Torvalds: Kernel kommt nicht unter die GPL 3

Torvalds: Kernel kommt nicht unter die GPL 3

Linus Torvalds hat in einem Beitrag auf der Kernel-Mailingliste [1] klar gemacht, dass der Linux-Kernel unter der GPL Version 2 steht und sich daran seiner Meinung nach nichts ändern wird. Torvalds schreibt: “Eine Konvertierung (zu Version 3) wird es nicht geben.”

Die Diskussion hatte sich unter anderem an einem Zusatz in den Kopiervorschriften der GPL entzündet: “Version 2 oder eine später Version” heißt es dort. Torvalds versucht klarzustellen, dass damit keineswegs eine Konvertierung zur GPL v3 gemeint ist. Besagter Abschnitt sei gar nicht Teil der eigentlichen Lizenz, sondern stamme aus dem Erklärungstext zur GPL und erläutere, dass Entwickler diese Formulierung für ihren Quellcode nutzen können, falls gewünscht.Im Linux-Kernel habe diese Formulierung – abgesehen von einigen Ausnahmen – keine Anwendung gefunden. “Der Kernel steht hauptsächlich unter GPL v2”, schreibt Torvalds, “und daran ändert sich nichts”.

[1] http://lkml.org/lkml/2006/1/25/273

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Benjamin Quest
20 Jahre her

Und der Grund für die Ablehnung ist, daß die v3 wohl erforderlich macht, daß die privaten GPG Schlüssel der Entwickler transparent gemacht werden müssten:

I think it’s insane to require people to make their private signing keys available, for example. I wouldn’t do it. (Zitat: Linus Torvalds)

In der Tat eine schwachsinnige Idee, allerdings weiß ich nicht, ob das jetzt überinterpretiert ist, und ob sich das bis zur final v3 noch ändern kann. Entwickler sollten ein Recht auf Privatsphäre haben, nicht?
Benjamin

rudolf mittelmann
20 Jahre her
Reply to  Benjamin Quest

Ich habe die GPL 3 nicht studiert, aber…
den privaten (!!!) GPG-Schlüssel kann man gar nicht veröffentlichen – würde man das tun, kann man ihn
gleich löschen. Denn dann kann man mit diesem Schlüsselpaar nicht mehr nur nichts verschlüsseln,
sondern auch nicht mehr authentifizieren – und wozu sonst bräuchte man ein GPG-Schlüsselpaar sonst?

Da muss was falsch angekommen sein.

Tobias Hunger
20 Jahre her
Reply to  Benjamin Quest

Dort ist nicht der private Schlüssel des Entwicklers gemeint. Der Teil bezieht sich auf Treacherous Computing. Damit ist es möglich, dass ein Stück Hardware nur noch signierte Software annimmt. Das unterwandert natürlich die Freiheit der GPL: Was bringt es wenn der Anwender allen Code hat aber nichts ändern kann, weil die Hardware die neue Version nicht mehr akzeptiert? Genau gegen diese Beschneidung der Freiheit des Anwenders bezieht sich der fragliche Abschnitt der GPLv3. Dort wird im Prinzip verlangt, dass mit dem Code auch alle Schlüssel herausgegeben werden müssen, die zur Benutzung der Software nötig sind. Wenn ein Hardwarehersteller z.B. einen… Mehr »

Benjamin Quest
20 Jahre her
Reply to  Tobias Hunger

OK. Dann hat Linus aber irgendwas komplett verpeilt … ergo ist vielleicht auch die Originalmeldung etwas … voreilig? (Wie dann wohl auch mein Kommentar oben …)
b.

