Unforeseen Incidents verknüpft eine Spannung mit leichter Rätselkost

Aus LinuxUser 03/2019

Unforeseen Incidents verknüpft eine Spannung mit leichter Rätselkost

© Computec Media

Unvorhergesehene Zwischenfälle

Im klassischen Point-and-Click-Adventure Unforeseen Incidents müssen Sie die Ursache einer tödlichen Krankheit herausfinden. Dabei stolpern Sie in eine gefährliche Verschwörung.

Das Telefon klingelt. Nur widerwillig erhebt sich Harper Penderell von der Matratze, die auf der Erde seines Bastelraums liegt. Am anderen Ende der Leitung meldet sich Professor MacBride (Abbildung 1). Der hat wieder einmal Probleme mit seinem Laptop, den er aber dringend braucht, um damit seine Forschungsergebnisse auszuwerten.

Abbildung 1: In Gesprächen wie hier mit dem Professor erfährt man nicht nur Wissenswertes über die Person selbst, sondern auch Hinweise auf die Lösung der Puzzles.

Abbildung 1: In Gesprächen wie hier mit dem Professor erfährt man nicht nur Wissenswertes über die Person selbst, sondern auch Hinweise auf die Lösung der Puzzles.

Als leidenschaftlicher Technik-Fan schnappt sich Harper sein universelles Multitool, das einem umfangreichen Schweizer Messer ähnelt, und macht sich damit auf zu MacBrides Labor – nicht ahnend, dass so ein Abenteuer beginnt.

Epidemie mit Fragezeichen

Im Labor löst die schnelle Reparatur eines Kabels das Problem. Der bekennende Studienabbrecher Harper könnte sich jetzt eigentlich wieder den langweiligen Dingen des Lebens zuwenden – wäre da nicht eine stark blutende Frau, die er auf dem Heimweg im Zentrum der Kleinstadt findet. Sie weist alle Symptome eines seltsamen Virus auf, das derzeit in der Gegend grassiert. Die Krankheit ist nicht nur hochgradig ansteckend, sondern verläuft außerdem in kurzer Zeit tödlich.

Die Frau bittet Harper, ein wichtiges Dokument über die Herkunft des aggressiven Erregers zu einer Journalistin ins Hotel am Stadtrand zu bringen. Noch bevor Harper die Situation vollständig begreift, alarmiert eine in Panik geratene Anwohnerin allerdings die RHC. Diese Gesundheitsorganisation untersucht die Krankheit im Auftrag der Regierung und sorgt zugleich für passende Quarantäne-Maßnahmen.

Obwohl die Regierung beteuert, das Virus im Griff zu haben, breitet es sich langsam immer weiter im Land aus. In die Quarantäne aufgenommene infizierte Personen tauchen zudem nie wieder auf. Obendrein reagiert die RHC erstaunlich effektiv: Nur wenige Sekunden nach der Nachricht holen Männer in gelben Schutzanzügen die Erkrankte ab (Abbildung 2).

Abbildung 2: Noch bevor Harper die todkranke Frau weiter befragen kann, nehmen zwei Angestellte der RHC sie mit.

Abbildung 2: Noch bevor Harper die todkranke Frau weiter befragen kann, nehmen zwei Angestellte der RHC sie mit.

Mit den Dokumenten in der Hand bleibt Harper Penderell nichts anderes übrig, als die Journalistin zu suchen. Hilfe erhält er von Professor MacBride, der sich als Forscher für das neuartige Virus interessiert und sogar hofft, ein Gegenmittel zu finden. Damit beginnt eine gefährliche Reise, auf der Harper viele schräge Charaktere trifft und bei der sein Multitool eine bedeutende Rolle spielt.

Klassische Klicks

Im Point-and-Click-Adventure Unforeseen Incidents steuern Sie die Geschicke von Harper Penderell. Genretypisch schickt ein Mausklick den Helden zum entsprechenden Punkt in der Landschaft. Nach einem Klick auf einen Gegenstand gibt Harper entweder einen Kommentar ab (Abbildung 3) oder hebt das entsprechende Objekt auf. Sämtliche so aufgelesenen Fundstücke sammelt das Spiel in einer Leiste am oberen Bildschirmrand (Abbildung 4).

Abbildung 3: Harper tendiert zu leichtem Sarkasmus. Klicken Sie ein Objekt wiederholt an, liefert er sogar unterschiedliche Kommentare.

Abbildung 3: Harper tendiert zu leichtem Sarkasmus. Klicken Sie ein Objekt wiederholt an, liefert er sogar unterschiedliche Kommentare.


Abbildung 4: Zusammengehörende Objekte gruppiert das Inventar am oberen Bildschirmrand. Mit einem Klick auf das Multitool öffnen sich beispielsweise sämtliche Werkzeuge.

Abbildung 4: Zusammengehörende Objekte gruppiert das Inventar am oberen Bildschirmrand. Mit einem Klick auf das Multitool öffnen sich beispielsweise sämtliche Werkzeuge.

