Dell XPS M1330 unter Linux

Aus LinuxUser 08/2008

Dell XPS M1330 unter Linux

Fast perfekt

Anschließen, loslegen, alles funktioniert: Das erwartet man von einem vorkonfigurierten Notebook. Erfüllt das Dell XPS M1330 diesen Wunsch?

Liefern namhafte Hersteller Computer mit vorinstalliertem Betriebssystem aus, so darf man zurecht erwarten, das System richtig konfiguriert zu bekommen: Kein stundenlanges Einrichten von Systemkomponenten, sondern anschließen und loslegen. Das es mit einem ordentlichen Gesamtpaket, in dem Linux die Hauptrolle als Betriebssystem spielt, bei Dell [1] bisher haperte, zeigte unser Test [2] des Notebooks Inspiron 6400n. Das Gerät kam zwar mit vorinstalliertem Ubuntu 7.04, doch sparte der Dell bei der Konfiguration der beliebten Distribution: X-Server und Sondertasten arbeiteten nicht auf Anhieb einwandfrei.

Mit dem XPS M1330 verkauft Dell nun ein weiteres Notebook mit Linux, die Ausstattung mit Ubuntu erfolgte auf vielfachen Wunsch der Kunden. Das vorinstallierte “Gutsy Gibbon” soll das Leben angenehmer machen, wie es Dell es werbetechnisch ausdrückt. Wir haben nachgesehen, ob das Dell XPS M1330 dieser Anforderung gerecht wird.

Dell XPS M1330

Modell XPS M1330
Hersteller Dell
Preis (ca.) 1034 Euro
Betriebssystem Ubuntu 7.10
Bezugsquelle http://www.dell.de/ubuntu
Prozessor und Speicher
CPU Intel Core2 Duo T8100
Taktfrequenz 2,1 GHz
RAM 2 x 1 GByte
Grafik
Bildschirm und Auflösung 13,3 Zoll WXGA (glanz), 1280 x 800
Grafik Intel GM965 (shared memory)
Ausstattung
Festplatte 160 GByte, SATA
Optische Medien DVD+/-RW, Slot-in
Kommunikation Fast Ethernet, WLAN 802.11a/b/g
Peripherie 2 x USB 2.0, 1 x Firewire, 1 x Expresscard, 8-in-1-Cardreader
Audio/Video Webcam, HDMI, VGA, Mikrofon, Kopfhörer
Gewicht 1,9 kg
Akku 6 Zellen, Laufzeit bis 4 Stunden
Besonderheiten LinDVD [3], Notebooktasche, Ladestandskontrolle am Akku

Das Gerät

Auf den ersten Blick erscheint das Design des XPS M1330 gelungen. Schönheit liegt zwar bekanntlich im Auge des Betrachters, aber Farbe, Form und Gesamteindruck schmeicheln diesem auf Anhieb. Anlass dafür liefert vor allem die Seitenansicht: Das Profil des Notebooks verjüngt sich von hinten nach vorn deutlich (Abbildung 1). Hinzu kommen viele Kleinigkeiten: Die Display-Scharniere hat Dell abgerundet und liefert den Bildschirmrücken in verschiedenen Farben, die dem Notebook einen individuellen Touch geben. Auf einen Display-Verschluss dagegen legt Dell augenscheinlich genauso wenig Wert wie auf einen planen Stand des Notebooks: Zumindest kippelte unser Testgerät deutlich.

Abbildung 1: Die nach vorn hin abnehmende Höhe und das Slim-Laufwerk tragen zum gelungenen Design des Dell XPS M1330 bei.

Abbildung 1: Die nach vorn hin abnehmende Höhe und das Slim-Laufwerk tragen zum gelungenen Design des Dell XPS M1330 bei.

Klappt man das Notebook auf, so fällt erst einmal die aus einer gebürsteten Metallplatte bestehende Handballenauflage rund um das Touchpad auf. Sie verleiht dem XPS M1330 ein edles Aussehen, obwohl sich der Rest des Geräts in schnödes Plastik kleidet. Das Touchpad fällt allerdings etwas zu klein aus, die Maustasten ähneln in der Tippempfindlichkeit einem analogen Steuerkreuz. Über dem Mausersatz finden Sie die Tastatur, die sich leise und mit angenehmen Widerstand bedienen lässt. Das Keyboard passt sich an den metallsilbernen Look an und besteht aus grauen Tasten mit dunkelgrauen Zeichen darauf.

