Dungeons 3 lockt mit finsteren Verliesen und unkonventioneller Strategie

Aus LinuxUser 12/2018

Dungeons 3 lockt mit finsteren Verliesen und unkonventioneller Strategie

© Steam

Im tiefen Keller

Einmal so richtig böse sein – das ermöglicht ein Strategiespiel von Realmforge. In ihm schlüpft der Spieler in die Rolle eines Bösewichts, der sein eigenes schauriges Verlies errichtet.

Schon wieder: Ein gutmütiger Ritter versucht samt angriffslustigem Gefolge ins mühevoll aufgebaute Verlies einzudringen. Die eigentlich als Gegenwehr angeheuerten Orks und Kobolde holen sich allerdings gerade etwas zu Essen auf der Hühnerfarm. Und die hätten Sie vielleicht doch nicht ganz hinten im Verlies anlegen sollen.

Da bleibt nur, die Monster einzeln am Schlafittchen zu packen und direkt am Eingang vor dem Schwert schwingenden Ritter abzuwerfen. Ausgerechnet jetzt ist aber noch Zahltag, der die nicht sehr hohen Goldreserven fast auf eine schwarze Null drückt. Und als wäre das noch nicht genug, droht das Bier auszugehen.

Tiefe Baugrube

Mit diesen Problemen sehen Sie sich als Bösewicht im Alltag des Strategiespiels Dungeons 3 [1] konfrontiert. Als Kerkermeister errichten Sie Ihr eigenes kleines Verlies und versuchen dabei gleichzeitig, die blühenden Landschaften der Oberwelt in Schutt und Asche zu legen.

Den Ausgangspunkt bildet eine Höhle mit einem großen roten Kristall. Schaffen es die viel zu netten Helden, dieses Dungeon-Herz zu zerstören, ist das Spiel unweigerlich beendet. Um das zu verhindern, brauchen Sie umgehend eine Armee in Form von möglichst fiesen Monstern. Die fordern jedoch regelmäßig Sold, Unterkunft und angemessene Verpflegung.

Als Helfer stehen dem bösen Spieler ein paar kleine Schnodderlinge zur Seite. Diese graben auf Ihren Befehl hin Stollen in den Berg und errichten in den dabei angelegten Höhlen die benötigten Räume (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Bau einer Behausung läuft immer nach dem gleichen Prinzip ab: Zunächst markieren Sie mit der Maus Gesteinsblöcke, die die Schnodderlinge dann abbauen.

Abbildung 1: Der Bau einer Behausung läuft immer nach dem gleichen Prinzip ab: Zunächst markieren Sie mit der Maus Gesteinsblöcke, die die Schnodderlinge dann abbauen.

Auf diese Weise entsteht zunächst ein Schlafsaal (Abbildung 2) nebst einer kleinen Guru-Guru-Farm. In Letzterer züchten Sie Wesen ähnlich irdischer Truthähne, die den Hunger der Monster stillen (Abbildung 3).

Abbildung 2: Anschließend legen Sie die Nutzungsart der entsprechenden Freifläche fest. Hier entsteht ein Schlafraum für Orks, Kobolde und andere Anhänger der Horde.

Abbildung 2: Anschließend legen Sie die Nutzungsart der entsprechenden Freifläche fest. Hier entsteht ein Schlafraum für Orks, Kobolde und andere Anhänger der Horde.


Abbildung 3: Das Bett jedes Bewohners nimmt im Schlafsaal entsprechend viel Platz ein. Links oben ist bereits eine Guru-Guru-Farm in Betrieb.

Abbildung 3: Das Bett jedes Bewohners nimmt im Schlafsaal entsprechend viel Platz ein. Links oben ist bereits eine Guru-Guru-Farm in Betrieb.

Es lohnt sich, die Größe der Räume vorausschauend zu wählen: Eine wachsende Zahl an Bewohnern zwingt das eigene Alter Ego in Form des Kerkermeister dazu, im Verlauf anzubauen. Verwinkelte Höhlen könnten sich später im Spiel als Bumerang erweisen – schließlich passen in die schmalen Gängen deutlich weniger sperrige Betten.

Wer jedoch zu großzügig dimensioniert, bekommt ebenfalls Probleme: Zum einen ist der Platz unter der Erde begrenzt, zum anderen kostet jeder Meter Ausbau einen Teil der knappen Goldreserven. Aus Letzterer begleichen Sie außerdem regelmäßig den Sold, den die Monster einfordern. Um das Vermögen wieder aufzustocken, weisen Sie die Schnodderlinge an, die im Erdreich verteilten Goldadern abzubauen. Als Lagerstädte dient zunächst das Dungeon-Herz, weitere Kapazitäten halten extra angelegte Schatzkammern bereit.

