Editorial 11/2022

Aus LinuxUser 11/2022

Editorial 11/2022

Viele Köche?

Bei der Softwareverwaltung scheiden sich unter Linux die Geister: Die einen halten an den Klassikern DEB und RPM fest, die anderen begrüßen moderne Alternativen wie Appimage, Flatpak und Snap. Doch die Auswahl schadet nicht, denn Konkurrenz belebt bekanntermaßen das Geschäft, findet Chefredakteur Jörg Luther.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

zu den aus Anwendersicht angenehmsten Aspekten an Linux zählt wohl die eingängige und konsistente Softwareverwaltung mithilfe der drei klassischen Formate DEB, RPM und Tarball. Bereits 1994 führte Debian seinen Paketmanager Dpkg ein, 1997 zog Red Hat mit seinem Red Hat Package Manager RPM nach.

Die gängigen Paketverwaltungssysteme fügen sich nahtlos in die jeweilige Distribution ein und erlauben das weitgehend reibungslose Installieren, Aktualisieren und Deinstallieren von Software. Sie ziehen Abhängigkeiten nach, lösen eventuelle Konflikte und halten das jeweilige System in einem konsistenten Zustand. Ein Durcheinander unterschiedlichster anwendungsspezifischer Installer, wie es unter anderen Betriebssystemen gang und gäbe ist, bleibt Linux-Anwendern damit erspart. Gelegentlich auftretende kleinere Probleme insbesondere mit Software, die nicht aus den Paketquellen der Distribution stammt, lassen sich durch clevere Frontends und Verfahren lösen. Mehr darüber lesen Sie in den Artikeln zu Apt-key, Deb-get und Nala ab Seite 22 in dieser Ausgabe.

Ein Grundproblem für Softwareanbieter bleibt davon allerdings unberührt: Sie müssen ihre Programme in allen Formaten paketieren und das bei jeder Versionsänderung wiederholen – ein nicht unerheblicher Aufwand. Das führte schnell zu der Idee, Anwendungen samt aller Abhängigkeiten einfach in einen Container zu verpacken, sodass sich das Resultat distributionsübergreifend verwenden lässt. Der Ersteller erspart sich dadurch das mehrfache Eintüten, der Anwender kann jede Software auf jedem System nutzen. Dem stehen allerdings auch Nachteile gegenüber, wie das Wegfallen der Kontrolle durch Distributions-Maintainer und ein deutlicher Mehrverbrauch an Plattenplatz durch in vielen Paketen redundant mitgeschleppten Bibliotheken.

Trotzdem setzen sich die Container-Formate immer mehr durch. Nach einer Umfrage [1] von Distrowatch bei mehr als 2000 Anwendern nutzen heute bereits 54 Prozent eines oder mehrere der Container-Formate, lediglich 45 Prozent bleiben nach wie vor DEB, RPM und Konsorten treu (Abbildung 1). Allerdings gibt es mehrere solcher Formate, von denen sich drei als Spitzenreiter herauskristallisiert haben: Appimage (2013 entstanden), Flatpak (2015) und Snap (2016). Flatpak und Appimage erfreuen sich bei den Benutzern der Container-Formate hoher Beliebtheit (28,5/28,1 Prozent) und kommen auch gern in Kombination zum Einsatz (32,7 Prozent). Dagegen greift nur ein Zehntel (10,7 Prozent) der Anwender zu Canonicals Snap-Paketen. Mehr zu den drei Alternativen erfahren Sie in einem Artikel ab Seite 16.

Abbildung 1: Das Ergebnis der Distrowatch-Umfrage zu Container-Paketformaten.

Abbildung 1: Das Ergebnis der Distrowatch-Umfrage zu Container-Paketformaten.

Daneben gibt es allerdings auch noch relativ neue, sehr interessante Ansätze für die Softwareverteilung unter Linux. So versucht sich Nix [2] mit einem neuen Paketformat als distributionsübergreifende Softwareverwaltung zu etablieren – Sie haben es vielleicht bereits in der letzten Ausgabe mit GNU Guix System [3] von der Heft-DVD kennengelernt. Ein weiteres spannendes Projekt ist LURE [4], das versucht, das von Arch Linux bekannte AUR-Prinzip als Linux User Repository auf alle Distributionen auszuweiten.

Damit haben wir als Anwender in bester Open-Source-Tradition eine ganze Reihe von Möglichkeiten für die Softwareverwaltung zur Auswahl. Puristen mögen sich an der Vielfalt reiben, ich halte sie für eine der entscheidenden Stärken des Linux-Ökosystems.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

Infos

  1. “Running AppImage, Flatpak, and Snap”: https://distrowatch.com/polls.php?poll=315
  2. Nix: https://github.com/NixOS/nix
  3. Guix: Erik Bärwaldt, “Befreit!”, LU 10/2022, S. 6, https://www.linux-community.de/47281
  4. LURE: https://github.com/Arsen6331/lure
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