Ubuntu 6.04: Der gediegene Erpel

Ubuntu 6.04: Der gediegene Erpel

Der Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth hat auf mehreren Ubuntu-Mailinglisten nähere Angaben zur Version 6.04 gemacht, die im April nächsten Jahres erscheint.

Wichtigste Neuerung, die bereits im Sommer mit Gründung der Ubuntu Foundation bekanntgegeben wurde: Ubuntu-Nutzer werden mit Version 6.04 3 Jahre Support auf dem Desktop und 5 Jahre für ihre Server bekommen.

In seiner Mail nennt Shuttleworth erste Maßnahmen, die nötig sind, um diese Support-Zyklen einzuhalten. Er ist der Ansicht, dass die Entwickler mit neuen Features etwas zurückhaltender als momentan verfahren sollten und schlägt außerdem eine längere Freeze-Zeit vor (der Entwicklungszeitraum, in dem nur noch Bugs gefixt und keine neuen Features mehr aufgenommen werden).

Mark Shuttleworth erinnert daran, dass die 6.04 in direkte Konkurrenz zu Windows Vista treten wird. Daher appelliert er an die Entwickler, diese Version besonders attraktiv zu machen und den Anwendern eine wirkliche Alternative zu bieten:

“Die 6.04-Release ist der Höhepunkt von 2 Jahren harter Arbeit. […] Es wird eine Version sein, für die Anwender planen, an der sie sich beteiligen und die sie als Basis für eigene Lösungen benutzen können. Sie wird noch mehr Verfeinerungen enthalten als wir in Breezy (Anm. d. Red.: Breezy Badger, Ubuntu 5.10) gesteckt haben und wir glauben, dass sie einen Namen verdient, der diese Verfeinerung widerspiegelt.”

Der Codename für Ubuntu 6.04, den Shuttleworth traditionell persönlich bekannt gibt, lautet somit “Dapper Drake” (der gediegene Erpel).

Bevor sich die Entwickler in die Entwicklung von Dapper Drake stürzen, haben Sie im Moment aber noch alle Hände voll damit zu tun, Ubuntu 5.10 (Breezy Badger) fertigzustellen. Diese Version erscheint in wenigen Wochen.

[1] http://lists.ubuntu.com/archives/ubuntu-devel/2005-September/010876.html

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Thomas Schlicht
20 Jahre her

Hi Max,

dein Artikel versprüht eine Art Aufbruchstimmung und macht neugierig. Ich bin ja mal gespannt, ob die Version 6.04 tatsächlich als echter Konkurrent zu M$-doof antreten kann. Ich glaube ja eher, daß dort die gleichen Einschränkungen wegen Lizenzgehampel enthalten sein werden, wie sie heute auch überall in Linux vorherrschen. Z.B. Grafikkartentreiber (3D-Beschleunigung), Video-Codecs, GDI-Druckertreiber, MPEC-Encoder, etc.etc. Erst wenn das geklärt ist, kann meiner Ansicht nach von “echter Konkurrenz” gesprochen werden.

Gruß
Thomas

Reinhard Holler
20 Jahre her

Eine Distribution, in der “das geklärt ist” wird mit ziemlicher nicht mehr frei kopierbar sein und auf mehreren Computer installiert werden können, da hier eine pro-Stück-Gebühr entrichtet werden muss. Von daher habe ich Zweifel, dass sich eine solche großartig verbreiten würde (legal).

Florian L. Klein
20 Jahre her

Wenn es gelingt, die jeweiligen Hersteller so weit zu überzeugen, dass sie selbst an der Integration ihrer Treiber in Ubuntu interessiert sind, lässt sich dieses Problem erheblich verringern. Außerdem fällt mir nicht ein einziger Fall ein, in dem ein closed-source-Treiber für Massenmarkt-Hardware pro Installation Geld kosten würde. Das Einzige sind Lizenzbedingungen, die eine Weiterverbreitung z. B. auf der Distributions-CD nicht ermöglichen. Dies muss aber nicht bedeuten, dass nicht der Hersteller die Lizenzbedingungen so weit anpassen kann, dass ihre Treiber eben doch auf der Ubuntu-CD verbreitet werden dürfen. Der Hersteller erleidet dadurch ja keinen Schaden, sondern kann nur davon profitieren. Bereits… Mehr »

Benjamin Quest
20 Jahre her

Was viele viele einfach nicht zu wissen scheinen: mp3 ist mit Patenten der Fraunhofergesellschaft geschützt, sodaß (auch unter Windows) der Einsatz von lame halblegal ist. Ähnliches gilt für viele andere Multimediaformate, die ein Programm wie vlc (VideoLanClient) aber dennoch meist klaglos abspielt. DVD’s sind mit content scrambling (css) geschützt und in Deutschland(im Gegensatz zu Norwegen) ist die rechtliche Lage bei der Umgehung dieses als Kopierschutz gedachten Mechanismusses unklar. die 3D Beschleunigung der freien Grafiktreiber reicht in vielen Bereichen aus, die nachträgliche Installation wird auch immer einfacher. Was mich immer etwas wurmt, sind z.B. so Verlangen nach GDI-Druckern. Linuxprinting.org ist eine… Mehr »

Christian Stamitz
20 Jahre her
Reply to  Benjamin Quest

Die Antwort darauf ist, sich politisch einzubringen und zu lobbyieren. Gerade Ubuntu als afrikanisches Produkt hätte da auf internationalem Pflaster sicherlich eine gute Stellung. Statt sich mit rechtlichen Schwierigkeiten herumzuärgern sollte man besser das Recht anpassen. Ich verstehe zum Beispiel nicht, warum die öffentliche Hand die FhG fördert, und die Resultate ihrer Grundlagenfoschung werden dann den Bürger künstlich vorenthalten. Hier kann politische Intervention hilfreich sein, denn FhG ist von der öffentlichen Hand abhängig. Ich bin sicher, es lässt sich ein Übereinkommen mit FhG finden.