Über der obersten Tastenreihe platzierte Dell auf schwarzglänzendem Untergrund eine berührungsempfindliche Bedienfläche für Lautstärkereglung, Mediensteuerung sowie für den CD-Auswurf (Abbildung 2). Die dort angebrachten Bediensymbole Tasten reagieren bereits auf ein leichtes Drauftippen und quittieren die Berührung mit dem kurzen Aufleuchten eines blauen Quadrats.

Abbildung 2: Nettes Feature: Die Sonderfunktionen des Dell XPS M1330 bedienen Sie über ein Touchpanel.

Abbildung 2: Nettes Feature: Die Sonderfunktionen des Dell XPS M1330 bedienen Sie über ein Touchpanel.

Unser Testgerät kommt mit einer Anzeige der neuesten Generation, einem so genannten White-LED-Display. Dessen Bild überzeugt durch Leuchtstärke wie auch große Schärfe und neutrale Farbwiedergabe. Im Gegensatz zum knapp 180 Euro günstigeren CCFL-Display, mit dem das XPS M1330 in der Grundausstattung daher kommt, fällt es deutlich dünner und leichter aus. Die Scharniere halten das Display in jeder Position sicher, es lässt sich jedoch nur auf einen Winkel von etwa 140 Grad öffnen.

Fast alle Schnittstellen des Geräts hat Dell auf der linken Seite verbaut. Dazu gehören der VGA- und HDMI-Ausgang, Firewire- und 10/100-Mbit/s-Ethernet-Anschluss sowie ein USB-Port. Rechterhand finden Sie einen von insgesamt nur zwei USB-2.0-Ports und den Schalter für die integrierte 802.11a/b/g-WLAN-Karte sowie einen Schiebeschalter, dem aber keine Funktion zugeordnet ist. An der Frontseite finden sich die Buchsen für Kopfhörer und Mikrofon sowie der 8-in-1-Cardreader.

Die Distribution

Das vorinstallierte Ubuntu “Gutsy Gibbon” verlangt nach dem Einschalten nur noch wenige Angaben. Sie informieren es über die gewünschte Sprache, Zeitzone sowie Tastaturbelegung und geben Benutzername und Passwort an, anschließend meldet sich das Betriebssystem startklar. Der Gnome-Desktop begrüßt mit seinem Jingle, die Bildschirmhelligkeit lässt sich über die Funktionstasten sowie über das entsprechende Gnome-Applet sofort regeln. Mit dem integrierten Touchpad gelingt die Navigation – nur das horizontale Scrollen funktioniert im Gegensatz zum vertikalen nicht.

Eine viel wichtigere Rolle im Arbeitsalltag aber spielt die Kommunikation: Über das kabelgebundene wie kabellose Netz nehmen Sie auf Anhieb Verbindungen auf. Vor allem die bei Notebooks oft widerwilligen WLAN-Module sind korrekt geladen und der Netzwerkmanager findet sofort alle Access-Points. Auch der Hardwareschalter zum manuellen Abschalten des WLAN-Adapters funktioniert.

Apropos Kommunikation: Die im Bildschirmrahmen integrierte Webcam zeigt unter Ekiga erst ein Bild, nachdem Sie die Video-Einstellung im Programm auf den v4l2-Treiber umstellen. Dagegen funktioniert die Kamera mit Kopete sofort. Das Bild fällt zwar bei 0.3 Megapixel nicht berauschend aus, genügt aber sicherlich für den gelegentlichen Videochat.

Auch die Sondertasten funktionieren ohne weiteres Zutun. Damit steuern Sie beispielsweise den Musikplayer Rhythmbox und die Laustärke. Nicht zuletzt werfen Sie über eine Sondertaste die CD/DVD aus. Das Laufwerk knackt und knarzt beim Einlegen und Auswerfen dermaßen, das man denken könnte, es zerlege den Datenträger in Einzelteile. Aber keine Angst: Diese Geräusche sind bei Slot-in-Laufwerken – also solchen ohne Schublade – normal. Weitere Datenträger wie SD-Karten liest der integrierte Cardreader, auch hier aus dem Stand.

