Editorial 05/2024

Aus LinuxUser 05/2024

Editorial 05/2024

Kinder, Kinder

Die WHO beklagt steigende Zahlen in Sachen Cybermobbing unter Kindern. Redakteurin Carina Schipper findet das zwar beunruhigend, sieht sich aber lieber nach Lösungen um, als sich allzu lang am Problem festzuhalten.

“Pupskopf”, “lahme Ente” und der wohl zeitlose Klassiker, das “Eierloch” – seit Generationen fliegen Schimpfwörter auf Spielplätzen und Pausenhöfen hin und her. Wer Kinder hat, kennt den Hang der lieben Kleinen zur Fäkalsprache. Sobald sie die Weiten des Webs erkunden, passiert, was passieren muss: Sie benutzen die Kraftausdrücke in digitaler Form, allerdings nicht nur die zitierten. Nicht zuletzt durch KI-Tools gleicht es einem Kinderspiel, diffamierende Bilder oder Videos zu erzeugen und damit andere zu blamieren und zu verletzen. Das nennt sich Cybermobbing und entwickelt sich laut einem gerade erschienenen Bericht der WHO zunehmend zum Problem [1]. Im Vergleich zu 2018 ist der Anteil der von Cybermobbing betroffenen Kinder in Europa um 3 Prozentpunkte auf gut 15 Prozent gestiegen.

Beklagenswert sind die Zahlen zweifellos, vor allem vor dem Hintergrund, dass das Internet eben nichts vergisst. Beispielsweise zieht ein einmal gepostetes Bild, das eine Person bloßstellt, weite und nicht selten unaufhörliche Kreise. Mit sozialen Medien, Chats und Messengern potenziere sich die Gewalt, sagt Hannah Lichtenthäler vom Kinderschutzbund im Interview im BR-Podcast “Das Computermagazin” [2]. Nicht nur liegt die Hemmschwelle online deutlich niedriger, Lichtenthäler erklärt auch: “Es gibt keine Pause mehr. Rund um die Uhr können Mobber*innen die Kinder, die Betroffenen erreichen.”

Als Mutter interessiere ich mich freilich brennend dafür, wie sich dem Problem begegnen lässt. Eine kurze Google-Recherche zeigt: Das Netz wimmelt nur so von Webseiten, die Hilfestellungen geben, für Kinder wie für Erwachsene. Zusätzlich braucht es aus meiner Sicht noch etwas, das beispielsweise meine eigene Altersgruppe (Generation Z) eher spärlich mitbekommen hat: digitale Medienkompetenz und ein Verständnis von klein auf für Themen wie Datenschutz, Cybersicherheit und Technologien.

Genau darum kümmern sich zum Beispiel die Kollegen und Kolleginnen von Netzpolitik.org mit Netzolino [3]: Das neue Portal informiert kindgerecht zu Themen wie Chatkontrolle oder IT-Sicherheit im vom Kinderkanal bekannten Checker-Stil. Obendrein empfehle ich eine Sendung-mit-der-Maus-Videosammlung mit dem Titel “Die Maus erklärt das Internet”. Die Clips findet bei uns nicht nur das Kind super, sondern auch die Mama.

Infos

  1. “A focus on adolescent peer violence and bullying in Europe, central Asia and Canada. Health Behaviour in School-aged Children international report from the 2021/2022 survey. Volume 2”, WHO, 27. März 2024: https://www.who.int/europe/publications/i/item/9789289060929

  2. “Das Computermagazin”, 31. März 2024: https://www.br.de/radio/br24/sendungen/computermagazin/index.html

  3. Netzolino: https://netzpolitik.org/author/netzolino/

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