Während München das Modell LiMux in der Verwaltung wieder durch eine IT-Monokultur mit Microsoft-Produkten ablöst, öffnet Dortmund die Tür für eine nachhaltige IT-Landschaft, freut sich der stellvertretende Chefredakteur Andreas Bohle.
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
Kohle, Stahl und Bier – auf dieser Dreifaltigkeit begründete sich einst der Wohlstand des Ruhrgebiets und damit meiner Heimatstadt Dortmund. Industrie und große Unternehmen waren der Motor, der die Stadt am Laufen hielt und Jobs versprach. Dann folgte der Niedergang der Hütten, das Sterben der Zechen und eine lange Zeit des Strukturwandels, die bis zum heutigen Tag andauert.
Zu diesem Wandel gehört selbstverständlich die Digitalisierung von Prozessen in der Verwaltung. Das war bereits Ende letzten Jahres Gegenstand des “Masterplan Digital Verwaltung – Arbeiten 4.0”. Rund 100 Seiten umfasst das Konzept, das neben der Verwaltung auch Themen wie WLAN- und Glasfaserausbau im Stadtgebiet enthält.
Mit dem “Memorandum zur Digitalisierung 2020 bis 2025” [1] haben nun fraktionsübergreifend Politiker ergänzend zu diesem Masterplan gefordert, dass in der der Stadtverwaltung wo immer möglich freie Software zum Einsatz kommen solle. Wer proprietäre Programme will, muss das künftig gut begründen. Vorangegangen waren diesem Paukenschlag allerdings lange Gespräche mit Verantwortlichen in den beteiligten Stellen und genaue Analysen des Bedarfs. Die Initiative DO-FOSS hat hier dicke Bretter gebohrt.
Aber Moment, freie Software in der Verwaltung? Klingelt’s da nicht irgendwo? Richtig, München hat Ende 2017 das Projekt LiMux zu Grabe getragen, mit dem es ebenfalls die Verwaltung auf freie Software umstellen wollte [2]. Dass Microsoft damals die Zentrale für Deutschland just zu diesem Zeitpunkt in die bayrische Metropole verlagerte, gibt bis heute Anlass zu Spekulationen. Immerhin durften die Manager des Konzerns in der Folge die Planung für den Rollback auf Windows übernehmen.
Während sich also meine Wahlheimat München in Sachen freier Software, freier Standards und der damit verbunden Möglichkeiten mit Anlauf ins Abseits gespielt hat, gehen die Politiker in Dortmund sogar noch einen Schritt weiter und unterstützen ein Anliegen, das die Free Software Foundation Europe formuliert hat: Staatlich finanzierte Software muss frei sein [3].
Wie immer bleibt am Ende abzuwarten, ob die Konzepte den harten Test der Realität überstehen. Erfahrungen mit gescheiterten Großprojekten hat Dortmund ja schon gelegentlich gemacht [4]. Wünschen würde ich den Verantwortlichen und Bürgern der Stadt den Erfolg schon, denn das Projekt hat Strahlkraft und birgt gleichzeitig das Potenzial für eine nachhaltige IT-Landschaft in der Verwaltung, in der nicht nur ein Marktführer dominiert.
Herzliche Grüße,
Andreas Bohle
Stellv. Chefredakteur
Infos
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“Memorandum für Digitalisierung 2020 bis 2025”: https://projekt.do-foss.de/attachments/791/2021-01-19_-_CDU__Buendnis_90_-_DIE_GRUENEN__SPD__Linke+_-_Memorandum_zur_Digitalisierung_2020_-_2025.pdf
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Ende von LiMux: Jörg Luther, “Editorial”, LU 01/2018, S. 3, https://www.linux-community.de/39921
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“Public money, public code”: https://publiccode.eu/de/
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UFO am Dortmunder Hauptbahnhof: https://www.irpud.raumplanung.tu-dortmund.de/pro/ufo/ufo.htm