Die Bildschirmauflösung bedarf eigentlich keiner gesonderten Erwähnung, denn Sie stimmt auf Anhieb. Die verbaute Intel-GMA-Grafikkarte spricht Ubuntu über den richtigen Treiber an, allein die Desktopeffekte jedoch verweigern vorerst die Mitarbeit. Das liegt aber an der Blacklist-Abfrage von Compiz. Die Lösung: Kommentieren Sie in der Datei /usr/bin/compiz den Eintrag zur Intel-Grafikkarte aus (Abbildung 3). Externe Monitore und Displays schließen Sie an den analogen VGA-Ausgang oder die digitale HDMI-Buchse an.

Abbildung 3: Unter Ubuntu 7.10 verweigert Compiz die Arbeitsaufnahme durch einen Blacklist-Eintrag, den Sie einfach auskommentieren.

Abbildung 3: Unter Ubuntu 7.10 verweigert Compiz die Arbeitsaufnahme durch einen Blacklist-Eintrag, den Sie einfach auskommentieren.

Die Funktionsfähigkeit der Schlafmodi Suspend-to-RAM/Disk in nur einem Satz befriedigend zu beschreiben, gelingt nicht bei vielen Notebooks. Beide Zustände meistert der Dell XPS M1330 ohne zu murren. Auch das Speedstepping funktioniert auf Anhieb, sodass der Prozessor nicht zu heiß läuft und das System vor allem im Akkubetrieb längere Laufzeiten erreicht. Die Anpassung der Taktfrequenz je nach Prozessorlast gelingt ohne Nacharbeit am System, der Lüfter des XPS M1330 lässt sich deswegen auch kaum vernehmen.

Die Anderen

Das XPS M1330 gepaart mit Ubuntus mutigen Affen eignet sich also als schicker Begleiter auf Reisen oder als Arbeitstier auf dem Schreibtisch. Mit diesem Fazit könnte man den Test abschließen und zum nächsten Artikel blättern – wären da nicht weitere Distributionen, die für den Linux-Anwender in Frage kommen: OpenSuse 10.3, Fedora 9 und Ubuntu 8.04 gehören momentan zu den stabilen Versionen der großen Distributoren. Diese installieren wir genauso wie das bei Abschluss des Tests noch in der Beta-Phase befindliche OpenSuse 11.

Mit wenigen Ausnahmen bestehen sowohl das Notebooks als auch die Distributionen diesen Test. Von der Helligkeitssteuerung mit den Funktionstasten über den Betrieb der (W)LAN-Adapter bis hin zum Speedstepping funktioniert das Gerät auf Anhieb. Ebenso unproblematisch verhalten sich die Schlafmodi und das Lid-Switch. Nacharbeiten gibt es dennoch: So arbeitet das Direct Rendering unter OpenSuse 10.3 erst, sobald Sie die Konfigurationsdatei des X-Servers anpassten. Ihr fehlt der Befehl zum Laden des DRI-Moduls, den Sie durch den entsprechenden Eintrag in der Datei /etc/X11/xorg.conf hinzufügen.

Nur unter den Distributionen, die Gnome als Standarddesktop enthalten, arbeiten Die Sondertasten zur Mediensteuerung sofort. Anders verhält es sich dagegen auf der KDE-Oberfläche: Alle Tasten geben über das Programm xev ihre Keycodes preis, leiten die Funktionen aber nicht an eine Anwendung weiter. Über das KDE-Kontrollmodul khotkeys weisen Sie den Sondertasten Befehle und Funktionen zu. Wie Sie unter OpenSuse 10.3 die Play-Taste dazu bringen, die Wiedergabe in Amarok zu starten, lesen Sie im Kasten “Khotkeys”. Die Anleitung eignet sich auch als Vorlage, um andere Applikationen mit den Multimediatasten zu steuern. Alternativ dazu binden Sie die Sondertasten direkt in Amarok über den Menüpunkt Einstellungen | Globale Kurzbefehle festlegen ein.