Dieter Drewanz
20 Jahre her
Reply to  Benjamin Quest

Der englische Artikel bei linux.com geht zwar ein Teil auch in diese Richtung, allerdings als nicht native english speaker fehlt einem manchmal der Zugang zu dem zwischen den Zeilen. (Bei der Suche nach den Torvards Quellen bin ich auf eine Umfrage von Novell gestossen. Ob ich das Posting in der Warteschalnge richtig eingeordnet habe big??) Wir leben schliesslich in einer Demokratie und (noch) freien Meinungen. Wenn mir etwas an der GPL 3 unklar ist, oder ich der Ansicht bin, dass es vielleicht auch noch anders interpretiert werden koennte, dann kann ich doch es erst mal bei GPL 2 belassen. Ein… Mehr »

Tobias Hunger
20 Jahre her
Reply to  Benjamin Quest

Naja, Linus und Richard M. Stallmann können nicht so gut miteinander… Linus ist halt ein Pragmatiker, eine Bezeichnung, die auf RMS überhaupt nicht passt:-) Ich würde mich nicht wundern, wenn Linus da bewußt was “misverstanden” hat, um RMS ein wenig zu ärgern (oder positiv formuliert: um auf misverständliche Passagen im Entwurf der Lizenz aufmerksam zu machen).

Linus hat sich ja z.B. die Einbindung von DRM in seinen Kernel nicht ausgeschlossen. Das würde unter GPLv3 nicht klappen, schon alleine von daher wundert es mich nicht, das er den Kernel unter GPLv2 halten will.

cybercrow
20 Jahre her
Reply to  Tobias Hunger

Ich halte RMS für sehr pragmatisch und Linus eher manchmal für etwas kurzsichtig. Aber das nur am Rande. Linus hat für mich ein Problem, welches man auch an seiner Äußerung über GNOME gesehen hat. Er schnappt manchmal etwas auf und poltert dann gleich los anstatt sich vorher damit genauer zu beschäftigen oder vielleicht doch nochmal nach zu denken. Als der Maintainer eines so wichtigen Programms (Linux) erwarte ich, dass er den Entstehungsweg der GPLv3 beobachtet und sollte er irgendwelche Bedenken/Anregungen haben sich konstruktiv an der einjährigen Diskussionsphase beteiligt aber nicht einfach mal so los poltert. Er kann sich natürlich auch… Mehr »

Tobias Hunger
20 Jahre her
Reply to  cybercrow

Naja, RMS als pragmatisch zu bezeichnen ist schon etwas gewagt:-) Er kommt mir eher wie einer der letzten Idealisten vor… Egal… Warum ich eigentlich schreibe, ist um Linus ein wenig zu verteidigen. Ich denke Du erwartest zu viel. Linus will wie eigentlich alle anderen Entwickler, die ich kennenlernen durfte, Spaß (und evtl. genug Geld zum Leben) haben und sich nicht mit Politik beschäftigen! Von daher verstehe ich, das er die GPLv3-Entwicklung nicht wirklich verfolgt… politischer geht es ja fast nicht. Ich denke, Du erwartest zu viel, wenn Du verlangst, dass er sich an etwas beteiligt das ihm keinen Spaß macht…… Mehr »

cybercrow
20 Jahre her
Reply to  Tobias Hunger

wenn man Pragmatisch mit “scheiß egal was es für auswirkungen hat hauptsache es sieht gut aus und hat ein paar bunte Lichter (oder anders gesagt hautpsache geile Technik)”, dann gebe ich dir recht, dann ist RMS nicht pragmatisch. Für mich ist das aber kein Pragmatismus, sondern kurzsichtigkeit von einem “Technik-Freak”. Pragmatisch ist für mich wenn man alles Auswirkungen (auch die nicht technischen) berücksichtigt und dann nachhaltige Entscheidungen trifft und hier ist RMS für mich sehr pragmatisch. Zu Linus, ich denke nicht, dass ich von ihm zu viel verlange. Ich habe ja ausdrücklich geschrieben “entweder richtig damit beschäftigen oder sich einfach… Mehr »

