Gitarre, Mikrofon, USB-Soundkarte – mit diesen drei Utensilien und einem Linux-Rechner steht Ihrer ersten professionellen Aufnahme nichts mehr im Wege. LinuxUser stellt zwei Geräte vor, die sich speziell gut für Aufnahmen eignen.
Die meisten PCs bringen von Haus aus eine Soundkarte mit, über die das Playback auch unter Linux problemlos funktioniert. Wer jedoch über seinen Rechner Musik aufzeichnen will, kommt an einer speziellen Soundkarte in der Regel nicht vorbei. Für das mobile Studio eignen sich USB-Geräte am besten. Dieser Artikel stellt zwei davon vor (siehe Tabelle “Testgeräte”).
Testgeräte
Schnelle Tracks
Das kleinere M-Audio-Gerät, Fast Track, eignet sich in erster Linie für Musiker, die sich auf der Gitarre oder einem E-Piano singend begleiten möchten. Dazu schließen Sie das Mikrofon über den XLR-Stecker an, das Instrument per Klinkenstecker. Über den Cinch-Ausgang hören Sie dann die Musik per Monitor oder Stereo-Anlage. Je nach Mikrofon und Instrument benötigen Sie aber einen zusätzlichen Verstärker: In den Tests mit E-Gitarre und Mikrofon war die Gitarre kaum zu hören.
Das größere Modell Fast Track Pro bringt für dieses Problem die Lösung gleich mit, da sich beide Instrumenten-Eingänge separat regeln lassen. Ein zusätzlicher Pad-Button reduziert die Lautstärke um weitere 20 Dezibel. Auch hier besteht die Möglichkeit, den Sound über die Cinch-Ausgänge mitzuhören, in den Tests hörten wir allerdings nur Eingang 1. Der 6,3-mm-Kopfhörerausgang eignet sich somit besser als Monitor.
Für Midi-Freaks stellt das Fast Track Pro je einen Ein- und Ausgang bereit. Auch DJs dürften an der Soundkarte Ihre Freude haben: Über ein separat erhältliches Netzteil lässt sich das Gerät auch ohne USB-Anschluss als Mini-Mischpult benutzen, um zum Beispiel Tracks vorzuhören. Dazu benutzen Sie den Mix-Regler kombiniert mit dem A/B-Schalter. Auf der Geräterückseite befinden sich zudem auch Midi- sowie S/PDIF-Schnittstellen (Abbildung 1).
Die Funktionsweise beider Geräte sowie sämtlicher Knöpfe und Drehregler erklärt die Dokumentation auf der beiliegenden Treiber-CD ausführlich und leicht verständlich. Auf der CD finden sich zudem 148 Schlagzeug-Loops im WAV- und AIFF-Format (Fast Track), beziehungsweise 148 Schlagzeug-Loops im WAV-Format sowie 20 komplette Drumsets im MP3-Format mit einer Länge zwischen 2 und 5 Minuten (nur Fast Track Pro). Für Windows-Benutzer liegen zudem die Programme GT Player Express und Live Lite bei. Die Pro-Variante enthält Live Lite in Version 5, dem kleineren M-Audio-Gerät lag Version 4 bei.
Let’s rock
Als Aufnahmeprogramme eigenen sich zum Beispiel Audacity [1] oder Ardour [2]. Wir verwendeten Audacity, da es sich für den schnellen Einstieg deutlich besser eignet. Hier müssen Sie zunächst über Bearbeiten | Einstellungen unter Audio E/A das passende Aufnahmegerät auswählen (Abbildung 2). Findet sich kein Fast-Track-Eintrag in der Liste, gibt es Probleme mit dem Soundsystem – oder Sie haben Audacity vor dem Anschließen der USB-Soundkarte gestartet. Nutzen Sie nur einen Kanal des Fast-Track-Geräts, wählen Sie bei Kanäle den Eintrag 1 (Mono).
Die Aufnahme in Audacity bereitet keine größeren Schwierigkeiten. Klicken Sie zunächst auf den schwarzen dreieckigen Pfeil rechts vom Mikrofonsymbol (Abbildung 3, grün markiert) und wählen Sie den Eintrag Anzeige aktivieren aus. Spielen oder singen Sie jetzt etwas, so schlägt die Anzeige aus: Bei Mono-Instrumenten der rechte oder linke Kanal, bei Stereoaufnahmen beide. Audacity zeigt den Ausschlag mit einem blauen Balken an. Achten Sie darauf, dass dieser im sichtbaren Bereich bleibt. Übersteuert der Eingang permanent, müssen Sie die Lautstärke des Instruments reduzieren oder die Pad-Funktion aktivieren (nur bei der Pro-Variante). Eine zu leise Aufnahme verstärken Sie nachträglich über Effekt | Verstärken; haben Sie die Aufnahme hingegen übersteuert, lässt sie sich in den meisten Fällen nicht benutzen.

