Linux macht selbst vor Handheld-Spielekonsolen nicht halt, wie der GP2X-F200 mit eindrucksvollen Multimediafähigkeiten demonstriert.
GP2X-F200 im Überblick
| Hersteller | Gamepark Holdings, Korea |
| Modell | GP2X-F200 |
| Preis ca. | ab 170 Euro |
| Betriebssystem | Linux |
| CPU | ARM920T (Host-Prozessor), ARM940T (Video-Co-Prozessor) |
| Stromversorgung | 2 AA-Batterien |
| Display | 3,5 Zoll TFT LCD Touchscreen, 320×240 (QVGA) Pixel |
| Video/Grafik | MPEG, MPEG4, DIVX 3.11, 4.x, 5.x, XVID, JPG, BMP, PCX, GIF |
| Audio/Sound | 16-Bit-Stereo, MP3, OGG |
| weitere Funktionen | E-Book, Spiele |
Heutzutage dominieren Nintendos DS und Sonys Playstation Portable den Markt der Handheld-Spielekonsolen. Mit dem GP2X der Firma Game Park Holdings erschien Ende letzten Jahres ein neues Modell des GP2X auf diesem hart umkämpften Markt. Äußerlich unterscheiden sich die Konsolen nicht groß, sieht man einmal davon ab, das der Nintendo DS zwei Bildschirme mitbringt. Der größte Unterschied des GP2X-F200 zur Konkurrenz ist sein offenes Konzept. Er setzt auf Linux als Betriebssystem und bietet eine für jeden zugängliche Entwicklungsumgebung. Versierte Nutzer können also das System anpassen und eigene Applikationen programmieren. Diese Eigenschaft verhilft der Fan-Gemeinde zu einem ständig wachsenden Fundus an Anwendungen, und so profitieren auch Nichtprogrammierer vom offenen Konzept des Geräts.
Multimediakünstler
Mittlerweile sind Handheld-Konsolen nicht mehr nur reine Spielekonsolen, sondern wahre Multimediakünstler. Musik hören, Videos anschauen, Texte lesen: alles kein Problem. Auch der GP2X-F200 beherrscht diese Features. Von Haus aus spielt er MP3- und OGG-Dateien ab. MPEG-, MPEG4-, DIVX- und XVID-Filme lassen sich ebenso anzeigen wie Textdateien und Fotos (vgl. Tabelle “GP2X-F200 im Überblick”). Zusätzliche frei verfügbare Player sorgen für die Unterstützung weiterer Formate.
Ganz in Weiß
Ein 3,5 Zoll großer Touchscreen, vier Feuerknöpfe, ein Acht-Wege-Steuerkreuz, zwei Schultertasten sowie je eine Start- und Select-Taste stehen zur Bedienung des F200 zur Verfügung (Abbildung 1). Für die Rechenleistung sorgen zwei ARM-Prozessoren, die sich aus 64 MByte Arbeitsspeicher bedienen. Mit einer SD(HC)-Karte, die Platz für Spiele, Fotos, Filme und Anwendungen schafft, lässt sich das Gerät auf bis zu 4 GByte Speicherplatz aufrüsten. Für die Energieversorgung sorgen zwei Mignon-Batterien, einen eingebauten Akku gibt es nicht. Auf den ersten Blick lässt dieser Zustand kurze Betriebszeiten vermuten. Doch weit gefehlt: Die Verwendung von Akkus mit mindestens 2300 mAh garantiert für 4 bis 5 Stunden Laufzeit. Alternativ dazu verwenden Sie einfach ein externes Netzteil, das es als Zubehör zu kaufen gibt.
Im Gegensatz zum Vorgängermodell, dem GP2X-F100, liefert Game Park Holdings das Gerät nun in weiß statt in schwarz aus. Neben der Farbe nahm der koreanische Hersteller noch weitere Veränderungen am Gerät vor: Er spendierte dem Gerät einen neuen Soundchip mit deutlich besserer Audioausgabe, einen Touchscreen und ein digitales Acht-Wege-Steuerkreuz. Den einschneidensten Eingriff erfuhr der F200 durch das Wegfallen des Netzwerk-Chips, der dem Vorgängermodell F100 grundlegende Verbindungsprotokolle (Telnet/Samba) über den Mini-USB-Anschluss ermöglichte. Eine “Neuerung”, die vor allem Software-Entwickler und Bastler zu schaffen machen wird. Ethernet-Verbindungen lassen sich jetzt nur mehr seriell herstellen (z. B. Slip), setzen aber das optional erhältliche “Cradle” voraus, einen mit mehren Anschlüssen versehenen USB-Hub.