Murphy
20 Jahre her
Reply to  cybercrow

Als der Maintainer eines so wichtigen Programms (Linux) erwarte ich, dass er […] Ich rechne es Linus hoch an daß er sich von solchen Erwartungshaltungen nicht beeinflussen läßt und zu seiner eigenen Meinung und Einstellung steht. Das finde ich gut, weil so aus seinem Großprojekt “Linux” kein politischer Flickenteppich (aka. “Kompromißlösung”) wird, sondern ein technisch hochwertiges, flexibles und überzeugendes Produkt (von universell ist hier nicht die Rede). Und da er offensichtlich andere Schwerpunkte setzt als du oder andere Erwartenden sieht diese Einstellung nunmal etwas anders aus als deinerseits “erwartet” ;-) Linus ist halt kein Politiker, aber er ist bestimmt nicht… Mehr »

cybercrow
20 Jahre her
Reply to  Murphy

Dann will ich nochmal antworten. Auch wenn ich wahrscheinlich wieder bescheidene Bewertungen bekommen werden. Naja, wenn man meint andere schlecht bewerten zu müssen, nur weil sie etwas sagen was nicht der eigenen Meinung entspricht… Zum Thema: Im Prinzip kann ich mich auch nur zum dritten mal wiederholen. Ich erwarte von Linus keine politische Haltung oder sonst was. Nur wenn er sich äußert, dann sollte er seine Meinung (die ihm keiner nehmen will) vorher überprüfen ob die Bildung der selbigen wenigstens auf Tatsachen beruht. Das was Linus vor einiger Zeit über GNOME gesagt hat oder was er jetzt über die GPLv3… Mehr »

Benjamin Quest
20 Jahre her
Reply to  cybercrow

Also in den letzten Statements sagt Linus sehr wohl sehr genau, warum er den Kernel nicht unter die GPLv3 stellen möchte. Den Punkt mit den privaten Schlüsseln mal außen vor. Es geht ihm darum, daß er den Hardwareherstellern nicht diktieren möchte, wie sie ihre Hardware zu gestalten haben. Wenn sie DRM Mechanismen hardcodieren wollen, dann sollen sie das tun. Es geht also auch um die Freiheit derjenigen, die Platinen machen. Und die GPLv3 verbiete im Prinzip die Implementation jedweder (effektiven) DRM Maßnahme. Das ist mir persönlich sehr Recht, Linus geht es gegen den Strich, oder stellt eine “Kompetenzüberschreitung” dar. Und… Mehr »

cybercrow
20 Jahre her
Reply to  Benjamin Quest

>Also in den letzten Statements sagt Linus sehr wohl sehr genau, warum er den Kernel nicht unter die GPLv3 stellen möchte. Diese Aussage kam aber nach diesem Thread. Du kannst also schlecht meine bisherigen Aussagen damit kritisieren, was Linus jetzt gesagt hat. Die neuen Aussagen sind zumindest vernünftig begründet, auch wenn ich die Gründe/Argumente nicht teile (Kritik dazu wurde auf der LKM genug geäußert, dass will ich jetzt nicht wiederholen). Das ändert aber nichts daran, dass die erste Aussage, durch die dieser Thread ja entstanden ist, totaler schwachsinn war. >Und die GPLv4 schreibt vielleicht fest, daß die Software nicht von… Mehr »

Benjamin Quest
20 Jahre her
Reply to  cybercrow

Das sollte auch keine Kritik sein, sondern ein Update. Trotzdem wird er diese Meinung wahrscheinlich auch schon früher gehabt haben. Ich finde die Äußerungen von Linus sollten nicht immer auf die Goldwaage gelegt werden. Er äußert sich normal zu normalen Themen und das impliziert, daß die Meinungsfindung gelegentlich mal ein wenig Zeit braucht. Ihm deswegen die völlig normalen Querschüsse anzukreiden finde ich deswegen übertrieben. Vielleicht sollte man erst Linus-Nachrichten verfassen (und kommentieren, mich eingeschlossen), wenn er was wirklich “offizielles” von sich gibt und nicht versuchen, jedes Grundrauschen auf der LKM zu interpretieren.
Gruß
Benjamin

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