Per Drag & Drop lassen sich verschiedene Gegenstände miteinander kombinieren. Gespräche mit den Bewohnern laufen wiederum nach dem bewährten Multiple-Choice-Prinzip ab. Auf diese Weise gilt es, zahlreiche Rätsel zu lösen und so gleichzeitig die Geschichte voranzutreiben. Möchten Sie nicht die komplette Szene absuchen, drücken Sie die Leertaste, und das Spiel zeigt alle Gegenstände und Personen an, mit denen Interaktionen möglich sind.

Während derzeit viele Point-and-Click-Adventures auf Cartoon- oder verpixelte Grafiken setzen, kommt Unforeseen Incidents in einer ganz eigenen Optik daher. Die von Hand gezeichneten Grafiken erscheinen wie eine Mischung aus einem Comic für Erwachsene und einer schnell hingekritzelten, kolorierten Skizze mit einem Bleistift. Das unterstreicht die etwas düstere Hintergrundgeschichte und sorgt für eine stimmungsvolle Atmosphäre.

Demgegenüber stehen die extrem reduzierten und ungelenken Animationen: So wirkt Harper, als ginge er auf Beinen aus Holz. Einige wichtige Aktionen zeigt das Spiel zudem nicht im Bild. Das lässt sich noch verschmerzen, wenn Professor MacBride dem Helden etwas Blut abzapft. Anders sieht es bei einer Schlüsselszene mit einem großen Traktor aus, in der das Spiel einfach den Bildschirm schwarz schaltet und ein passendes Geräusch einspielt.

Man spricht Deutsch

Wer Unforeseen Incidents in englischer oder deutscher Sprache spielt, darf sich über eine komplette Vertonung freuen. In der deutschen Version leihen sogar bekannte Synchronsprecher und Schauspieler den Figuren ihre Stimmen. Dazu zählt etwa Oliver Rohrbeck, der deutsche Synchronsprecher von Ben Stiller. Trotz der professionellen Sprecher klingt die deutsche Variante hin und wieder etwas holprig und unmotiviert.

Unforeseen Incidents ist das Erstlingswerk des Bochumer Entwicklerstudios Backwoods Entertainment. Um den Vertrieb kümmert sich Application Systems Heidelberg, dessen Online-Shop das Spiel für knapp 20 Euro anbietet [1]. Alternativ erwerben Sie das Game bei Gog.com [2], auf der Plattform Steam [3] und im Humble Store [4]. In Letzterem erhalten Käufer allerdings nur einen Schlüssel, um das Spiel auf Steam freizuschalten.

Im Online-Shop von Application Systems Heidelberg sowie bei Gog.com gibt es eine Version ohne Kopierschutz. Auf Gog.com bekommen Sie auf Wunsch für jeweils 2,40 Euro noch ein digitales Art Book und den Soundtrack zum Spiel. Steam bietet diese Extras zusammen mit dem Adventure in einem Paket für knapp 22 Euro an. In jedem Fall liegt das Spiel sowohl in einer 32- wie einer 64-Bit-Fassung vor.

TIPP

Starten Sie Unforeseen Incidents unter Gnome, dann erhalten Sie die Nachricht, dass das Spiel nicht antwortet. Warten Sie einfach einen Moment: Nach einer kurzen Pause lädt Unforeseen Incidents trotzdem.

Fazit

Unforeseen Incidents präsentiert sich als klassisches Point-and-Click-Adventure mit einer spannend inszenierten Geschichte. Für erfahrene Abenteurer stellen die Rätsel allerdings keine größere Herausforderung dar. Die Puzzles selbst weisen jedoch durchweg eine logische Struktur auf und betten sich sinnvoll in die Handlung ein (Abbildung 5).

Abbildung 5: Ab und an lösen Sie als Spieler Rätsel. In diesem Fall gilt es, die Quadrate so per Mausklick zu drehen, dass alle Ordner rot aufleuchten.

Abbildung 5: Ab und an lösen Sie als Spieler Rätsel. In diesem Fall gilt es, die Quadrate so per Mausklick zu drehen, dass alle Ordner rot aufleuchten.

Die ebenso skurrilen wie liebenswerten Charaktere und der sarkastische Humor des Protagonisten lockern die ernste und etwas mystische Handlung durchweg leicht auf. Trotz der holprigen Animationen gehört Unforeseen Incidents zu den besten Adventures der letzten Monate und ist seine 20 Euro mehr als wert. 

Entwickler

Backwoods Entertainment / Application Systems Heidelberg

Lizenz

kommerziell

Preis

20 Euro

Bezugsquelle

Gog.com, Steam, Humble Store, Direktvertrieb

USK

keine offizielle Angabe

Voraussetzungen

aktuelle Linux-Distribution (offiziell: Ubuntu ab Version 12.04, SteamOS), Intel Core 2 Duo ab 2 GHz, Grafikkarte mit 1 GByte Speicher, 4 GByte RAM, 6 GByte Festplattenplatz

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