Die Festplattenhersteller gehen in die Terabyte-Runde: Wir testen drei Spitzenmodelle von Hitachi, Samsung und Seagate.
Läuft die Festplatte wieder einmal voll, lohnt sich ein Blick auf die ersten Terabyte-Modelle: Darauf sollten auch weniger sparsame Computerbenutzer für die nächsten paar Monate die heimische Dateisammlung problemlos unterbringen. Die neue Festplatte bringt dann zudem nicht nur zusätzlichen Speicher mit, sondern arbeitet je nach Modell auch deutlich schneller: Das Spitzenmodell von Samsung erreichte in unseren Tests Leseraten von bis zu 115 MByte/s. Zum Preis von rund 250 Euro kostet eine Terabyte-Platte zwar noch etwas mehr als zwei 500-GByte-Disks, sie braucht aber nur halb so viel Strom pro Terabyte.
Die Benchmarks
Alle drei Platten mussten in den Benchmarks Slow.c [1] und Bonnie++ [2] ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Als Testsystem benutzten wir ein 64-Bit-System mit einem 2,4 GHz schnellen Athlon-Prozessor und 512 MByte RAM. Als Dateisystem kam jeweils Ext3 zum Einsatz. Die ursprüngliche Version von Slow.c kommt mit 64-Bit-Betriebssystemen nicht zurecht. Auf unseren Hinweis hin stellte der Autor auf seiner Homepage aber eine aktualisierte Version des Sourcecodes bereit.
In beiden Tests maßen wir die Schreib- und Lesegeschwindigkeit mit einer 2 GByte großen Datei. Bei kleineren Dateien müssen Sie erfahrungsgemäß mit weit geringeren Transferraten rechnen. Für den Bonnie-Benchmark erstellten wir zudem eine zweite Partition am Plattenende. Der Test zeigt schön, wie die Performance auf den letzten Zylindern deutlich abnimmt. Alle drei Festplatten verrichten ihren Dienst angenehm leise und wurden – mit Ausnahme der Hitachi-Platte – nicht überdurchschnittlich warm.
Der Pionier
Hitachis Deskstar 7K1000 kam bereits vor über einem Jahr auf den Markt; unser Testsample verließ im Juni 2007 die Fabrik. Das Alter zeigt sich an mehreren Stellen: Als einzige Platte des Testfelds bringt sie für die Stromversorgung auch einen Molex-Stecker mit, wie man ihn von normalen 3,5-Zoll-Festplatten her kennt. Das zweite Detail verbirgt sich im Innern – Hitachi setzt in der Deskstar-7K100-Serie bis zu fünf Platter ein. Die Terabyte-Platte besteht aus fünf Scheiben zu je 200 GByte. Die Geschwindigkeit der Terabyte-Platte hinkt deshalb hinter jener von Samsungs (drei Platter) und Seagates (vier Platter) Modellen zum Teil deutlich zurück. Durch die fünf Scheiben auf gleichem Raum erhitzt sich die Festplatte zudem stärker als die Konkurrenz und braucht etwas mehr Strom (siehe Tabelle “Drei Terabyte”).
Die Hitachi-Platte schreibt laut Slow.c-Benchmark mit rund 75 MByte/s und liest maximal 81 MByte/s (Abbildung 1). Bei Bonnie++ kommt die 7K1000 weniger gut weg und erreicht hier nur Durchschnittswerte von gut 60 MByte pro Sekunde. Die zehn Testresultate fielen aber stark unterschiedlich aus, bei einigen erreichte die Harddisk auch hier mehr als 70 MByte/s. Beim Lesen sind sich Bonnie++ und Slow.c einig: Hier kommt die 7K1000 auf maximal 81 MByte/s. Im Vergleich fällt auf, dass die Deskstar beim sequentiellen und blockweisen Schreiben beinahe gleich schnell arbeitet: Eigentlich müsste die Platte beim blockweisen Schreiben unter Bonnie++ an die Resultate des Slow.c-Benchmarks herankommen.

Abbildung 1: Sie Samsung Spin Point F1 hat beim Slow.c-Benchmark klar die Nase vorn und erreicht Bestwerte von 113 MByte/s beim Lesen und 105 MByte/s beim Schreiben.