Khotkeys

Öffnen Sie mit dem Befehl kcmshell khotkeys in einem Schnellstartfenster ([Alt]+[F2]) das Kontrollmodul für Sondertasten. Hier klicken Sie auf den Knopf Neue Aktion und wählen als Aktionstyp Tastenkürzel->Befehl/Adresse aus. Jetzt wechseln Sie zum Reiter Tastenkürzel, klicken mit der Maus auf die Schaltfläche Keiner und betätigen die XPS-Sondertaste [Play/Stop]. Abschließend wechseln Sie zum Reiter Befehl-/Adresse-Einstellungen und geben in das Eingabefeld den Befehl dcop amarok player play ein.

Einzig unter Ubuntu 8.04 verweigert der Cardreader die regelmäßige Mitarbeit. Die Fehlersuche gestaltet sich schwierig, da die Logdateien des Systems beim Laden der Module wie auch beim Einstecken einer SD-Karte keinerlei Meldung verzeichnen. Diese Eigenart wie auch einzelne Foreneinträge lassen nur den Schluss zu, dass eine Unverträglichkeit zwischen dem eingesetzten Kernel 2.6.24-16 respektive dem Kernelmodul und dem Ricoh-Cardreader vorliegt. Der Einsatz eines selbstkompilierten 2.6.25-4-Kernels behob das Problem.

Ubuntu 8.04 und Fedora 9 kommen mit der integrierten Webcam zurecht, Ekiga zeigte sofort ein Bild. Auch das KDE-Programm Kopete vermag unter OpenSuse 10.3 die Kamera zur Mitarbeit zu bewegen. Um so mehr erstaunt die Tatsache, dass die Kombination OpenSuse 11 / Kopete mit der Webcam nicht zurecht kommt. Zumindest kann AMSN nach der zusätzlichen Installation des Pakets uvcvideo-kmp-default ein Bild anzeigen.

Die Ausgabeumschaltung über den analogen VGA-Ausgang gelingt Ubuntu 8.04 und Fedora 9. Den X-Server von “Hardy Heron” müssen Sie dazu noch nicht einmal neu starten, den von Fedora 9 schon. Beiden OpenSuse-Versionen gelingt zwar die Ausgabe auf einem externen Monitor, sie passen aber die Auflösung nicht richtig an. Hier gilt es also Hand anzulegen.

Fazit

Das XPS M1330 von Dell eignet sich bestens als Begleiter im Linux-Alltag. Dank der Möglichkeit, das Notebook hinsichtlich der Komponenten CPU, Festplatte, Display und Hauptspeicher auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen, lässt sich auch ein Gerät für den schmaleren Geldbeutel zusammenstellen. Das vorinstallierte Ubuntu 7.10 arbeitet auf Anhieb und ohne Nacharbeit sehr gut mit dem XPS M1330 zusammen, aber auch Ubuntu 8.04, OpenSuse 10.3 und 11 sowie Fedora 9 eignen sich im Großen und Ganzen zum Einsatz auf dem Dell XPS M1330.

Glossar

CCFL

Cold Cathode Fluorescent Lamp. Solche Kaltkathodenröhren dienen in LCD- und TFT-Flachbildschirmen als Hintergrundbeleuchtung.

DRI

Direct Rendering Infrastructure. Das Softwarepaket stellt als Bestandteil des X-Window-Systems dem X-Server eine Schnittstelle bereit, über die Anwendungen direkt auf die 3D-Hardware des Computers zugreifen.

Infos

[1] Dell: http://www.dell.de

[2] Notebookstest: A. Kehrer, K. Reich, M. Hilzinger, “Mit Linux unterwegs”, LinuxUser 12/2007, S. 30, http://www.linux-user.de/ausgabe/2007/12/030-notebooks/

[3] LinDVD: Kristian Kißling, “Gesetzestreu schauen”, LinuxUser 01/2007, S. 72, http://www.linux-user.de/ausgabe/2007/01/072-lindvd/

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