Gegensätzliche technische und gesellschaftliche Ansätze wie bei Microsoft und der Linux-Community schließen ein kooperatives Miteinander nicht aus, wenn nicht die Ideologen das Steuer übernehmen, findet der stellvertretende Chefredakteur Andreas Bohle.
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
beinahe seit meinem ersten Arbeitstag bei LinuxUser vor rund 20 Jahren war die Konkurrenz zwischen dem Betriebssystem aus Redmond und dem freien Betriebssystem, zwischen Microsoft Windows und Linux ein Teil meines Alltags. Die jungen Rebellen aus der Community rüttelten dabei mit großem Eifer am Thron des etablierten Herrschers über Server und Desktops.
Dabei nahm der US-Software-Gigant Linux schon sehr früh als Konkurrenz wahr, wie die sogenannten Halloween-Dokumente belegen [1]. Verstieg sich der frühere CEO, Steve Ballmer, seinerzeit noch zur Aussage, es handele sich bei Linux um ein Krebsgeschwür, zeigt er sich in jüngerer Vergangenheit etwas einsichtiger und wohlwollender [2].
Dabei handelt es sich aber wohl keineswegs um Altersweisheit; da greift schlicht die Erkenntnis, dass der lästige Gegner einfach nicht kleinzukriegen ist. Das Unternehmen hat schon längst die Strategie gewechselt und begann Partnerschaften und Kooperationen. Mit dem Kauf von Github [3] erwarb es sogar einen wichtigen Baustein der Infrastruktur, auf dem viele freie Projekte fußen. Das sahen und sehen viele Mitglieder der Community durchaus kritisch. Zu guter Letzt entwickelt Microsoft sogar eine eigene Linux-Variante [4].
Bis vor Kurzem hat auch unsere Redaktion Microsoft-Produkte nur aus kritischer Distanz beobachtet. Das ändert sich mit dieser Ausgabe: Die Rechner für das Layout und den Umbruch der Artikel haben wir von MacOS auf Windows umgestellt. Der Grund ist vergleichsweise banal: Nach der Übernahme der Objekte LinuxUser, Raspberry Pi Geek und Linux-Magazin durch den Fürther Verlag Computec Media gehört das zu den notwendigen Maßnahmen, um die Infrastruktur auf eine einheitliche Basis zu stellen.
Mit dem Wechsel gehen einige kleine, aber durchaus sichtbare Änderungen im Layout einher. In erster Linie betreffen sie aber Schriften. Alle Standardelemente, wie die Verweise auf Links, Infos oder Downloads haben wir ansonsten unverändert beibehalten. Wie Sie diese am besten nutzen, lesen Sie im README ab Seite 96.
Auf unseren Arbeitsrechnern läuft weiterhin Linux, und in unserem Workflow spielen freie Tools auch künftig die tragende Rolle. Ebenfalls nicht ändern wird sich, dass wir das Tun von Microsoft kritisch, aber unideologisch begleiten – sei es aus der Ferne oder, wie eben seit Neuestem, ganz aus der Nähe.
Herzliche Grüße,
Andreas Bohle
Stellv. Chefredakteur
Infos
- Halloween-Dokumente: https://en.wikipedia.org/wiki/Halloween_documents
- Steve Ballmer macht eine 180-Grad-Wende: https://www.zdnet.com/article/ballmer-i-may-have-called-linux-a-cancer-but-now-i-love-it/
- Editorial: Jörg Luther, “Sauve qui peut”, LU 07/2018, S. 3, https://www.linux-community.de/40386
- Bug-Bounty für Azure Sphere OS: https://www.theverge.com/2020/5/6/21249038/microsoft-azure-sphere-bug-bounty-security-hacking




“Nach der Übernahme der Objekte LinuxUser, Raspberry Pi Geek und Linux-Magazin durch den Fürther Verlag Computec Media gehört das zu den notwendigen Maßnahmen, um die Infrastruktur auf eine einheitliche Basis zu stellen…”
Weshalb nicht Linux / Scribus oder etwas in der Art?
“Mit dem Wechsel gehen einige kleine, aber durchaus sichtbare Änderungen im Layout einher. In erster Linie betreffen sie aber Schriften.”
Was haben Schriften mit einem Betriebssystemwechsel zu tun?
Hallo Herr Meier, tatsächlich haben wir schon mal mit dem Entwickler von Scribus zusammengearbeitet, um unser Layout auf die Software umzustellen. Von mir aus dürfte das auch gerne passieren, aber zum einen ist die gesamte Druckbranche fest auf die von Adobe vorgegeben Workflows eingestellt, zum anderen ist das Admin-Team, das die Rechner betreut, aufgrund deren Vorgeschichte sehr fit im Einsatz der genannten Produkte. Außerdem würden wir in Haftungsfragen vermutlich immer auf Schwierigkeiten stoßen, wenn wir auf eine Kombination setzen, die die Druckerei nicht unterstützt. Das ist dann eben auch eine wirtschaftliche Abwägung. Was die Schriften angeht, so haben Sie recht,… Mehr »