Das OpenOffice-Projekt spricht sich in einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung für ein einziges offenes Dokumentenformat aus. Stein des Anstoßes war die Ankündigung Microsofts, sein eigenes Format der ECMA zur Standardisierung vorzulegen.
OpenOffice-Community-Manager Louis Suarez-Potts betont, dass Anwender bei Investitionen mittlerweile nicht mehr nur die eingesetzte Software allein analysieren. Vielmehr rücken freie, standardisierte Formate in den Mittelpunkt des Interesses. Denn was am Ende wirklich zählt, seien die Tabellen, Datenbanken und Textdokumente, das eigene “geistige Eigentum”, gespeichert in einem herstellerunabhängigen, offenen Format.
Microsoft hat diesen Trend auch erkannt, und verkündete letzte Woche, das eigene Format mit dem Namen Office Open XML bei der ECMA International, einem europäischen Standardisierungsgremium, als offenen Standard einzureichen. XML soll die Basis für das Dateiformat der nächsten MS-Office-Version mit Codenamen Office 12 bilden. Jean Paoli, bei Microsoft zuständig für die XML-Architektur, will Anwendern, Technologie-Anbietern und Entwicklern rund um die Welt mit der Schaffung eines Kommitees den Zugang zu Office Open XML ermöglichen, unabhängig von der eingesetzten Software. Dieses Kommitee soll allen ECMA-Mitgliedern offen stehen.
Warum Microsoft mit einem eigenen Dokumentenstandard loslegt, können sich die OpenOffice-Entwickler nicht erklären. OpenDocument erfülle bereits alle Ansprüche. Die Wahl des Standards gerät zum Politikum.
Doch genau hier setzt die Kritik der OpenOffice-Community an: Mit dem von OpenOffice unterstützten OpenDocument, das durch die OASIS ratifiziert und eine Standardisierung durch die ISO erwartet, existiert bereits eine offene, herstellerunabhängige und standardisierte Spezifikation für Dokumente, frei von Belastungen durch “geistiges Eigentum”. Das Format ist breit akzeptiert und wird unter anderem von Open-Source-Entwicklern eingesetzt. Neben OpenOffice arbeitet zum Beispiel die KDE-Suite KOffice mit OpenDocument.
Das OASIS OpenDocument Technical Commitee steht laut OpenOffice-Projekt Änderungen und Erweiterungen stets offen. Die Mitgliedschaft sei offen für jeden und Anwender können die Entwicklung quasi live verfolgen.
Die Gründe für Microsofts Vordringen in den Bereich der freien Formate können vielfältig sein. Zum Einen zeugt es natürlich nicht gerade von einer innovationsfreudigen Entwicklungsabteilung, wenn der Konzern ein vorhandenes Format einfach übernimmt. Zumal dieses Format vor allem einen Namen ganz besonders bekannt gemacht hat: OpenOffice, den größten MS-Office-Konkurrenten. Andererseits könnte Office Open XML auch tatsächlich technisch ausgereifter sein als OpenDocument.
Um die zweite Möglichkeit, eine technische Überlegenheit des Microsoft-Formats, abzuwägen, haben mehrere Mitglieder des OpenDocument Fellowship begonnen, die verschiedenen Formate miteinander zu vergleichen. In einem Artikel auf Groklaw zeigen die Autoren die wichtigsten Unterschiede auf. Eine objektive und abschließende Bewertung gibt es allerdings nicht.
“Der Commonwealth ist erfreut über Microsofts Fortschritt, ein offenes Dokumentenformat zu schaffen.” (Tom Trimarco, Finanzminister v. Massachusetts)
Derweil hat Microsofts Ankündigung im US-Bundesstaat Massachusetts wieder für ein mögliches Umschwenken hin zu MS Office gesorgt. Der Staat hatte im September angekündigt, bis zum 1. Januar 2007 alle seine neuen Dokumente nur noch in offenen Formaten abzuspeichern. Bislang war dazu eine begleitende Migration auf OpenOffice im Gespräch, da das vorhandene MS Office die Richtlinien nicht erfüllt.
Finanzminister Tom Trimarco freut sich über Microsofts Ambitionen, Office Open XML zu standardisieren. Ob die Verwaltung des Bundesstaates also tatsächlich in Zukunft OpenOffice einsetzen wird, steht noch in den Sternen.
Anwender, Entwickler und Systemanbieter können nur hoffen, dass nun nicht ein Kampf um den richtigen Formatstandard entbrennt. Denn mit einer Unmenge an zwar freien aber zueinander inkompatiblen Dokumentenformaten würde sich der Vorteil eines Standards wieder in Luft auflösen. Entwickler müssten doch wieder diverse Filter entwickeln und Anwender würden wie zuvor ihre Dokumente hin- und herkonvertieren.
[1] http://www.microsoft.com/presspass/features/2005/nov05/11-21Ecma.mspx
[2] https://www.linux-community.de/story?storyid=17235
[3] http://www.oasis-open.org/committees/tc_home.php?wg_abbrev=office
[4] http://opendocumentfellowship.org/Articles/TechnicalComparison
[5] http://www.groklaw.net/article.php?story=20051125144611543
[6] https://www.linux-community.de/story?storyid=17781






Microsofts Format als offen zu bezeichnen, halte ich ehrlich gesagt für reichlich gewagt …
b.
Ich möchte noch kurz auf eine kleine Episode verweisen. Bei der UN APDIP wurde an einem Open Standards Draft Primer gearbeitet und um Kommentare gebeten. Die MS Lobbyingfamilie hat geantwortet in einer konzertierten Aktion. So etwas hat auch vorher gegeben bei anderen Gremien. Wir haben uns den Spass gemacht auch beizutragen und ein bisschen bösen Spin zu drehen [5]. …It is worth noting that Open Standards are a preemptive mean of avoiding conflicts between businesses and competition policy authorities. We therefore recommend adding a section which explains market abuses observed in the absence of Open Standards by market players in… Mehr »