perens, steige Microsoft in das Apache-Projekt ein, das unter der sehr liberalen Apache-Lizenz stehe. Diese Lizenz erlaubt es etwa, Source Code zu ändern und zu verwenden, ohne diese Änderungen an das Projekt zurückzugeben. Wer den Code im eigenen Projekt einsetzt, muss diesen Code nicht wieder unter die Apache Lizenz stellen. Microsoft könne also einen eigenen “Open-Source-Server” anbieten, auf dem nur spezielle und zu anderen Servern inkompatible Anwendungen laufen. Den Sourcecode müsse der Konzern nicht herausgeben und habe zugleich noch den eigenen proprietären Server im Angebot.

Das Argument, der Konzern wolle eben für Interoperabilität sorgen, lässt Perens nicht gelten. Zunächst verweist er auf Microsofts Beharren beim Durchsetzen von OOXML, über das wir auf der LinuxCommunity ausführlich berichten. Zudem könne Microsoft den Code ja verwenden, ohne sich im Apache-Projekt finanziell zu engagieren oder Apache-Entwickler bezahlen, damit sie Microsofts Ideen umsetzen. Aus diesen Gründen schließt er, Microsoft wolle sich lediglich den technisch wenig versierten Europäischen Regulierern als Open-Source-Firma präsentieren.

GPL als Rettungsanker für Open-Source-Software

Als Rettungsanker betrachtet Perens die GPL (General Public License) und demonstriert so nebenbei recht anschaulich den Unterschied zwischen Open Source und Freier Software. Die GPL fördere die Offenheit von Projekten und erlaube von Firmen gesponserten und freien Entwicklern die Kooperation an Software nach dem Open-Source-Modell. Mit ihr als Lizenz könnten Open-Source-Projekt auch finanzielle Unterstützungen von Konzernen wie Microsoft ohne Sorge in Anspruch nehmen und würden von der Kooperation profitieren. Am Schluss seiner Überlegungen ruft Perens die nationale und internationalen Gesetzgeber dazu auf, Raum für Open-Source- und Closed-Source-Lizenzen zu lassen. Nur das sorge für den Erhalt von offenen Standards und Interoperabilität ohne Lizenzgebühren und andere Einschränkungen.

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