Und Start!
In der Grundversion erhalten Anwender neben dem F200 eine Kurzanleitung in Englisch und Koreanisch, ein USB-Kabel, einen Stylus (Stift für den Touchscreen) und eine CD mit einer ausführlichen Beschreibung von Gerät und Software (Spiele). Mit den Maßen von circa 14x8x3 cm und einem Gewicht von 207 g inklusive Akkus braucht er den Vergleich diesbezüglich zu Geräten anderer Hersteller nicht zu fürchten.
Rund 25 Sekunden nach dem Einschalten ist der F200 einsatzbereit. Über ein einfaches, aber übersichtliches Menü (Abbildung 2) rufen Sie die Grundfunktionen auf. Dazu verwenden Sie das Steuerkreuz oder navigieren mit Hilfe des Stylus. Zur Auswahl stehen Spiele, Video, Musik, E-Bücher, Foto und Settings. Hören Sie gern Musik, so müssen Sie auf die weiteren Funktionen nicht verzichten. Während ihr Lieblingssong spielt, können Sie Fotos ansehen oder in einem E-Book zu schmökern. Der Player unterstützt darüber hinaus ID3- und Liedtextanzeige, verschiedene Equalizer-Einstellungen sowie grundlegende Mediensteuerung. Auf dem internen Speicher befinden sich schon eine Handvoll Spiele, zusätzliche Software muss auf die Speicherkarte ausweichen.
Fehlt Ihnen beim integrierten Musikplayer ein besonderes Feature – wie das Anlegen einer Playlist oder eine ansprechendere Oberfläche – installieren Sie einfach einen weiteren Musik- oder Videoplayer auf der SD-Karte. Hier kommt das vorsätzlich offene Systemdesign des GP2X-F200 zum Tragen: Neben dem freien Betriebssystem und Busybox setzt der Hersteller auf Standard-SD-Karten und stellt eine quelloffene Entwicklungsumgebung bereit. Letzteres sorgt für den großen Umfang an frei verfügbarer Software [1], die sich einfach auf einen Standarddatenträger kopieren lässt.
Aufrüsten
Anwendungen wie einen neuen Musikplayer rüsten selbst Anfänger einfach nach: Man lädt die gewünschte Software aus dem Software-Archiv herunter, entpacken sie und kopiert sie auf die SD-Karte. Dazu nutzt man entweder einen Cardreader oder verbindet den F200 direkt mit dem Rechner, um die Speicherkarte mit Daten zu füttern. So installieren Sie auch den freien Musikplayer GMU [2], der den GP2X um Playlists, Cover-Artwork (Abbildung 3), die Formate Musepack, Flac und einige Modulformate wie MOD erweitert. Danach gilt es, die Anwendung zu starten. Die Software kommt mit einer Startdatei, deren Namen die Endung .gpe oder .gpu trägt. Diese rufen Sie am besten aus dem Bereich game heraus auf.

Abbildung 3: Freie Programme wie der GMU-Musikplayer erweitern den GP2X-F200 um zusätzliche Features.
Nicht nur neue Player finden sich im File-Archiv: Die Bandbreite reicht von Werkzeugen wie Editoren und Betrachtern über Demos, Spiele und Emulatoren bis hin zu Entwicklungswerkzeugen, Firmware und Magazinen rund um den GP2X. Nützlich sind auch die “Launcher” (zu vergleichen mit einer Desktopoberfläche), die die Anwenderfreundlichkeit und Funktionalität des Geräts erhöhen. Mit dem alternativen Frontend GMenu2x [3] legen Sie Shortcuts zu Anwendungen und Spielen in Form von Icons ab (Abbildung 4); das Suchen der Startdateien in der Dateihierarchie der Speicherkarte entfällt ab sofort.
Damit Ihnen gleich nach dem Reboot ein erweitertes Startmenü zur Verfügung steht, das Sie nach Belieben anpassen, entpacken Sie das Archiv in das Root-Verzeichnis der Speicherkarte. Die Datei autorun.gpu liegt jetzt im Stammverzeichnis, und der F200 ruft diese nach dem Neustart automatisch auf. Haben Sie genug von diesem Launcher, entfernen Sie einfach das Verzeichnis und die GPU-Datei.
