Plasma Bigscreen sollte einen angepassten Plasma-Desktop auf große Fernseher bringen. Das mit vielen Ambitionen gestartete Projekt lag jedoch zuletzt auf Eis. Jetzt hat sich ein Plasma-Mobile-Entwickler der Software angenommen – zumindest vorübergehend.
Neben der bekannten Desktop-Umgebung entwickelt das KDE-Team auch jeweils eine eigene Fassung für Mobilgeräte und Fernseher. Während Plasma Mobile beständig Fortschritte macht und sich auf vielen Distributionen komfortabel nachinstallieren lässt, wurde es um Plasma Bigscreen in der letzten Zeit verdächtig ruhig. Das fiel auch dem Plasma-Mobile-Entwickler Devin auf, der kurzerhand ein wenig seiner Freizeit in Bigscreen investierte.
Drei Muscheln
Wie bei Plasma Mobile handelt es sich beim Bigscreen um eine alternative Shell für KDE Plasma. Die vorhandenen KDE Anwendungen lassen sich theoretisch weiter nutzen, auch der Unterbau bleibt im Wesentlichen derselbe. Die Shells bereiten lediglich die Darstellung passend für das jeweilige Endgerät auf.
Vor rund einem Jahr hatten fleißige Helfer den Plasma Bigscreen noch auf Qt 6 und Plasma 6 portiert. Auf dieser Vorarbeit setzte Devin auf. Zunächst mistete er den Quellcode aus und entfernte unter anderem ungenutzte Passagen.
Im nächsten Schritt machte er sich über den Startbildschirm her. Zeigte dieser Homescreen noch einige Elemente des klassischen Desktops, wie etwa ein kleines Panel, passte Devin das Aussehen an die Optik aktueller Fernseher an. Der Homescreen wirkt seitdem eleganter und aus einem Guss. Das Panel erschient beispielsweise transparent und ist nicht mehr als solches auf den ersten Blick erkennbar. Obendrauf spendierte Devin noch eine globale Suche, die auf Krunner zurückgreift.
Einstellungssache
Auf den Fernseher zugeschnittene Anwendungen müssen ihre Bedienelemente etwas anders darstellen als Desktop-Programme. Das gilt insbesondere auch für die Systemeinstellungen, die man etwa mit der Fernbedienung bequem steuern können muss. Um sich die Arbeit zu erleichtern, schrieb Devin deshalb eine eigene kleine Komponentenbibliothek, über die sich einfacher TV-Anwendungen entwickeln und portieren lassen. Mit ihrer Hilfe passte Devin die Systemeinstellungen an, die jetzt ebenfalls eine einfachere Bedienung und eine moderne Optik aufweisen. Trotz kleinen Bibliothek fehlt derzeit noch ein richtiges Framework, mit dem Entwickler maßgeschneiderte TV-Anwendungen erstellen können.
Abschließend portierte Devin den Envmanager von Plasma Mobile auf Bigscreen. Dieses Tool hilft bei der Verwaltung der speziellen Bigscreen-Einstellungen.
Steiniger Weg
Wer das Ergebnis ausprobieren möchte, muss derzeit Plasma Bigscreen noch per Hand übersetzen. Nach eigenen Angaben konnte Devin den Desktop auf einem Raspberry Pi mit postmarketOS betreiben.
Bigscreen weist allerdings noch ein paar Macken auf. So gibt es derzeit keine Bildschirmtastatur, obendrein lassen sich Fernbedienungen nicht reibungslos einbinden. Devin empfiehlt den Einsatz einer Bluetooth-Tastatur oder eines „Air Remote“-Controllers.
Devin ist mittlerweile wieder zu Plasma Mobile zurückgekehrt. Er bietet aber an, den Code von anderen Entwicklern anzusehen und einzubauen. Diese Helfer scheint es bereits zu geben: In den letzten Wochen haben weitere Entwickler an Bigscreen gearbeitet. Ob sich jedoch in der nächsten Zeit genügend Freiwillige finden, wird sich zeigen.