Abbildung 3: Achten Sie darauf, dass die Aussteuerungsanzeige während der Aufnahme immer unterhalb des blauen Balkens bleibt.
Um über eines der Drumsets abzuspielen, öffnen Sie zuerst die MP3-Datei in Audacity und markieren dann unter Bearbeiten | Einstellungen die Option Multiplay: Bestehende Spuren während einer Aufnahme mithören. Klicken Sie jetzt auf den Aufzeichnungsknopf, fängt Audacity automatisch an, die bestehenden Spuren abzuspielen. Zusätzlich können Sie auch die Option Software Playthrough: Neue Spur während der Aufnahme mithören ankreuzen. In den Tests kam es dabei aber unter Suse und Fedora zu ungewollten Verzerr- und Nebeneffekten. Ubuntu Dapper meisterte das Playthrough hingegen problemlos.
Teufel im Detail
Hören Sie sich Ihre erste Aufnahme an, dann stellen Sie vermutlich fest, dass die selbst aufgenommene Gitarrenspur dem Schlagzeugrhythmus hinterherhinkt. Abhilfe schaffen Sie, indem Sie die erste Spur (das Schlagzeug) leicht nach rechts verschieben. Klicken Sie dazu auf das Verschiebewerkzeug (Abbildung 3, rot markiert) und passen Sie die zwei Spuren per Drag & Drop einander an. Eventuell müssen Sie die Spuren zur genauen Justierung über das Lupenwerkzeug zunächst vergrößern. Mit etwas Übung funktioniert das ziemlich gut. Abgesehen von dieser leichten Zeitversetzung gab es in den Tests keine Timingprobleme: Eine dreiminütige Gitarrenaufnahme passte am Schluss immer noch zum Schlagzeug.
Audacity bringt ein kleines Effekt-Repertoire mit, das Sie über den Menüpunkt Effekt erreichen. Probieren Sie doch einmal Phaser und Wahwah aus. Über die Installation des Paketes ladspa landen weitere Plugins auf Ihrem Rechner, von denen Audacity ebenfalls Gebrauch macht.
Allerdings mangelt es Linux zurzeit an einem brauchbaren Verzerr-Effekt für E-Gitarren. Für einen satten Röhrensound empfiehlt es sich deshalb, die E-Gitarre an einen echten Verstärker anzuschließen und dann den Ausgang des Verstärkers mit dem M-Audio-Gerät zu verbinden. Gute Resultate erzielen Sie auch, wenn Sie den Gitarren-Amp direkt mit einem Mikrofon abnehmen. Möchten Sie den PC einfach anstelle eines echten Gitarrenverstärkers einsetzen, benutzen Sie am besten Gnuitar [3] oder Gtkgep [4]. Sie finden die zwei Programme auch auf der Heft-CD.
Fazit
Die zwei M-Audio-Geräte bieten für Amateuren und Profi-Musikern gleichermaßen eine solide Grundlage. Wer lediglich sich selbst auf der Gitarre mit Gesang begleiten möchte, ist mit der kleineren Fast-Track-Karte gut bedient. Für kompliziertere Zusammenstellungen lohnt aber die Anschaffung der Fast Track Pro, da sie deutlich mehr Möglichkeiten schafft. Die Zusammenarbeit mit Linux funktioniert bei beiden Geräten gut.
Glossar
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XLR
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Industriestandard für elektrische Steckverbindungen. XLR-Stecker kommen vor allem im professionellen Bereich für Mikrofone und Lautsprecher zum Einsatz.
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S/PDIF
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Sony/Philips Digital Interface. Bus- und Schnittstellenspezifikation für die Übertragung digitaler Audiosignale zwischen verschiedenen Geräten.
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AIFF
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Audio Interchange File Format. Von Apple entwickeltes Standard-Audioformat für den Macintosh, das ohne Datenkompression arbeitet.
[1] Audacity: http://audacity.sourceforge.net
[2] Ardour: http://ardour.org
[3] Gnuitar: http://www.gnuitar.com
[4] Gtkgep: http://gtkgep.prv.pl









