Die Linux-Distribution elementaryOS erinnert mit ihrer eigenen Desktop-Umgebung Pantheon leicht an macOS. Die neue Version 5 trägt den Codenamen „Juno“ und verbessert das System an vielen Stellen. Programmierer dürfen sich sogar über eine Entwicklungsumgebung freuen.
Desktop
Die Desktop-Umgebung bietet auf Wunsch eine Night-Light-Funktion, bei der sich in den Abendstunden der Bildschirm leicht rötlich färbt. Dies soll die Augen schonen und den Anwender nach der Arbeit schneller zu Ruhe kommen lassen.
Bewegt ein Anwender ein Fenster gegen einen Bildschirmrand, zeigt elementaryOS jetzt mit einem blauen Rahmen an, wo das Fenster nach dem Loslassen der Maus liegen bleibt. Stoßen zwei Fensterkanten aneinander, kann man mit der Maus diese Grenze verschieben. Mit dem Picture-in-Picture-Modus behält man den Inhalt eines Fensters in Form eines kleinen Vorschaubildes immer im Blick, auch wenn man mit einer anderen Anwendung weiterarbeitet.
Das Panel am unteren Bildschirmrand erkennt auf Wunsch selbstständig, ob das Hintergrundbild an seiner Position einen eher dunklen oder einen eher helleren Bereich zeigt und passt die Optik des Panels leicht entsprechend an.
Verschiedene Symbole sind jetzt animiert und lenken so besser die Aufmerksamkeit auf sich. Beispielsweise läutet die Glocke, sobald neue Nachrichten eingegangen sind. Auch die Indicators haben die Entwickler angepasst. So hebt etwa der Date & Time Indicator das aktuelle Datum hervor.
Auf Wunsch präsentiert jetzt ein Fenster alle Tastenkürzel auf einen Blick, zudem bietet emlementaryOS 5 bunte Emojis und Anwender bekommen einen Schwung neuer Bildschirmhintergründe. Die Entwickler haben zudem das Sound-Design und die verwendeten Symbole überarbeitet.
Systemeinstellungen
In den Systemeinstellungen haben die Entwickler die Optionen für die Hintergrundbilder verbessert. Sobald man ein Hintergrundbild auswählt, wandert es automatisch in die Wallpaper-Bibliothek. Das Fenster für die Druckereinstellungen orientiert sich am Aufbau seiner Kollegen und ist einfacher zu bedienen. Auch der Umgang mit Bluetooth-Geräten geht jetzt besser von der Hand: Im entsprechenden Fenster können Anwender direkt neue Geräte entdecken, verbinden (Pairing) und verwalten. Komplett überarbeitet haben die Entwickler auch die Einstellungen für den Sound.
elementaryOS versucht automatisch die Bildschirmauflösung zu erkennen und einen passenden Skalierungsfaktor für den Desktop zu wählen. In der neuen Version können Anwender die Skalierung selbst wählen – allerdings nur zwischen normaler Darstellung und der zweifachen Vergrößerung. Auf Geräten, dessen Bildschirm sich im Betrieb drehen lässt, kann elementaryOS 5 auf Wunsch das automatische Mitdrehen des Desktops abschalten.
Anwender können ab sofort eine beliebige Taste als Compose-Key auszeichnen. Die Auswahl eines Tastaturlayouts gelingt noch einfacher. Das Einfügen aus der Zwischenablage über die mittlere Maustaste lässt sich deaktivieren. Darüber hinaus kann elementaryOS das Touchpad deaktivieren, wenn der Anwender über die Tastatur Texte eintippt.
Die neue „Housekeeping“-Funktion befreit die Festplatte automatisch von temporären und in den Papierkorb verschobenen Dateien.
AppCenter
Angepasst haben die elementaryOS-Entwickler auch die Softwareverwaltung „AppCenter“. Diese hält auch weiterhin speziell auf die Distribution zugeschnittene Programme bereit. Letztgenannte sind zwar Open Source, ihre jeweiligen Entwickler dürfen jedoch auch Geld verlangen. Die Entwickler können dabei einen Preis vorgeben, Käufer dürfen dennoch stets zahlen, was sie wollen („Pay-what-you-want“-Modell). In elementaryOS 5 können Anwender jetzt deutlich einfacher einen Betrag auswählen. Sofern ein Nutzer 0 Euro gewählt und somit die Anwendung kostenlos bezogen hat, bittet ihn das AppCenter erneut um eine Zahlung, sobald das Programm in einer neuen Version vorliegt. Der Anwender kann das Programm dennoch weiterhin kostenlos beziehen, das AppCenter unterbreitet lediglich ein neues Kaufangebot.
