Die ODF-Alliance reagiert mit einem zehnseitigen Dokument auf die ECMA-Verbesserungen für das Microsoft-Dokumentenformat OOXML. Die Organisation hält die Vorschläge für unzureichend und empfiehlt, die Zertifizierung als Standard abzulehnen.
Die Organisation hinter dem freien Dokumentenstandard Open Document Format (ODF) macht vor der neuerlichen Abstimmung im Rahmen der ISO-Zertifizierung immer noch umfangreiche Lücken beim Microsoft-Format aus. Zunächst bemängelt die ODF Alliance die Kürze der Zeit: Bereits im Vorfeld sei es fragwürdig gewesen, dass Microsoft überhaupt versucht habe, die Zertifizierung für OOXML im Schnelldurchlauf zu erhalten. Die Spezifikation, die Microsoft bei den Abstimmungsgremien für die “Fast-Track”-Zertifizierung einreichte, umfasst mehr als 6000 Seiten, nun sind noch einmal mehr als 2000 Seiten hinzugekommen.
Nach dem Scheitern von OOXML im ersten Durchgang hatte die ECMA von den Abstimmungsberechtigten der ISO-Organisation 3522 Kommentare erhalten. Nun hatte der Antragsteller Gelegenheit, auf die Probleme zu reagieren, um die Abstimmung noch zu seinen Gunsten zu ändern. Mit den Antworten ist die European Computer Manufacturers Association (ECMA) betraut. Durch Doppelungen und Wiederholungen wurde diese erste Zahl zwar etwas relativiert, jedoch resultierte dies immer noch in mehr als 1000 Änderungen. Das ECMA-Papier vom 14. Januar erklärt die Änderungen auf 2.293 Seiten, und bis zur Abstimmung bleiben sechs Wochen, um diese durchzusehen.
Die ODF Alliance macht aber noch zahlreiche weitere Mängel aus: Kritikpunkte sind die fehlende Harmonisierung und die mangelhafte Interoperabilität zu dem bereits zertifizierten ODF-Format. Kritisch sieht die Organisation auch die Namenswahl: Mit “Office Open XML” provoziere Microsoft Verwechslungen zu der Handelsmarke der Open-Source-Büroanwendung OpenOffice, die ODF als eine der ersten integrierte. Zudem seien die vorgelegten Änderungen und Verbesserungen in sich widersprüchlich, unvollständig und böten teilweise nur Rohentwürfe für mögliche Lösungen. Ende Februar sollen die abstimmungsberechtigten Gremien die Vorschläge der ECMA erneut diskutieren, in den 30 darauf folgenden Tagen können sie erneut über die ISO-Zertifizierung abstimmen. In ihrem Papier appelliert die ODF Alliance an die Teilnehmer, das Microsoft-Format erneut abzulehnen.




