Das neue Ubuntu 8.04, Codename “Hardy Heron”, mit Long Term Support (LTS) ist da. LTS bedeutet, die Desktop-Variante von Ubuntu erhält 3 Jahre lang Sicherheitsupdates, die Server-Variante, über die das Linux-Magazin berichtet, halten die Entwickler 5 Jahre lang mit Updates auf dem Laufenden.
Ein Ubuntu kommt selten allein: Zeitgleich erscheinen heute auch die Ubuntu-Derivate Kubuntu (mit KDE-Desktop), Xubuntu (mit XFCE-Desktop), Edubuntu (eine auf Lerninhalte optimierte Version) sowie UbuntuStudio (eine Multimedia-Ausgabe) und Mythbuntu, eine angepasste MythTV-Version. Kubuntu erhält, ebenso wie die anderen Derivate, keinen Long Term Support. Grund war die ursprüngliche Entscheidung, Kubuntu standardmäßig mit KDE 4 als Desktop auszuliefern. Tatsächlich gibt es nun je eine Variante mit dem stabilen KDE 3.5.9 und mit der noch recht experimentellen Version 4.0.3.
Anwenderfreundlich
Zunächst stellt sich sicherlich die Frage, was der Anwender vom neuen Desktop hat. Als Office-Suite bringt Ubuntu OpenOffice in Version 2.4 mit, im Internet surft man über Firefox 3. Dabei handelt es sich zwar noch um einen Beta-Version, die Entwickler halten sie aber für stabil genug, um sie als Standard-Browser einzurichten. Videos spielt nach wie vor Totem ab: Der Player kann seit Neuestem auch YouTube-Videos zeigen. Er bringt eine lokale Tracker-Suche mit und integrierten Support für das digitale Fernsehen über DVB.
Dank Gestures lässt sich der Desktop einfacher bedienen. CDs und DVDs lassen sich bequem über Brasero brennen. Das komfortable Brenn-Tool löst das momentane, recht schlichte, in Nautilus integrierte Brennprogramm und Serpentine ab. Mit Cheese setzt Ubuntu auch auf eine neue Webcam-Anwendung, auch der recht einfach gestrickte Bittorrent-Client wurde ausgetauscht – den Job erledigt nun Transmission. Insgesamt gibt es dann noch eine Reihe von kommerziellen Anbietern, die ihre Produkte auch für Ubuntu-Nutzer zur Verfügung stellen. Adobes Flashplayer und Acrobat Reader finden sich ebenso im Paketmanager wie Skype, Realplayer und Vmware. Dafür muss man allerdings das Canonical Partner- und das Medibuntu-Repository freischalten.
Ubuntu für Windows-Nutzer
Nicht zuletzt macht Ubuntu es Windows-Nutzern noch einfacher, Linux zu installieren. Wubi, der Windows-Installer von Ubuntu, sorgt dafür. Ubuntu lässt sich nun wie eine einfache Anwendung installieren, ohne vorher eine Partition freizugeben. Lediglich genügend freier Speicherplatz ist dafür notwendig. Nach einem Reboot gibt es dann ein Bootmenü, das die Auswahl zwischen Windows und Linux erlaubt.
Unter der Haube
Unter der Haube setzt Ubuntu 8.04 auf den recht aktuellen Kernel 2.6.24, der sich unter anderem durch den überarbeiteten Wireless-Stack auszeichnet. Er unterstützt also mehr WLAN-Karten. Der “Completly Fair Scheduler” (CFS) läuft schneller und ist kleiner als der vorhergehende Scheduler, das stromsparende Tickless-System gilt nun auch für 64-Bit-Systeme.
Als Desktop kommt Gnome 2.22.1 zum Einsatz, das eine neue Version des Dateimanagers Nautilus mitbringt, die schneller und stabiler laufen soll, da sie auf GVFS setzt. Das Filesystem mountet Ubuntu nun automatisch mit der Option “relatime”, um die Performance zu verbessern. X.org 7.3 bietet den Anwendern eine automatische X-Konfiguration, zudem lassen sich zusätzliche Monitore einfacher einrichten. Hardy Heron setzt mit PulseAudio zudem auf einen neuen Soundserver, der unter anderem den Audio Output von verschiedenen Anwendungen mixen kann, einen Lautstärke-Pegel für einzelne Anwendungen festlegt und dank eines netzwerktransparenten Protokolls auch Sounds von anderen Rechnern abspielt und aufnimmt. Zwar befindet sich PulseAudio noch in starker Entwicklung, läuft aber laut Eigenaussage des Projekts dennoch stabil.
Sicher linuxen
Sicherheitstechnisch sorgt PolicyKit für ein austariertes und filigranes System der Rechteverteilung: Bestimmte administrative Aufgaben darf man auch als normaler Nutzer ausführen, nur für privilegierte Tasks braucht man Extrarechte. Welche Aufgaben welche Rechte erhalten, regelt man über PolicyKit. Mit UFW (uncomplicated firewall) bringt Ubuntu zudem ein einfaches Kommandozeilen-Tool mit, um eine Firewall einzurichten. Die Befehle sind etwas intuitiver als die von Iptables gewohnten Monsterzeilen. Memory Protection sorgt dafür, dass es schwerer wird, bösartigen Code oder Rootkits in den Arbeitsspeicher der Rechner zu schleusen. Als Position Independent Executables kompilierte Anwendungen platziert der Kernel an zufälligen Orten im Speicher, was Exploits erschwert, die auf vorhersagbare Speicherorte setzen.
Zum Download steht die neue Version ab sofort auf der Ubuntu Webseite bereit. Für weitere Informationen gibt es die offizielle Ankündigung sowie die Release Notes.











