Editorial 02/2025

Aus LinuxUser 02/2025

Editorial 02/2025

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Auf der Sinnsuche

In den Slogans, mit denen OpenAI 2015 auf der Bildfläche erschien, könnte man einige Parallelen zu den Werten der Open-Source-Community entdecken. Angesichts der sich überschlagenden Meldungen im Kontext des Unternehmens hält Carina Schipper die These jedoch für nicht mehr tragfähig.

Im Oktober 2024 veröffentlichte die New York Times ein Interview [1] mit dem ehemaligen ChatGPT-Entwickler Suchir Balaji. Er kümmerte sich laut eigener Aussage um das Beschaffen von Trainingsdaten für das Sprachmodell. Er haderte massiv damit, dass sich OpenAI dabei, wenn überhaupt, nur marginal ums Urheberrecht schert, und kündigte schließlich.

Einer der grundsätzlichen Kritikpunkte Balajis an KI lautet: Durch generative Modelle verändert sich das Internet, und zwar zum Schlechteren. Etliche führende Köpfe aus dem KI-Umfeld teilen diese Haltung, es rumort gewaltig in der Szene. Dabei steht nicht selten ein Unternehmen im Rampenlicht, das vor beinahe einer Dekade antrat, um genau das Gegenteil zu erreichen und die Welt zum Besseren zu verändern: OpenAI.

Simon Hurtz zitiert in einem lesenswerten Artikel aus der Süddeutschen Zeitung die Gründer: “OpenAI ist ein gemeinnütziges Forschungsunternehmen für künstliche Intelligenz.” [2]. Tatsächlich erinnerte auch mich das Gebaren des OpenAI-CEOs Sam Altman und dessen Umfeld zunächst angenehm an die Gepflogenheiten der Open-Source-Welt. Deren Pioniere starteten mit ganz ähnlichen Ansinnen.

Spätestens seit dem Release von ChatGPT 4 steht für mich jedoch fest, dass es bei den Produkten des längst dem Startup-Stadium entwachsenen Unternehmens kaum mehr bloß um das Wohl der Menschheit geht. Ich frage mich außerdem ernsthaft, wo genau das “Open” geblieben ist und ob dahinter nicht doch nur ein recht inhaltsarmes Marketingversprechen steckt. Von vollmundigen Aussagen wie “Idealismus statt Kapitalismus” scheint inzwischen ebenfalls wenig übrig zu sein.

Beispielsweise investierte jüngst Microsoft stolze 13 Milliarden US-Dollar in OpenAI. Allein, mir fehlt der Glaube, dass der Konzern aus Redmond dabei vollkommen altruistisch handelt. Das ergibt schon deswegen kaum Sinn, weil sich Microsoft selbst unzweifelhaft als kapitalistisches Unternehmen versteht, also als Gewinnmaximierer, und auf einen ordentlichen Return on Invest spekulieren dürfte.

Apropos Sinn: Mitte Dezember 2024 berichteten unterschiedliche Medien, die kalifornische Polizei habe Suchir Balaji leblos in seiner Wohnung aufgefunden. Selbstverständlich sorgte der offiziell als Suizid kommunizierte Tod des Ex-OpenAI-Mitarbeiters für Spekulationen. Die Bild-Zeitung bringt das in ihrer typischen Art auf den Punkt: “Nun ist Balaji tot. Ob sein Tod mit seiner Kritik an OpenAI und der KI-Welt zu tun hat, ist völlig unklar – dennoch erscheint er wenige Monate nach seiner Kündigung in einem mysteriösen Licht” [3].

Stimmt, ein Zusammenhang zwischen dem Selbstmord des Softwareentwicklers und seinem Ausscheiden bei OpenAI wird sich schwerlich zweifelsfrei herstellen lassen. Das muss es aber auch gar nicht. Für mich offenbart Balajis Geschichte neben der in der Sache selbst liegenden Tragik noch einen weiteren Aspekt: Egal, mit wie viel Idealismus nicht nur OpenAI ins Leben gerufen wurde – stets droht dabei die Gefahr, in den Mahlstrom mächtiger Organisationen gezogen zu werden. Von Transparenz fehlt dann jede Spur, Mitarbeiter verlassen unter dubiosen Umständen das Unternehmen, und offenkundig spielt am Ende dann nur eines die Hauptrolle: Geld.

Herzliche Grüße,

Carina Schipper

Stellv. Chefredakteurin, Strategy & Operations

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