Benjamin Quest
20 Jahre her

Naja, als Wissenschaftler weiß ich, daß die Ergebnisse der Grundlagenforschung schon veröffentlicht werden, nur eben nicht zwingend in Open-Access Journalen, ich weiß auch, daß aus der Forschung resultierende Anwendungen gerne von aus Arbeitsgruppen ausgegliederten Firmen “vermarktet” werden. Zumeist wird dort erstmal mehr Venture-Capital verbrannt, als eine Arbeitsgruppe jemals an öffentlichen Fördergeldern erhalten könnte. Klar ist, daß dann die Kapitalgeber dieses Produkt dann nicht einfach in den öffentlichen Raum stellen wollen. Zugegeben das ist bei der FhG (die im übrigen nicht ausschließlich von Staatsgeldern sondern zu schätzungsweise 60% von industriellen Drittmitteln finanziert wird) und mp3 nicht der Fall. Das Problem liegt… Mehr »

Thomas Schlicht
20 Jahre her
Reply to  Benjamin Quest

Benjamin, Du hast zwar Recht, daß man nicht nur maulen darf, sondern sein Handeln auch entsprechend ausrichten muß. ABER: Wie lange gibt es schon Linux. 10 Jahre? Und wie kommt es dann, daß ich die Treiber für meine NVIDIA-Karte (für die ich ja schon Geld bezahlt habe) immer noch erst über’s Internet herunterladen muß? Und wieso funktioniert der dann nach Installation nicht einwandfrei? Da Linux ein quelloffenes System ist, kann es doch kein Problem sein, einen nahezu fehlerfrei funktionierenden Treiber (ebenfalls quelloffen) auch auf die Treiber-CD des Herstellers zu packen? Und wenn Du sagst, daß ein wenig Handarbeit nötig ist,… Mehr »

Benjamin Quest
20 Jahre her

Hallo Thomas, ja natürlich hast Du Recht. Aber im Falle von NVIDIA liegt es eben nicht an Linux, sondern an NVIDIA. SIE wollen keine quelloffenen Treiber veröffentlichen, was ja vielleicht sogar verständlich ist, da sie Konkurrenz haben, die an den Spezifikationen auch sehr interessiert ist. Aber es ist auch ein Fakt, daß Linux für NVIDIA nicht unbedingt ein “Markt” ist, die Leute die eine hohe Grafikleistung zum Zocken brauchen, brauchen das unter Windows (in der überweigenden Mehrheit zumindest), drum ist ein Linux-Treiber ein “Draufleger” und so wird er eben auch von NVIDIA behandelt: etwas stiefmütterlich. Einen freien Treiber zu programmieren… Mehr »

Tobias Hunger
20 Jahre her

Ubuntu (Hoary genauso wie breezy) bringt die linux-restricted-modules (im Restricted Bereich der Server) mit, die sowohl die NVidia als auch die ATI Treiber enthalten (plus Madwifi, SLmodem u.a.). Installiert sind die schnell und dank Hotplug werden die normalerweise auch geladen.

Die X-Konfiguration, damit die Grafiktreiber dann auch benutzt werden ist aber leider genauso hackelig wie bei der Konkurenz.

Max Jonas Werner
20 Jahre her
Reply to  Tobias Hunger

Und mit dem Multiverse bekommen Anwender auch noch den MP3-Encoder Lame oder den Acrobat Reader.

Max

Johannes Kastl
20 Jahre her

Hallo, sicherlich ist die rechtliche Sache eine stetige Quelle der Freude. Und auch das Nichtmitliefern der 3d-Treiber ist unschön. Aber so einfach wie es mittlerweile ist, das doch noch zu installieren, braucht man nur noch Zugang zum Netz, leider meist einen schnellen. Unter Suse die Multimediapacks zu installieren per YOU ist eine Sache von ein paar Mausklicks und Warten. Auch den NVIDIA-Treiber soll man so einspielen können, habs aber noch nicht selber gemacht. Ich schätze dass das auch bei Ubuntu ohne Probleme möglich ist, hab es aber noch nicht ausprobiert. Von daher: Wenn man nicht am Netz hängt oder nur… Mehr »

Christian Stamitz
20 Jahre her
Reply to  Johannes Kastl

Möglicherweise gibt es auch sichere Drittstaaten über die man problemlos angepasste Distributionen vertreiben kann. Ich verweise aber in dem Zusammenhang auf die EU IPRED2, die uns bald droht. Ich würde Mark Shuttleworth empfehlen hier etwas Geld ins Lobbying zu investieren.

[1] http://europa.eu.int/eur-lex/lex/LexUriServ/site/en/com/2005/com2005_0276en01.pdf
[2] http://en.wikipedia.org/wiki/EU_Directive_on_Criminal_Measures_Aimed_at_Ensuring_the_Enforcement_of_Intellectual_Property_Rights
[3] http://mail.fsfeurope.org/pipermail/fsfe-ie/2005-July/002143.html

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