Let’s play
Anders als bei herkömmlichen Spielekonsolen lassen sich auf dem GP2X nicht nur eigens dafür programmierte Games starten. Mit frei verfügbaren und kostenlosen Emulatoren daddeln Freaks auch Spiele vom Amiga bis hin zur Playstation 1. Emulatoren gibt es wie Sand am Meer – nur die Konfiguration gestaltet sich für den Unerfahrenen bisweilen schwierig. Behilflich ist bei diesen wie auch bei allgemeinen Fragen das sehr aktive Forum der GP2X-Gemeinde [4].
ScummVM [5] eignet sich gut für den Einstieg in die Welt der Emulatoren: Im Test funktionierte er ohne zusätzliches Gefrickel, der Klassiker “Flight of the Amazon Queen” startete ohne Probleme (Abbildung 5). Sogar der Touchscreen arbeitete tadellos, was nicht immer so unkompliziert funktioniert. Eine Übersicht über Spiele, die via Emulator laufen und frei erhältlich sind, gibt eine Forumsseite [6]. Natürlich stehen zahlungskräftigen Anwendern auch kommerzielle Spiele zur Verfügung [7].

Abbildung 5: Mit den vielen Emulatoren kommen vor allem Spielefreaks auf ihre Kosten: Hier ScummVM mit einem Klassiker.
Wem das Display beim Spielen oder Betrachten von Filmen zu klein ist, der verbindet den F200 über das optional erhältliche TV-Kabel (SVHS) mit dem heimischen Fernsehapparat. Ein ebenfalls angebotenes Cradle mit 4 USB-Ports dient zum Anschließen externer Festplatten, USB-Sticks, Joysticks und Tastaturen. Zusätzlich verfügt es über einen TV- und Audio-Out-Anschluss sowie über einen seriellen und parallelen Port.
Hausgemachtes
Eigene Software für den GP2X zu schreiben, setzt nicht nur die Kenntnis einer geeigneten Programmiersprache, sondern auch die Einrichtung einer funktionierenden Entwicklungsumgebung voraus. Einführende Schritte und Tipps in das umfangreiche Gebiet des sogenannten Homebrews bieten eine Community-Seite [8] und das offizielle Entwicklerforum [9]. Der GP2X unterstützt eine ganze Reihe von Programmiersprachen. Die reichen von Altbekanntem wie C und Python bis hin zu eher Obskurem wie Fenix. Recht beliebt, aber nicht kostenlos ist GL Basic – und natürlich lässt sich der GP2X auch in ARM-Assembler programmieren.
Fazit
Musik hören, Videos anschauen oder ein Spielchen zwischendurch: Der GP2X-F200 erweist sich als angenehmer Begleiter auf Reisen und bei der Fahrt zur Arbeit. Er sorgt nicht nur für farbenfrohe Abwechslung, sondern eignet sich auch als portabler Fotobetrachter, mit dem sich Fahr- und Stadtpläne anzeigen lassen. Auch Texte lesen sich im allgemeinen recht angenehm – zumindest kürzere. Die unabhängige Stromversorgung sorgt für lange Laufzeiten, das offene System und die große Community für Software en masse.
Dennoch gibt es auch etwas auszusetzen: Möchte man mit dem GP2X-F200 auch mal etwas mehr machen, schmälert das kostenintensive Zubehör den Geldbeutel. Mit einem TV-Out-Kabel, einem Cradle und Akkus plus Ladegerät kommen insgesamt schnell über 260 Euro zusammen.
[1] Software-Archiv: http://archive.gp2x.de
[2] Musikplayer GMU: http://wejp.k.vu/
[3] GMenu2x: http://gmenu2x.sourceforge.net/
[4] Deutsches GP2X-Forum: http://forum.gp2x.de
[5] ScummVM: Tim Schürmann, “Abenteuerspielplatz”, LinuxUser 09/2006, S. 56, http://www.linux-user.de/ausgabe/2006/09/056-scummvm/
[6] Emulatorspiele: http://forum.gp2x.de/viewtopic.php?t=3171
[7] Kommerzielle Spiele: http://www.gp2x.de/shop/index.php
[8] GP2X programmieren:http://wiki.gp2x.org/wiki/Getting_started_with_GP2X_development
[9] Entwicklerforum: http://dev.gp2x.com/forum/