Haben Sie das Verlies vorbereitet, heuern Sie gegen entsprechende Barmittel die ersten Monster an. Jedes von ihnen bringt seine ganz eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten mit. So stecken etwa die Orks mehr Treffer ein als die Kobolde, die sich im Gegenzug jedoch schneller fortbewegen.

Lehrgeld

Ebenfalls gegen Bargeld verbessern Sie die Fähigkeiten der Monster und erforschen weitere Raumtypen (Abbildung 4). Dazu zählt etwa eine Werkstatt, in der die Schnodderlinge Werkzeugkisten herstellen. Mit diesen montiert dann ein Kobold in der Manufaktur dringend benötigte Fallen (Abbildung 5).

Abbildung 4: Einige Räume, Zaubersprüche und Monster dürfen Sie nur in einer ganz bestimmten Reihenfolge erforschen. Einige Kreaturen setzen zudem Bevölkerungspunkte voraus, die Sie hier gegen einen entsprechenden Betrag erhöhen.

Abbildung 4: Einige Räume, Zaubersprüche und Monster dürfen Sie nur in einer ganz bestimmten Reihenfolge erforschen. Einige Kreaturen setzen zudem Bevölkerungspunkte voraus, die Sie hier gegen einen entsprechenden Betrag erhöhen.


Abbildung 5: Wer Eindringlinge mit Fallen aufhalten möchte, muss diese riesige Maschine errichten und einen Kobold abstellen.

Abbildung 5: Wer Eindringlinge mit Fallen aufhalten möchte, muss diese riesige Maschine errichten und einen Kobold abstellen.

Die fertigen Fallen stellt dann ein Schnodderling an der von Ihnen markierten Position auf (Abbildung 6). Für jede Falle benötigt der Kobold eine vorgegebene Anzahl Werkzeugkisten, die Sie zunächst in der Werkstatt lagern. Wie bei allen anderen Produktionsstätten gilt es daher, genügend Flächen für diesen Zweck einzuplanen.

Abbildung 6: Während einige Fallen wie hier die aus der Erde schießenden Speere automatisch auslösen, muss der Spieler andere im richtigen Moment manuell betätigen.

Abbildung 6: Während einige Fallen wie hier die aus der Erde schießenden Speere automatisch auslösen, muss der Spieler andere im richtigen Moment manuell betätigen.

Bei einigen Monstern ist es erst dann möglich, diese zu rekrutieren, wenn das Verlies ganz bestimmte Räume anbietet. So kommen Dämonen erst dann in den Dungeon, wenn die Schnodderlinge ein Tor zur Unterwelt eingerichtet haben. Nützlich ist darüber hinaus eine Folterkammer, in der Sie gefangene Helden mit subtilen Mitteln überzeugen, zur dunklen Seite zu wechseln. Mit zunehmendem Ausbau des Dungeons steigen aber die Ansprüche der Monster. Sie verlangen etwa nach Bier, für das Sie eine Brauerei einrichten müssen.

Bei Angriffen greifen Sie den kämpfenden Monstern bei Bedarf mit Zaubersprüchen unter die Arme und entfesseln auf diese Weise etwa einen Schauer aus Meteoriten (Abbildung 7). Jeder Zauber kostet die fiktive Währung Mana, die Sie ähnlich wie Gold im Erdreich abbauen. Alternativ weisen Sie die Wesen Imps an, dies in entsprechenden Räumen zu generieren.

Abbildung 7: Jeder Zauberspruch kostet nicht nur Mana, sondern muss sich nach der Anwendung erst wieder regenerieren. Der grüne Kreis zeigt hier an, wo die Meteoriten heruntergehen.

Abbildung 7: Jeder Zauberspruch kostet nicht nur Mana, sondern muss sich nach der Anwendung erst wieder regenerieren. Der grüne Kreis zeigt hier an, wo die Meteoriten heruntergehen.

Grausig schöne Natur

Die rekrutierte Armee des Bösen schicken Sie schließlich durch den Ausgang in die eindeutig viel zu freundliche Welt an der Oberfläche (Abbildung 8). Dort lautet der Auftrag, die Wachposten der Menschen fachgerecht zu zerlegen und die “Orte des Guten” einzunehmen. Letztgenannte spucken anschließend unablässig Bosheit aus, die Sie wiederum für einige Forschungsprojekte benötigen. So ist es möglich, mit genügend Bosheit die Leistungsfähigkeit der Monster zu verbessern.

Abbildung 8: Schlachten arten schnell zu einem unübersichtlichen Getümmel aus, das weitgehend alleine abläuft. Mit dem grünen Strahl heilt hier gerade das Schlangenwesen seine Kollegen.

Abbildung 8: Schlachten arten schnell zu einem unübersichtlichen Getümmel aus, das weitgehend alleine abläuft. Mit dem grünen Strahl heilt hier gerade das Schlangenwesen seine Kollegen.

