20 Jahre zählt Ubuntu nun schon und hat sich zu beeindruckender Beliebtheit aufgeschwungen. Auch Carina Schipper landete nach ihrem Linux-Erstkontakt Debian direkt bei dessen Derivat.
Als Abiturientin hatte ich lange auf das 17-Zoll-Notebook von Toshiba sparen müssen. Wohl deswegen und unter dem Eindruck einer gewissen Nostalgie zog der Rechner als überdimensionierter Briefbeschwerer mit mir über die Jahre immer wieder um. Noch bevor ich mich als Journalistin wesentlich mit Linux beschäftigte, kam ich auf die fixe Idee, die alte Kiste wieder in Betrieb zu nehmen. Windows wollte ich nicht verwenden: Bereits damals hegte ich eine Abneigung gegen die Produkte aus Redmond, die ich heute selbstverständlich besser erklären und mit Argumenten stützen kann. Die Konsequenz: Linux musste her.
Nach einer Umfrage zu empfehlenswerten Distributionen unter Freunden und Bekannten stand mit Debian zügig der klare Sieger fest. Also las ich mich in die Materie ein, befand die Sache für durchaus machbar, packte das passende ISO-Image auf einen USB-Stick und steckte denselben hoch ambitioniert ins Notebook. Einen grafischen Installer gab es bereits, also plante ich, mich einfach entlang der Installationsanleitung vorwärtszuhangeln. Doch meine Begeisterung fand ein jähes Ende.
Bis heute habe ich darauf verzichtet, herauszufinden, warum die Installation scheiterte. Später stieß ich im Debian-Forum auf einen Beitrag [1], dessen Inhalt meinem Problem gleicht. Auf meinem Rechner lief ich immer wieder in dieselbe Fehlermeldung: Das Basissystem könne nicht installiert werden, da keine Installations-CD oder Medium gefunden worden sei. Sicher, mein Ehrgeiz hinsichtlich einer Problemlösung hielt sich in engen Grenzen – ich wollte lediglich einen funktionierenden Linux-Rechner und hielt mich nicht weiter mit Debian auf. Stattdessen schwenkte ich auf Ubuntu um. Und siehe da: Das Installieren klappte auf Anhieb problemlos.
Retrospektiv kann ich sagen: Wäre mir bewusst gewesen, dass Ubuntu meinen Ansprüchen vollends genügt, hätte ich nicht einmal versucht, der alten Kiste Debian zu verpassen. Ein wenig doof fühlte ich mich zunächst trotzdem, zu doof eben, um Debian einzurichten. Mit der Zeit begriff ich, dass ich damit nicht unbedingt alleine bin. Ubuntu jedenfalls halte ich seither die Treue. Dafür gibt es zahlreiche sachliche Argumente, aber auch einen sehr subjektiven Grund: den Namen der Distro.
Als ursprüngliche Germanistin begnüge ich mich kaum mit der relativ vagen Übersetzung “Menschlichkeit”. Hinter Ubuntu steckt deutlich mehr, nämlich eine über viele südafrikanische Länder verbreitete Philosophie [2], mit der sich so mancher innerhalb der Linux- und Open-Source-Community vielleicht einmal etwas näher beschäftigen sollte. Der Ton, nicht nur in Foren und Co., scheint spürbar rauer geworden zu sein, aber davon zu einem anderen Zeitpunkt mehr.
Zum Schluss noch ein Hinweis, was sich aktuell um die Distribution herum tut: Markus Feilner wird in der Ausgabe 01/2025 unserer Schwesterzeitschrift Linux-Magazin der Frage nachgehen, ob die Trademark-Regeln bei Ubuntu noch Open-Source-konform sind. Damit landen wir dann schon wieder bei ethischen und philosophischen Themen – gut so! Schließlich sind Diskurse wichtiger Bestandteil der Kultur der Community – zumindest sehe ich das so.
Herzliche Grüße,
Carina Schipper

Stellv. Chefredakteurin, Strategy & Operations
Infos
-
“Kann Debian nicht installieren”: https://debianforum.de/forum/viewtopic.php?t=182096
-
“Afrikas Ubuntu – Die Philosophie der Menschlichkeit”: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/afrikas-ubuntu-die-philosophie-der-menschlichkeit-1/1411101