Ergänzend können Anwender dem Entwickler einer Software über die neue „Fund“-Schaltfläche eine Spende zukommen lassen und ihn so weiter unterstützen. Die elementaryOS-Entwickler haben zudem das Bezahlfenster überarbeitet, in dem der Käufer seine Kreditkarteninformationen eintippt.
Das AppCenter informiert jetzt auch über die wahrscheinliche Download-Größe und warnt, sofern eine Software nicht für Kinder geeignete Inhalte umfasst.
Musik und Fotos
Die Musikverwaltung Music wartet mit einer überarbeiteten Benutzeroberfläche auf. Die Informationen über ein Album erscheinen jetzt am Rand in einer Seitenleiste.
Das neue dunkle Aussehen von Photos soll das Stöbern in der Fotosammlung und die Bearbeitung der Bilder erleichtern. Das Fenster mit den Effekteinstellungen haben die Entwickler verbessert. Die Anwendung Camera ist noch einfacher zu benutzen und bietet einen neuen Timer mit 3, 5 und 10 Sekunden Verzögerung.
Das Screenshot-Tool hat eine neue helle Optik erhalten und merkt sich seine Einstellung. Beim Speichern schlägt das Werkzeug zudem einen Dateinamen vor, der den aktuellen Skalierungsfaktor des Bildschirms enthält.
Dateien und Terminal
Der Dateimanager Files präsentiert die Ordner-Symbole jetzt in einem Beigeton. Sämtliche Ansichten unterstützen jetzt HiDPI-Monitore. Die Breadcrumb-Leiste hängt bei der manuellen Eingabe eines Pfades automatisch Schrägstriche ans Ende der Ordnernamen an.
Das Terminal kennt zwei weitere Farbschemata: leicht gelblich und mit hohem Kontrast. Wechseln lässt sich das Farbschema schnell in einem neuen Menü, über das Anwender auch die Schriftart wählen können. Über das Kontextmenü können Anwender schnell den Dateimanager Files öffnen. Die Tabs zeigen zudem über ein Symbol an, ob sich der Prozess ordnungsgemäß beendet hat.
Der Browser Epiphany unterstützt jetzt den Firefox Sync-Dienst, die elementaryOS-Entwickler haben zudem der Anwendung eine neue Lesezeichenverwaltung spendiert.
Code
Aus dem Texteditor Scratch wird in elementaryOS 5 die Entwicklungsumgebung Code. Standardmäßig nummeriert sie die Zeilen durch, bietet Vala Symbol-Introspection und einen automatischen Zeilenumbruch. Das automatische Setzen von Klammern haben die elementaryOS-Entwickler verbessert. Am linken Rand wartet eine Dateiverwaltung, die auch Git-Repositories erkennt. Symbole zeigen dabei den jeweiligen Status der Dateien an.
Die Kopfleiste des Hauptfensters bietet ab sofort schnellen Zugriff auf die Einstellungen für Tabulatoren und Leerzeichen sowie die Sprache und das Syntax-Highlighting. Über die entsprechende Funktion springen Anwender schnell zu einer bestimmten Zeile.
Code versetzt sich auf Wunsch in einen „Dark Mode“. Einige optische Einstellungen, wie etwa die Schriftgröße, nehmen Anwender schnell über ein neues Menü vor. Wer draußen in der Sonne arbeitet, kann das Fenster auch mit hohem Kontrast anzeigen lassen. Anwender dürfen sich zudem über neue Tastenkürzel freuen. Unter der Haube haben die elementaryOS-Entwickler das Plug-In-System aufgeräumt.
Erstmals gibt es eine offizielle Farbpalette für elementaryOS-Anwendungen, die Stylesheets hat das Projekt ebenfalls angepasst.
Sämtliche Änderungen listet die offizielle Ankündigung auf. Beim Download bitten die Entwickler um eine Spende. Kostenlos bekommt die Distribution, wer „Benutzerdefiniert“ wählt und dann 0 Dollar eintippt.