Die Engine von Dungeons 3 erzeugt alle Landschaften nach dem Zufallsprinzip. Vor dem Start des Spiels legen Sie lediglich ein Ziel fest, wie etwa das Besiegen eines großen Helden, danach bauen Sie umgehend los. Wer mag, darf die einfallenden Helden deaktivieren und so in Ruhe an seinem Verlies basteln.

Wenn Sie möchten, spielen Sie als Duo aus Bösewichtern im Ko-op-Modus gemeinsam gegen das Gute. Im Mehrspieler-Modus dürfen zudem bis zu vier Personen gegenseitig um die Wette bauen. Beide Modi setzen die Verbindung zu einem Dienst des Entwicklers im Internet voraus.

Abschließend steht für Solospieler eine Kampagne bereit, in der Sie insgesamt bis zu 20 vorgegebene Missionen absolvieren dürfen. Dabei treiben Sie gleichzeitig eine Geschichte um die Dunkelelfen-Priesterin Thalya voran, mit deren Hilfe Sie versuchen, einen Kontinent mit redlichen Bewohnern in eine trostlose Landschaft zu verwandeln. Weitere Missionen rüsten Sie über kostenpflichtige Pakete nach. So führt Sie ein Abenteuer mit dem Namen “Evil of the Caribbean” etwa in südliche Gefilde.

Kult in Serie

Bereits 1997 gruben sich Spieler im legendären Strategiespiel Dungeon Keeper [2] durch die Erde. Die in München ansässigen Realmforge Studios haben das Prinzip des Spiels in ihrer Dungeons-Reihe leicht modernisiert wieder neu belebt. Der erste Teil erschien 2011 ausschließlich für Windows.

In Dungeons 2 aus dem Jahr 2015 war dann erstmals der Weg zur Oberwelt offen. Parallel entstand der Port für Linux [3]. Die Geschichte der Kampagne für Einzelspieler im aktuellen Dungeons 3 knüpft zwar an den zweiten Teil an, Sie brauchen ihn jedoch nicht gespielt zu haben. Quereinsteigern hilft das Spiel mit einem kurzen Tutorial.

Dungeons 3 vertreibt Kalypso Media für knapp 45 Euro bei Gog.com [4], auf Steam [5] und im Humble Store [6]. Nur im Erstgenannten gibt es jedoch eine Version des Spiels ohne Kopierschutz. Wer bei Steam ordert, braucht zwingend den Client der Plattform. Der Humble Store überweist zwar einen Teil des Preises an eine gemeinnützige Organisation, zum Redaktionsschluss erhielten Käufer jedoch nur einen Schlüssel, um das Spiel auf Steam freizuschalten.

Alle genannten Online-Shops bieten für jeweils 5 Euro die Pakete mit den zusätzlichen Funktionen an. Im Fachhandel findet sich zudem eine Box-Version von Dungeons 3 auf DVD. Sie lockt zwar mit einem Dungeons-Untersetzer und dem Soundtrack, setzt aber ebenfalls Steam voraus.

Fazit

Haben Sie sich mit der unnötig komplexen Bedienung arrangiert, macht der Bau der dunklen Verliese in der Regel eine Menge Spaß. Das Forschen, die verschiedenen Bedürfnisse der Monster und die ständig am Eingangstor rüttelnden Helden fesseln an den Bildschirm. Die Entwickler haben das Spiel zudem mit viel Humor gewürzt. Wer die mitunter etwas flachen Witze des Erzählers nicht mag, zügelt ihn jedoch einfach in den Einstellungen.

Sobald in der Oberwelt und im Verlies gleichzeitig Kämpfe toben, bricht allerdings schnell Hektik aus: Durch die überdimensionalen Menüs geht zudem in komplexeren Situationen die Übersicht verloren. Die Kampagne erzählt eine eher belanglose Geschichte, obendrein verläuft jede Mission nach dem gleichen Strickmuster. Trotz dieser kleinen Macken ist das Game genau das Richtige für die verregneten Herbsttage, die bald ins Haus stehen. 

Entwickler

Realmforge Studios / Kalypso Media

Lizenz

Kommerziell

Preis

45 Euro (Gog.com, Steam und Humble Store)

USK

Freigegeben ab 12 Jahre

Voraussetzungen

64-Bit-System, aktuelle Distribution (offiziell unterstützt das Spiel nur Ubuntu ab Version 16.04.3), Prozessor der Klasse Intel Quad Core mit 2,8 GHz (i7-900-Reihe) oder besser, mindestens 4 GByte Hauptspeicher, AMD oder NVIDIA-Grafikkarte mit mindestens 1 GByte Speicher der Klasse AMD Radeon HD 7000 beziehungsweise NVIDIA GeForce GTX 600 oder besser (Besitzer einer Nvidia-Grafikkarte sollten den proprietären Treiber aktivieren.)

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