Abbildung 2: Mit Werten von 80 MByte/s (Lesen) und rund 60 MByte/s (Schreiben) gehört die Hitachi Deskstar 7K1000 zwar noch nicht zum alten Eisen, die Konkurrenz ist aber deutlich schneller.
Drei Terabyte
Sie geht!
Das Testgerät von Seagate machte in den ersten Tests enorme Schwierigkeiten. Bei den Stresstests stürzte der Testrechner reproduzierbar ab, am Ende ließ sich die Harddisk nur noch mit Reiser4 formatieren. Da wir zunächst auf Probleme mit dem selbstkompilierten Kernel 2.6.24 und Reiser4 tippten, starteten wir den Rechner mit dem Originalkernel von OpenSuse 10.3 neu. Nach dem Login unter KDE meldete Smart einen Defekt an der Seagate-Platte. Ein erneuter Test mit der Platte führte zu einer Kernel-Panik und smartd meldete weitere Fehler. Da bisher sämtliche Tests im Runlevel 1 ohne zusätzliche Dienste stattfanden, konnte Smart nicht rechtzeitig auf das Hardware-Problem hinweisen. Aktuelle Platten informieren in der Regel nicht mehr über kaputte Sektoren (siehe Kasten “Bad Sector”).
Seagate lieferte am nächsten Tag bereits ein Ersatzlaufwerk, die Probleme waren damit behoben. Laut Slow.c-Benchmark schreibt die Barracuda ES.2 mit 74 MByte/s genau gleich schnell wie die Hitachi-Platte, hängt diese aber beim Lesen mit 91 MByte/s klar ab (Abbildung 1). Auch Bonnie++ bezeugt der Seagate-Disk gute Transferraten: Sie liest hier blockweise sogar mit knappe 97 MByte/s (Abbildung 3) und kommt beim Schreiben auf gut 77 MByte/s. Im Vergleich zur Konkurrenz, die im Durchschnitt etwa acht Prozent schneller liest als schreibt, ist dies jedoch deutlich zu langsam. Wie bei den zwei Mitbewerbern fällt die Lese- und Schreibgeschwindigkeit gegen Ende der Platte auf die Hälfte zurück.

Abbildung 3: Die Seagate Barracuda ES.2 wartet mit guten Lesezeiten auf, die Schreibperformance ist jedoch zu schlecht.
Bad Sector
Wer sich schon länger mit Hardware beschäftigt, hat bestimmt schon mal eine Festplatte nach kaputten Sektoren durchsucht. Dabei handelt es sich um einen Bereich der Festplatte, der sich weigert, als Null oder Eins zu arbeiten.
Mit speziellen Tools lassen sich solche Bereiche kennzeichnen, damit das Betriebssystem sie beim Formatieren und Schreiben außen vor lässt, und so Datenverluste verhindern. Bei modernen Festplatten jedoch ist ein solches Vorgehen überflüssig und nicht mehr möglich: Aktuelle Platten erkennen schlechte Sektoren automatisch und stellen zum Ausgleich zusätzlichen Platz zur Verfügung. Das Betriebssystem erhält somit keine Informationen zu schlechten Sektoren.
Kommt es trotzdem zu einer Bad-Sector-Meldung, so signalisiert das unmissverständlich, dass der internen Fehlerkorrektur kein Ausgleichsspeicher mehr zur Verfügung steht: Die Platte steht somit kurz vor dem Crash. Monitoring-Tools wie Smart erkennen solche Probleme frühzeitig. Meldet Smart einen Fehler, können Sie deshalb bei einer aktuellen Festplatte mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass sie tatsächlich defekt ist.
Schnelle Samsung
Die Samsung Spin Point F1 ist das jüngste Mitglied des Terabyte-Klubs. Die HD103UJ speichert das Terabyte auf nur drei Plattern und arbeitet entsprechend schnell. Beim Slow.c-Benchmark schrieb die Disk mit 105 MByte/s, beim Lesen brachte sie es sogar auf 113 MByte/s (Abbildung 1). Bonnie++ bestätigt die guten Werte der Spin Point F1 und misst beim blockweisen Lesen und Schreiben die exakt gleichen Werte (Abbildung 4). Das Diagramm zeigt auch schön, wie gegen das Plattenende die Unterschiede zwischen sequentiellen und blockweisen Schreiben abnehmen: Während die Disks von Hitachi und Seagate am Plattenende immer noch schneller lesen als schreiben, fällt dieser Unterschied bei der Samsung-Platte kaum noch ins Gewicht.

Abbildung 4: Als erste Festplatte im LinuxUser-Hardwarelabor erreicht die HD103UJ von Samsung Transferraten jenseits der 100 MByte/s.
Fazit
Samsung zeigt der Konkurrenz, wie schnell eine Terabyte-Platte arbeiten kann. Die Koreaner ließen sich dazu allerdings bei der Entwicklung auch viel Zeit. Da alle drei Festplatten etwa für den selben Betrag über den Ladentisch gehen, holt sich die HD103UJ klar die Kaufempfehlung von LinuxUser.
Glossar
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Platter
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Drehbar auf einer motorgetriebenen Achse gelagerte Speicherscheibe(n) im Inneren einer Festplatte. Platter bestehen typischerweise aus einem Aluminium- oder Glas-Substrat und tragen eine magnetische Beschichtung (“Coating”).
[1] Slow.c: http://www.jburgess.uklinux.net/slow.c
[2] Bonnie++: http://www.coker.com.au/bonnie++/








